Yoga - macht Spaß & das Leben leichter!

Alles was Du hast ist Jetzt - erschaffe dir eine lebenswerte Zeit!

Nachgedacht & Reingefühlt

Der Geist wird reich durch das, was er empfängt,
das Herz durch das, was es gibt.

                              (Victor Hugo)                       
  

Patanjali war ein indischer Weiser
Inhaltselementeund der Verfasser des Yogasutra,
des klassischen Leitfadens des Yoga,
weshalb er auch als „Vater des Yoga“ bezeichnet wird

 Wie du die Welt siehst

Krishna wollte die Weisheit seiner Könige testen. Er ließ eines Tages den für seine Grausamkeit und seinen Geiz bekannten König Duryodhana zu sich rufen und gab ihm die Aufgabe, durch die ganze Welt zu reisen und einen wahrhaft guten Menschen zu finden und zu ihm zu bringen. Gehorsam machte sich Duryodhana auf die Suche. Er begegnete vielen Leuten und sprach mit ihnen, und nach langer Zeit kehrte er zu Krishna zurück und sagte: „Ich habe auf der ganzen Welt gesucht, wie du mir aufgetragen hast, aber ich habe keinen wahrhaft guten Menschen finden können. Alle sind selbstsüchtig und böse!“

Dann ließ Krishna einen weiteren König namens Dhammaraja zu sich holen. Dhammaraja war bekannt und beliebt für seine Freigiebigkeit und Güte. Krishna gab ihm den Auftrag, die ganze Welt zu bereisen und ihm einen wahrhaft bösen Menschen zu bringen. So machte sich der König auf den Weg und sprach auf der ganzen Welt mit vielen Menschen und kehrte nach einigen Jahren wieder zurück und berichtete Krishna: „Oh Krishna, ich habe versagt. Es gibt Leute, die irregeleitet sind, Menschen, die aus Blindheit handeln, aber nirgends konnte ich einen wahrhaft bösen Menschen finden. Trotz aller ihrer großen oder kleinen Fehler sind sie alle im Herzen gut.“

(Aus "Die spirituelle Schatzkiste" von Arjuna P. Nathschläger)

Ein berühmter Ausspruch aus den Upanishaden lautet: „Tat Tvam Asi“: Du bist das. Du bist, was du siehst, denn was du wahrnimmst, ist durch deinen eigenen Geist, deine Einstellungen, Erfahrungen und Erwartungen gefärbt. So können wir an unserer Umwelt sehr gut ablesen, wie es in unserem Geist aussieht – und daraus lernen!

(von www.yogaakademieaustria.com)

Der vedantische Löwe

Eine Löwin wurde, kurz nachdem sie ihr Junges zur Welt gebracht hatte, von einem Jäger getötet. Das Löwenbaby lag nun allein in der weiten Steppe. Zu seinem Glück kam jedoch noch am gleichen Tag eine Schafherde vorbei und eine mitleidige Schafsmutter beschloss, das Löwenjunge zu adoptieren und gemeinsam mit den eigenen Kindern aufzuziehen.

So wuchs das Löwenkind heran, lernte von seinen neuen Freunden, was ein Schaf wissen muss: Wo man die saftigsten und würzigsten Gräser findet, wie man wie ein Schaf blökt und vor allem, dass man sich vor den großen, gefährlichen Löwen in Acht nehmen muss. Der junge Löwe lernte das alles und beherzigte es; er glaubte tatsächlich, ein Schaf zu sein!

So vergingen einige Jahre, und der Löwe war nun ausgewachsen, groß und mächtig. Obwohl er die anderen Schafe an Größe und Kraft weit überragte, hielt er sich noch immer für ein Schaf. Da kam eines Tages der gefürchtete Löwenkönig aus den Bergen, um sich ein Schaf zu reißen. Er traute seinen Augen kaum, als er inmitten einer Schafsherde einen Löwen friedlich grasen sah!

Erschreckt floh nun die Schafsherde und mit ihr das "Löwenschaf". Der Löwenkönig änderte nun seine Pläne, fing den flüchtenden Schafslöwen ein, der vor Angst zitterte, und brüllte ihn an: „Bist du verrückt? Was machst du hier in der Schafsherde? Frißt du Gras???“

„Was soll ich sonst fressen, ich bin doch nur ein kleines, schwaches Schaf. Bitte tu mir nichts, lass mich laufen. Ich will zu meiner Familie zurück!“

Doch der mächtige Löwe zerrte den Schafslöwen zu einem nahen See und zwang ihn, hineinzuschauen. Da begann es in dem noch immer vor Angst schlotternden Löwen zu dämmern, und allmählich wurde es ihm klar: Er war ein Löwe, und kein kleines, schwaches Schaf.

Er erhob seine Stimme und – nach ein wenig Übung – brüllte er ebenso gewaltig wie sein Lehrer, mit dem er nun in die Berge zog.

(Aus "Die spirituelle Schatzkiste" von Arjuna P. Nathschläge)r


Dein Körper ist dein bester Freund, nie dein Feind - verstehe, was er dir sagen will

von Robert Betz

Wie oft haben Sie sich bei Ihrem Körper schon einmal herzlich bedankt für alles, was er für Sie tut? Dafür, dass er Ihnen rund um die Uhr im besten Sinn dient, sozusagen drei Schichten à acht Stunden lang? Das finden Sie unsinnig? Dürfen Sie, aber wundern Sie sich nicht, wenn er dann irgendwann Symptome und Krankheiten zeigt, die Sie ‚eigentlich‘ nicht haben wollten. Unser Körper ist ein Wunderwerk der Natur, eines der größten Geschenke, die wir in diesem Leben erhalten haben. Aber er hat keinen eigenen Willen und ist dennoch unser perfekter und treuester Diener. Er hört sehr genau hin auf das, was Sie über sich selbst, über Ihr Frau-Sein oder Mann-Sein,  über ihn, den Körper, und über das Leben selbst denken und entsprechend fühlen. Er nimmt Ihre Gedanken, Gefühle, Worte und Handlungsweisen über elektromagnetische Schwingung auf und muss entsprechend darauf reagieren.

Unser physischer Körper könnte allein gar nicht funktionieren, wäre da nicht ein zweiter, nicht-physischer, feinstofflicher Körper (im Gegensatz zum grobstofflichen materiellen Körper), indem unsere mentalen und emotionalen Energien fließen und gespeichert werden. Unser physischer Körper nährt sich nicht nur über unsere Speisen und Getränke, sondern mindestens im selben Maße, eher jedoch noch mehr an diesen nicht-physischen Energien. Vielleicht erinnern Sie sich an den Satz: „Der Mensch lebt nicht vom Brot allein…“Dieser feinstoffliche Körper ist ein Schwingungskörper und wird von seinem Träger durch dessen Gedanken, Gefühle und die Qualität seiner Beziehung zu sich selbst und zum Leben in einen hochschwingenden Zustand versetzt, wenn jemand ‚beschwingt‘, heißt voller Freude und Liebe zu sich durch die Welt geht. Oder er wird belastet und beschwert durch Einstellungen und Verhaltensweisen der Unliebe, durch unser Jammern, Klagen, Ablehnen, Verurteilen und das Unterdrücken unserer Gefühle.

Das Zentrum dieses feinstofflichen Körpers, der den materiellen Körper umhüllt und völlig durchdringt, ist ein Herz mitten in unserer Brust, das kein Chirurg finden kann, das entweder offen oder bei den meisten mehr oder weniger verschlossen ist, seit wir in der Kindheit gelernt haben, uns selbst, das Leben und die ersten Mitmenschen abzulehnen und zu verurteilen. Zusammen mit diesem feinstofflichen Herzen, unserem energetischen Zentrum, besitzt unser Körper zahlreiche Energiezentren oder besser Energiespiralen, von denen bisher den meisten nur 7 als ‚Hauptchakren‘ bekannt sind. Durch diese Chakren empfangen wir ständig Energie aus Mutter Erde und dem Kosmos, so dass jeder Energiemangel oder chronische Erschöpfung völlig unnatürlich ist. Jedes dieser Haupt-Chakren ist unmittelbar mit einer unserer Drüsen verbunden. Fließt die Energie in diesen Chakren nicht so, wie sie das tun will, wird eine unserer Drüsen in ihrer Funktion beeinträchtigt. Zum Beispiel reagiert unsere Schilddrüse darauf, wenn wir unser Hals-Chakra, das Chakra des Selbstausdrucks, einmal verschlossen und glaubten, wir dürften vieles nicht aussprechen, was doch unsere Wahrheit ist und uns nicht so zeigen, wie wir sind. Oder die Bauchspeicheldrüse reagiert auf unser beeinträchtigtes Solarplexus-Chakra, wenn wir uns einmal – oft nach Schicksalsschlägen wie dem Verlust eines Menschen - entschieden, uns jetzt nicht mehr freuen zu dürfen.

Wenn wir uns selbst ablehnen, nicht lieben und uns selbst nicht der erste Freund/die erste Freundin sind, dann erhält dieser Körper nicht nur weit weniger Energie, sondern er wird durch unsere ablehnenden, nicht von Liebe getragenen Gedanken sehr geschwächt. Er tut seine Arbeit, so gut er kann (und er kann eine Menge verkraften) und hat enorme Selbsterhaltungs- und Selbstheilungskräfte. Aber irgendwann, meist zwischen 35 und 50 zeigt er deutliche Spuren in Form von Symptomen oder Krankheiten. Als erstes wünscht sich Ihr Körper, dass Sie ein großes JA zu sich selbst, zum Leben und zu ihm, dem Körper sagen. Er wünscht sich, dass wir ihn mit Freude ‚einwohnen‘ und ihn Dankbarkeit und Liebe zu uns und ihm stehen. Freude, Liebe und Dankbarkeit sind daher seine wichtigsten ‚Nährstoffe‘, die Sie ihm geben oder ihm vorenthalten können.

Bisher betrachten wir und die Schulmedizin unseren Körper eher wie eine Maschine anstatt als ein lebendiges Wesen, das vom Bewusstseinszustand und den Gefühlen seines Trägers komplett abhängig ist. In den letzten Jahren öffnen sich jedoch immer mehr Menschen dafür, dass der Versuch,  Krankheiten und Symptome zu bekämpfen und ‚wegzumachen‘ keine wirklich nachhaltige Lösung ist. Unser Körper möchte uns stets etwas Wichtiges mitteilen, wenn er Schmerzen oder Beeinträchtigungen zeigt. Aber die meisten hören bisher nicht auf ihn, weil sie nicht lernten, seine Sprache zu verstehen. Autoren wie Rüdiger Dahlke und in letzter Zeit besonders die Belgierin Christiane Beerlandt haben viel Licht in die Zusammenhänge zwischen Seele und Körper bzw. Bewusstsein und Materie gebracht. Besonders das Werk von Frau Beerlandt „Der Schlüssel zur Selbstbefreiung“ gehört aus meiner Sicht in jeden Haushalt wie eine alternative ‚Hausapotheke des Geistes‘, durch die der Leser sehr schnell beim Lesen spürt, was aus der jeweiligen Beschreibung auf ihn zutrifft.

Was heute besonders auffällt, ist der dramatische Anstieg der  Erschöpfungszustände von immer mehr Menschen. Obwohl wir weniger arbeiten als vor 50 Jahren, weit weniger Kinder bekommen und kaum noch schwere körperliche Arbeit verrichten, leiden immer mehr Menschen unter ‚Burnout‘. Und dieser Trend wird noch drastisch zunehmen. Wieso geschieht das? Auch hier dürfen wir die beherrschende Rolle des Geistes über die Materie beachten. Der unbewusste Mensch hat sich mit seinen vielen ‚Ich muss‘, ‚Ich sollte‘, ‚Ich kann nicht‘ in eine immer bedrängendere Druck- und Stressspirale manövriert, aus der er bisher keinen Ausweg findet. Durch seine eigenen unwahren und nie überprüften, sondern von anderen übernommenen Gedanken hat er einen inneren Druckmacher und Antreiber erschaffen, als dessen Sklave er sich fühlt und glaubt, er müsse weiter täglich sinnlos in einem Hamsterrad laufen.

Vor allem ist es jedoch das Gefühl der Sinnlosigkeit, das viele immer mehr mit der Frage umtreibt: „Wozu mach ich das eigentlich hier alles? Wofür renne ich, strenge mich an, versuche mitzuhalten und durchzuhalten?“ Ja, das ist die entscheidende Frage, auf die jeder von uns eine sehr klare Antwort finden darf. Wir dürfen vom Unsinn, den wir in unserem Leben betreiben, zum Ur-Sinn unseres Lebens zurückfinden. Darum die Frage an Sie: Wissen Sie wirklich, warum Sie jeden Morgen aufstehen? Und wenn Sie aufstehen, wie tun Sie es, mit welchen Gedanken zu diesem neuen Tag? Die meisten tun es, weil es andere auch machen, weil sie es so gelernt haben, jedoch nicht mit einer großen Freude über diesen neuen Schöpfertag, der uns an jedem Morgen zuruft: „Guten Morgen, großer Schöpfermensch. Hier, ich dieser Tag, das Leben, schenke mich dir. Mach das Allerbeste aus mir und erschaffe, was dein Herz sich zu erschaffen ersehnt!“ Und wir denken häufig: „Ach, wäre doch schon Feierabend!“

Was wir jetzt, in dieser hochschwingenden Transformationszeit, wieder erinnern dürfen und werden: Wir sind nicht unser Körper, sondern wir haben einen Körper, um ihn zu genießen und auf freudvolle und liebevolle Weise zu behandeln. Wir sind von Natur aus ein geistiges Wesen, zurzeit für eine kurze Weile unserer ewigen Existenz in diesem Körper auf Mutter Erde. Wir kamen freiwillig hierher um der Erfahrung willen, das heißt um physische, mentale und vor allem emotionale Erfahrungen hier im Körper zu machen. Wir sind fühlende und mitfühlende Wesen. Und vor allem kamen wir auf die Erde, um hier die Liebe zu leben, die wir von Natur aus sind, in der Verbundenheit mit Mutter Erde und der irdischen Natur, mit unseren Mitmenschen und mit unserer göttlichen Quelle. Niemand wurde hierher strafversetzt, auch wenn das viele zu denken scheinen. Dieser unser physischer Körper gehört zur Erde und wird wieder zu ihr zurückkehren. Aber das, was wir wirklich sind - ein geistiges-göttliches Wesen mit Bewusstsein - wird ewig weiterleben und zu neuen Erfahrungsreisen aufbrechen.

Mit großer Dankbarkeit, mit Genuss und Freude dürfen wir all die vielen Geschenke unseres Körpers annehmen und genießen. Seien es die Geschenke unserer Sinne, des Sehens, Hörens, Tastens, Schmeckens und Riechens. Das Geschenk der Bewegung, des Gehens, Springens, Singen und Tanzens. Das Geschenk des Kochens und Essens in der Gemeinschaft. Das Geschenk der Sexualität. Das Geschenk des Gebens und Empfangens, das Lachen und das Weinen und vor allem das Fühlen so unterschiedlicher Emotionen.

Dieser Körper, der physische wie der feinstoffliche, ist ein System stetig fließender Energien. Unser Blut will fließen, unsere Lymphe, unser Atem und ebenso die elektromagnetischen Ströme unserer Meridiane. Genauso wichtig ist jedoch, dass unsere Liebe fließt, unsere Freude und all unsere Gefühle fließen. ‚E-motion‘ bedeutet, ‚Energie in Bewegung‘. Unterdrücken, verdrängen und lehnen wir unsere Emotionen jedoch ab, fehlt uns das Ja zum und die Freude am eigenen Leben, entstehen auf Dauer Krankheiten.

Alle Druckkrankheiten, ob Migräne, Bluthochdruck oder Bandscheibenvorfall entstehen dadurch, dass wir uns durch viele unwahre Gedanken unter Druck setzen und zugleich Energien (wie unsere Gefühle) unterdrücken. Wir schlucken unseren Ärger runter und sind chronisch ‚sauer‘, weil unsere Magensäure nicht dafür da ist, Ärger zu verbrennen. Magengeschwüre, Gallensteine, Migräne sind nur einige der Folgen unterdrückter Wut. Unsere Gelenke beeinträchtigen wir selbst in ihrer Beweglichkeit, weil wir uns geistig, in unserem Bewusstsein, nicht mehr weiterbewegen und entwickeln, sondern ängstlich, wütend, trotzig in unsinnigen und unstimmigen Lebenssituationen verharren, aushalten, anstatt uns weiter zu bewegen.

Und wenn wir denken oder sagen: „Ich bin krank“, dann ist das ein Unsinn und erschafft durch die „Ich bin“-Formulierung erst Krankheit. Es ist eine (wenn auch unbewusste) Schöpferaussage, die vom Leben entsprechend bestätigt werden muss. „Mein Körper schickt mir eine Botschaft und wünscht sich jetzt eine Unterstützung“, wäre weitaus stimmiger als Gedanke. Er wünscht sich uns als dankbaren Partner, Freund und Schöpfer einer inneren Zufriedenheit durch ein Leben in Übereinstimmung mit der Stimme unseres Herzens, das nichts als lieben will.


Der Schiffbrüchige

Der einzige Überlebende eines Schiffbruches wurde an den Strand einer kleinen, unbewohnten Insel gespült. Er betete inbrünstig zu Gott, ihn aus dieser Lage zu befreien. Jeden Tag untersuchte er den Horizont, ob da nicht ein Schiff zu seiner Rettung auftauchte.

Mit größter Mühe baute er sich eine kleine Hütte aus Holzstücken, die die Wellen an den Strand trieben. Seine wenigen Habseligkeiten waren schnell in der Hütte untergebracht und fieberhaft suchte er weiter den Horizont ab.

Wenige Tage später – er fand kaum noch essbare Früchte und im Fischefangen hatte er auch kein Geschick – fand er, als er zu seiner bescheidenen Unterkunft zurückkehrte, diese in Flammen vor, eine schwarze Rauchsäule stieg empor.

„Oh Gott! Warum tust du mir das an!“ rief er voll Kummer und Verzweiflung.

Am nächsten Tag – er hatte in einer Mulde im Sand geschlafen – weckte ihn das Horn eines Schiffes, das auf seine Insel zufuhr. Es war gekommen, ihn zu retten.

„Wie habt ihr mich gefunden?“ fragte der Schiffbrüchige.

„Wir haben dein Rauchsignal gesehen!“ war die Antwort.

(Aus "Die spirituelle Schatzkiste" von Arjuna P. Nathschläger)

Der Fuchs und der Tiger

Ein Mann, der durch den Wald ging, sah einen Fuchs, der seine Beine verloren hatte und fragte sich, wie er überleben könne. Da sah er, wie ein Tiger mit seiner Jagdbeute im Maul ankam. Der Tiger fraß sich satt und ließ die Reste des Fleisches für den Fuchs übrig.

Am nächsten Tag fütterte Gott den Fuchs mit Hilfe des selben Tigers. Der Mann staunte über Gottes Erhabenheit und sagte sich: „Auch ich werde in einem ruhigen Winkel ausharren, im vollen Vertrauen auf den Herrn, und er wird mich versorgen mit allem, was ich brauche.“

So tat er viele Tage lang, aber nichts geschah, und er war schon am Verhungern, krank und elend, als er eine Stimme hörte, die sagte: „Oh du, der du auf einem Irrweg bist, öffne deine Augen! Folge dem Beispiel des Tigers und höre auf, den behinderten Fuchs nachzuahmen!“

(Aus "Die spirituelle Schatzkiste" von Arjuna P. Nathschläger)

Yoga und Advent

von Sigrid Buchhas

Auf den ersten Blick scheinen die christliche Vorweihnachtszeit und Yoga wenig miteinander zu tun zu haben. Das Wort „Advent“ wird auf das Lateinische „adventus“ zurückgeführt und bedeutet „Ankunft“. In der christlichen Tradition ist der Advent die Zeit der Vorbereitung auf die Ankunft von Jesus Christus. Ursprünglich waren die Wochen vor dem Weihnachtsfest als Zeit der Stille und des Fastens gedacht. Dieser Gedanke passt sehr gut zur Intention des Yoga, den Gedankenstrom zu Ruhe kommen zu lassen. „Yogas Chitta Vritti Nirodha“ heißt es im berühmten Yoga Sutra des Patanjali (Vers 1.2).

Der dunkle Dezember als letzter Monat des Jahres bietet sich als Zeit des Rückzugs und der Reflexion an. Entscheiden wir uns in diesen Tagen bewusst dafür, Hektik und Leistungsdruck, die in der westlichen Welt meist das Jahresende beherrschen, hinter uns zu lassen. Yoga ist ein idealer Begleiter dabei.

Die Adventzeit wird immer stärker vom Konsum geprägt. Wöchentlich erfahren wir, wie sich das Weihnachtsgeschäft im Vergleich zum Vorjahr entwickelt. Der Handel lockt mit Angeboten und aufwändiger Dekoration. Unsere Sinne werden von Reizen förmlich überflutet. In den Geschäften duftet es nach Punsch und Lebkuchen, Weihnachtsmusik erklingt in der Dauerschleife, die Augen sind von Lichtern und Glitzer geblendet. Der Gedanke, dass wir mit weltlichen Produkten Freude schenken, ist trügerisch. Swami Sivananda erläuterte, dass wahre Freude niemals aus der Erfüllung von Wünschen (nach Objekten) kommen kann. Ist ein Wunsch erfüllt, entsteht bald der nächste und der Mensch ist in einem Kreislauf der Begierden gefangen. Dauerhaftes Glück kann nur aus uns selbst kommen.

Die fünf Bereiche von Yoga

Die fünf Teilbereiche des Yoga sind (nicht nur im Advent) eine gute Grundlage dafür, die Abhängigkeit von Sinnesvergnügen zu durchbrechen und bleibende Zufriedenheit zu erlangen:

Entspannung: Die Natur macht im Winter Pause. Auch für uns Menschen ist es wichtig, inne zu halten. Nehmen wir uns täglich ein paar Minuten Zeit, still zu werden, den Körper zu spüren und die Gedanken zu beobachten.

Pranayama: Atemübungen unterstützen uns beim Bewusst-Sein und dabei, die Harmonie im Körper (und auch im Geist) zu bewahren. Jeder Atemzug ist ein „Ja-Sagen“ zum Leben. Darüber hinaus kräftigt Pranayama die Lunge und trägt dazu bei, dass wir in den kalten Wintermonaten gesund bleiben.

Asanas: Regelmäßige Yogapraxis sorgt dafür, dass der Körper geschmeidig und beweglich bleibt. Körperliches Wohlbefinden ist die Basis für einen ruhigen Geist.

Bewusste Ernährung: Der Advent ist längst keine Zeit des Fastens mehr, im Gegenteil: Ein Überangebot an Süßigkeiten, Punsch, Glühwein und reichhaltigen Mahlzeiten bei Weihnachtsfeiern erschwert die gesunde Ernährung. Üben wir uns darin, manchmal „nein“ zu sagen.

Meditation: Im Trubel der Vorweihnachtszeit fällt es oft noch schwerer als sonst, innere Ruhe zu finden. Ein paar Minuten des stillen Sitzens bei Kerzenlicht an einem ruhigen Ort helfen uns, die Gedanken auf das, was uns wirklich wichtig ist, zu fokussieren.

(Veröffentlicht auf: www.yogaakademieaustria.com)

Eine Lehrerin versucht sich in der Highschool-Klasse an einer wichtigen Lektion.

Sie lernen etwas über die Hexenprozesse von Salem, und ihre Lehrerin erklärte ihnen, dass sie ein Spiel spielen würden.

"Ich werde zu jedem von euch kommen und euch zuflüstern, ob ihr eine Hexe oder ein normaler Mensch seid. Euer Ziel ist es, die größtmögliche Gruppe zu bilden, in der KEINE Hexe ist. Am Ende bekommt jede Gruppe, in der sich eine Hexe befindet, eine schlechte Note."

Die Jugendlichen stürzten sich darauf, sich gegenseitig in die Mangel zu nehmen. Es bildete sich eine ziemlich große Gruppe, aber die meisten Schüler teilten sich in kleine, exklusive Gruppen auf und wiesen jeden ab, von dem sie glaubten, dass er auch nur einen Hauch von Schuldgefühlen zeigte.

"Okay", sagte die Lehrerin. "Ihr habt eure Gruppen. Es wird Zeit, herauszufinden, wer daneben lag. Alle Hexen heben bitte ihre Hände."

Keiner hob eine Hand.

Die Kinder waren verwirrt und sagten der Lehrerin, sie habe das Spiel vermasselt. "Habe ich das? War irgendjemand in Salem wirklich eine Hexe? Oder haben alle nur geglaubt, was man ihnen erzählt hat?"

Und so reflektieren sie, wie leicht es ist, eine Gemeinschaft zu spalten.

Seid weiterhin einladend, schöne Menschen. Meiden, zum Sündenbock machen und spalten, zerstört weit mehr als es schützt.

(Unbekannter Verfasser/in)

Ich versuche einmal die Geschichte frei nach zu erzählen.

Ein europäischer Forscher wollte in einem kleinen Dorf in Afrika nachweisen, dass Menschen ohne Rücksicht ihren Bedürfnissen folgen.  So versammelte die Kinder des Dorfes und erklärte ihnen folgendes. Er hatte unter einen Baum einen Korb mit vielen süßen, saftigen Früchten platziert. Nun sollten die Kinder auf ein Kommando loslaufen. Wer als erster den Korb erreicht, darf sich so viel davon nehmen wie er möchte und sich satt essen.

Er gab das vereinbarte Kommando und alle Kinder liefen los. Kurz vor dem Ziel nahmen sich alle Kinder an den Händen zu liefen gemeinsam, Hand in Hand zu dem Korb, teilten die Früchte und aßen alle gemeinsam.

Der Wissenschaftler war erstaunt und fragte, warum sie das gemacht hätten? Da antworteten die Kinder „Ubuntu“. „Ich bin, weil wir sind. Wie kann ich mich freuen, wenn du traurig bist?“

Ubuntu, ausgesprochen [ùɓúntú], bezeichnet eine afrikanische Lebensphilosophie, die im alltäglichen Leben aus afrikanischen Überlieferungen heraus praktiziert wird. Das Wort Ubuntu kommt aus den Bantusprachen der Zulu und der Xhosa und bedeutet in etwa „Menschlichkeit“, „Nächstenliebe“ und „Gemeinsinn“ sowie die Erfahrung und das Bewusstsein, dass man selbst Teil eines Ganzen ist.

Damit wird eine Grundhaltung bezeichnet, die sich vor allem auf wechselseitigen Respekt und Anerkennung, Achtung der Menschenwürde und das Bestreben nach einer harmonischen und friedlichen Gesellschaft stützt, aber auch auf den Glauben an ein „universelles Band des Teilens, das alles Menschliche verbindet“. Die eigene Persönlichkeit und die Gemeinschaft stehen in der Ubuntu-Philosophie in enger Beziehung zueinander.

Es war ein herrlicher Montagmorgen, bei schönem Wetter, wir hatten uns in einem kleinen Kloster in Italien eingefunden. Es war die Intensivwoche einer Yogaausbildung. Ich hatte im Vorfeld dieser Woche einiges zu tun und war nun froh, einmal für eine Woche aus dem Alltag zu entfliehen. Aber Yogaausbildung – bedeutet auch wieder lernen und nach Möglichkeit behalten.

Ich hatte mir vorgenommen, mich in dieser Woche ganz auf die Yogaausbildung einzulassen. Ich erinnere mich noch genau, es war im 1. Stock eines Nebengebäudes, ein schöner großer Raum mit herrlichen Panoramafenstern und einem Balkon für unsere Yogaausbildung. Am zweiten Tag begann der Morgen für uns mit Yogapraxis „Sitzen in der Stille“. Ich wusste aus Erfahrung, dass mein Kopf eine kleine Weile brauchte, um die Gedanken zur Ruhe kommen zu lassen. Der erste Gedanke an diesem Morgen kreiste um die Frage, was erwarte ich von dieser Intensivwoche? Wie sollte denn generell mein Yogaweg aussehen?  Meine Gedanken verselbständigten sich in Bruchteilen von Sekunden. Was wohl mein Weg sei? Sie sollte ein Yogaweg denn überhaupt sein? Wie sieht dieser Weg aus? Was muss man dafür tun? Bin ich überhaupt ein richtiger Yogi?  Wie findet man den richtigen Weg?  Wohin sollte der Weg denn führen? Was ist, wenn man sich auf seinem Weg verirrt? Wie merkt man es? Wohin muss man dann zurück? Zum Anfang oder vielleicht findet man den Abzweig, an dem man falsch abgebogen ist? Ich war in diesem Moment unachtsam und schon waren die Gedanken wie wild in meinem Kopf unterwegs. Die Chittas schwirrten in meinem Kopf wie wild umher und ließen mir keine Zeit, um mir dessen bewusst zu werden. Ich wusste ja, wenn man nicht achtsam ist, dann übernehmen die Gedanken die Herrschaft und unsere Gedanken sind hervorragend, um uns selbst zu manipulieren, damit sie ihren Einfluss nicht an unser Herz oder unsere Seele verlieren. Der Kritiker im Kopf freut sich, wenn er macht über uns besitzt und dafür ist er sehr einfallsreich und gerissen. Je unsicherer wir werden, desto fester sitzt er im Sattel.  

Ich wusste ja, wenn man seine Gedanken nicht beherrscht und ihnen Einhalt gebietet, dann gehen sie sehr schnell mit einem durch. So war es auch in diesem Moment, ich hatte es kurz bemerkt, ärgerte mich ein wenig, aber dann gingen die Gedanken auch schon wieder weiter. Ich hatte wohl den ersten Moment der Wahrnehmung verpasst und ließ es geschehen.

Im Nachhinein sollten sich aber die Gedanken als Erfahrung und Erkenntnis erweisen und waren in diesem Moment genau richtig.

Ich driftete also weiter in meine Gedanken ab. Plötzlich hatte ich das Bild eines Lotos im Kopf, der Lotos, der aus dem Schlamm emporsteigt und sich noch oben zum Licht bewegt und etwa sehr schönes in seiner Blüte erstrahlen lässt. Was ist wohl in meinem Innersten verborgen?

Ich sah mich als Lotos und in meinem Innersten war reines Selbst. Ich wusste zwar nicht, wie dieses reine Selbst aussieht, oder wie es sich anfühlt, aber ich hatte ein Gefühl des Friedens und der Freude in meinem Herzen und diese Freude konnte ich in meinen ganzen Körper wahrnehmen.

Es fühlte sich sehr schön an und mir wurde klar, dass ich mich gar nicht auf den Weg machen muss. Dass das Leben für mich die einzelnen Blätter des Lotos entfernen würde und ich immer näher an meinen wirklichen Wesenskern komme. Ich musste „nur“ das Leben annehmen und es möglichst gut und liebevoll leben. Ich muss im Grunde gar nichts tun, was mir eine innere Freiheit verlieh. Kein Suchen, keine Anstrengung, keine Ängste das falsche zu tun. Ein wunderbares Gefühl von Freiheit, Ruhe, innerer Frieden und Entspannung breitete sich aus.

Meine Gedanken kreisten um die Blätter des Lotos und um die Frage, wie, bzw. wie schnell werden sich die Blätter entfernen?

Da musste ich an Leid denken, an Menschen, denen Leid widerfährt und die schmerzvolle Erfahrungen machen müssen. Ich habe den Lotos gesehen und spürte, dass Leid wie ein heftiger Sturm für eine Pflanze sein kann. Dieser Sturm ist zwar schmerzvoll und mit Leid verbunden, er reißt aber dafür gleich viele Blätter vom Lotos und so kommen Menschen durch erfahrenes Leid schneller vorwärts und haben die Möglichkeit früher zu ihrer Mitte zu finden.

Ich bin für mich zur Überzeugung gekommen, dass der Weg zur Mitte durch ein ganz normales Leben geschehen kann, aber auch über das Leid, das einem widerfährt. Beide Wege führen auf unterschiedliche Weise zum gleichen Ziel.  

Und wenn ich gerade so darüber nachdenke, dann sind es wohl auch die Wege von Siddartha Gaudama und Pantanjali. Ich habe mal gelesen, dass Siddartha den Weg des Leids für sich gewählt hatte. Er durchlebte Entbehrungen und Schmerz und gelangte durch Beobachtung und seine Gedanken zu seinen Weisheiten. Pantanjali hingegen ging den Weg der Güte, ohne sich Schmerz und Leid zuzufügen und gelangte auch zu diesen Weisheiten.

Seit jenem Morgen, weiß ich, dass ich nicht mehr als Suchender durch die Welt irren muss. Alles wird kommen, wie es kommen soll. Und alles wird letztendlich zu meinem Besten und zum Besten für alle Wesen werden.

Namasté

 

Ich bin nicht gut genug

Bei einem Tyrannen lässt die Selbstachtung arg zu wünschen übrig. Das versuchen sie dadurch zu kompensieren, dass sie andere unterdrücken. Wenn sie jamanden einschüchtern können, gibt ihnen das ein gutes Gefühl.

Buddha beschreibt drei Arten des Dünkels:

1.     Sich für etwas Besseres halten

2.     Sich für schlechter zu halten als andere

3.     Sich für jemand anderen zu halten

Diese zweite Form von Dünkel, die oft gar nicht als solche erkannt wird, ist übrigens die Hauptursache für Mobbing. Wenn wir doch bloß aufhören könnten, uns alle gegenseitig zu beurteilen, könnten wir vielleicht auch aufhören, uns selbst zu beurteilen. Und dann müssten wir einander auch nicht mehr so oft verbal oder körperlich drangsalieren.

Auf einem Empfang stellte sich ein gut gekleideter Gast voller Stolz als Doktor der Medizin vor. Ich bin auch Arzt sagte der Gastgeber warmherzig. „Allgemeinmediziner“

„Nur Feld- Wald- und Wiesen-Doktor? Ich bin Hirnchirurg. Das ist natürlich etwas ganz anderes“, meinte der Gast. „Viel komplizierter“, und er trug das Kinn gleich ein wenig höher.

„Ich bin auch Ärztin“, sagte die Frau des Gastgebers, „und zwar bei Ärzte ohne Grenzen. Bis vor einem halben Jahr war ich noch im Nahen Osten und habe die im Krieg verletzten Kinder behandelt. Das war zwar sehr gefährlich, aber irgendjemand muss diesen armen Mädchen und Jungen ja helfen.“

„Sicher, ich kann mir durchaus vorstellen, dass so ein ehrenamtliches Engagement nicht ganz ohne ist“, hielt der Gast dagegen und rechte das Kinn gleich noch ein bisschen höher. „Aber sie werden zugeben müssen, dass die Arbeit eines Hirnchirurgen weit komplizierter ist.“

„Ich habe auch einen Doktortitel“, warf der Sohn der Gastgeber ein, „und zwar in Physik. Augenblicklich bin ich bei der NASA und baue Raketen.“ Daraufhin fiel dem gut gekleideten Gast die Kinnlade runter. Und dahin war auch seine Selbstgefälligkeit.

Wer sich gern für etwas Besseres hält, darf sich nicht wundern, wenn er umgekehrt genauso leidet, wenn er auf jemanden trifft, der ihm überlegen ist. Am besten tut man also daran, sich gar nicht erst mit anderen zu vergleichen.

(aus „Der Elefant, der das Glück vergaß“ von Ajahn Brahm - Lotus Verlag 2015)



Die drei dämonischen Lehrlinge

Eine alte indische Legende erzählt von drei Lehrlingen des Bösen.

Bevor sie aufbrachen, um das Böse unter die Menschen zu bringen und die Menschen in Versuchung zu führen, mussten sie ihrem Meister ihre Strategie vortragen:

Der erste Lehrling erzählte: „Ich werde die Menschen überzeugen, dass es Gott gar nicht gibt.“

Der Meister gab ihm folgendes zur Antwort: „Damit wirst du keinen sonderlichen Erfolg haben. Die meisten Menschen wissen instinktiv, dass es einen Gott gibt, in welcher Form auch immer. Sobald sie in sich selbst hineinfühlen, erkenne sie das göttliche und wissen, dass es einen Gott gibt. Deshalb wirst du wohl nicht viele Menschen auf die Seite des Bösen bringen.“

Der zweite Lehrling tat seine Devise kund: „Ich werde den Menschen erzählen, dass die Geschichte der Hölle frei erfunden ist und es sie gar nicht gibt. Sie werden dadurch das Gefühl bekommen, dass sie alles machen können, was sie möchten. Egal wie schlimm die Tat ist, sie brauchen keine Strafe zu fürchten und können ihre Tat genießen.“

Auch bei ihm war der Meister nicht wirklich zufrieden, er entgegnete: „Auf diese Weise wirst du kaum Menschen für uns gewinnen können. Der aufgeklärte Mensch weiß heute doch, dass es etwas gibt, was seine Tat nach sich zieht. Er weiß, dass sich Karma immer erfüllt und er auch für seine böse Tat entsprechend immer einen Preis zu zahlen hat.“

Nun war der dritte Schuler an der Reihe. Ein besonders fleißiger Schüler während seiner Ausbildung und er erzählte: „Ich werde den Menschen das Gefühl vermitteln, dass ihnen unendlich viel Zeit zur Verfügung steht.  Ich nehme ihnen die Gedanken an das Endliche. So wägen sie sich in Sicherheit und glauben, sie können getrost all das Gute, was sie tun möchten auf später verschieben können. Ich werde ihnen einreden, dass es nichts gibt, was sie hier und jetzt tun müssen, später ist auch noch ein Tag.“

Da war der Meister begeistert und erwiderte: „Mach dich sofort ans Werk! Du wirst Erfolg haben! Es werden ganz viele sein, die das annehmen und den bequemen Weg einschlagen, das Gute irgendwann zu tun. Auch wenn sie spüren, es müsste gleich getan werden. Sie spüren vielleicht sogar Mitgefühl mit ihren Mitmenschen, werden sich aber sagen, das kann ich ja irgendwann wieder gut machen. So werden sie das Böse auf der Stelle tun, in der Absicht es später wiedergutzumachen.“

(frei nacherzählt)

Wenn du einmal in dich hinein spürst, wie oft gehen wir wirklich so mit unseren Mitmenschen oder unserer Umwelt um? Und was ich noch viel interessanter finde, wie oft gehen wir so mit uns selbst um? Wir wissen und spüren was uns im Moment wirklich gut täte, aber entscheiden uns dann letztendlich doch dagegen oder einfach für etwas anderes. Wir können ja morgen damit anfangen, oder wir können es ja morgen tun. Ob es um Ernährung, eine Aufgabe oder einfach darum geht mal ein schönes Buch zu lesen, anstatt jeden Abend vor der „Klotze“ zu verbringen. Oder einfach mal etwas früher zu Bett gehen, um ausgeschlafen zu haben. Ob wir in der Mittagspause mal nach draußen gehen. Vielleicht mal wieder einen lieben Menschen treffen, alte Freunde, oder jemanden einfach mal etwas Nettes sagen. "Heute ...., morgen fang ich dann mit ... an." Es gibt so viele Dinge, die wir gerne machen würden, aber den richtigen Moment verpassen. Man verpasst es sich bei jemanden zu melden, dann kommt noch das schlechte Gewissen hinzu und man meldet sich lieber gar nicht mehr und so verrinnt die Zeit ohne den Momente wirklich genutzt zu haben.

Wann ist denn der richtige Zeitpunkt? – Der richtige Zeitpunkt ist JETZT!

Ich habe dazu einen schönen Spruch gelesen: „Erfolgreiche Menschen sind meist nur konsequent!“

Wann ist denn der richtige Zeitpunkt? – Der richtige Zeitpunkt ist JETZT!

Ich habe dazu einen schönen Spruch gelesen: „Erfolgreiche Menschen sind meist nur konsequent!“


Innere Blockaden und eine trübe Stimmung auflösen

Unbewusste negative Denkmuster können die Vitalität und Lebensfreude erheblich drosseln. Sie ziehen Unzufriedenheit, Ängste, Frustration und Selbstzweigel nach sich und können bis hin zu Depression, Aggression oder Sucht führen.

Wann haben Sie sich zuletzt richtig von Herzen gefreut? Oder das behagliche Gefühl genossen, wohlig-warm-zufrieden in sich zu ruhen? Ein Zustand tiefer Herzensfreude oder satter Zufriedenheit schient für viele Menschen schwer erreichbar zu sein. Oft erliegen wir auch dem Irrtum, dafür etwas tun oder leisten zu müssen oder dass erst alle möglichen Voraussetzungen erfüllt sein sollten: „Ach, wenn meine Partnerschaft glücklicher wäre, meine Karriere erfolgreicher verlaufen würde, wenn ich mehr Geld hätte, wenn ich schlanker wäre, wenn ich mehr Freunde hätte und endlich den Traumpartner finden würde … dann wäre ich glücklich und zufrieden.

Nein, wären Sie nicht, jedenfalls nicht dauerhaft. Denn der Schlüssel zum Glück liegt woanders.

Der bewertende Blick

Unseren Gefühlen liegen stets bewertende Gedanken zugrunde. Täglich treffen wir Hunderte kaum bewusster Bewertungen. Natürlich braucht es im Leben Einschätzungen – allerdings nur in einem bestimmten Rahmen. Vor allem müssen wir diese von Zeit zu Zeit hinterfragen.

Eine kritische Sichtweise macht auch vor selbst nicht halt. Wir meinen, wir sollten uns allen möglichen Optimierungsmaßnahmen unterziehen. Und schon hecken wir wieder eine „Lösung“ für ein „Problem“ aus, das sich doch nur in unserem Kopf abspielt. Als Folge davon, dass wir meinen, wir können erst glücklich sein, wenn wir dies oder jenes haben, kommt es oft zu einer unterschwelligen Anspannung und Unzufriedenheit, weil das nie endet und es in der Außenwelt immer Dinge zu verbessern gibt. Die zahllosen Wünsche und mentalen Wertungen laufen nicht nur wie ein ablenkendes Dauerprogramm im Hintergrund ab, sie bilden auch trübe Schichten auf unserem natürlichen Glückszustand – womit das Glück in weite Ferne zu rücken scheint.

Bewusst im Jetzt sein

Wir haben gelernt, dass die die Verstandeskreativität das Verlässlichste und Wichtigste in unserer Lebensgestaltung sei. Doch wenn wir diese Aktivität analysieren, finden wir viele destruktive Gedankenketten, die uns eher behindern als fördern, denn wir können dann nicht fröhlich und aktiv die anstehenden Dinge erledigen. Gedanken wie „Die Kollegin hätte meine Unterlagen ruhig mit kopieren können – na, das nächste Mal bringe ich ihr keinen Kaffee mit“ vermiesen uns die Laune und führen uns weg vom aktuellen Moment. Dich echte Freude kann man nur im Jetzt genießen. Um den Seelenfrieden zu fördern, geben spirituelle Lehrer die Empfehlung, den Gedankenfluss zur Ruhe zu bringen.

Das ist leicht gesagt. Wer je versucht hat, frei von Gedanken zu meditieren, weiß, sie schwierig das sein kann. Manchmal scheint es, als hätte genau dann eine unsichtbare Instanz einen Startschuss abgefeuert mit dem Kommando: „Alle Gedanken preschen jetzt herbei und tanzen wie eine Horde wilder Affen in meinem Kopf herum!“ So endet mancher Versuch zu meditieren in endlosen inneren Monologen.

Was also tun? Wie können wir angesichts unserer mentalen Überaktivität zur Ruhe finden und wieder die natürliche Harmonie unseres Wesens freilegen? Wie können wir friedlich leben und verliebt sein in das eigene Sein? Tief und wohlig in uns selbst ruhen?

Sie ahnen es – was uns hier wirklich hilft, sind Meditation mit inneren Bildern, die uns wieder an den Ort des Friedens in uns bringen und die Selbstliebe bestärken. Denn schon alleine dadurch, dass der Geist Bilder empfängt, kommt er zur Ruhe, denn er liebt Bilder. Bilder sind die Sprache, die das Unterbewusstsein spricht und versteht. Daher absorbiert es in der tiefen Entspannung sämtliche Bilder wie ein Schwamm, um deren Inhalt so bald wie möglich zu manifestieren.

Wenn wir Glücklichsein ständig in die Zukunft verschieben, entsteht leicht ein Teufelskreis, im Zuge dessen die Anspannung steigt und das Selbstwertgefühl sinkt. Eine solche unglückliche Dynamik kann man daran erkennen, dass man versucht, sich selbst mit permanenter Anstrengung aufzuwerten, weil starke Selbstzweifel an der Persönlichkeit nagen. Die verbreitete Shoppingsucht ist ein Symptom dieser Selbstzweifel innerhalb unserer Leistungsgesellschaft. Das ersehnte Glücksgefühl und der heitere innere Frieden, an die sich jeder von uns noch vage aus frühen Kindheitstagen erinnert, stellt sich aber, wenn überhaupt, nur flüchtig ein. Dann beginnt die Suche von Neuem. Die Ergebnisse daraus können aber nicht dauerhaft „sättigen“, weil sie an der Ursache vorbeigehen.

Echte und langfristige Befriedigung finden wir hingegen, wenn wir uns mit unserem innersten Naturell verbinden – der Glücksoase tief im eigenen Herzen. Wie viel Glückpotential dort verborgen ist, merken wir etwa, wenn wir verliebt sind. Wir können orten, dass dieses Glücksgefühl dem eigenen Herzen entspringt und nicht dem Partner, denn sonst wären ja alle Menschen in denjenigen verliebt. Das Gute daran ist, dass unser Herz diese Glücksstimmung latent besitzt, nicht nur unter besonderen Umständen – diese aktivieren das Glückspotential lediglich.

Wir tun gut daran, wenn wir dafür sorgen, dass sich gar nicht erst Frust, Stress und negative Emotionen ansammeln und das Glückspotential überlagern.

(aus „Meditation mit inneren Bildern“ von Gabriele Rossbach, erschienen im Gräfe und Unzer Verlag 2017)

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20 Lektionen für ein Leben im Jetzt

Er zählt zu den bedeutendsten spirituellen Lehrern der Gegenwart. Seine Seminare sind von einer solchen Intensität. Eckhart Tolle selbst von einer derartigen Präsenz, dass die Zuhörer spüren: Ein anderes, ein bewussteres Leben ist möglich. Hier sind seine Lektionen für ein bewusstes Selbst, für unser Leben im Jetzt.

Es war Anfang der 60er-Jahre. Der Dalai Lama war vor Kurzem aus Tibet nach Indien geflohen und gab zum ersten Mal Besuchern aus dem Westen eine Audienz. Einer von ihnen klagte, er leide an einem Mangel an Selbstwertgefühl. „Worunter leidest du?“, fragte der Dalai Lama nach. Der Besucher versuchte es zu erklären, doch der Dalai Lama konnte ihm nicht folgen. Schließlich ging er von einem zum anderen in der Gruppe und fragte, ob auch sie dieses Gefühl kannten. Fast jeder sagte Ja. Der Dalai Lama staunte. Ihm war es völlig fremd, wie sich jemand minderwertig fühlen konnte. Keine andere Lebensform auf diesem Planeten kennt Negativität, nur der Mensch. Hast du jemals eine unglückliche Blume oder eine gestresste Eiche gesehen? Ist dir jemals ein depressiver Delfin begegnet, ein Frosch, der Selbstwertprobleme hat, eine Katze, die sich nicht entspannen kann, ein Vogel, der Hass und Groll mit sich herumträgt?
Kein Tier, und sei es auch noch so klein, hat Probleme mit dem Selbstwertgefühl. Warum also ausgerechnet wir Menschen? Weil wir bewusst, sind. Wir identifizieren uns nicht mit unserem Sein, sondern mit unseren Gedanken und Gefühlen. Ungefähr im Alter von drei Jahren beginnen wir damit, aus dem, was wir denken, tun und fühlen, ein Bild von uns selbst zu konstruieren. Wir erschaffen unser Ego. Für ein Kind ist das ein ganz normaler Entwicklungsprozess. Doch leider identifizieren wir uns im Laufe der Jahre immer stärker mit diesem Ego – und als Erwachsene sind wir dann endgültig davon überzeugt, dieses Ego zu sein. Wir vergessen unser wahres Selbst. Und genau das ist unser Problem. Das Ego hält und davon ab, in der Gegenwart zu leben. Es ist ein reines Gedankenkonstrukt, das sich ständig mit der Vergangenheit und der Zukunft beschäftigt. Von der Gegenwart fühlt es sich auf dem Weg in eine viel bessere Zukunft gestört. Was es in Wahrheit wirklich schätzt, sind Konflikte und Dramen. Denn die halten dich so in Atem, dass du nie zur Ruhe kommst.
Ger nicht spürst, was real ist. Du musst ständig kämpfen, um dich zu behaupten. Oder dir irgendwelche Wünsche erfüllen, weil du dich dann für einen kurzen Moment lebendig und wertvoll fühlst. Doch wie gelingt es uns, uns aus diesen endlosen Gedankenschleifen zu befreien, uns von unserem Ego lösen? Tatsächlich gibt es einen Ausweg: die vollständige Annahme des Jetzt und die Konzentration auf den gegenwärtigen Augenblick. Im Anschluss findest du 20 Lektionen für dein bewusst Sein. Und hier noch ein möglicher Dialog, der dir auf deinem Weg helfen kann.

Akzeptiere das, was ist.
Das kann ich wirklich nicht. Es regt mich auf und macht mich wütend.
Dann akzeptiere das, was ist.
Ich soll akzeptieren, dass ich mich aufrege und wütend bin und dass ich das nicht akzeptieren kann?
Ja, akzeptiere, dass du nicht akzeptieren kannst. Begegne deinem Widerstand mit Widerstandslosigkeit. Und dann sieh, was geschieht.

1.     Widerstandslos sein
Ein buddhistischer Mönch sagte einst zu mir: „Alles, was ich in den zwanzig Jahren als Mönch gelernt habe, kann ich in einem Satz zusammenfassen: Was entsteht, vergeht auch wieder. Das weiß ich.“ Er meinte damit natürlich dieses: Ich habe gelernt, dem, was ist keinen Widerstand entgegenzusetzen; ich habe gelernt, den gegenwärtigen Moment zuzulassen und die vergängliche Natur aller Dinge und aller Umstände anzunehmen. Zeit aus unserem Bewusstsein zu streichen, bedeutet, unser Ego zu streichen. Das ist die einzige wahre spirituelle Praxis. Gemeint ist natürlich die Eliminierung der psychischen Zeit. Also das Ende der unaufhörlichen Beschäftigung unseres Egos mit Vergangenheit und Zukunft und das Ende seiner Unwilligkeit, durch die Ausrichtung auf das unvermeidliche So-Sein des gegenwärtigen Augenblicks eins mit dem Leben zu sein.

2.     Frieden finden
Unser vorrangiges Ziel besteht darin, dafür zu sorgen, dass Bewusstsein in alles einfließen kann, was wir tun. Dabei ist das, was wir durch unser Tun erreichen, zweitrangig. Während wir früher immer ein Ziel in der Zukunft verfolgt haben, gibt es jetzt ein höheres Ziel, das nur im Hier un Jetzt zu finden ist, durch die Aufhebung der Zeit. Unsere Lebensreise besteht immer nur aus dem einen Schritt, den wir in diesem Augenblick machen. Es gibt immer nur diesen einen Schritt, und auf den sollten wir unserer Aufmerksamkeit richten. Das bedeutet nicht, dass wir nicht wissen, wohin wir gehen. Es heißt lediglich, dass dieser eine Schritt vor allem anderen Vorrang hat, das Ziel jedoch nur zweitrangig ist. Und was wir am Ziel vorfinden, sobald wir dort angekommen sind, hängt von der Qualität dieses einen Schrittes ab. Mit anderen Worten: Was auch immer die Zukunft für uns bereithält, hängt von unserem jetzigen Bewusstseinszustand ab.

3.     Dein Ja zum Leben stoppt das Ego
Immer dann, wenn sich ein gewohnheitsmäßiges Nein zum Leben in ein Ja verwandelt und wir diesen Augenblick so zulassen, wie er ist, lösen wir damit sowohl die Zeit als auch das Ego auf. Damit unser Ego überleben kann, muss es dafür sorgen, dass Zeit – Vergangenheit und Zukunft – wichtiger ist als der gegenwärtige Augenblick. Zeit ist die horizontale Dimension des Lebens, die Oberflächenschicht der Wirklichkeit. Daneben gibt es aber noch die vertikale Dimension der Tiefe, die nur durch das Tor des gegenwärtigen Augenblicks zugänglich ist.

4.     So gelingt der Ausstiege aus Dramen
Wenn du die Gegenwart mit der Vergangenheit oder Zukunft überschattest, dann erschaffst du Zeit, psychologische Zeit – jene Substanz, aus der Drama besteht. Immer wenn du den gegenwärtigen Moment nicht dadurch achtest, dass du ihm zu sein erlaubst, erschaffst du Drama. Die meisten Menschen sind in ihr eigenes Lebensdrama verliebt. Ihre Geschichte ist ihre Identität. Das Ego bestimmt ihr Leben, Ihr gesamtes Selbstverständnis ist vom Ego abhängig. Selbst ihre – normalerweise erfolglose – Suche nach einer Antwort, nach einer Lösung, nach Heilung wird zu einem Teil davon. Nichts fürchten sie mehr, nichts wehren sie vehementer ab als das Ende ihres Dramas. Solange du deinem Verstand folgst, gibt es nichts, was du mehr fürchten, nichts, was du heftiger abwehren wirst als dein Erwachen.

5.     Dem Streit die Basis entziehen
Wenn du in völliger Akzeptanz dessen lebst, was ist, dann endet damit alles Drama in deinem Leben. Niemand kann sich mehr mit dir streiten, auch wenn er sich noch so sehr darum bemüht. Mit einer völlig bewussten Person kann man sich nicht streiten. Streit setzt voraus, dass du mit deinem Verstand und einer Haltung identifiziert bist und zugleich auf die Position des anderen reagierst und diese abwehrst. Als Resultat werden die gegenüberliegenden Polaritäten energetisch wirken. Indem wir bewusst sind, unterlaufen wir diesen Prozess.

6.     Leg Achtsamkeit in all dein Tun
Geschirr abwaschen, eine Unternehmensstrategie entwerfen, eine Reise planen – was ist wichtiger: die Tätigkeit oder das Ergebnis, das du mit dieser Tätigkeit erzielen willst? Dieser gegenwärtige Moment oder irgendein Augenblick in der Zukunft? Gehst du mit diesem Augenblick so um, als wäre er ein Hindernis, das zu überwinden musst? Hast du das Gefühl, dass ein zukünftiger Augenblick vor dir liegt, der wichtiger ist?
Fast jeder lebt die meiste Zeit über so. Da die Zukunft nie abbricht, außer in der Gegenwart, ist da eine ungesunde Art zu leben. Sie erzeugt ein dauerndes unterschwelliges Unbehagen, Spannungen und Unzufriedenheit. Sie würdigt das Leben nicht, das sich ausschließlich jetzt vollzieht, nicht vorher und nicht nachher, sondern jetzt.

7.     Lass deine Ansichten los
In Zen heißt es: „Suche nicht nach Wahrheit. Lass einfach deine Ansichten los.“ Was bedeutet das? Wir hören auf, uns mit unserem Denken zu identifizieren. Jenseits des Denkens kommt von ganz allein das zum Vorschein, was uns wirklich ausmacht, was wir wirklich sind. Wir können nicht gegen unser Ego kämpfen und gewinnen, ebenso wenig, wie wir gegen die Dunkelheit ankämpfen können. Erforderlich ist nur das Licht des Bewusstseins. Dann erkennen wir: Wir selbst sind das Licht!

8.     Stille stoppt das Gedankenkarussell
Was uns in unruhigen Zeiten helfen kann, ist die Konzentration auf die Stille. „Das äußere Geräusch entspricht dem inneren Geräusch des Denkens. Die äußere Stille entspricht der inneren Stille. Wann immer Stille um dich herum ist, höre sie. Das bedeutet, du bemerkst sie. Richte deine Aufmerksamkeit auf diese Stille. Die Wahrnehmung der äußeren Stille lässt die Still in dir erwachen, weil du nur durch Stille Schweigen wahrnehmen kannst. In dem Augenblick, in dem du die Stille um dich bemerkst, nimmst du wahr, ohne zu denken.

9.     Gewohnheiten können wir durchbrechen
Ganz ehrlich: Musst du wirklich jede Erfahrung und jede Sinneswahrnehmung mental etikettieren? Musst du wirklich eine von Reaktion beherrschte Beziehung der Hassliebe zum Leben haben, durch die du dich in einem fast ununterbrochenen Konflikt mit den Situationen und anderen Menschen befindest? Oder ist da nur eine tief verwurzelte mentale Gewohnheit, mit der zu brechen kannst? Nicht, indem du irgendwas tust, sondern indem zu zulässt, dass dieser Augenblick so ist, wie er ist. Nichts anderes ist erforderlich.

10.  Bleib offen bei Begegnungen
Wenn du das nächste Mal einem Unbekannten begegnest, dann lenke deine Aufmerksamkeit darauf, wie lange es dauert, bis du dir verschiedene Urteile über einen Menschen gebildet hast. Es ist erstaunlich, dass wir aus einem einzigen Moment so viel schließen, ohne auch nur ein Wort aus dem Mund des anderen gehört zu haben. Aber was ist, wenn du mit deiner Einschätzung dieses Menschen völlig falsch liegst? Was bedeutet das für dein oder sein Leben?

11.  Im Einklang mit dem Leben sein
Wenn du von einem schweren Verlust betroffen bist, wehrst du dich dagegen oder fu fügst dich. Manche Menschen werden dann bitter oder sind voller Groll, während andere Mitgefühl, Weisheit und Liebe entwickeln. Übe dich darin, egal, was geschieht, es innerlich anzunehmen. Dann bist du offen für das Leben. Du gibst dich ihm hin. Wenn du dich innerlich fügst, wenn du dich ergibst, eröffnet sich eine neue Bewusstseinsdimension. Sollte handeln angesagt oder nötig sein, geschieht dies im Einklang mit dem Ganzen und getragen von schöpferischer Intelligenz – von jedem unkonditionierten Bewusstsein, mit dem du im Zustand innerer Offenheit eins wirst, Dann sind die Umstände und Mitmenschen kooperativ und helfen dir weiter. Koinzidenzen ergeben sich. Wenn nichts getan werden kann, ruhst du in dem Frieden und der inneren Stille, die mit Akzeptanz und mit Hingabe einhergehen.

12.  Es ist immer Jetzt
Je aufmerksamer wir werden, desto deutlicher erkennen wir die Bemühungen des Egos: Zweifel an dem, was wir tun, tauchen auf oder – scheinbar aus dem Nichts – Probleme, die unbedingt gelöst werden müssen. Dabei ist es theoretisch so leicht, sich im JETZT aufzuhalten: hinsetzen, die Augen schließen, den Atem fließen lassen und sich einfach nur auf die Gegenwart konzentrieren.
Theoretisch. In der Praxis tauchen ständig Gedanken auf, die uns ablenken. Das Ego kämpft. Und doch ist zwischendurch spürbar: die Kraft der Gegenwart. Die Erlösung – die Loslösung aus dem Hamsterrad. Immer dann, wenn der Verstand schweigt, der Geist zur Ruhe kommt. Wir einfach nur sind. Gegenwärtig. Diese Momente sind so kostbar, so intensiv, do friedlich, dass sie uns motivieren, weiterzumachen und die Widerstände des Egos zu ignorieren.

13.  Du kannst dich ändern. Jederzeit
Eins zu sein mit dem, was ist, bedeutet nicht, dass du dich nicht mehr erändern kannst. Aber die Motivation, etwas zu unternehmen, entspringt nicht mehr dem Ego-Verlangen oder der Ego-Furcht, sondern komm aus größerer Tiefe. Die innere Ausrichtung auf den gegenwärtigen Augenblick erweitert dein Bewusstsein und bringt es mit dem Ganzen in Einklang, von dem der gegenwärtige Augenblick integraler Bestandteil ist. Dann wirkt das Ganze, die Totalität des Lebens, durch dich.

14.  Sei geduldig mit dir selbst
Geduld ist der Schlüssel zum Erfolg. Wenn es uns gelingt, uns auf das JETZT zu besinnen, sind wir auf dem richtigen Weg. Statt nachts darüber zu grübeln, welche Aufgaben wir am nächsten Tag erledigen müssen, können wir uns einfach bewusst machen, dass wir bequem im warmen Bett liegen, die Decke und das Kissen spüren und uns auf das Atmen konzentrieren. Im JETZT haben wir keine Probleme. Und indem wir zur Ruhe kommen, gelingt es uns leichter zu schlafen.

15.  Alles ist verbunden
Buddhisten haben schon immer gewusst, dass alles wechselseitig verbunden ist. Auch die Physik bestätigt: Nichts, was geschieht, ist ein isoliert stattfindendes Ereignis; es scheint nur so. Die Ganzheit des Lebens wird jedoch durch unser Denken fragmentiert. Dabei hat das Leben in seiner Totalität das Ereignis hervorgebracht. Es ist Teil der Gesamtvernetzung, des Kosmos. Und das bedeutet: Das, was es ist, könnte gar nicht anders sein. In den meisten Fällen können wir auch nicht annähernd begreifen, welche Rolle ein scheinbar sinnloses Ereignis innerhalb der Totalität des Kosmos haben könnte, aber die Erkenntnis seiner Unvermeidlichkeit in der Unermesslichkeit des Ganzen kann ein erster Anfang sein, innerlich das, was ist, zu akzeptieren und sich so wieder in die Ganzheit des Lebens einzufügen.

16.  Das Leiden durch Annahme beenden
Es ist wahre Freiheit und damit die Aufhebung des Leidens, wenn du so lebst, als hättest du das, was du in diesem Augenblick fühlst und erlebst, vollkommen selbst gewählt. Diese innere Übereinstimmung mit dem Jetzt beendet das Leiden.

17.  In Notfällen sind wir gegenwärtig
Ein flüchtiges Gefühl von Liebe und Freude oder kurze Momente tiefen Friedens sind möglich, wann immer eine Unterbrechung im Gedankenstrom entsteht. Für die meisten Menschen geschehen diese Unterbrechungen selten und nur zufällig in Momenten, in denen der Verstand „Sprachlos“ ist, manchmal hervorgerufen durch immense Schönheit, außerordentliche körperliche Anstrengung oder sogar durch große Gefahr. Wenn du dich jemals in einer Notsituation auf Leben und Tod befunden hast, wirst du wissen, dass es da kein Problem gab. Der Verstand hatte keine Zeit, mit der Situation herumzuspielen und ein Problem daraus zu machen. In der wirklichen Notlage hält der Verstand an; du wirst vollkommen gegenwärtig im Jetzt, und eine unendlich viel größere Kraft übernimmt die Führung. Deshalb gibt es so viele Berichte von ganz normalen Leuten, die plötzlich unglaublich mutig handeln konnten.

18.  Deine Seele ist unsterblich
Wir erleben uns derzeit als Welle und sehen vor lauter anderen Wellen überhaupt kein Meer. Wir kämpfen ums Überleben und haben Angst, denn die Gefahr, dass die Welle vergeht, ist real. In jedem Moment entstehen und vergehen Trillionen von Wellen auf dem Meer. Sie sind Form an der Oberfläche und im Grunde nichts anderes als das eine Meer. Doch sobald eine Welle tief in sich geht, erkennt sie dass sie unzerstörbar ist, eins mit dem unermesslichen Meer.

19.  Im Jetzt ist alles einfach
Die innere Ausrichtung auf den gegenwärtigen Augenblick erweitert dein Bewusstsein und bring es mit dem Ganzen in Einklang, von dem der gegenwärtige Augenblick ein integraler Bestandteil ist. Dann wirkt das Ganze, die Totalität des Lebens, durch dich. Un in dir herrscht Frieden. Es scheint fast paradox, aber sobald deine innere Abhängigkeit von der Form verschwunden ist, werden sich deine allgemeinen Lebensumstände und äußeren Gegebenheiten wahrscheinlich stark verbessern. Dinge, Menschen oder Umstände, die du für dein Glück zu brauchen glaubtest, kommen jetzt ohne deine Mitwirkung, ohne Mühe auf dich zu, und du kannst dich an ihnen erfreuen und sie würdigen – solange sie da sind. Denn all diese Dinge werden natürlich auch weiterhin wieder verschwinden. Zyklen werden kommen und gehen, aber mit dem Verschwinden der Abhängigkeiten verschwindet auch die Angst vor dem Verlust. Es gibt keinen Grund, darüber unglücklich zu sein.

20.  Erkenne, wie du dir selbst Leid zufügst
Nimm irgendeine Lebenssituation. Wie würdest du dich fühlen, wenn du sie voll und ganz so akzeptiertest, wie sie ist – jetzt in diesem Moment? Du kannst lernen, dass Ungeduld, Gereiztheit, Wut, Grollen und Klagen stets Formen von Leid sind. Erkenne sie, während sie da sind, und sage dir: In diesem Moment verursache ich mir Leid. Verstehe, wenn du gewohnheitsmäßig dir selbst Leid zufügst, verursachst du möglicherweise auch anderen Leid. Die unbewussten mentalen Muster hören meist dadurch auf, dass sie bewusst gemacht und wahrgenommen werden, während sie ablaufen. Du kannst nicht bewusst sein und dir zugleich selbst Leid zufügen.

(Eckhart Tolle im Gespräch mit Christiane Schönemann - aus „Happinez“ – Bauer Premium KG)

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Selbstfürsorge

Die meisten Menschen haben nie gelernt, liebevoll und unverbrüchlich zu sich selbst zu halten, für sich einzustehen und auf sich aufzupassen. Viele Menschen wissen nicht mal, dass sie das dürfen und auch müssen, wenn sie gesund bleiben wollen.
In der Selbstfürsorge achten wir darauf, was wir uns geben, was wir brauchen. Aber woher wissen wir, was das ist? Indem wir uns achtsam zuhören. Uns glauben. Und uns ernst nehmen.
In der Selbstfürsorge haben wir die anderen durchaus im Blick. Doch nicht an erster Stelle und schon gar nicht ausschließlich. Denn für andere können wir nur da sein, wenn wir selbst gut versorgt und genährt sind. Wenn ich Geld für eine gute Sache spenden will, mich es übrig haben. Nachdem ich meine Miete, den Strom, die Steuer, meine Nahrung und das Katzenfutter bezahlt habe. Die neuen Schuhe kann ich mir verkneifen, damit ich etwas zum Spenden habe. Aber nicht die gesunde Nahrung für mich und die, die ich versorge. Denn wenn ich selbst bedürftig werde, dann kann ich bald nichts mehr für andere tun.
Es fühlt sich nur deshalb so kompliziert an, gut für uns selbst zu sorgen, weil wir immer versuchen, es anderen recht zu machen statt uns. Und weil wir nie gelernt haben, unsere eigenen Bedürfnisse als das zu erkennen, was sie sind: eindeutige Hinweise unseres Körpers und unserer Psyche, die uns zeigen, was wir tun müssen, um gesund zu bleiben.
Leider sitzen wir oft genug dem Irrtum auf, unsere Bedürfnisse stünden zur Verhandlung seien lediglich Vorschläge, die unser Inneres uns unterbreitet. Wir glauben, wir hätten, die Wahl, ob wir sie erfüllen oder nicht. Nun die Wahl haben wir tatsächlich. Doch die Konsequenzen tragen wir auch, wenn wir uns nicht geben, was wir brauchen. Dann fühlen wir uns von uns selbst im Stich gelassen, und das stimmt ja auch.
Und wir können es uns nicht oft genug bewusst machen, deshalb schreibe ich immer wieder: Wenn wir uns nicht in selbst sicher und gut aufgehoben fühlen, dann suchen wir diese Sicherheit im Außen. Wir verbiegen uns, damit wir sie bekommen. Das funktioniert natürlich nicht auf Dauer. Das spüren wir, verbiegen uns noch mehr und machen alles immer schlimmer.

 

GESUNDE ENTSCHEIDUNGEN

Schlafe, wenn du Müde bist.

Nimm gesunde Nahrung zu dir, wenn du Hunger hast.

Trinke genug Wasser

Bewege dich genügend. Am besten in der Natur.

Beende ungesunde Beziehungen und führe Beziehungen, die dir guttun.

Sorge dafür, dass du eine Arbeit hast, die die erfüllt.

Lebe in einer Umgebung, die dich inspiriert und dir Geborgenheit schenkt.

Entferne alles aus deinem Leben, das dir Kraft raubt. Dinge, Beziehungen, Gewohnheiten.

Finde heraus, wofür du wirklich brennst, und tu das. Egal, ob du damit Geld verdienst oder nicht, ob es deiner Familie gefällt oder nicht. Und egal, wie alt du bist.

Lebe mit Tieren, wenn es dich erfüllt.

(aus „Jede Wunde lässt sich heilen“ von Susanne Hühn – Gräfe und Unzer Verlag GmbH)

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Zehn Gebote der Gelassenheit

1.  Nur für heute werde ich mich bemühen, den Tag zu erleben, ohne alle Probleme meines Lebens auf einmal lösen zu wollen.

2. Nur für heute werde ich mich mit größter Sorgfalt um mein Auftreten kümmern: vornehm in meinem Verhalten; ich werde niemanden kritisieren; ja ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern, höchstens mich selbst.

3. Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich für das Glück geschaffen bin, nicht nur für die andere, auch für diese Welt.

4. Nur für heute werde ich mich den Umständen anpassen, ohne zu verlangen, dass die Umstände sich meinen Wünschen anpassen.

5.  Nur für heute will ich eine halbe Stunde meiner Zeit meiner körperlichen oder seelischen Gesundheit widmen, der Entspannung, einer guten Lektüre oder körperlicher Betätigung.

6. Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen, und ich werde es niemanden sagen.

7. Nur für heute werde ich eine Sache erledigen, zu der ich keine Lust habe.

8. Nur für heute werde ich mir ein Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich daran, aber ich werde mich vor zwei Übeln hüten: der Hetze und der Unentschlossenheit.

9. Nur für heute werde ich fest glauben – selbst wenn die Umstände dem widersprechen sollten -, dass eine gütige höhere Macht sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.

10. Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen was schön ist, und an die Güte zu glauben.

(Unbekante/r Verfasser/in) 

„In jedem von uns steckt ein Held; sprich zu ihm, und er wird zum Vorschein kommen.“

(Unbekannter Verfasser)

Die Stimme des Ansagers auf dem Video zittert vor Aufregung: „Meine Damen und Herren, Sie sehen nun eine Spitzenleistung, die David Seale zum ersten Mal in seinem Leben vollbringt, ein Meisterstück, das totale Konzentration, Wagemut und Koordinationsvermögen erfordert. Was sie jetzt gleich beobachten werden, hat David nicht von einem Tag auf den anderen geschafft. Es erforderte monatelange Vorbereitung. Und hier kommt er auch schon!“

Eine Gestalt erscheint auf dem Bildschirm. David macht einen entspannten, zuversichtlichen Eindruck. Er wird gleich eine Reihe komplexer Bewegungen vollführen, die einen guten Gleichgewichtssinn erfordern. Ein paar Sekunden lang steht er zögernd am Startpunkt, dann beginnt er sich zu bewegen, den Blick nach vorne gerichtet und hundertprozentig auf die Aufgabe konzentriert, die vor ihm liegt, aber dennoch ganz entspannt.
Plötzlich geht ein Zittern durch seinen Körper. Er strauchelt und wäre beinahe gestürzt! Doch rasch fängt David sich wieder. Ohne auch nur eine Sekunde seiner kostbaren Zeit mit Gefühlen wie Zorn oder Angst zu verschwenden, rappelt er sich wieder auf und bewegt sich weiter auf sein Ziel zu. Sein Gesichtseindruck ist konzentriert und doch ruhig und gelassen.
Als David sich dem Ziel nähert, gerät er noch einmal ins Schwanken, doch auch diesmal erlangt er das Gleichgewicht wieder. Mit strahlendem Gesicht streckt er die Arme aus. Noch ein letzter Spannender Augenblick, in dem alle Zuschauer die Luft anhalten; dann atmen sie erleichtert auf und applaudieren begeistert, als der zehn Monate alte Meisterathlet David Seale sich in die ausgestreckten Arme seiner Mutter fallen lässt. David hatte zum ersten Mal in seinem Leben ganz allein den Wohnzimmerteppich überquert und sein Vater hat dieses denkwürdige Ereignis auf Video festgehalten.

In unserer Kindheit haben wir alle Körper, Geist und Seele beherrscht, frei von Ängsten und Sorgen und ganz auf den jetzigen Augenblick konzentriert. Unser Körper war entspannt, sensibel und elastisch und bewegte sich in harmonischem Einklang mit den Gesetzen der Schwerkraft, und wir ließen unseren Emotionen spontan und ohne Hemmungen freien Lauf. Noch heute steckt in jedem von uns ein Meisterathlet, der nur darauf wartet, geboren zu werden.

Wenn wir am Anfang unseres Lebens stehen, verfügen wir über nahezu unbegrenzte Möglichkeiten. Doch die meisten von uns verlieren den Kontakt zu den Begabungen ihrer Kindheit. Wir belasten uns mit Ansichten und Vorstellungen, die uns einengen, beginnen unsere Gefühle zu verleugnen, und unser Körper verspannt sich.

(„Die Kraft des friedvollen Kriegers“ – Dan Millman, Ulllstein Taschenbuchverlag)

Als ich die letzten Zeilen gelesen habe, kam mir sofort der Yoga in den Sinn.

In unserer Kindheit haben wir alle Körper, Geist und Seele beherrscht, frei von Ängsten und Sorgen und ganz auf den jetzigen Augenblick konzentriert. Unser Körper war entspannt, sensibel und elastisch und bewegte sich in harmonischem Einklang mit den Gesetzen der Schwerkraft, und wir ließen unseren Emotionen spontan und ohne Hemmungen freien Lauf.

Das ist für mich eine ziemlich gute Beschreibung, was wir im Yoga finden können, wenn nicht sogar eine der besten, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Wir lassen wohl unseren Emotionen nicht unbedingt mehr freien Lauf, aber seine Emotionen wieder richtig zu spüren und einordnen zu können, ist auch ein wichtiger Aspekt, der sich entwickeln kann.

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„Wichtige Dinge verschwinden nicht. Sie schlummern scheinbar in der Tiefe. Doch wenn ihre Zeit gekommen ist, erwachen sie und erscheinen wie neu.“ 

(Susanne Fischer Rizzi)

Die Kunst des Rückzugs

Ein Krieger des Lichts, der zu sehr seiner Intelligenz vertraut, unterschätzt am Ende die Kraft seines Gegners.
Man darf nie vergessen: Es gibt Augenblicke, da ist die Kraft wirkungsvoller als der Scharfsinn. Und wenn wir uns einer bestimmten Form von Gewalt gegenübersehen, wird kein Geistesblitz, kein Argument, wird weder Scharfsinn noch Charme die Tragödie verhindern können.
Daher unterschätzt der Krieger nie die rohe Gewalt: Wenn sie irrational und aggressiv ist, zieht er sich vom Schlachtfeld zurück, bis der Gegner seine Kraft verbraucht hat.
Allerdings sollte eines klar sein: Ein Krieger des Lichts ist niemals feige. Die Flucht kann ein geschickter Verteidigungszug sein, aber sie darf nie angetreten werden, wenn die Angst groß ist.
Im Zweifelsfalle nimmt der Krieger lieber die Niederlage in Kauf und pflegt seine Wunden, denn er weiß, dass er dem Angreifern durch seine Flucht größere Überlegenheit zugesteht, als dieser verdient.
Physische Wunden lassen sich behandeln, doch spirituelle Schwächen verfolgen einen ewig. In schwierigen und schmerzlichen Augenblicken stellt sich der Krieger der ungünstigen Situation entschlossen, heldenhaft und mutig. Um den rechten Geisteszustand zu erreichen (denn der Krieger des Lichts zieht in einen Kampf, in dem er die schlechteren Karten hat und möglicherweise leiden wird), muss er genau wissen, was ihm schaden kann.

Okakura Kasuko schreibt darüber in seinem Buch über die Teezeremonie:

„Wir schauen auf die Bosheit der anderen, weil wir die Bosheit durch unser eigenes Verhalten kennen. Wir verzeihen denen niemals, die uns verletzt haben, weil wir glauben, dass sei uns auch nie verzeihen werden. Wir sagen dem anderen die schmerzliche Wahrheit ins Gesicht, die wir selbst nicht wahrhaben wollen. Wir zeigen unsere Kraft, damit niemand unsere Zerbrechlichkeit sieht.
Daher sei dir immer bewußt, wenn du über deinen Bruder richtest, dass du es bist, der vor Gericht steht.“

Manchmal kann dieses Bewusstsein einen Kampf verhindern, der nur Nachteile bringen würde. Manchmal hingegen gibt es keinen Ausweg, sondern nur den Kampf mit ungleichen Chancen.
Wir wissen, dass wir verlieren werden, der Feind oder die Gewalt lassen uns keine andere Wahl, denn Feigheit kommt für uns nicht in Frage. Dann müssen wir das Schicksal annehmen. Dazu kommen mir jetzt Zeilen aus der großartigen Bhagavadgita (Kapitel II, 20-16) in den Sinn:

„Der Mensch wird nicht geboren, und er stirbt nie. Er ist auf dieser Welt, um zu leben, er hört nie auf zu leben, denn er ist ewig und unvergänglich.
So wie der Mensch die alten Kleider ablegt und neue anlegt, so legt die Seele den alten Körper ab und erhält einen neuen.
Die Seele selbst aber ist unzerstörbar. Schwerter können sie nicht schneiden, Feuer sie nicht verbrennen, Wasser sie nicht nass machen, der Wind sie nicht austrocknen. Sie steht außerhalb der Macht all dieser Dinge.
Da der Mensch unzerstörbar ist, ist er (auch in seinen Niederlagen) immer siegreich, und daher sollte er nie klagen.“

(Paulo Coelho)

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Vorsicht vor negativen Bildern

Liefern wir dem Unterbewusstsein symbolkräftige Bilder, dann kann es gar nicht anders, als zu verwirklichen, was wir ihm zeigen, denn wir benutzen damit seine Sprache. Es ist immer wieder faszinierend, zu beobachten, wie das Unterbewusstsein die Macht besitzt, alles Realisierbare, was wir ihm wiederholt bildhaft zeigen, zu manifestieren. Seien wir als vorsichtig, dem Unterbewusstsein negative Bilder über uns selbst oder angstvolle Zukunftsvisionen zu übermitteln. Es unterscheidet nämlich nicht zwischen dem, was wir uns wünschen, und dem, was wir fürchten.

Wenn wir ihm Bilder oder auch nur die Beurteilung eines visuellen Eindrucks geben, nimmt es das als reale Information.

Doch es kommt es auch auf den Kontext an. Während ein großer, mächtiger Baum ein unzweideutiges Symbol für Stabilität und langsames, aber stetiges Wachstum ist, gibt es viele Bilder, mit denen verschiedene Menschen Unterschiedliches verbinden. Dem können beispielsweise Erfahrungen oder Glaubenssätze zugrunde liegen. Aus einem ursprünglich neutralen Bild kann so ein negatives werden.

Falls sie also in der neuen weißen Jeans vor dem Spiegel stehen und denken: „Meine Güte, hab ich einen fetten Po!“, wird das Unterbewusstsein als Information aufnahmen, dass Sie dick und hässlich sind, verbunden mit dem mitgelieferten Gefühl des Missfallens. Mit diesem im Hintergrund abgespeicherten >>Wissen<<, scheinbar unattraktiv und nicht liebenswert zu sein, wird die Laune erheblich sinken, oder?

Sie können dem Unterbewusstsein aber ebenso gut eine positive Beurteilung des visuellen Eindrucks geben: „Klasse, in der weißen Jeans sehe ich sehr feminin aus.“ Das Unterbewusstsein merkt sich, dass Sie schön und liebenswert sind. Damit mögen Sie sich und sind selbstbewusst und fröhlich. Da wir weibliche Wesen selten an einem Mangel an Selbstkritik leiden, lassen wir uns ohnehin noch genügend „Korrekturmaßnahmen“ einfallen …

Sobald wir die Sprache des Unterbewusstseins kennen und anwenden, erschließen wir uns kreative Fähigkeiten, ein wunderbares Selbstwertgefühl und ursprüngliche Lebensfreude, die vielleicht schon viel zu lange verschüttet sind. Die Bilder, mit denen wir das erreichen, wirken heilsam und harmonisierend auf Psyche, Lebensgefühl und Gesundheit.

(aus „Meditation mit inneren Bildern“ von Gabriele Rossbach, erschienen im Gräfe und Unzer Verlag 2017)

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Was kann mir Yoga geben?

In einer Zeit, in der man nicht mehr genau weiß, was man glauben soll? Nicht mehr genau weiß, ob unsere Gesellschaft den richtigen Weg geht. Wenn Menschen mit verfassungskritischen Gedankengut nach Grundrechten in unserem Parlament rufen, fühle auch ich mich manchmal nicht wirklich wohl und mich beschleichen Zukunftsängste.

Aber was kann ich für mich persönlich tun, damit es mir gut geht?

Ein geflügeltes Wort ist Resilienz. Resilienz - psychische Widerstandskraft, die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen. Wie stärke ich mich gegen die vielen verwirrenden und verunsichernden und verängstigenden Nachrichten? Im Grunde lebt jeder in seiner eigenen Welt und selektiert die Informationen, die man wahrnehmen will. Somit erlebt und lebt jeder seine ganz persönliche Wirklichkeit. Und aus dieser Erkenntnis sollte einem bewusst sein, dass ich auch immer die Wahl habe und entscheiden kann, wie ich auf Einflüsse, Informationen und Nachrichten reagieren möchte.

Natürlich gibt es auch immer Momente, in denen man unaufmerksam ist und einem die Kontrolle entgleitet. Dann steigen unkontrolliert Angst, Wut oder Ärger auf und übernehmen das Zepter.

Aber wie kann ich mich wappnen, welches Rüstzeug hilft mir, damit ich möglichst gut für mich sorge, ich ausgeglichen und entspannt bin. Wenn ich diesen Zustand erreiche, kann ich auch auf schwierige Situation angemessen und ruhig reagieren. Immer wenn ich im Inneren stabil und gelassen bin, ist es leicht, gesund und entspannt zu Leben. Nun stellt sich die Frage, wie kann ich mich möglichst gut rüsten, um den Stürmen des Lebens stand zu halten. Es gibt eine Vielzahl an Seminaren, Werkzeugen und Tipps, Resilienz zu stärken.

Es gibt aber auch eine einfache Möglichkeit, hier kann dich Yoga unterstützen und stärken. Hier hast du die Möglichkeit, deinen ganz persönlichen Raum zu erweitern und dich zu stärken. Der Yoga bedeutet ja nicht nur Körperübungen, sondern ist ein Lebensweg, eine innere Einstellung zu dir selbst und zu deiner Umwelt. Abgesehen von einer friedvollen und gesunden Lebenseinstellung hilft er dir, ein entspanntes Leben zu führen.

Durch regelmäßige Yogapraxis findest du Ruhe und Gelassenheit im Inneren und dies wirkt auch nach außen. Du entwickelst Lebensfreude, innere Stärke, dein Körper wird straff und kräftigt sich, während dein Geist ruhig und ausgeglichen wird. Du weißt, dass du aus deiner eigenen Stärke dein Leben selbst in die Hand nehmen kannst. Du gehörst nicht zu den Menschen, die bei Problemen und Hindernissen in eine ängstliche Starre verfallen und zu nichts mehr in der Lage sind. Vielleicht auch nur noch schimpfen, die negativen Informationen aufsaugen und anderen die Schuld für alles geben. Nein, du behältst die Übersicht, machst dir deine eigenen klaren Gedanken, ziehst logische Schlüsse und lässt dich nicht blenden durch versuche der Manipulation.

Du wirst selbst zum Gestalter deines Lebens, Hindernisse und Probleme lassen dich erst richtig kreativ werden und du bist der Steuermann deines Lebens. Du weißt um deine Stärken, deinem Wert und du brauchst dich vor nichts zu ängstigen. Du weißt, dass alles kommt und auch wieder geht, nur wie du diese Zeit erfährst und erlebst, kannst nur du selbst entscheiden. Du lässt dich nicht leben, du lebst Dein Leben.

Meist unterschätzen Yoga Übende die Kraft, die sich in der Persönlichkeit entwickelt. Nicht selten verändern sich beim Yoga praktizierenden Menschen auch das private Umfeld. Es entsteht Mut und du packst Veränderungen an, von denen du schon immer im Innersten gespürt hast, dass sie genau richtig für dich sind. Auch wenn es durch eine Zeit der Anstrengung und des Umbruchs geht, wird es am Ende deine Zeit.  Aber wie alles im Leben braucht auch das seine Zeit. Du solltest dir auch die nötige Zeit geben.

Es ist wichtig seine Grenzen zu erspüren, aber sie auch liebevoll achten. Im Laufe deiner Praxis werden sich diese Grenzen in allen Belangen des Lebens verändern. Wenn du dich darauf ein lässt, dann wird es eine spannende Zeit, in der du dich verändern darfst. Zu dir finden kannst und deine wahre Natur erkennen kannst.

Ich lade dich gerne ein, es auszuprobieren und selbst zu spüren, ob Yoga etwas für dich ist. Allerdings solltest du schon ein paar Mal Üben, um dir ein realistisches Bild machen zu können. Probiere es einfach aus, lass dich drauf ein und genieße es ohne Erwartungen.

Ich dachte früher auch, dass Yoga nichts für mich ist, bis ich mich darauf eingelassen habe und es ausprobiert habe. Nachdem ich die wunderbare Wirkung am eigenen Körper und Geist erfahren konnte, war ich so fasziniert, dass ich mehr lernen wollte und mich für eine Yogaausbildung entschieden habe.

Ich war lange auf der Suche nach dem passenden Yoga, habe viele Yogastiele und Yogaschulen ausprobiert. Einige Yogalehrer kennen gelernt, bis ich fast zufällig zum Spiraldynamik Yoga kam. Die Asanas waren mir bekannt und vertraut, sie unterschieden sich nur in kleinen Nuancen, aber die Wirkung, die ich danach spüren durfte, war unbeschreiblich. So hatte ich genau mein Yoga gefunden.  Nun praktiziere ich für mich und mit meinen Schülern schon ein paar Jahre und es ist immer wieder ein großartiges Gefühl, gemeinsam zu praktizieren und diese positive Energie zu spüren, die sich durch die gemeinsame Praxis entwickelt. Yoga hat mir wieder mehr Gelassenheit und Entspannung geschenkt und mich zu meinem inneren Wesenskern geführt. Ich fühle mich stark, belastbar und kraftvoll in allen Bereichen des Lebens. Was nicht heißt, dass nicht auch ich graue Tage erlebe. Aber ich sehe sie als notwendig, um die blauen wirklich zu genießen und zu schätzen.

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Ein bewusster Atemzug

Der beste Maßstab für deinen Gard an Bewusstheit ist, wie du mit den Herausforderungen des Lebens umgehst, wenn sie auf dich zukommen. Jemand, der schon unbewusst ist, neigt dann dazu, noch unbewusster zu werden. Herausforderungen können unseren Lebensfluss unterbrechen.  Was du vielleicht als unangenehme Unordnung, als Chaos empfindest, kann eine große Chance sein, um deine wahre Natur zu erkennen. Zuerst geht es darum, dir klar darüber zu werden, dass es in der Natur der Dinge liegt, mit dem Chaos des Universums konfrontiert zu werden - ganz gleich, was du in deinem Leben tust. Wenn du das erkennst und annimmst, machst du dich frei von der Illusion der Passivität deiner Existenz. Du kommst in einen Zustand der Gelassenheit und des Vertrauens. Dein Gegenwartsbewusstsein wächst und beleuchtet, was jenseits deiner Ego-Persönlichkeit oder deines physischen Körpers liegt. Je mehr du dein Gegenwartsbewusstsein wächst und beleuchtet, was jenseits deiner Ego-Persönlichkeit oder deines physischen Körpers liegt. Je mehr du dein Gegenwartsbewusstsein kultivierst, desto besser bist du auf diese Unordnungen im Leben, auf das Chaos des Universums vorbereitet.

Manche Menschen verlieren durch einen plötzlichen Vorfall scheinbar alles, was sie haben. Durch einen schweren Unfall, durch eine Krankheit, aber auch durch einen Umweltkatastrophe oder durch politische Übergriffe werden sie mit schweren Verlusten konfrontiert. Dieser Schmerz erscheint uns zutiefst dramatisch und unnötig. Frage dich in solch einem Moment: Wer bin ich, wenn ich mich plötzlich mit nichts mehr identifizieren kann? Die Kontemplation dieser Frage kann für uns zu einem großen Tor in die Tiefe unserer Existenz und unseres Bewusstseins werden. Extreme Situationen können einen Prozess des Erwachens katalysieren. Viele Menschen schieben gerne die Schuld für ihr Unglück auf äußere Umstände. Doch du bist deinem Schmerzkörper und der Ego-Identität nicht ausgeliefert, sondern kannst dich selbst bewusst verändern und kannst wachsen. Du trägst eine Verantwortung für deine eigene Transformation. Die ideale Situation für deine spirituelle Praxis ist immer im Hier und Jetzt.

Nimm einen bewussten Atemzug. Der Atem eignet sich sehr gut, um die formlose Dimension in dir zu erkennen. Die Wurzel des deutschen Wortes Atem liegt im Wort „Atman“ aus dem Sanskrit. Atman bedeutet göttlich und steht für die Tiefendimension der Dinge. Durch eine einfache Atemübung kannst du dir der Tiefendimension bewusstwerden. Integriere diese Mini-Meditation möglichst häufig in deinen Alltag. Atme einfach bewusst ein und aus. Bleib dabei gegenwärtig. Achte auf die Empfindungen des Atems. Spüre, wie die Luft in deinen Körper einströmt und wieder ausströmt. Bewusstes Atmen bringt dein Denken zum Stillstand. Doch im Gegensatz zu jemand, der in Trance oder halb im Schlaf ist, bist du hellwach und voll da. Du sinkst nicht unter die Schwelle des Denkens, sondern erhebst dich über sie. Und wenn du genau hinschaust, entdeckst du, dass die zwei Dinge – ganz in den gegenwärtigen Augenblick zu kommen und gedankenleer zu werden, ohne das Bewusstsein zu verlieren – im Grunde ein dasselbe sind: das Heraufdämmern des Raumbewusstseins.

(Happinez Kolumne von Eckhart Tolle – Jahrgang 12, Nr. 4 – 2021, Heinrich Bauer Verlag KG)

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Die Kunst des Rückzugs

Ein Krieger des Lichts, der zu sehr seiner Intelligenz vertraut, unterschätzt am Ende die Kraft seines Gegners.
Man darf nie vergessen: Es gibt Augenblicke, da ist die Kraft wirkungsvoller als der Scharfsinn. Und wenn wir uns einer bestimmten Form von Gewalt gegenübersehen, wird kein Geistesblitz, kein Argument, wird weder Scharfsinn noch Charme die Tragödie verhindern können.
Daher unterschätzt der Krieger nie die rohe Gewalt: Wenn sie irrational und aggressiv ist, zieht er sich vom Schlachtfeld zurück, bis der Gegner seine Kraft verbraucht hat.
Allerdings sollte eines klar sein: Ein Krieger des Lichts ist niemals feige. Die Flucht kann ein geschickter Verteidigungszug sein, aber sie darf nie angetreten werden, wenn die Angst groß ist.
Im Zweifelsfalle nimmt der Krieger lieber die Niederlage in Kauf und pflegt seine Wunden, denn er weiß, dass er dem Angreifern durch seine Flucht größere Überlegenheit zugesteht, als dieser verdient.
Physische Wunden lassen sich behandeln, doch spirituelle Schwächen verfolgen einen ewig. In schwierigen und schmerzlichen Augenblicken stellt sich der Krieger der ungünstigen Situation entschlossen, heldenhaft und mutig. Um den rechten Geisteszustand zu erreichen (denn der Krieger des Lichts zieht in einen Kampf, in dem er die schlechteren Karten hat und möglicherweise leiden wird), muss er genau wissen, was ihm schaden kann.

Okakura Kasuko schreibt darüber in seinem Buch über die Teezeremonie:

„Wir schauen auf die Bosheit der anderen, weil wir die Bosheit durch unser eigenes Verhalten kennen. Wir verzeihen denen niemals, die uns verletzt haben, weil wir glauben, dass sei uns auch nie verzeihen werden. Wir sagen dem anderen die schmerzliche Wahrheit ins Gesicht, die wir selbst nicht wahrhaben wollen. Wir zeigen unsere Kraft, damit niemand unsere Zerbrechlichkeit sieht.
Daher sei dir immer bewußt, wenn du über deinen Bruder richtest, dass du es bist, der vor Gericht steht.“

Manchmal kann dieses Bewusstsein einen Kampf verhindern, der nur Nachteile bringen würde. Manchmal hingegen gibt es keinen Ausweg, sondern nur den Kampf mit ungleichen Chancen.
Wir wissen, dass wir verlieren werden, der Feind oder die Gewalt lassen uns keine andere Wahl, denn Feigheit kommt für uns nicht in Frage. Dann müssen wir das Schicksal annehmen. Dazu kommen mir jetzt Zeilen aus der großartigen Bhagavadgita (Kapitel II, 20-16) in den Sinn:

„Der Mensch wird nicht geboren, und er stirbt nie. Er ist auf dieser Welt, um zu leben, er hört nie auf zu leben, denn er ist ewig und unvergänglich.
So wie der Mensch die alten Kleider ablegt und neue anlegt, so legt die Seele den alten Körper ab und erhält einen neuen.
Die Seele selbst aber ist unzerstörbar. Schwerter können sie nicht schneiden, Feuer sie nicht verbrennen, Wasser sie nicht nass machen, der Wind sie nicht austrocknen. Sie steht außerhalb der Macht all dieser Dinge.
Da der Mensch unzerstörbar ist, ist er (auch in seinen Niederlagen) immer siegreich, und daher sollte er nie klagen.“

(Paulo Coelho)

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Erzähl uns vom Sinn der Stille

Ein einsamer Mönch, der gerade aus einem Brunnen Wasser schöpfte, bekam von einer Gruppe Menschen Besuch. Sie sagten zu ihm: "Erzähl uns vom Sinn der Stille."

Der Mönch antwortete: "Blickt in den Brunnen. Was könnt ihr sehen?"

Die Menschen blickten in den Brunnen, dessen Wasseroberfläche noch sehr bewegt war. Sie antworteten: "Wir sehen nichts."

Nach einer Weile, als sich das Wasser etwas beruhigt hatte, sagte der Mönch: "Blickt noch mal in den Brunnen. Was seht ihr jetzt?"

Die Menschen blickten in den Brunnen und antworteten: "Jetzt sehen wir uns."

Nach einer Weile, die Wasseroberfläche war jetzt ganz ruhig, sagte der Mönch: "Blickt noch einmal in den Brunnen. Was seht ihr jetzt?"

Die Menschen blickten hinein und antworteten: "Jetzt sehen wir den Grund." 

Da lächelte der Mönch und sagte: " Das ist der Sinn der Stille. Sie lässt uns den Grund aller Dinge sehen."

(aus Der Prophet, Patmos Verlag -  von Kahlil Gibran (1883 - 1931), Dichter, Philosoph und Künstler, wurde im Libanon geboren und emigrierte in jungen Jahren  in die USA, Boston. Sein Lebenswerk galt der Versöhnung der westlichen und arabischen Welt. Der Prophet, erschienen 1923 (dt. Erstausgabe 1925)und gilt als Hauptwerk, zugleich  wohl als sein bekanntestes Werk.)

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Yoga und Sprialdynamik ®

In Yogakreisen kursieren immer wieder Artikel mit der Aussage, man solle endlich mit dem „Over Alignement“ der Asanas aufhören. Begründet wird dies u. a. damit, dass man durch viel Ausrichtung nur den technisch-körperlichen Aspekt des Yoga bedienen würde. Zudem sei ohnehin jeder Körper anders beschaffen und würde somit eine andere Ausrichtung benötigen. Nach meiner Erfahrung als Yogalehrerin und Dozentin der Spiraldynamik kann ich die Aussagen nicht bestätigen.

Zwar hat jeder Körper seine individuelle Anatomie, dennoch ist der Bauplan des Menschen so universell, dass auch die Ausrichtung des Körpers als universell verstanden werden kann. Die Spiraldynamik bietet ein dreidimensionales anatomisches Konzept der menschlichen Haltungs- und Bewegungskoordination, eine Gebrauchsanweisung für den eigenen Körper. Warum dies von Bedeutung ist, kann man im Fachbuch „Medical Yoga professional“ nachlesen: „Um schließlich in der Meditation die körperliche Hülle loslassen zu können, muss der Yogi zuvor von ihr Besitz ergriffen haben.“ Auch der spirituelle Lehrer Eckehart Tolle beschreibt den Zustand der Bündelung der Aufmerksamkeit im Körper als einen zustand höchster Kraft und Präsenz. Das Wissen darüber, wie der Körper funktioniert, die Ausrichtung der Wahrnehmung und somit des Geistes darauf, zu spüren, ob man den Körper wirklich bestimmungsgemäß gebraucht, bietet die Achtsamkeit, Verletzungsprophylaxe und Entwicklungspotential in einem. Was in der Therapie logisch erscheint, fühlt sich in der Praxis richtig an.

Viele Menschen beginnen mit einer regelmäßigen Yogapraxis, weil sie ihre körperlichen Beschwerden lindern möchte. Sehr häufig ist es der Rücken, der zwickt und zwackt und regelmäßig zu Einschränkungen der Lebensqualität führt. Knie- und Schulterprobleme betreffen ebenfalls einen hohen Anteil der Yoga-Einsteiger. Auch bei Yogaschülern mit langjähriger Praxis treten – meist durch zu viel Ehrgeiz und wiederholt falsche Ausrichtung in den Asanas – körperliche Einschränkungen bzw. Verletzungen auf. Yogalehrer fühlen sich einem hohen Druck ausgesetzt, den unterschiedlichen körperlichen Bedürfnissen ihrer Schüler gerecht zu werden uns ich sicher durch die Asana-Praxis zu leiten. Es gibt eine große Unsicherheit im Umgang mit den verschiedenen Beschwerdebildern.

Die Anatomie des Menschen hat eine klare, nachvollziehbare Systematik, dir durch die Spiraldynamik ® praktisch nutzbar gemacht wurde. Die Kenntnis darüber hilft Yogalehrern wie -schülern. Insbesondere Yogalehrer müssen sich nicht mehr mit verschiedenen Aussagen zur individuellen Ausrichtung der Asanas auseinandersetzen. Wenn man weiß, wie der Körper funktioniert, wenn man die Prinzipien der Spiraldynamik und somit den menschlichen Bauplan verstanden hat, kennt man die anatomisch korrekte Ausrichtung, die auch speziellen Bedürfnissen Rechnung trägt und zur bestmöglichen Ausschöpfung des eigenen Körperpotentials und zur Verfeinerung der Asana-Praxis führt.

Bewegungsintelligenz wieder neu erlernen

Doch warum kommt die körpergerechte Ausrichtung in den Asanas nicht von selbst zustande? Warum benötigen wir überhaupt Anleitung dazu? Dafür gibt es verschiedenen Gründe:

1.     In den verschiedenen Yogastilen bestehen sehr unterschiedliche Meinungen zur Ausrichtung in Köperhaltungen, die oft nicht aus tiefgreifendem anatomischem Wissen heraus entstanden sind, sondern weil unreflektiert veraltetes Wissen übernommen wurde. Der Umfang und die Qualität der Ausbildung auf diesem Gebiet bietet vielfach nur anatomisches Faktenwissen anstelle von funktionellen Zusammenhängen und er Übertragung dieser auf die Ausführung der Asanas.

2.     Wir haben Bewegung verlernt. Schon kleine Kinder bewegen sich zu wenig. Als Baby sitzen sie in Babywippen, später werden Kinder in ihrem Bewegungsdrang ausgebremst – aus Angst, sie könnten sich verletzen. Und spätestens im Schulalter nimmt das Sitzen überhand. Während vor hundert Jahren noch fast alle beruflichen Tätigkeiten mit körperlicher Betätigung verbunden waren, sitzt heute die Mehrzahl der Erwachsenen am Schreibtisch. Unsere Vorfahren sind täglich ca. 20 Kilometer pro Tag gelaufen. Gehen ist ein archaisches Bewegungsmuster, das alle Elemente unserer Bewegungskoordination enthält. Der gesamte Körper wird durchbewegt, und die anatomisch korrekte Bewegungskoordination kann erhalten werden. Heute sind wir im wahrsten Sinne des Wortes sesshaft geworden. Wen wundert es, wenn sich unsere Bewegungsintelligenz nicht mehr entfalten kann und wir in ungesunden Mustern feststecken?

Bewegungsintelligenz ist erlernbar. Wir benötigen dazu Körperwissen und eine gezielte Anleitung. Yoga bietet wunderbare Gelegenheiten dafür. Spiraldynamik ist auf die Bewegungsformen in allen Bewegungsdisziplinen universell anwendbar – so auch auf Yoga. So trifft die alte indische Tradition auf modernes Anatomieverständnis und entfaltet ein hohes therapeutisches Potential zur Gesundung des Körpers und zur Verletzungsprophylaxe. Die Yogastellungen erhalten eine neue Qualität, weil der Körper durchlässiger wird und der Energiefluss sich fei entfalten kann. Mit dem Wissen über die Spiraldynamik ® zu üben, erhöht unsere Sensibilität, Bewegungen anatomisch korrekt auszuführen, und hilft so auch, unsere Bewegungsqualität im Alltag zu verbessern, da die Prinzipien übertragbar sind. Was nützt es, jeden Tag eine Stunde Yoga zu machen und sich den Rest des Tages mit hängenden Schultern und eingeknickten Füssen zu bewegen? Bewegungsintelligenz steckt in allen Menschen. Es gilt sie zu neuem Leben zu erwecken und zu kultivieren.

 

Anwendung der Spiraldynamik – Beispiel Brustwirbelsäule

Viele Probleme mit dem Rücken – sowohl im Alltag als auch im Yoga – lassen sich darauf zurückführen, dass die Brustwirbelsäule und der gesamte Brustkorb zu unbeweglich sind und die Lendenwirbelsäule zu beweglich ist. Dadurch werden die Drehmomente in die Lendenwirbelsäule zwangsverlagert und verursachen auf Dauer Abnutzung und Schmerzen. Die Lendenwirbelsäule ist aber aufgrund der Stellung der Wirbelgelenke in der Pfeilebene (von vorne nach hinten) nicht für das Drehen geschaffen. Sie kann nur um ca. fünf Grad rotieren. Ganz anders die Brustwirbelsäule: Ihre Wirbelgelenke stehen annähernd parallel zur Stirn und gleiten in der Drehbewegung aneinander vorbei. Ist sie gut trainiert, kann sie sich 40-60 Grad drehen, bei Untrainierten sind es gerade mal 10-30 Grad. Selbst jahrelange Yogapraxis hat bei vielen Schülern, die ich in den Yogastudios beobachtet habe, keine große Veränderung gebracht. Im Gegenteil: Die Lendenwirbelsäule wurde immer beweglicher, die Bandscheiben überlastet, die Brustwirbelsäule blieb in der Rotation und Streckung eingeschränkt. Ein Zeichen dafür, dass man in seinen alten Bewegungsgewohnheiten steckengeblieben ist.

Anhand der Rotation der Brustwirbelsäule möchte ich ein Beispiel dafür geben, welche Veränderung die Spiraldynamik bringen kann. Twists sind im Yoga der „Joker“, wenn es darum geht, die Wirbelsäule Aufrichtung und Beweglichkeit zu verleihen und Schmerzfreiheit zu erreichen. Die spiralige Verschraubung der Wirbelsäule erzeugt eine aufrichtende Kraft, die wesentlich effektiver ist, als die Streckung der Brustwirbelsäule z. B. in der Kobra zu üben. Sie führt zu einer dreidimensionalen Mobilisation der Gelenke, Bänder, Faszien und Bandscheiben. Die Anatomie und die Evolution liefern die Begründung dafür: Die Aufrichtung vom Vierbeiner zum Zweibeiner geht mit der Streckung der Wirbelsäule einher. Fortbewegung auf zwei Beinen im Kreuzgang erfordert Rotation. Ca. 80 Prozent der Rückenmuskulatur verläuft schräg. Ein schönes Beispiel dafür sind die Musculi rotatores (die kleinen Muskeln, die unsere Wirbelkörper miteinander verbinden). Durch ihren Verlauf im Körper bewirken ihre Kontraktion immer eine Rotation in Kombination mit Streckung. Sie bilden die tiefste Schicht der Wirbelsäulenmuskulatur und sind die einzigen Muskeln, die jeden Wirbel einzeln drehen können. Es lohnt sich, sie zu wecken. (Es sind auch die Muskeln, die wir benötigen, wenn wir mal eine schnelle Bewegung machen, z. B. Stolpern oder Ausrutschen und schnell die Balance finden müssen.)

 

Perfekt zum Üben des richtigen Drehens: der Drehsitz

Der Drehsitz ist perfekt geeignet, das richtige Drehen zu üben. Er bietet eine große Auflagefläche am Boden und somit hohe Stabilität. Später kann man das Gelernte auf alle gedrehten Asanas übertragen. Die Rotation der Wirbelsäule um die Längsachse profitiert von einer spürbaren Längsspannung. Die beiden Pole Kopf und Becken richten sich auf und bringen die Wirbelsäule unter Zug. (In der Spiraldynamik spricht man von Polen und dem Körpervolumen dazwischen, wie Kopf und Becken oder Schulter und Hand. Immer wenn sich einer der Pole in seiner Lage im Raum verändert, ändert sich auch die Position der anderen.) Die Kraft des geerdeten Beckens leitet sich nur über ein aufgerichtetes Becken weiter nach oben. (Durch die Erdung des Beckens, bleibt das Becken fixiert und die Rotationsbewegung kann wirklich in der Brustwirbelsäule stattfinden.) Die Wirbelsäule wird geschmeidig aufgespannt, wodurch erreicht wird, dass die Wirbelsäule in der Drehbewegung einen Wirbel nach dem anderen erfassen und in die Gesamtrotation mit einbeziehen. Das Kinn verläuft dabei parallel zum Boden. (Das erreicht man am besten, indem man den Blick am Horizont entlang gleiten lässt und erst in der Endposition die Augen schließt, wenn man das machen möchte.) Die Hände können diese Aufrichtung unterstützen. Eine Hand liegt am Knie des aufgestellten Beinen, die andere stützt seitlich auf dem Boden – ohne schon eine Rotation der Wirbelsäule zu erzwingen. Der aufgestellte Fuß hat Bodenkontakt, bildet eine Linie mit dem Unterschenkel und ist somit in Richtung des Knies orientiert.

Für die Rotation startet die Bewegungseinleitung vom Kopf her. Wir drehen immer erst den Kopf, der Körper folgt. (Der Kopf hat beim Drehsitz keine Führungsfunktion, er wird entspannt mit in die Drehung geführt. Die Bewegungen von Aufrichtung und Rotation bekommen ihren Impuls über den Atem. Einatmend betonst du die Aufrichtung und ausatmend sanft die Rotation.)  Nacken bleibt dabei lang und hält die Polspannung. Die Halswirbel haben eine schräg geführte Gelenkmechanik und werden bei der Rotation nacheinander in die Länge der Wirbelsäule geschraubt. Nach ungefähr 45 Grad Körperdrehung wird die Bewegung fließend in die oberen Brustwirbel weitergeleitet. Der Kopf darf nicht mit Kraft weitergedreht werden. Die Rotationsbewegung läuft von oben über die unteren Brustwirbel zur Lendenwirbelsäule. Da sich diese nur begrenzt drehen kann, sollte der Bauchnabel nach vorne gerichtet bleiben. Dafür muss das Becken aktiv gegen die Drehung des Oberkörpers gehalten und verankert so den Neutralpunkt der Verschraubung bei den neunten Brustwirbeln – genau da, wo er hingehört und wo das Potential für die Drehbewegung am größten ist. Die unteren Rippen auf der Vorderseite des Körpers ziehen so weit zurück, bis sie mit dem Bauch eine Linie bilden und in den Stamm (=Rumpf) integriert sind. Auf der Rückseite halten sie einen sanften Zug nach oben. Das hilft, die Gelenke zu öffnen und die Länge der Wirbelsäule zu halten. Die darüberliegenden Rippen folgen der Drehrichtung des Kopfes und schrauben sich eine nach der anderen nach vorn oben um die Längsachse. Durch die körperliche Erfahrung, so zu praktizieren, erlebt man, welches Körperteil bzw. welches Gelenk sich dreht und welches widerlagert (also dem Körper einen Widerstand bietet, gegen den er sich öffnen kann) – was in fortgeschrittenen Stellungen ganz wichtig ist, um das gesamte Spektrum der Beweglichkeit ausschöpfen zu können.

In den meisten Yogastilen wird eine symmetrische Sitzposition bevorzugt. Cleverer ist es, die 3D-Dynamik der Spirale einzubeziehen. Dafür setzt man sich auf die Ferse des eingeschlagen Beines. Die Gegenseite ist somit tief im Boden verankert, die Lende dieser Seite maximal gedreht. Diese Beckenposition entspricht der Position des Beckens auf der Standbeinseite beim Laufen und führt zur Entfaltung der Rotation im Sinne der gesichert, und der Druck im Gelenk wird über die Bänder in Zug umgewandelt, was zu einer deutlichen Entlastung führt.
Da die Rumpfmuskulatur über die Diagonale den ganzen Rumpf umhüllt, schrauben sich die Muskeln wie eine Doppelhelix in entgegengesetzte Richtungen drehend um den Körper. In der Drehung arbeiten die beiden Schrägsysteme gemeinsam. Ein Anteil kraftvoll kontrahierend, während der andere in eine Vordehnung geht. Spürbar wird dies durch ein Gefühl der Zentrierung um die Mitte. Aufrichten und Drehen in Kombination – das ist das Geheimnis der Spirale.

Je besser wir uns in den Asanas u unserer Lotlinie organisieren, umso leichter erreichen wir einen Zustand, der leicht (sukha) und stabil (sthira) gleichzeitig ist. Kraftvoll und dennoch ohne zu viel Anspannung. Die Knochen und Gelenke sind korrekt zueinander organisiert, die Muskuläre Hülle kraftvoll, aber weich im Sinne der Spannungsregulation. Zentrierung, auch wenn sie zuerst rein physisch ist, überträgt sich nach einer gewissen Zeit auf den Geist und die Psyche. Mit der Entwicklung des Körperbewusstseins verändert sich auch das Selbstbewusstsein. Nicht umsonst möchten wir „mit beiden Beinen fest im Leben stehen“, „fest verwurzelt sein“ oder „aufrecht durchs Leben gehen“. All dies sind Qualitäten, die auf den Zusammenhang von Körper und Geist hinweisen. Über die Erkenntnis unseres Körpers, den bestimmungsgemäßen Umgang mit ihn, finden wir Zugang zu einer Weisheit und unseren inneren Qualitäten. Wir werden ein neues Lebensgefühl – präsent, sensibel, selbstbewusst, voller Lebendigkeit und Ausstrahlung. (Oder wie es eine meiner Teilnehmerinnen für sich auf den Punkt brint und  formulierte: „Yoga mach sexy.“)

(aus Yoga aktuell – von Lilla N. Wuttich – Yoga Verlag GmbH)
(Kursive Klammerzusätze von mir hinzugefügt)


Auch dies geht vorbei

Eine der unbezahlbaren Lehren, die Depressionen entgegenwirken, ist gleichzeitig eine der einfachsten. Allerdings aufgepasst: Lehren die einfach erscheinen, kann man sehr leicht missverstehen. Wir können die folgende Geschichte nur dann begreifen, wenn wir tatsächlich von Depressionen befreit sind.

Der neue Häftling im Gefängnis war voller Angst und sehr deprimiert. Die steinernen Wände seiner Zelle saugten jegliche Wärme auf, die harten Eisengitter höhnten dem Mitgefühl, der Klang aufeinander prallenden Stahls ließ erahnen, hinter wie vielen Toren die Hoffnung weggeschlossen wurde. Das Herz des Gefangenen war schwer, denn er hatte viele Jahre abzusitzen. Am Kopfende seines Lagers entdeckte er folgende Worte in die Wand geritzt: AUCH DIES GEHT VORBEI.

Dieser Satz half ihm durch diese schwierige Zeit, genau, wie er wahrscheinlich dem Häftling vor ihm Mut gegeben hatte. Ganz gleich, wie schlimm es wurde. Er sah dann auf die Inschrift und dachte daran: „Auch dies geht vorbei.“ Am Tag seiner Entlassung erkannte er die tiefe Wahrheit hinter diesen Worten. Er hatte seine Strafe abgesessen. Auch die Zeit im Gefängnis war tatsächlich vorbeigegangen.
Als er wieder ins normale Leben zurückkehrte, dachte er oft an diese Botschaft. Er schrieb sie auf Fetzen Papier, die er an seinem Bett, in seinem Auto und auf der Arbeit deponierte. Sogar in ganz schlechten Zeiten erfasste ihn nie wieder eine Depression.
Er entsann sich in scheinbar aussichtslosen Lagen immer der Worte: „Auch dies geht vorbei“ und kämpfte sich durch. Wenn gute Zeiten anbrachen, genoss er sie, aber nie allzu sorglos. Er entsann sich der Worte: „Auch dies geht vorbei“ und arbeitete hart an seinem Leben, ohne auch nur das Geringste als selbstverständlich hinzunehmen. Die guten Zeiten schienen immer ungewöhnlich lange anzudauern.

Dann wurde bei ihm Krebs diagnostiziert. „Auch dies geht vorbei“ gab ihm Hoffnung. Hoffnung gab ihm Kraft und die positive Einstellung, die Krankheit zu besiegen. Eines Tages bestätigte der Facharzt, dass „der Krebs vorbeigegangen war.“
Am Ende seines Lebens flüsterte er seinen Liebsten zu: „Auch dies geht vorbei“, und er fand einen ruhigen Tod. Seine Worte waren der letzte Liebesdienst für Familie und Freunde. Sie hatten von ihm gelernt: „Auch die Trauer geht vorbei“

Depressionen sind ein Gefängnis, in das viele von uns eingeschlossen sind. „Auch das geht vorbei“, hilft uns. Und dieser Spruch sorgt zudem dafür, dass wir eine der großen Ursachen von Depressionen meiden und die guten Zeiten nicht zu selbstverständlich hinnehmen.

(aus „Die Kuh, die weinte“ von Ajahn Brahm – Lotus Verlag)

Blinder Glaube

Wenn wir altern, lassen Augen und Ohren nach, die Haare fallen aus, die dritten Zähne kommen rein, die Beine werden schwach, und manchmal zittern die Hände. Doch unser gesprächiger Mund entwickelt sich mit jedem Jahr kräftiger. Deshalb können sich unsere wortreichen Mitbürger erst in späten Jahren als Politiker profilieren.

Es war einmal ein König, dem seine Minister viel Ärger bereiteten. Sie stritten so heftig miteinander, dass nahezu nichts entschieden werden konnte. Die Minister folgten einer uralten politischen Tradition, denn ein jeder behauptete, dass er allein Recht und alle anderen Unrecht hätten. Doch als der einfallsreiche König ein öffentliches Fest organisierte, waren sich alle darin einig, an diesem Tag frei zu nehmen.

Es war ein spektakuläres Fest, das in einer riesigen Arena abgehalten wurde. Sänger und Tänzer traten auf, Akrobaten, Clowns, Musikbands, Feuerschlucker und noch viel mehr. Dann kam das Finale. Die Minister, die natürlich die besten Plätze ganz vorn in der ersten Reihe innehatten, sahen, wie der König höchstpersönlich seinen Lieblings-Elefanten in den Mittelpunkt der Arena führte. Dem Elefanten folgten sieben blinde Männer. Jeder in der Stadt kannte diese Männer und wusste, dass sie von Geburt an blind waren.

Der König ergriff die Hand des ersten Blinden und führte sie zum Rüssel des Elefanten. Er teilte ihm mit, dass dies ein Elefant sei. Dann legte er die Hand des zweiten Mannes auf einen Stoßzahn und sagte ihm, dass dies ein Elefant sei. Die Hand des Dritten erspürte ein Ohr, die des Vierten den Kopf, der Fünfte erfühlte den Körper, der Sechste die Beine und der Siebte den Schwanz. Jedem Mann wurde versichert, dass er einen Elefanten berührte. Dann wandte sich der König an den ersten Mann und bat ihn, einen Elefanten zu beschreiben.

„Nach meiner gut erwogenen und kundigen Meinung“, sagte der Blinde, der den Rüssel ergriffen hatte, „gehört der Elefant mit absoluter Sicherheit zur Spezies der Schlangen, vornehmlich der Python asiaticus.

„Was für ein hirnrissiger Quatsch!“, rief der zweite Blinde, der einen Stoßzahn in der Hand hielt. „Ein Elefant ist aus viel zu fester Materie, als dass er eine Schlange sein könnte. Tatsächlich, und ich irre mich nie, handelt es sich um einen Bauernpflug.“

„Du machst dich lächerlich“, höhnte der dritte Blinde, der immer noch ein Ohr in der Hand hielt. „Ein Elefant ist ein Palmenblatt-Fächer und sonst nichts.“

„Was seid ihr doch für inkompetente Idioten“, sagte der vierte Blinde lachend, der über den Kopf des Elefanten strich. „Ein Elefant ist ohne jeden Zweifel ein großer Wasserkrug.“

„Unmöglich, völliger Unsinn!“, widersprach der fünfte Blinde und fuhr mit der Hand den Körper entlang. „Ein Elefant ist viel massiver. Er ist ein Felsen.“

„Solchen Blödsinn habe ich mein Lebtag noch nicht gehört!“, brüllte der sechste Blinde, der ein Bein abgetastet hatte. „Ein Elefant ist ein Baumstamm. Ein Idiot, der daran zweifelt!“

„Welch ein Haufen von Ignoranten!“, empörte sich der letzte Blinde, der den Schwanz in der Hand hielt. „Ich kann euch genau sagen, was ein Elefant wirklich ist. Eine Art Fliegenklatsche. Das stimmt ganz gewiss, denn genau das fühle ich.“

„Lächerlich! Er ist eine Schlange!“ – „Unmöglich, es ist ein Krug!“ -  „Was seid ihr doch blöd, es ist …“ Und die Blinden begannen so heftig miteinander zu streiten und brüllten sich gegenseitig so laut an, dass sich ihre Worte miteinander verschmolzen und als ein einziges lautes Gebrüll zu vernehmen waren. Zu Schmähungen und Beleidigungen kamen dann auch noch Handgreiflichkeiten. Die Blinden schlugen um sich, und es schien völlig unwichtig zu sein, wen oder was sie gerade trafen. Sie fochten ums Prinzip, um Integrität und Wahrheit. Um die eigene persönliche Wahrheit.

Nachdem des Königs Soldaten die ziemlich angeschlagenen Blinden voneinander getrennt hatten, amüsierte sich das Publikum im Stadion über die schweigenden Minister, die beschämt auf ihren VIP-Stizen saßen. Alle Anwesenden hatten genau begriffen, wem der König eine Lektion hatte erteilen wollen.

Jeder von uns kann immer nur ein Teil jenes Ganzen nennen, das die Wahrheit darstellt. Wenn wir unser begrenztes Wissen als absolute Wahrheit ausgeben, gleichen wir den blinden Männern, die alle nur ein Stück des Elefanten erfühlten und ihre eigene bruchstückweise Erfahrung zur Wahrheit erhoben und alles andere für falsch hielten.

Statt uns auf blinden Glauben zu verlassen, sollten wir das Gespräch miteinander suchen.

Stellen Sie sich jetzt bitte vor, was dabei herausgekommen wäre, wenn die sieben blinden Männer ihre Erfahrungen zusammengeführt hätten, anstatt den Informationen der anderen nur zu widersprechen. Sie wären zu dem Schluss gekommen, dass ein Elefant einen Felsen ähnelt, der auf vier Baumstümpfen steht, hinten einer Art Fliegenklatsche aufweist und vorn einen großen Wasserkrug, an dessen Seiten sich zwei Palmblatt-Fächer befinden, während an der Unterseite zwei Pflüge stecken und in der Mitte eine lange Pythonschlange hervorragt. Das wäre nicht die schlechteste Beschreibung eines Elefanten von Menschen, die nie einen sehen werden.

(aus „Die Kuh, die weinte“ von Ajahn Brahm – Lotus Verlag)

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Wenn ein Mensch, den man liebt, plötzlich tot ist, kommt das meist ohne Vorwarnung.

„Meine Mutter hat sich an dem Abend von meinem Vater getrennt“, erinnert sich Marie-Luise Thoms an die schicksalhafte Nacht. Er erschießt sich Ende 2014. Wie in einem Sonntagabendkrimi, in dem sie nie mitspielen wollte, fühlt sich die damals 17-Jährige. Sie steht unter Schock, ist wie taub. Ihre Trauer ist groß. Doch keiner in der Familie – Mutter, Bruder, Oma - reden darüber. „In der Schule zog ich mich zurück“, erzählt die 23-Jährige. „Ich futtere mir 25 Kilo Schutzpanzer an, verschlang viele Bücher zu dem Thema.“ Monate später erst wird ihr bewusst, dass ihr geliebter Vater nicht mehr wiederkommt.

Dass es so nicht weiter gehen kann, ist ihr klar. Ihr Leben hat sich seit jener Nacht in zwei Hälften geteilt. „Ich wollte immer ganz offen damit umgehen, nahm mir Hilfe, sobald ich nicht mehr allein weiterkam“, sagt die Studentin. Sie hat nie Angst davor, was andere denken. Obwohl ihre Mutter dagegen ist, spricht sie mit einem Therapeuten, um alles zu verarbeiten. „Ich wusste, es würde mich sonst irgendwann einholen.“

Ein Jahr nach dem Vorfall zieht sie aus dem brandenburgischen Heimatdorf nach Berlin, um zu studieren und näher bei ihrer Selbsthilfegruppe zu sein. Sie strahlt, als sie zurückblickt. „Das war wie ein Neustart: Für die Leute im Dorf war ich das Kind mit dem toten Vater, hier kannte mich keiner. In Berlin habe ich mir ein neues Umfeld aufgebaut, konnte einfach nur Marie sein.“ Das Darüber-Reden mit Menschen, die eine ähnlich schmerzhafte Erfahrung gemacht hatten, hilft ihr. Der neue Freundeskreis gibt ihr Halt, den sie in ihrer Familie so sehr vermisst. Mit ihren Freunden unternimmt sie am Todestag ihres Vaters immer etwas Schönes. Das tut ihr gut.
Als sie sich vor drei Jahren besser fühlt, gründet sie ihre eigene Selbsthilfegruppe innerhalb des Vereins „AGUS e.V. – Angehörige um Suizid“. Nun betreut Marie-Luise Thoms junge Erwachsene bis 35 Jahre, die einen Angehörigen verloren haben. „Jetzt kann ich das Ganze aus einer anderen Perspektive betrachten“, erzählt sie. „Es gibt mir zusätzliche Bestätigung.“ Und einen Sinn, denn sie kann anderen mit ähnlichen Erlebnissen helfen. Dass sie ihr eigenes Leben mutig leben kann, zeigt ihr das Studiensemester in Asien: „Ich war stolz, dass ich mich getraut habe, wo weit weg zu gehen. Es gab schwierige Momente, aber ich habe mich durchgebissen.“


Zitate:

"Im Leben geht es nicht darum, gute Karten zu haben, sondern auch mit einem schlechten Blatt gut zu spielen."

(Robert Louis Stevenson, Schottischer Schriftstelle - 1850-1894)

"Auf die Dauer nimmt die Seele die Farben der Gedanken an."

(Marcus Aurelius - Römischer Philosoph - 121-180)


(Herausgeber: dm-drogerie markt GmbH + Co.KG, Kerstin Erbe – Verlag: Arthen Kommunkation GmbH)

Eder Kalif und der Flickschuster

Harum Al Raschid, der Kalif von Bagdad, liebte es, in Verkleidung durch die Straßen seiner Stadt zu gehen und zu hören, was die Nöte und Wünsche seines Volkes seien. Mal trug er das Gewand eines Bettlers, dann eines Kaufmanns, dann eines Schmiedes – doch nie war er erkannt worden und er war stolz darauf.

Nun aber hatte er etwas Besonderes im Sinne: Er suchte einen neuen Ratgeber, der weise und gütig war, und dem er vertrauen konnte. An seinem ganzen Hof hatte er so einen Mann nicht gefunden. Und nun war er in Verkleidung schon eine ganze Woche durch die Stadt gewandert und hatte mit Menschen aller Stände gesprochen – doch keiner dünkte ihn weise genug für diese Aufgabe.

Am Abend des siebten Tages folgte er einem Flickschuster und sprach ihn an. „Lebst du gut von deinem Gewerbe?“, fragte der Pilger.
„Oh ja, ich bin Flickschuster – und auch die besten Schuhe bedürfen einmal der Reparatur. Ich gehe früh jeden Morgen los und, bislang hat sich noch immer genug Arbeit gefunden.“

„Und was ist, wenn du morgen keine Arbeit findest?“

„Ach morgen“, lachte der Flickschuster. „Morgen kommt, und ich werde sehen, was es bringt. Gepriesen sie Allah.“

Der Pilger, der in Wahrheit der Kalif war, bedankte sich bei dem Mann uns schmunzelte. Der Mann war arm, aber er hatte das Herz auf dem rechten Fleck. Doch das redet sich leicht. Der Kalif beschloss, den Mann zu prüfen.

Am nächsten Morgen staunte der Flickschuster nicht schlecht. Überall in der Stadt stand angeschlagen, dass der Kalif die Flickschusterei in der Stadt verboten habe. Welch merkwürdige Einfälle der Kalif hat! Nun, dann werde ich eben Wasser tragen. Wasser brauchen die Menschen noch nötiger als Schuhe!

Am Abend traf er wieder auf den Pilger, der in Wahrheit der Kalif Harun Al-Raschid war. Der Kalif sprach: „Mein guter Mann, ich hatte Sorge um dich – hat nicht der Kalif die Flickschusterei verboten?“

„Oh ja, doch so trage ich nun Wasser und verdiene damit mein Brot.“

„Und was ist, wenn du morgen keine Arbeit findest?“

„Ach morgen“, lachte der Flickschuster. „Morgen kommt, und ich werde sehen, was es bringt. Gepriesen sie Allah.“

Am nächsten Morgen fand der frühere Flickschuster und jetzige Wasserträger, dass nur noch Wasserträger arbeiten durften, die eine besondere Erlaubnis des Kalifen hatten.

Welch merkwürdige Einfälle der Kalif hat! Nun, dann werde ich eben Holz verkaufen. Alte und Schwache brauche Holz zum Kochen, aber sind zu schwach, es zu hacken und zu sammeln. So werde ich Arbeit finden.

Am Abend traf er wieder auf den Pilger, der in Wahrheit der Kalif Al-Raschid war. Der Kalif sprach: „Mein guter Mann, ich hatte Sorge um dich – hat nicht der Kalif das Wassertrage verboten?“

„Oh ja, doch so hacke ich nun Holz und verdiene damit mein Brot.“

„Und was ist, wenn du morgen keine Arbeit findest?“

„Ach morgen“, lachte der Flickschuster. „Morgen kommt, und ich werde sehen, was es bringt. Gepriesen sie Allah.“

Am nächsten Morgen ging der ehemalige Flickschuster und Wasserträger und jetzige Holzhacker zeitig los; doch er kam nicht weit, da hielt ihn der Hauptmann der Wache an: „Hey du: Weißt du nicht, dass jeder, der eine Waffe trägt, einmal die Woche Dienst in der Palastwache tun muss?“ Damit nahm er ihm die Axt ab und gab ihm ein Schwert. „Heute Abend kommst du pünktlich zu Sonnenuntergang zum großen Tor des Palastes unseres Herrn Harun Al-Raschid.“

So stand der Flickschuster auf einmal mit einem Schwert da. Wie sollte er nun etwas zu essen verdienen? Er besann sich ein wenig, dann ging er zum Schmied und gab ihm das Schwert als Pfand für ein paar Münzen für sein Mahl. Daraufhin nahm er ein Stück Holz und schnitzte daraus ein Schwert, das genau in die Scheide passte.

Als er sich zu Sonnenuntergang am großen Palasttor einfand, grüßte ihn der Hauptmann. „Du kommst gerade recht. Ein Gefangener muss hingerichtet werden – und diese Aufgabe kommt immer dem neuesten Diensttuenden zu.“

Der Flickschuster wurde bleich. Er wollte keinen Menschen töten. Er bedachte sich kurz, dann warf er sich zu Boden und rief: „Oh Allah, wenn dieser Mensch den Tod verdient hat, so lass mein Schwert scharfer Stahl sein. Hat er den Tod aber nicht verdient, so lass mein Schwert aus Holz sein!“

Dann zog er sein hölzernes Schwert und alle Anwesenden staunten. Nur der weise Herrscher Harun Al-Raschid nicht, der endlich seinen neuen Ratgeber gefunden hatte.

Drei Eigenschaften sind es, die den Flickschuster vor der Macht des Negativen schützen:

1.   Vertrauen: Der Flickschuster sorgt sich nicht um die Zukunft. Er vertraut auf seine höhere Macht und darauf, dass sich schon immer etwas finden wird. Wer aber frei von Sorgen ist, der ist auch frei von Furcht und kann unbeschwert und gelassen leben.

2.   Flexibilität: Wenn ich keine Schuhe flicken kann, dann trage ich eben Wasser. Wenn ich kein Wasserträger mehr sein darf, dann hacke ich eben Holz. Der Flickschuster ist sehr einfallsreich. Er verhält sich wie ein Fluss: Sobald ein Hindernis auftaucht, fließt er einfach sanft daran vorbei und bleibt somit unbeschadet. So flexibel und anpassungsfähig zu sein, gelingt ihm aber nur, weil er keine inneren Widerstände gegen das Sein aufbaut. Er ist genügsam und lebt nach dem Grundsatz: „Das ist auch in Ordnung.“ Und diese Anspruchslosigkeit ist die Voraussetzung dafür, auch mit schwierigen Umständen kreativ und offen umgehen zu können.

3.   Güte: Am Ende der Geschichte nutzt der Flickschuster seinen Einfallsreichtum, um den Gefangenen nicht töten zu müssen. Der Trick mit dem Holzschwert ist natürlich großartig. Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass wir zur richtigen Zeit immer die richtige Idee haben, doch keine Sorge: Mitgefühl ist auch ohne Holzschwert eine wunderbare Sache, die dich wirkungsvoll davor schützt, dass der schwarze Wolf fett und mächtig wird.

 (aus „Füttere den weißen Wolf“ von Ronald Schweppe/Aljoscha Lang – Kösel Verlag München)

Tempora mutantur, et nos mutamur in illis.
(Die Zieten ändern sich u. wir uns in ihnen)  Kaiser Lother I