Yoga eröffnet Dir den Weg zu dir!

All we have is now! - Enjoy your pracitce and have a nice life!

Nachgedacht & Reingefühlt

Der Geist wird reich durch das, was er empfängt,
das Herz durch das, was es gibt.

                              (Victor Hugo)                       
  

Patanjali war ein indischer Weiser
und der Verfasser des Yogasutra,
des klassischen Leitfadens des Yoga,
weshalb er auch als „Vater des Yoga“
bezeichnet wird

„Ich kann mich selbst lieben, mit all meinen Schwäche, und trotzdem überlegen, wie ich WACHSEN kann.“

Selbstakzeptanz

Müsste ich das nicht können? Bin ich normal? Mache ich gerade etwas Seltsames? Hätte ich das nicht verstehen, wissen oder sehen müssen? Sehe ich komisch aus? Kann ich das wirklich machen? Darf ich so empfinden?

Wie sehr wir alle doch unter solchen inneren Dialogen leiden, merket Psychologin Marjon Boré in eigenen Fortbildungen (etwa bei Selbstakzeptanz-Expertin Brené Brown), aber auch bei ihrer Arbeit als Coach. „Wirklich jeder ringt um die Frage, ob er gut genug ist, so, wie er ist – gerade in sensiblen Situationen.“ Auch Bohré selbst. „Wenn einem meiner Kinder etwas fehlt, werde ich immer ein bisschen panisch und weiß nicht, was ich machen soll. Also wird mein Mann aktiv: Er guckt, was los ist, macht einen Arzttermin, holt Medikamente. Das hat mit lange zu schaffen gemacht, ich habe mich über mich selbst geärgert. Fand, da stimme etwas nicht. Eine gute Mutter weiß, was sie zu tun hat, wenn ihr Kind krank ist! Wenn ein Finger in die Tür eingeklemmt wird, nach einem Sturz die Stirn blutet oder Fieber stark steigt, muss man da sein. Zusammenflicken, organisieren, zur Not reanimieren. Nicht perplex davor stehen. Was ist man bloß für eine Mutter, wenn man in solchen Momenten kein Wort mehr rausbringt?
All diese inneren Dialoge drehen sich letztlich um die Frage: Kann ich mich so akzeptieren, wie ich bin? Mit all meinen angenehmen und weniger starken Eigenschaften? Mit der Unsicherheit, dem Jähzorn oder der krummen Nase?
Studien zeigen: Wer darauf mit „Ja“ antworten kann, hat weniger psychische Probleme. Ist weniger anfällig für Depressionen oder Ängste, hat weniger Probleme mit irrationalen Überzeugungen oder einer narzisstischen Neigung, kann sein eigenes Verhalten objektiver sehen und besser mit Kritik umgehen. Selbstakzeptanz steht sogar ganz oben auf der Liste mit Dingen, die zu einem zufriedenen Leben beitragen, entdeckten die Psychologin Karen Pine und ihre Kollegen an der University of Hertfordshire. Aber dieselbe Studie offenbart auch: Wir sind ziemlich schlecht darin. Bei der Frage: „Wie oft sind Sie nett zu sich selbst, und wie oft finden Sie sich völlig in Ordnung, so sie Sie sind?“, wurden die wenigsten Punkte erzielt. Wie kommt das?

#LOVEMYLIFE
„Dass wir uns mit Selbstakzeptanz so schweretun, liegt daran, dass wir so gern von anderen Menschen akzeptiert werden wollen“, sagt Psychologin Marjon Bohré. Aber akzeptiert der andere uns auch, wenn er das Gesamtpaket bekommt: die Fröhlichkeit und die Jammerei, die Besonnenheit und die neurotischen Züge? „Wir fürchten, aufgrund unserer weniger schönen Seiten abgelehnt zu werden. Das ist sehr bedrohlich, denn für unser Überleben war stets wichtig, dazuzugehören. Dieses Bedürfnis ist so tief verwurzelt, dass wir die Gefahr, ausgeschlossen zu werden, stets präsent haben.“
Also verstecken wir vermeintliche Schwächen lieber und bestrafen uns innerlich dafür: Kannst du nicht einmal mit einem Scherz reagieren, statt gleich wieder so ernst zu sein? Musst du ständig den Moralapostel raushängen lassen? Mir 40 musstest du doch allmählich entspannt vor einer Gruppe reden können? Noch schwieriger wird es dadurch, dass wir in den sozialen Medien ständig sehen, wie „großartig“ andere sind und dass sie ihr Leben offensichtlich sehr wohl auf die Reihe kriegen.
Die westliche Kultur fördert das Verstecken und die inneren Dialoge noch: In unserer Gesellschaft wird man vor allem akzeptiert, wenn man ordentlich auf einem Stuhl sitzen, ein Unternehmen zum Blühen bringen oder problemlos Kontakte schließen kann. Man darf sich auch mal einen Schnitzer erlauben – aber vor allem dann, wenn man anschließend bei einer Fuck-up-Night eloquent davon erzählen kann.
Unsere Erziehung kann die Neigung, sich selbst nicht als der zu akzeptieren, der man ist, noch verstärken, behauptet der bekannte humanistische Psychologe Carl Rogers schon vor Jahrzehnten. Werden Sie bedingungslos geliebt? Oder haben Sie das Gefühl, vor allem dann Aufmerksamkeit, Umarmungen und Komplimente zu bekommen, wenn Sie gute Noten kriegen, hilfsbereit sind, Ihr Familienleben gut organisieren oder eine – in den Augen Ihrer Eltern – tolle Karriere eingeschlagen haben? Erlebt ein Kind, dass die Liebe, die ihm widerfährt, davon abhängt, wie viele Erwartungen es erfüllt, ist es wahrscheinlicher, dass es auch sich selbst in „Wert“-Begriffen beurteilt, sagt Rogers.
Und ein solches Kind neigt dazu, sich nur dann zu akzeptieren, wenn es „seine Sache gut macht“.

Wollen Sie sich verändern, weil andere über Sie urteilen könnten? Oder weil es Ihnen wichtig ist?

MEHR MENSCHLICHKEIT
Aber, nun ja, die Hälfte der Zeit machen wir „unsere Sache“ eben nicht so gut. Dann liegen wir mitten in der Nacht wach, riskieren unser Beziehung, haben Angst, sind wütend, chaotisch, sagen etwas Dummes.
Wer lernt, mit sich selbst nachsichtiger zu sein, wer einsieht, dass niemand perfekt ist, und wer sich selbst mit all seinen Unleidlichkeiten akzeptiert, kann sich gegenüber anderen auch leichter so geben, wie er ist. So zeigen wir Menschlichkeit – und oft stellt sich heraus, dass andere gar nicht wegrennen, sondern im Gegenteil, näher rücken und uns wissen lassen: „He, das habe ich auch!“ Hören Sie also auf, sich ständig selbst zu „reparieren“, um dem zu entsprechen, wie Sie laut sich selbst oder anderen zu sein haben. „Weil man sich selbst akzeptiert, akzeptiert einen die ganze Welt“, meinte schon der chinesische Philosoph Laotse.
Und danach brauchen wir nichts mehr an uns zu ändern? Können wir dann sagen: So bin ich, nimm es so hin?
Nein, sagen Selbstakzeptanz-Experten: Sich selbst so anzunehmen, wie man ist, bedeutet nicht, dass man jegliche Verantwortung für sich selbst oder andere enthoben wird. Bohré: „Sie können sich selbst lieben, mit allem, worin Sie nicht so gut sind, und trotzdem noch überlegen, wie Sie wachsen können und mit den Dingen umgehen, die noch nicht so gut laufen.“
Vor allem die Intention sei wichtig: „Möchten Sie sich verändern, weil Sie glauben, noch perfekter sein zu müssen, weil andere Sie über Sie oder Sie selbst über sich urteilen? Oder entsteht der Wunsch nach Veränderung aus dem, was Ihnen im Leben wichtig ist? Also: Wollen Sie Ihre Ungeduld loswerden, weil alle um Sie herum so geduldig wirken und Sie meinen, eigentlich auch ein bisschen mehr Zen an den Tag legen zu müssen? Oder ist Ihnen Zusammenarbeit wichtig, und möchten Sie aus diesem Grund lernen, Kollegen öfter mehr Raum zu geben? Wer sich aus der letzteren Überzeugung heraus entwickelt, kann sein eigenes Leben und das der anderen weiter bereichern.“

(aus „Psychologie bringt dich weiter“ – Jan/Febr 2020)

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Der Waldkauz - Botschafter unserer Seele

„Auf meinen Reisen habe ich die halbe Welt gesehen und bin reicher an Erfahrung als alle anderen Vögel“, sprach einmal die Schwalbe zum Waldkauz. „Wie also kommt es, dass man deine Weisheit rühmt, obwohl du nur hier im Dunkeln sitzt und kaum je deinen Felsen verlässt“.

Da erwiderte der Waldkauz: „Ich sehe am schärfsten mit geschlossenen Augen – und meine Gedanken reichen weiter als deine Flügel.“

So erzählt es eine alte Fabel, und womöglich ist es tatsächlich genau das: Diese kleine Eule, deren Stunde schlägt, wenn die Dämmerung in die Nacht hinüberließt und all unser Sehen endet, mag erkennen, was ansonsten verborgen bleibt. Die Schamanen sagen, was ansonsten verborgen bleibt. Die Schamanen sagen, sie schöpfe das Licht der Weisheit aus sich selbst heraus und sei damit in alle Ewigkeit eine Grenzgängerin zwischen den Welten, stets wandelnd zwischen Traum und Wirklichkeit.

Und so, lange bevor wir selbst es wahrnehmen, zu einer Zeit, in der die Kälte des Winters noch ungebrochen erscheint, kündet der Ruf des Waldkauzes von einer anderen Wahrheit. Die Balz dieser Vögel beginnt Anfang Februar, sie ist eine der frühesten des Jahres, und inmitten der Dunkelheit erzählt ihr Lied von neuem Leben. Es bringt uns Erinnerung und Hoffnung zugleich, und im Glauben der Pueblo-Indianer galten die nordamerikanischen Käuze daher gleichsam als Beschützer, die uns durch jedwede Finsternis geleiten. Ihr Ruf, dieses kehlige, langgezogene Ku-witt, wurde verstanden als Aufforderung, sich den Schatten zu stellen – denen des Lebens und auch denen von uns selbst. Furchtlos und vertrauend auf jene namenlose Weisheit, von der die Käuze flüstern, wenn der Tag zerrinnt und die Nacht noch nicht geworden ist und das Unsichtbare mächtiger wird als alles, was wir vor Augen sehen.

(„happinez“ von Dorothee Teves)

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Willenskraft

Sich die eigene Willenskraft zurückzuerobern ist sehr lohnend. Willenskraft setzt ungeahnte Energien frei. Wenn wir etwas wirklich wollen, sind wir in der Lage, Dinge zu tun, die wir bis dahin nicht für möglich gehalten haben.

Herauszufinden, was wir wollen, und dazu zu stehen gibt uns ein tiefes Gefühl von Erleichterung und innerer Ruhe. Uns das strahlen wir auch aus. Ein Mensch, der weiß, was er will, und das auch tut, ist authentisch und zuverlässig. Er sagt Ja, wenn er Ja meint, und Nein, wenn er etwas nicht will. Denn der Wille verändert sich nicht alle fünf Minuten, er hat nichts mit dem wechselhaften Lustprinzip zu tun.

Den eigenen Willen durchzusetzen kann unbequem sein, wie die damit verbundenen Entscheidungen anderen vielleicht nicht gefallen. Manchmal sind sie sogar schmerzhaft. Denn was, wenn der eigene Wille andere Menschen verletzt? Wenn er dazu führt, leib gewonnene Gewohnheiten aufzugeben? Wenn er Angst macht, weil es bedeuten würde, den Beruf zu wechseln oder die Familie zu verlassen? Wo ist der Unterschied zwischen Egoismus und Selbsttreue, fragen wir uns und bleiben lieber im Alten, statt uns und anderen Veränderungen zuzumuten. Was sehr verständlich ist und manchmal auch richtig. Aber meistens nicht.

Es gibt ein sogenanntes „wissendes Feld“ in jedem sozialen Gefüge, sei es der Familie, dem Freundeskreis oder der Arbeitsstelle. Weil der Mensch ein soziales Wesen ist, weiß das Herdentier in ihm, ob jemand am richtigen Platz steht oder nicht. „Das habe ich schon immer geahnt, dass du in Wahrheit nicht hierherpasst“, sagt der Kollege, nachdem man gekündigt hat. „Ich wusste du sehnst dich nach Abenteuern“, sagt der Freund, wenn man sich auf die Reise nach Australien begibt.

Es fühlt sich unangenehm für alle an, wenn wir nicht tun, was wir wirklich wollen, uns wenn wir offensichtlich am falschen Platz sind. Die Menschen in unserer Umgebung spüren, dass sie sich nicht wirklich auf uns verlassen können, weil wir Wackelkandidaten sind und eines Tages erwachen und gehen werden. Oder wir erwachen eben nicht und bleiben unzufrieden oder unglücklich.

Die dauerhafte innere Klarheit und Ruhe, die wir erleben, wenn wir uns selbst treu bleiben, sind jedes momentane Unbehagen wert. Dabei geht es nicht nur um den einen großartigen Lebensentwurf. Sondern um alltägliche kleine Entscheidungen, die alle miteinander unsere Lebensqualität bestimmen. Es macht Mühe herauszufinden, was wir wollen, wenn wir es nicht gewohnt sind. Doch tun wir es nicht, sind wir den ganzen Tag über fremdbestimmt.

Außerdem lautet jedes Mal, wenn wir nicht tun, was wir wollen, die Botschaft an uns selbst: „Ich bin unwichtig.“ Und das fühlt sich auch genau so: Das, was andere wollen, ist wichtiger als ich. Sogar für mich selbst. Meine Wünsche zählen nicht. Dieses Verhalten untergräbt auf Dauer unser Selbstvertrauen. Denn wie sollen wir uns selbst vertrauen können, wenn wir uns nicht zuhören? Wenn wir uns lieber zum Spielball der Bedürfnisse anderer machen, statt zu tun, was wir wollen?

Wir müssen nicht auf Knopfdruck wissen, was wir wollen, und uns auch nicht gleich entscheiden, wenn ein Anliegen an uns herangetragen wird. Wir haben das Recht, uns Zeit zu verschaffen. Sehr hilfreich kann dabei sein zu sagen: „Ich muss darüber nachdenken und brauche Zeit, um mich zu entscheiden.“ Das ist legitimer Anspruch, den wir äußern können und dürfen.

Werden wir von anderen Menschen ungefragt verplant, dann ist es umso wichtiger, Stopp zu sagen. Dann könnte der Satz, mit dem wir uns Freiraum verschaffen, zum Beispiel lauten: „Moment, ich muss erst mal darüber nachdenken, ob ich das möchte/ob ich zur Verfügung stehe.“

Für die Heilung alter Wunden ist Willenskraft besonders wichtig. Denn sonst schaffen wir immer wieder die Möglichkeit, neu verletzt zu werden. Nein sagen zu können, zu wissen, was wir wollen und vor allem, was wir nicht wollen, schafft Selbstvertrauen. Und Selbstvertrauen erzeugt innere Heilung.

ÜBUNG: Frage an dein Inneres

Nimm dir ein Blatt Papier und beantworte die dir die folgenden Fragen:

   * Woran merkst du, dass du etwas wirklich willst?

   * Woran merkst du, dass du etwas auf gar keinen Fall willst? – Woran merkst du es wirklich?

   * Vertraust du diesen Wahrnehmungen?

   * Was wird anders, wenn du dich entscheidest, ihnen rückhaltlos zu vertrauen? Und ihnen zu folgen?

 (aus „Jede Wunde lässt sich heilen“ von Susanne Hühn, Gräfe und Unzer Verlag)

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Wünsche zum neuen Jahr.

Ein bisschen mehr Friede und weniger Streit
Ein bisschen mehr Güte und weniger Neid
Ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass
Ein bisschen mehr Wahrheit – das wäre was Statt so viel Unrast ein bisschen
mehr Ruh
Statt immer nur Ich ein bisschen mehr Du
Statt Angst und Hemmung ein bisschen mehr Mut
Und Kraft zum Handeln – das wäre gut

In Trübsal und Dunkel ein bisschen mehr Licht
Kein quälend Verlangen, ein bisschen Verzicht
Und viel mehr Blumen, solange es geht
Nicht erst an Gräbern – da blühn sie zu spät

 der Friede des Herzens
Besseres weiß ich nicht.

Gedicht von Peter Rosegger (1843 – 1918)

Ein kleiner Baumwollfaden
Es war einmal ein kleiner Baumwollfaden, der hatte Angst, dass es nicht ausreicht, so, wie er war: "Für ein Schiffstau bin ich viel zu schwach", sagte er sich, "und für einen Pullover zu kurz. An andere anzuknüpfen, habe ich viel zu viele Hemmungen. Für eine Stickerei eigne ich mich auch nicht, dazu bin ich zu blass und farblos. Ja, wenn ich aus Lurex wäre, dann könnte ich eine Stola verzieren oder ein Kleid. Aber so?! Es reicht nicht! Was kann ich schon? Niemand braucht mich. Niemand mag mich - und ich mich selbst am wenigsten."
So sprach der kleine Baumwollfaden, legte traurige Musik auf und fühlte sich ganz niedergeschlagen in seinem Selbstmitleid.

Währenddessen läuft draußen in der kalten Nacht ein Klümpchen Wachs in der beängstigenden Dunkelheit verzweifelt umher. "Für eine dicke Weihnachtskerze bin ich viel zu klein" jammert es "und wärmen kann ich kleines Ding alleine auch niemanden. Um Schmuck für eine tolle große Kerze zu sein, bin ich zu langweilig. Ach was soll ich denn nur tun, so alleine in der Dunkelheit?"

Da kommt das kleine Klümpchen Wachs am Häuschen des Baumwollfadens vorbei! Und da es so sehr fror und seine Angst so riesig war, klopfte es schüchtern an die Türe.
Als es den niedergeschlagenen kleinen Baumwollfaden sah, kam ihm ein wunderschöner Gedanke. Eifrig sagte das Wachs: "Lass dich doch nicht so hängen, du Baumwollfaden. Ich hab' da so eine Idee: Wir beide tun uns zusammen. Für eine große Weihnachtskerze bist du zwar als Docht zu kurz und ich hab' dafür nicht genug Wachs, aber für ein Teelicht reicht es allemal. Es ist doch viel besser, ein kleines Licht anzuzünden, als immer nur über die Dunkelheit zu jammern!"

Ein kleines Lächeln huschte über das Gesicht des Baumwollfadens und er wurde plötzlich ganz glücklich. Er tat sich mit dem Klümpchen Wachs zusammen und sagte: "Nun hat mein Dasein doch einen Sinn."

Wer weiß, vielleicht gibt es in der Welt noch mehr kurze Baumwollfäden und kleine Wachsklümpchen, die sich zusammentun könnten, um der Welt zu erhellen?!

(Autor unbekannt)

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Charisma kann man lernen – du bist auf dem besten Weg dazu

Wenn wir die Liebe in unser Leben ziehen wollen, sollten wir uns selbst auch anziehend finden. Wir möchten doch sicherlich, dass unser/e Partner/in od. künftige/r Partner/in uns als wundervoll empfindet.
Wenn du beginnst, all die Dinge zu betrachten, warum man sich in dich verlieben sollte, dann gibst du deinen Verstand ganz bewusst den Auftrag, in die Richtung der Fülle zu blicken.

Minute 1 - 5:

Notiere mindestens 10 Gründe auf, warum man sich in dich verlieben soll.
Schreibe alles auf, was dir einfällt. Du kannst auch gerne 20 Gründe finden – Platz dafür gibt es genügend.
Schau einmal, wie viele Punkte du schaffst.

Minute 6:

Vereinbare jetzt mit dir selbst, weiter an dieser Liste zu arbeiten. Dazu schließt du kurz die Augen und gibst dir selbst oder deinem Verstand den Auftrag, nach weiteren Gründen zu suchen.
Zum Schluss kreuze noch einen Punkt an, den du gerne hervorheben möchtest. Dieser Punkt soll dir in den nächsten Tagen besonders im Gedächtnis bleiben.

Tipp: Wichtig ist, dass du sofort aufschreibst, was dir in den Sinn mommt. Nutze deine mentale Kraft. Gehe immer wieder gedanklich in diese Gründe hinein und erlebe sie mit allen Sinnen. Je klarer du sie vor Augen hast, desto unwiderstehlicher wirst du in deiner Anziehungskraft.
Charisma kann man lernen – du bist auf dem besten Weg dahin!

(aus „Erfinde dich neu“ von Pierre Franckh, arkana Verlag)
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Lebe im Jetzt


Was wolltest du schon immer einmal tun?

Das kennst du sicher auch. Die Zeit rast an dir vorbei, und du wolltest noch so vieles erleben. Aber dann kam die Beziehung, der Beruf, die Kinder, die Eltern und noch viele andere 1000 Dinge dazwischen …
Insgeheim weißt du aber, dass die genau jetzt ist, wann due diese Dinge erleben willst und noch kannst.

Also! Schreibe deine ganz persönliche ´Diese Dinge tue ich noch, bevor es dafür fast zu spät ist´ Liste.

Minute 1 – 6:
Liste hier all die verrückten Erlebnisse auf, die du noch erleben willst.
Zum Beispiel: Ich mache den Motoradführerschein Ich besuche einen Tango-Tanzkurs. Ich male ein Bild. Ich verbringe eine Nacht am Strand, reise mit dem Fahrrad durch Kambodscha. Ich umarme einen Elefanten. Lerne auf den Malediven tauchen. Schwimme mit Delfinen. Ich mache mit dem Kanu eine Wildwasserfahrt. Besuche ein Yoga-Retreat. Fahre mit Freunden nach Las Vegas.

Schreibe alles auf, was dir spontan dazu einfällt. Gleichgültig, ob es jetzt im Moment für dich erreichbar ist oder nicht. Begrenze dich nicht. Hier geht es um deine pure Lebensfreude.

 

Tipp: Vereinbare mit dir, diese Liste Punkt für Punkt zu verwirklichen – völlig gleichgültig, wie lange du dafür brauchst. Wichtig ist nur, dass du beständig und konsequent dranbleibst.
Eines Tages wirst du aufwachen und es wird nicht mehr viel Zeit sein, all die Dinge zu tun, die du tun wolltest. Darum: Tu sie jetzt.

(aus „Erfinde dich neu“ von Pierre Franckh, arkana Verlag)

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Ich erlaube mir mit Leichtigkeit zu leben. – Einfach loslassen

Negative Überzeugungen und Gefühle können uns in unserer Entwicklung bremsen.
Mit einem schweren Rucksack voller Sorgen, Zweifel und Ängste läuft es sich nicht so gut. Und genau so einen emotionalen Rucksack tragen viele von uns mit sich herum. Um einiges davon loszuwerden, nutzen wir in dieser Übung die >Lieblingsmethode< unseres Gehirns: die Bildsprache.

Minute 1 - 3:

Nimm ein Blatt Papier zur Hand, zeichne dich selbst und schreibe deinen Namen über die Figur. Nun zeichne einen übergroßen Rucksack, den du auf den Schultern trägst. In diesen Rucksack schreibst oder malst du alles hinein, was dich belastet.

Minute 4 – 5:

Nachdem du alles notiert hast, nimmst du jetzt einen Rotstift und streichst ganz bewusst jedes Wort, jedes Symbol durch – und sagst während dessen innerlich oder laut zu dir selbst: Das ist jetzt vorbei! Tue es mit Nachdruck und fester Absicht.

Minute 6:

Jetzt nimmst du die Schere und schneidest dir den Rucksack von deinen Schultern. Auch diese Aktion wird von einer kraftvollen Affirmation begleitet: „Ich erlaube mir, mein Leben in Leichtigkeit zu leben.“
Spüre die Erleichterung, wenn du diese Dinge loslässt – und spüre die Freude, die sich in dir entwickelt. Zerreiße nun den Papier-Rucksack in kleine Schnipsel und schmeiß ihn weg.

Tipp: Wenn du die Übung für lange Zeit verstärken und bekräftigen willst, dann wiederhole die folgende Affirmation: „Ich erlaube mir, mein Leben in Leichtigkeit zu leben.“

(aus „Erfinde dich neu“ von Pierre Franckh, arkana Verlag)


Es war einmal ein König, der hatte einen Diener, der wie alle Diener von unglücklichen Königen sehr glücklich war.

Jeden Morgen weckte er den König, brachte ihm das Frühstück und summte dabei fröhliche Spielmannslieder. In seinem Gesicht zeichnete sich ein breites Lächeln ab, und seine Ausstrahlung war stets heiter und positiv.

Eines Tages schickte der König nach ihm.
„Page“, sagte er. „Was ist dein Geheimnis?“
„Mein Geheimnis Majestät?“
„Das Geheimnis deiner Fröhlichkeit?“
„Es gibt kein Geheimnis, Majestät.“
„Lüg mich nicht an, Page. Ich habe schon Köpfe abschlagen lassen für weniger als eine Lüge.“
„Ich belüge Euch nicht, Majestät. Ich habe kein Geheimnis.“
„Warum bist du immer fröhlich und glücklich? Hm, sag mir, warum?“
„Herr ich habe keinen Grund, traurig zu sein. Eure Majestät erweist mir die Ehre, Euch dienen zu können. Ich lebe mit meinem Weib und meinen Kindern in einem Haus, das uns der Hof zugeteilt hat. Man kleidet und nährt uns, und manchmal, Majestät, gebt Ihr mit die ein oder andere Münze, damit ich mir etwas Besonderes leisten kann. Wie sollte ich da nicht glücklich sein?“
„Wenn du mir nicht gleich dein Geheimnis verrätst, lasse ich dich enthaupten“, sagte der König. „Niemand kann aus solchen Gründen glücklich sein.“
„Aber Majestät, es gibt kein Geheimnis. Wie gern wäre ich Euch zu Gefallen, aber ich verheimliche nichts.“
„Geh, bevor ich den Henker rufen lasse!“
Der Diener lächelte, machte eine Verbeugung und verließ den Raum.

Der König war völlig außer sich. Er konnte dich einfach nicht erklären, wie dieser Page so glücklich sein konnte, der sich als Leibeigener verdingen musste, alte Kleidung auftrug und sich von dem ernährte, was von der königlichen Tafel übrigblieb.
Als er sich beruhigt hatte, rief er den weisesten seiner Berater zu sich und berichtete ihm von dem Gespräch, das er an diesem Morgen geführt hatte.
„Warum ist dieser Mensch glücklich?“
„Majestät, er befindet sich außerhalb des Kreises.“
„Außerhalb des Kreises?“
„So ist es.“
„Und das macht ihn glücklich?“
„Nein, mein Herr. Das ist das, was ihn nicht unglücklich sein lässt.“
„Begreife ich das recht: Im Kreis zu sein macht einen unglücklich?“
„So ist es.“
„Und er ist es nicht.“
„So ist es.“
„Und wie ist er da wieder herausgekommen?“
„Er ist niemals eingetreten.“
„Was ist das für ein Kreis?“
„Der Kreis der neunundneunzig.“
„Ich verstehe nicht.“
„Das kann ich nur an einem praktischen Beispiel erklären.“
„Wie das?“
„Lass deinen Pagen in den Kreis eintreten.“
„Ja, zwingen wir ihn zum Eintritt.“
„Nein, Majestät. Niemand kann gezwungen werden, in den Kreis einzutreten.“
„Also muss man ihn überlisten.“
„Das ist nicht nötig, Majestät. Wenn wir ihm die Möglichkeit dazu geben, wird er ganz von selbst eintreten.“
„Aber er merkt nicht, dass er sich dadurch in einen unglücklichen Menschen verwandelt?“
„Doch er wird es merken.“
„Dann wird er nicht eintreten.“
„Er kann gar nicht anders.“
„Du behauptest, er merkt, wie unglücklich es ihn macht, in diesen albernen Kreis einzutreten, und trotzdem tut er es, und es gibt keinen Weg zurück?“
„So ist es, Majestät. Bist du bereit, einen ausgezeichneten Diener zu verlieren, um die Natur des Kreises zu begreifen?“
„Ja, ich bin bereit.“
„Gut. Heute nacht werde ich kommen und dich abholen. Du musst einen Lederbeutel mit neunundneunzig Goldstücken bereithalten. Neunundneunzig, keines mehr, keines weniger.“
„ Was noch? Soll ich meine Leibwächter mitnehmen für den Fall, dass …?“
„Nur den Lederbeutel. Bis heute nacht, Majestät.“
„Bis heute nacht.“
Und so geschah es. In dieser Nacht holte der Weise den König ab. Gemeinsam verließen sie unerkannt den Hof und versteckten sich in der Nähe des Hauses des Pagen. Dort warteten sie auf den Tagesanbruch.
Im Haus wurde die erste Kerze angezündet. Der Weise steckte einen Zettel in den Beutel, auf dem stand:

Dieser Schatz gehört Dir.
Es ist die Belohnung dafür,
dass Du ein guter Mensch bist.
Genieße ihn
und sag niemanden,
wie Du an ihn gelangt bist.

Dann band er den Beutel an die Haustür des Dieners, klingelte und versteckte sich wieder.
Der Page kommt heraus, und von ihrem Versteck im Gebüsch aus beobachteten der Weise und der König das weitere Geschehen.
Der Bedienstete öffnete den Beutel, las die Nachricht, schüttelte den Sack, und als er das metallische Geräusch aus seinem Inneren vernahm, zuckte er zusammen, drückte den Schatz an seine Brust, sah sich um, ob ihn auch niemand beobachtete, und ging ins Haus zurück.
Von draußen hörte man, wie der Diener die Tür verriegelte, und so näherte die Spione sich dem Fenster, um die Szene zu beobachten.
Der Diener hatte alles, was sich auf dem Tisch befand, mit einem Handstreich auf den Boden gewischt, bis auf die Kerze. Er hatte sich hingesetzt, den Inhalt des Beutels auf den Tisch geleert und traute seinen Augen kaum.
Es war ein Berg aus Goldmünzen!
Er, der in seinem ganzen Leben auch nicht eine einzige verdient hatte, besaß nun einen ganzen Berg davon.
Er berührte und er häufelte sie. Er streichelte sie und betrachtete sie im Widerschein der Kerze. Er strich sie zusammen und verteilte sie wieder auf dem Tisch, um sie danach zu Säulen aufzustapeln.
So vergnügte er sich mit seinem Schatz, bis er schließlich begann, Häuflein zu zehn Münzen zu machen. Ein Zehnerhaufen, zwei Zehnerhaufen, drei Zehnerhaufen, vier, fünf, sechs … Er zählte sie zusammen: zehn, zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig, sechzig, … Bis zum letzten Häuflein, das nur aus neun Münzen bestand!
Zunächst suchten seine Augen den Tisch ab, in der Hoffnung, die fehlende Münze zu finden. Dann schaute er auf den Boden und schließlich in den Beutel.
Das ist unmöglich, dachte er. Er schob den letzten Haufen neben die anderen und tatsächlich, er war kleiner.
„Man hat mich beraubt!“ schrie er. „Man hat ich beraubt! Das ist Diebstahl.“
Wieder schweifte sein Blick über den Tisch, über den Boden, in den Beutel, in seine Kleider, in seine Taschen, unter die Möbel … Aber die gesuchte Münze blieb verschollen.
Wie um ihn zu foppen, funkelte auf dem Tisch in Haufen Goldstücke und erinnerte ihn daran, dass es nur neunundneunzig waren. Nur neunundneunzig.
Neunundneunzig Münzen. Das ist eine Menge Geld, dachte er. Aber ein Goldstück fehlt. Neunundneunzig ist keine Runde Zahl. Hundert ist rund, doch nicht neunundneunzig.

Der König und sein Ratgeber spähten zum Fenster hinein. Das Gesicht des Pagen hatte sich verändert. Seine Stirn lag in Falten, und die Mine war angespannt. Die Augen hatte er zu Schlitzen gepresst, und um seinen Mund spielte ein verzerrtes Lächeln.
Der Diener steckte die Münzen in den Beutel zurück, vergewisserte sich, dass ihn niemand im Haus beobachtete, und versteckte den Beutel zwischen der Wäsche.
Dann nahm er Papier und Feder und setzte sich an den Tisch, um eine Rechnung aufzustellen.
Wie lange musste er sparen, um Goldstück Nummer hundert zu bekommen?
Der Diener führte Selbstgespräche.
Er war bereit, hart dafür zu arbeiten. Danach würde er womöglich niemals wieder etwas tun müssen.
Mit hundert Goldstücken konnte man aufhören zu arbeiten.
Mit hundert Goldstücken ist man reich.
Mit hundert Goldstücken kann man ein ruhiges Leben führen.
Er beendete seine Berechnungen. Wenn er hart arbeitete und sein Gehalt und etwaige Trinkgelder sparte, konnte er in elf oder zwölf Jahren genügend für ein weiteres Goldstück beisammen haben.
Zwölf Jahre sine eine lange Zeit, dachte er.
Vielleicht konnte er seine Frau überreden, sich für eine Weile im Dorf zu verdingen. Und er arbeitete schließlich nur bis um fünf Uhr im Palast. Nachts konnte er noch etwas hinzuverdienen.
Er überlegte: Wenn man seine Arbeit im Dorf und die seiner Ehefrau zusammenrechnete, konnten sie in sieben Jahren das Geld beieinander haben.
Das war zu lang.
Vielleicht konnte er das Essen, das ihnen übrigblieb, ins Dorf bringen und es für ein paar Münzen verkaufen. Je weniger sie also essen würden, desto mehr könnten sie verdienen.
Verdienen, verdienen.
Es würde warm werden. Wozu brauchten sie so viel Winterkleidung? Wozu brauchte man mehr als ein Paar Hosen?
Es war ein Opfer. Aber in vier Opferjahren hätten sie Goldstück Nummer hundert.
Der König und der Weise kehrten in den Palast zurück.
Der Page war in den Kreis der neunundneunzig eingetreten.

Während der kommenden zwei Monate verfolgte der Bedienstete seinen Plan genau, wie er ihn in jener Nacht entworfen hatte. Eines Morgens klopfte er übelgelaunt und gereizt an die Tür des königlichen Schlafzimmers.
„Was ist denn mit dir los?, fragte der König höflich.
„Mit mir? Gar nichts.“
„Früher hast du immer gesungen und gelacht.“
„Ich tue meine Arbeit, oder etwas nicht? Was wünschen Ihre Majestät? Soll ich Euch auch noch Hofnarr und Barde sein?“
Es dauerte nicht mehr allzulang, da entließ der König den Diener. Er fand es unangenehm, einen Pagen zu haben, der immer schlecht gelaunt war.

Wir alle sind oft nach diesen blöden Regeln erzogen worden. Immer fehlt ein Stück, um zufrieden zu sein, und nur, wenn man zufrieden ist, kann man das genießen, was man hat.

(aus „Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“ von Jorge Bucay – Amann Verlag)
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Anders reisen

Schon als sehr junger Mensch fand ich heraus, dass die beste Art zu lernen für mich das Reisen war. Bis heute habe ich mir die Seele eines Wanderers bewahrt und möchte hier in der Hoffnung, sie könnten anderen ´Wanderern´ nützlich sein, einige Lektionen wiedergeben, die ich gelernt habe.

1)    Meide Museen. Der Rat mag absurd erscheinen, aber lasst uns einen Augenblick miteinander nachdenken: Wenn du in einer fremden Stadt bist, ist es da nicht interessanter, statt der Vergangenheit die Gegenwart zu suchen? Die Leute fühlen sich verpflichtet, in Museen zu gehen, weil sie von klein auf gelernt haben, dass Reisen bedeutet, diese Art von Kultur zu suchen. Selbstverständlich sind Museen wichtig, aber du musst wissen, was du sehen willst, andernfalls verlässt du sie mit dem Eindruck, dass du zwar ein paar grundlegende Dinge für dein Leben gesehen hast, aber nicht mehr weißt, welche es denn waren.

2)    Geh in Bars. Dort zeigt sich das Leben der Stadt. Mit Bars meine ich nicht Diskotheken, sondern Orte, wo die Einheimischen sich treffen, trinken, über Gott und Welt diskutieren und immer offen sind für ein Gespräch. Kaufe eine Zeitung, sitze einfach da, und schaue dem Kommen und Gehen zu. Wenn jemand ein Gespräch anfängt, geh darauf ein, auch wenn das Thema noch so albern ist. Man kann über die Schönheit eines Weges nicht befinden, wenn man nur aus der Tür schaut.

3)    Sie offen. Der beste Touristenführer ist ein Einheimischer. Er kennt alles, ist stolz auf seine Stadt, arbeitet aber nicht für eine Agentur. Geh auf die Straße hinaus, suche dir einen Menschen aus, mit dem du reden möchtest, und frage ihn nach dem Weg (Wo liegt die Kathedrale? Wo ist die Post?). Wenn es beim ersten nicht klappt, frage einen zweiten – und ich garantiere dir, dass du bis zum Tagesende eine ausgezeichnete Begleitung gefunden haben wirst.

4)    Reise allein oder, wenn du verheiratet bist, mit deinem Partner. Nur so kannst du wirklich dein Land verlassen. Wenn du in einer Gruppe reist, simulierst du nur eine Reise in ein anderes Land, bei der du weiter deine Muttersprache sprichst, den Weisungen eines ´Leithammels´ folgst und dich mehr um den Klatsch und Tratsch in der Gruppe als um den Ort kümmerst, den du besuchst.

5)    Vergleiche nicht. Vergleiche nichts – weder Preise noch Sauberkeit, noch die Lebensqualität, doch die Verkehrsmittel, nichts!! Du reist nicht, um zu beweisen, dass du besser lebst als die anderen. Du sollst herausfinden, wie die anderen leben, was sie dich lehren können, wie sie mit der Realität und dem Besonderen im Leben umgehen.

6)    Begreife, dass alle dich verstehen. Auch wenn du die Landessprache nicht sprichst, habe keine Angst: Ich war an vielen Orten, an denen ich mich nicht mit Worten habe verständlich machen können, und habe letztendlich doch immer Hilfe, wichtige Vorschläge erhalten und sogar Freunde und Freundinnen gefunden. Einige Menschen fürchten, sich zu verlaufen, wenn sie alleine reisen und auf die Straße hinaus gehen. Man braucht nur die Visitenkarte des Hotels in der Tasche haben und notfalls ein Taxi zu nehmen und sie dem Fahrer unter die Nase halten.

7)    Kaufe nicht viel ein. Gib dein Geld für Dinge aus, die du nicht zu tragen brauchst: gute Theaterstücke, Restaurants, Ausflüge. Heutzutage, in den Zeiten des globalen Marktes und des Internets, kannst du alles kaufen, ohne Übergewicht zu bezahlen.

8)    Versuche nicht, die ganze Welt in einem Monat zu bereisen. Es ist besser, vier oder fünf Tage in einer Stadt zu bleiben, als fünf Städte in einer Woche zu besuchen. Eine Stadt ist eine kapriziöse Frau, die Zeit braucht, um verführt zu werden und sich ganz zu zeigen.

9)    Eine Reise ist ein Abenteuer. Henry Miller hat einmal gesagt, es sei wichtiger, eine Kirche zu entdecken, der noch niemand etwas gehört hat, als nach Rom zu gehen und sich verpflichtet zu fühlen, die Sixtinische Kapelle zu besichtigen. Geh ruhig in die Sixtinische Kapelle, aber verlier dich in den Straßen, geh durch die Gassen, spüre die Freiheit, etwas zu suchen, von dem du nicht weißt, was es ist, was du aber ganz gewiss finden wirst und was vielleicht dein Leben ändern wird.

(aus "Sei wie ein Fluss der still die Nacht durchströmt" von Paulo Coelho)
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Kein Urteil ist wichtiger als das über uns selbst. Trotzdem vertrauen wir uns oft nicht – verstecken uns hinter alten Verletzungen. Wie wir es schaffen, unserer Selbstachtung zurückzuerlangen und ein Leben zu führen, nach dem wir uns in unserem Innersten wirklich sehnen.

Jeder von uns trägt sie in sich – diese Stimme, du uns sagt, dass wir voll und ganz auf unser Fähigkeiten vertrauen können. Die weiß, dass auch wir das Recht haben, glücklich zu sein. Es verdient haben, unsere Bedürfnisse und Wünsche geltend zu machen. Die sagt: Du bist wertvoll. Es ist diese innere Stimme, die wir Selbstachtung nennen und die doch immer wieder zu verstummen scheint. So bleibt sie still, während wir laut über alte Verletzungen nachdenken und dadurch Selbstzweifel nähren. Wir verurteilen uns selbst. Beginnen zu glauben, dass es nicht unser Schicksal sein kann, glücklich zu werden. Vielleicht begehen wir einen Fehler, schlage und danach mit Schuldgefühlen herum – verlieren dann das Vertrauen in uns selbst vollkommen. „Doch von allen Urteilen, die wir im Leben fällen“, schreibt der Psychotherapeut Nathaniel Branden, „ist keines so wichtig wie jenes, das wir über uns selbst fällen.“ So ist die Stimme der Selbstachtung einer unserer wichtigsten Begleiter. Branden geht sogar noch ein Stück weiter und bezeichnet sie als ein menschliches Grundbedürfnis. Genauer: als das Bedürfnis, das Gefühl zu haben, dass wir genug sind.

Das Immunsystem unseres Bewusstseins

Eine positive Selbstachtung, so sagt Branden, schenkt uns Widerstandsfähigkeit, Kraft und die Möglichkeit, uns immer wieder zu erholen. Die meisten Menschen aber unterschätzen ihr Potenzial, zu wachsen und Rückschläge zu verkraften. Sie glauben, dass das Muster von gestern auch das von morgen sein muss. Sie erkennen nur selten, wie viel sie selbst tun können, wenn Wachstum eun ein höheres Selbstwertgefühl ein Ziel ist und sie bereit sind, Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen. Der Glaube sie seien machtlos, wird zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Wenn wir glauben, dass es unser Schicksal ist, unglücklich zu sein, so darf unser Bewusstsein nihcht zulassen, dass uns die Realität mit Glück verwirrt. Nicht wir müssen uns der Realität anpassen. Plötzlich muss sich die Realität ans anpassen. Die Möglichkeit, in der Gegenwart glücklich zu sein, kann uns erschrecken. Also brauchen wir den Mut, Glück aufzunehmen. Anzunehmen Paulo Coelho schreibt in den „Schriften von Accra“. „Nur der wird geliebt und geachtet, der sich selber liebt und achtet. Versuche nie, allen zu gefallen, oder du wirst die Achtung aller verlieren.“ Und es sit wahr: Wenn wir uns selbst nicht achten, handeln wir in der Regel so, dass unser Selbstwertgefühl immer weiter sinkt. Wir akzeptieren, dass andere sich uns gegenüber unangemessen verhalten. Bestätigen damit unserer Negativität. Achten wir uns aber selbst, handeln wir so, dass diese Achtung bestätigt und verstärkt wird. Die Art wie wir handeln, erlangt von anderen, in angemessener Weise mit uns umzugehen. Doch Selbstachtung ist nicht zu verwechseln mit der Vorstellung, wir seien perfekt oder allen anderen überlegen. Sie ist weder vergleichend noch konkurrenzorientiert. Sie ist die Überzeugung, dass user Leben und unser Wohlbefinden es wert sind, durch unser Handeln unterstützt, geschützt und gefördert zu werden. Sie ist die Überzeugung, dass unser glück und unsere Persönliche Erfüllung wichtig genug sind, um dafür zu kämpfen. Doch Selbstachtung kann niemals erzwungen werden. Vielmehr ist sie die Folge bestimmter Einstellungen und Lebenspraktiken. Nathaniel Branden nennt sie die sechs Säulen der Selbstachtung. Sie können uns dabei helfen, der Stimme unserer eigenen Selbstachtung wieder mehr Beachtung zu schenken. Denn ein Selbst ist dazu da, um verwirklicht und gefeiert – und nicht, um verleugnet zu werden. Hören wir also auf diese Stimme, die in jedem von uns liegt. Die sagt: „Du bist wertvoll. Du bist genug.“

1.      Bewusst Leben

„Bewusstsein“, so beschreibt es der amerikanische Autor Dr. David Frawley, „ist ein Geheimnis, das über die Dimension der physischen Welt hinaus reicht.“ Es gilt als der höchste Ausdruck des Lebens. Doch Bewusstsein, so glaubt der Psychotherapeut Nathaniel Branden, ist auch stets eine Frage unseres Willens. Wir haben die Option, nach Bewusstsein zu streben; jedem Moment die Aufmerksamkeit zu schenken, die er verdient. Genauso gut aber können wir uns gegen entscheiden. Jeden Tag begegnen uns diese kleinen Wahlen des Lebens; denken oder nicht denken, der Realität ins Auge sehen oder ausweichen. Auf der bewussten Ebene erinnern wir uns nur selten an diese Wahlen, doch tief in unsere Psyche werden unsere Entscheidungen addiert. Und schließlich sind genau das die Erfahrungen, die wir Selbstwert nennen. So machen wir uns ein Bild von uns selbst. Haben ich in der Situation angemessen gehandelt? Kann ich mir selbst vertrauen? Schenken wir unsren Taten, Absichten, Werten und Zielen so stets eine angemessene Aufmerksamkeit – lassen dabei unsere Fähigkeiten nicht aus den Augen, so ist unser Bewusstseinsniveau hoch. Bewusst leben heißt, unseren Verstand aktiv zu nutzen. Die Wahl fällt dann öfter aufs Denken als aufs Nichtdenken. Wie gebe uns nicht der Illusion hin, eine andere Person könne uns unsere Entscheidungen abnehmen. Es bedeutet, in der Gegenwart zu leben und trotzdem nicht drin gefangen zu sein. Wir lernen, zwischen Tatsachen, Interpretationen und Emotionen zu unterscheiden. Legt mein Gegenüber die Stirn in Falten. So kann ich glauben, dass er oder sie wütend auf mich ist, und schließlich völlig verunsichert sein. Doch entspricht dies tatsächlich der Wahrheit? Wenn wir bewusst leben holen wir uns stets Rückmeldung von unserer Umwelt ein – wir legen nicht einen Kurs fest und vertrauen dann vollkommen blind darauf. So können wir erfragen, ob die andere Person tatsächlich wütend oder vielleicht doch nur besorgt ist. Unsere Ängste ändern, nicht die Tatsachen, sie bauen lediglich eine Mauer um uns herum auf. Wenn wir aber darüber nachdenken, welchen Lebensbereich wir bislang zu wenig Bewusstsein schenken, so können wir dies Mauer einreißen. Balance erreichen. Wir müssen uns nur eins fragen: Wo in einem Leben liegen Schmerz und Frustration? Und dann bereit sein zu Ehrlichkeit.

2.      Sich selbst annehmen

Sie ist die Stimme der Lebenskraft. Die Selbstannahme ist einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg zu mehr Selbstachtung, denn sie sie ist vollkommen ehrlich. Sie ist der positive, gute Egoismus, den wir im Laufe unseres Lebens weitestgehend abzulegen lernen. Er bedeutet, dass wir auf unserer Seite sind. Dass wir für uns einstehen und unserem Selbst gegenüber eine gewissen Verpflichtung spüren. Selbstannahme ist die Bereitschaft zur Ehrlichkeit – dass wir das denken, was wir denken; das fühlen, was wir fühlen; das getan haben, was wir tatsächlich getan haben; und dass wir sind, wer wir sind. Unsere Emotionen müssen dabei aber nicht das letzte Wort haben. Wir können akzeptieren, dass wir nach einer unruhigen Nacht keine Lust haben, uns morgens auf dem Weg zur Arbeit zu machen. Trotzdem fahren wir los – wir fühlen uns schließlich verpflichtet. Wenn wir auch diese Emotionen annehmen, können wir uns sicher sein, dass wir den Tag nicht mit einem Selbstbetrug beginnen. Nur wenn wir uns auf negative Gefühle einlassen, können wir sei loslassen. Sie tragen sogar dazu bei, dass unsere Selbstannahme wächst. Schließlich sind sie ein Ausdruck unserer selbst. Sie sind ein Teil von uns. Und auf einmal geht es um mehr als nur Akzeptanz. Es geht darum zu erfahren. Unsere Gefühle in unser Bewusstsein aufzunehmen. Dies, so glaubt Branden, hat eine direkte heilende Wirkung auf die Psyche. Dabei müssen wir nicht, wie oft angenommen, alles an uns gutheißen. Oder das Interesse daran verlieren, etwas ändern zu wollen. Im Gegenteil: Selbstannahme ist die Voraussetzung für Verwandlung und Wachstum. Selbstannahme leugnet nicht, doch sie erfragt die Hintergründe. Wenn wir etwas getan haben, das wir hinterher bereuen, so machen wir uns häufig schwere Vorwürfe. Gehen meist härter mit uns ins Gericht als mit anderen. Selbstannahme lehr uns, dass wir unsere Fehler durchaus verurteilen dürfen – trotzdem können wir uns weiterhin ein Freund sein. Uns mit Wohlwollen begegnen. So lernen wir. Können beim nächsten Mal anders handeln. Doch die meisten Menschen leugnen sich nur ihre Fehler, sie leugnen viel öfter noch ihre positiven Seiten. So können unser Ehrgeiz, unsere Fähigkeiten und Talente uns ebenso beängstigen wie unser Schwächen. Hören wir also auf, unsere Größe zu leugnen! Sie ist ein Teil von uns. Es wert, stolz zu sein!

3.    Eigenverantwortlich leben

„Es kommt niemand.“ Ein Satz. Und eine Botschaft. Branden gibt sie beinahe jedem seiner Klienten mit auf dem Weg. Doch eben jener Satz bedeutet niemals Einsamkeit oder Resignation, auch wenn es zunächst so klingen mag. Vielmehr ist er eine Lebenseinstellung. Eine Aufforderung zum Handeln. Denn so glaubt Branden, nur wir sind für die Erfüllung unserer Wünsche verantwortlich. Niemand ist es uns schuldig, dass unsere Hoffnungen erfüllt werden. Wer eigenverantwortlich lebt, der achtet gut auf seine Entscheidungen und sein Handeln. Nur wir allein sind für unser handeln gegenüber anderen verantwortlich. Nur wir können unsere Versprechen halten. Unsere Botschaften sorgsam wählen. Wichtig aber ist: Wir sind keinesfalls für all das verantwortlich, was uns widerfährt. Schließlich hat auch das Schicksal seine Hände mit im Spiel. Wir können nicht alles beeinflussen, was mit uns und um uns herum geschieht. Doch ein eigenverantwortliches Leben setzt eine aktive Lebenseinstellung voraus. Selbstständiges Denken und ein Handeln, das nach dem eigenen Verstand verläuft. Denn wir entscheiden, welche Werte und Vorstellungen wir für unser Leben wählen und übernehmen. Wer eigenverantwortlich lebt, weiß, dass andere Menschen nicht an unserer Seite sind, um uns zu dienen. Wenn wir also möchten, dass andere uns einen Gefallen tun, so müssen wir unsere Beweggründe mit ihnen teilen. Wir lernen, dass Verantwortung etwas durchaus Positives ist. Sie ist keine Last, sondern hilft uns vielmehr dabei, ein Leben zu leben, welches nach unseren Vorstellungen verläuft. Und sie hilft uns auf dem Weg zu mehr Selbstachtung. Wir lernen, uns noch mehr zu vertrauen – und verstehen, dass nur wir unseren Wert bestimmen. „Es kommt niemand.“ Ein Satz. Eine Botschaft. Und doch birgt er so viel Wahrheit in sich.

Es kommt niemand, der unsere Probleme löst. Es kommt niemand, der für unser persönliches Glück verantwortlich ist. Wir sind es. Und das ist gut, denn es bedeutet, dass ein glückliches und erfülltes Leben stets erreichbar ist. Es ist nicht von anderen abhängig und wird nicht von ihnen bedingt. Wir können glücklich sein, wenn wir bereit sind, diese Verantwortung zu tragen. Wir können glücklich sein – aus eigener Kraft heraus.

4.     Sich selbstsicher behaupten

Was geschieht, wenn alles, was wir sind, verborgen bleibt? Wenn all das, was wir uns wünschen, nur wir selbst kennen? Nathaniel Branden ist sich sicher: Selbstachtung ist in diesem Zustand besonders schwer.

So glaubt er an das Prinzip der Selbstbehauptung. Sie bedeutet, dass wir den eigenen Wünschen, Bedürfnissen und Werten Rechnung tragen. Sie praktisch zum Ausdruck bringen. Sie bedeutet weder Arroganz, noch, dass wir uns vordrängeln oder auf unsere Rechte pochen. Doch wir können durchaus selbstbewusst für uns eintreten, offen sein. Authentisch. Wenn wir uns von unseren tiefsten Überzeugungen leiten lassen und dementsprechend handeln, so gewinnen wir an Selbstachtung. Wir können dann eigene Ideen vorbringen. Wir können anderen ohne Probleme Komplimente machen und sie in gleicher Weise annehmen. Aber auch schweigen, wenn wir es für angemessen halten. Selbstbehauptung bedeutet Neugier. Fragen stellen. So, wie wir es als Kinder taten. Kein „Warum“ scheuen. Und schließlich eigenständig über die gegebenen Antworten nachdenken. Sie nicht einfach hinnehmen. Wenn wir uns selbstsicher behaupten, dann gehört unser Leben uns. Es geht nicht mehr nur darum, die Erwartungen anderer zu erfüllen. Wir können Nein sagen, wenn wir Nein sagen möchten. Aber noch viel wichtiger: Nicht nur das ablehnen, was wir nicht mögen. Sondern für das einstehen, was uns gefällt und was wir uns wünschen. Öfter Ja sagen zu den Dingen, die uns Freude bereiten. Und mögen sie noch so klein, oder für andere ungewöhnlich erscheinen. Wir beginnen unsere Wertvorstellungen in der Welt einzubringen – hören auf, unser Leben zu träumen. Leben einfach. Wir erkenn, dass unser Ideen wichtig sind, keine Hirngespinste oder reine Wunschvorstellungen. Nathaniel Branden schreibt: „Habe Mut zu sein, wer du bist.“ Und es ist wahr: Es erfordert Mut. Und Ausdauer, wenn etwas nicht auf Anhieb funktionieren mag. Doch wenn wir Selbstbehauptung wirklich leben, dann stellen wir uns den Herausforderungen des Lebens. Wir geben nicht einfach auf, wenn wir etwas nicht verstehen. Haben wir also Mut, unsere Bedürfnisse offen zu zeigen. Dann nur dann können wir Selbstsicherheit ausstrahlen.

5.      Zielgerichtet Leben

„Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg.“, schrieb der chinesische Philosoph Laotse bereits vor Jahrhunderten. Es sind eben jene Ziele, die uns weiterringen, glaubt auch Branden. Sie sind es, die unsere Fähigkeiten mobilisieren und uns Auftrieb geben. Die uns in Momenten der Antriebslosigkeit zur Hilfe kommen. So sollten wir uns stets fragen: Was versuche ich zu erreichen? Und wie versuche ich es?

Nur so können wir uns überhaupt bestimmte Dinge vornehmen. Vielleicht sind es kleine Ziele, vielleicht ist es auch ein großer Lebenstraum. Es spielt keine Rolle. Doch ein Leben ohne Ziele, sagt Branden, führt zu Tagträumereien. Und dies wiederum können uns nicht das Gefühl von Selbstwirksamkeit geben.

Wir lernen, die Verwirklichung von Lebenszielen nicht dem Zufall oder dem Schicksal zu überlassen. Wir definieren unsere Wünsche selbst. Nur wir. Arbeiten an ihnen – mit aller Kraft.

Leben wir zielgerichtet, so hören wir auf, nach Ausreden zu suchen. Ausreden, die uns davor bewahren sollen, uns wahrhaftig mit den Gründen unerfüllter Träume auseinanderzusetzen.

Wenn wir versuchen, unsere Ziele zu erreichen, so entdecken wir vielleicht neue Fähigkeiten und Talente, die uns weiterbringen können. Wir lernen, dass wir sie nutze dürfen. Sie nicht leugnen, verstecken oder uns für sie schämen müssen. Wir dürfen jene Fähigkeiten vollkommen ausreizen.

Ein auf Ziele ausgerichtetes Leben respektiert die Gegenwart, ohne dabei die Zukunft aus den Augen zu verlieren. Es bedeutet, langfristig zu denken, zu planen und Konsequenzen abzuwägen. Und lehrt uns, dass wir die Autoren und Gestalter unserer Zukunft sind.

Aber auch zu akzeptieren, dass sich manche Dinge unserer Kontrolle entziehen. Wir dürfen loslassen. Mit dem Ziel, uns zu regenerieren und neue Kraft zu gewinnen.

Die Wurzeln der Selbstachtung liegen jedoch nicht in den Erfolgen. Es sind nicht unsere erreichten Ziele. Es ist die immer wiederkehrende Bereitschaft, sich für die selbst definierten Wünsche einzusetzen. Sie niemals aus den Augen zu verlieren.

Seien wir also aktiv und begeben uns auf die Suche nach neuen Wegen und Möglichkeiten. Denn dann werden wir ankommen. Unsere Ziele erreichen.

6.    Persönliche Integrität

Wann genau schenken wir einem Menschen unser Vertrauen? Woran machen wir Vertrauen fest? Nathaniel Branden weiß: Immer dann, wenn die Worte eines Menschen mit seinem Verhalten übereinstimmen, so beginnen wir ihm zu vertrauen.

Wenn er seine Versprechen hält und zu seinem Wort steht. Gleiches gilt für unser Bewusstsein. Denn im Gerichtssaal unseres Verstandes gibt es nur ein einziges Urteil, das zählt – unser eigenes. Wir selbst können und nicht meiden. Und unsere Selbstachtung können wir nur dann wahren, wenn wir integer sind. Wenn also unser Verhalten mit unseren Wertvorstellungen übereinstimmt, wenn unsere Ideale im Einklang mit unserem Handeln sind. Verhalten wir uns gegenteilig, so verlieren wir das Gesicht vor uns selbst. Verlieren das Vertrauen in uns und damit auch unsere Selbstachtung.

Folgende Fragen können uns dabei helfen, entsprechend unseren werten zu handeln: Bin ich ehrlich, zuverlässig und vertrauenswürdig? Halte ich meine Versprechen? Bin ich fair und gerecht im Umgang mit anderen? Außerdem sollten wir keine Scheu haben, unsere Werte und Maßstäbe zu hinterfragen. Unsere tiefsten Überzeugungen auf die Probe zu stellen.

Natürlich kann uns trotzdem niemand eine Garantie geben, dass wir stets die beste Entscheidung treffen werden. Doch unsere Integrität sorgt dafür, dass wir uns bemühen, eine Lösung zu finden. Auch dann, wenn wir einmal einen Fehler begehen oder jemanden ungewollt verletzen. Schuldgefühle helfen uns hier nicht weiter. Wenn wir tatsächlich verantwortlich sind, so sollten wir zunächst anerkennen, was wir getan haben. Wir bemühen uns zu verstehen, warum wir in diesem Moment gehandelt haben, wie wir es taten. Wenn andere betroffen sind, so bekennen wir uns diesen Personen gegenüber zu unserem Fehler. Schließlich tun wir alles in unserer Macht Stehende, um die Verletzung zu begrenzen. Und wir nehmen uns vor, in Zukunft anders zu handeln. So wahren wir unser Gesicht. Bemühen uns die Verantwortung für unsere Entscheidung zu übernehmen, so können wir ebenso unsere Selbstachtung wahren. An unseren Werten glauben und unserem Selbst vertrauen.

 (Artikel von Lina Knoop,  aus der  HAPPINEZ Nr.7/Jahrgang 9)

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Zwischen Reiz und Reaktion liegt Raum.

In diesem Raum liegt unsere Macht
zur Wahl unserer Reaktion.

In unserer Reaktion liegen unsere
Entwicklung und unsere Freiheit.

                                                        (Viktor Frankl - Österreichischwer Neurologe und Psychologe)

Der König, der angebetet werden wollte

Es war einmal ein König, den hatte die Eitelkeit fast in den Wahnsinn getrieben. Eitelkeit macht die Menschen immer verrückt. Dieser König ließ in seinem Palastgarten einen Tempel bauen und in dem Tempel eine Statue von sich selbst im Lotussitz aufstellen.

Jeden Morgen, glich nach dem Frühstück, ging der König in seinen Tempel, war sich vor seinem Abbild nieder und betete sich selbst an. Eines Tages befand er, dass die Religion, die nur einen einzigen Anhänger besaß, keine rechte Religion sei, und entschied, er müsse mehr Anbeter haben.

Also erließ er das Dekret, dass sämtliche Soldaten der königlichen Leibwache sich zumindest einmal täglich vor seiner Statue niederwerfen sollten. Dasselbe galt für alle Bediensteten wie auch für die Minister des Königreichs. Sein Wahnsinn nahm mit der Zeit immer üblere Ausmaße an, und als die Unterwerfung seiner Untergebenen ihm eines Tags nicht mehr genügte, schichte er die Leibwache zum Markt und befahl ihr, die ersten drei Personen mitzubringen, die ihr begegneten.

An ihrem Beispiel, so dachte er, werde ich beweisen, wie stark der Glaube an mich ist. Ich fordere sie auf, sich vor meinem Abbild zu verneigen. Wenn sie klug genug sind, so tun sie es, und wenn nicht, werden sie mit dem Leben dafür bezahlen.

Die Soldaten der Leibwache brachten einen Intellektuellen, einen Pfarrer und einen Bettler mit, die in der Tat die drei ersten Personen waren, denen sie auf dem Markt begegneten.

Die drei wurden zum Tempel geführt und dem König vorgestellt.

„Dies ist das Bildnis des einzig wahren Gottes“, sagte der König zu ihnen. „Werft euch vor ihm nieder, oder ihr zahlt es mit dem Leben.“

Der Intellektuelle dachte: „Der König ist verrückt und wird mich töten, wenn ich mich nicht verneige. Das ist höhere Gewalt. Niemand kann mich dafür verurteilen angesichts der Tatsache, dass ich es ohne Überzeugung getan habe, allein, um mein Leben zur retten, und im Dienste der Gesellschaft, der ich mich verpflichtet sehe.“ Und er verneigte sich vor dem Abbild.

Der Priester dachte: „Der König ist verrückt geworden, und er wird seine Drohung wahr machen. Ich bin ein Auserwählter des wahren Gottes, und deshalb wird mein spirituelles Handeln den Ort segnen, an dem ich bin. Egal, vor welchem Bild ich es tue, wird es immer der wahre Gott sein, vor dem ich mich verneige.“  Und er kniete nieder.

Nun war der Bettler an der Reihe, der keinerlei Anstalten dazu machte.

„Knie nieder“, sagte der König.

„Majestät, ich bin dem Volk nichts schuldig, das mich offen gestanden meist mit Fußtritten von seinen Türschwellen jagt. Auch bin ich von niemanden auserwählt, außer von den paar Läusen, die auf meinem Kopf überwintern. Ich mag niemanden verurteilen, noch kann ich irgendein Abbild segnen. Uns was mein Leben angeht, so halte ich es nicht für ein derart kostbares Gut, als dass es das wert wäre, sich dafür lächerlich zu machen, nur um es behalten zu dürfen. Deshalb, teurer Herr, gibt es für mich keinen Grund, niederzuknien.“

Man sagt, die Antwort des Bettlers habe den König derart bewegt, dass ihm ein Licht aufging und er begann, sein Verhalten zu überdenken.

Nur dadurch, sagt die Legende, wurde der König geheilt und ließ den Tempel durch einen Springbrunnen ersetzen und die Statue durch riesige Blumenvasen.

(aus „Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“ von Jorge Bucay – Amann Verlag)

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Es muss ein Gleichgewicht zwischen dem Gehirn und dem Herzen bestehen. Ich denke, dass ein herzloses menschliches Wesen mit einem sehr gut funktionierenden Gehirn ein gefährlicher Unruhestifter ist. Ich schätze jemanden, dessen Intelligenz weniger entwickelt ist, der aber ein gutes Herz hat, höher ein.

(aus „Tag für Tag zur Mitte finden“ - Dalai Lama – Herder Verlag)


Der Apfelbaum

Vier Yogaschüler tragen sich unter einem Apfelbaum. Obwohl sie seit vielen Jahren einmal die Woche zusammen Yoga praktizierten und sich gemeinsam intensiv mit der Yogaphilosophie beschäftigten, waren sie immer noch sehr von ihren subjektiven Sichtweisen auf die Welt geprägt. Dies wurde besonders deutlich, als sie sich über den Apfelbaum unterhielten.

Der eine, ein begnadeter Koch, sah die roten prallen Äpfel und sagte: „Aus diesen saftigen Äpfeln werde ich bald einen köstlich schmeckenden Apfelkuchen zubereiten.“

Der zweite Yogaschüler, ein träger, älterer Hausmeister hingegen meinte: „Oh je, wenn der nächste Regen kommt, muss ich alle Blätter zusammenzukehren. Darauf habe ich keine Lust.“

Der Dritte war ein ausgezeichneter Schreiner. Er teilte den anderen mit: “Dieser Baum hat gutes Holz. Daraus kann ich schöne Möbel schnitzen, die viele Menschen erfreuen werden.“

Der vierte Schüler war Maler und sprach beim Anblick des Apfelbaums: „Diesen Baum werde ich malen.“ Und er dachte mit keiner Sekunde daran, was er mit den Äpfeln, dem Laub oder dem Holz machen könnte. So sah jeder den Teil der Wirklichkeit, der zum eigenen kleinen Universum gehörte.

(aus „Alles ist Yoga“ von Doris Iding erschienen im Schirner Verlag 2010)

Doris Iding ist Ethnologin M.A. und beschäftigt sich seit über 20 Jahren intensiv mit der bewussten Integration verschiedener spiritueller Traditionen im Alltag. Für sie ist Spiritualität nur dann von Nutzen, wenn sie Eingang findet in das Leben und die Arbeit des spirituell Praktizierenden.

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Das Sankhya beschreibt Gedanken als Pakete potentieller Energie, die sich immer mehr verfestigen, wenn günstige Bedingungen vorhanden und Hindernisse ausgeräumt sind.

Sie werden zu Wünschen, dann zu Gewohnheiten, dann zu Lebensweisen mit physisch-materiellen Konsequenzen. Diese Konsequenzen mögen ebenso wenig Gedanken ähnlich sehen, wie ein Eichenbaum einer Eichel ähnlich sieht, aber die Gita sagt, dass sie ebenso eng zusammenhängen wie die Letzteren.

Genauso wie der Samen sich nur zu einer Baumart auswachsen kann, können Gedanken nur Auswirkungen von gleicher Wesensart hervorrufen. Freundlichkeit gegenüber anderen, um nur ein Beispiel zu nennen, begünstigt ein Nervensystem, das sich selbst gegenüber freundlich ist.

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Kleshas – kosmische Kräfte, die jedem Menschen innewohnen.
Man sagt die Hauptursachen für das meiste Leid der Menschen:

Avidya – falsches Versehen, falsches Wissen

Asmita – falsches Verständnis der eigenen Person

Raga – drängendes Verlangen, Gier

Dvesa – unbegründete Ablehnung, Abneigung

und

Abhinivesa – die Angst

Dem Yogasutras des Pantanjali zufolge tun sich sogar die Weisen schwer, mit ihrer Angst richtig umzugehen, geschweige denn sie zu beherrschen. Die Angst ist wohl eines unserer größten Hindernisse, weil sie nur allzu oft schleichend in uns aufsteigt und dann zu spät erkannt wird.

Es sind die verschiedensten Ängste, die in uns wohnen können. Angst vor Verlust in jeglicher Hinsicht, ob materiell, von Ansehen, oder Menschen. Die Angst vor Vergänglichkeit und Veränderung unsere momentane Situation. Und egal, was wir auch unternehmen, nichts kann uns vor Alter, Krankheit und Tod schützen.

Wir versuchen unser Leben zu planen, versuchen alles zu kontrollieren. Planen für uns und für andere, damit auch alles so eintrifft, wie wir es uns vorstellen. Und wenn etwas nicht so läuft, wie wir es uns vorstellen oder wünschen, kommen wir ins zweifeln und hadern mit unserem Schicksaal. „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, mach Pläne.“  Wir hängen uns an materielle Dinge, definieren uns sogar über sie, um uns Sicherheit vorzuspielen, oft getrieben von den Ängsten der Vergänglichkeit.

Doch wir können uns auf den Kopf stellen und mit den Augendeckeln Schuh platteln, es wird uns nichts helfen. Im Gegenteil, durch Erwartungen, machen wir uns noch mehr Druck und leben in ständiger Angst, die uns letztendlich Krank macht. Wir können nie wissen, was und in der nächsten Minute, Stunde erwartet. Und ständige Sorge und Angst lähmt uns im Moment wirklich zu leben.

Ein Leben voller Vertrauen ins Leben und in die Möglichkeiten, jeden Moment neu wahrzunehmen und zu entscheiden, wie wir handeln und sein möchten, gibt uns Freiheit. Das Gestern ist unveränderlich und die Zukunft ist nicht bekannt. Das einzige was in diesem Moment reell ist, ist genau dieser Moment. Wovor sollten wir nun Angst haben?

Je mehr wir unser Leben bewusst leben, desto besser und gesünder können wir unseren eigenen Ängsten entgegentreten – und ein entspanntes Leben, aus jedem gegenwärtigen Moment heraus führen. Und jeder schöne Moment des Lebens kann ein Moment der Ewigkeit werden, wenn wir es schaffen, ihn im Herzen zu tragen.

 Dazu eine kleine Geschichte:

Das Kamel

Es lebte im alten Rjastan ein Dieb. Er wurde erwischt, als er ein Kamel des Königs stehlen wollte. Der König tat, was er mit allen Dieben tat: Er verurteilte ihn zum Tode. Der Dieb aber war ein furchtloser und über die Maßen cleverer Busche und bat den König um einen letzten Gefallen. Er sagte: „Wenn der König ein wirklich guter König ist und ein großes Herz hat, dann bitte ich ihn, mir mein Leben zu schenken.“ Noch bevor der König etwas sagen konnte, fügte er hinzu: “Und wenn der König mir das Leben lässt, dann werde ich dem Kamel, das ich stehlen wollte, innerhalb von einem Jahr das Tanzen beibringen.“

Der Dieb klang überzeugend, sodass der König einwilligte. „Nun gut, so sei es!“, sprach der König. „Aber wenn das Kamel in dieser Zeit nicht lernt zu tanzen, werde ich dich vor den Augen des ganzen Dorfes hinrichten lassen.“ Der Dieb willigte lächelnd ein und verneigte sich vor dem König. Als er mit dem Kamel nach Hause kam und seiner Frau erzählte, was sich zugetragen hatte, war diese voller Sorge um ihren Mann. Sie fragte ihn: „Wie, um Himmels willen, willst du dein Versprechen einlösen?“

Der Mann lächelte und erwiderte: „Mach dir keine Sorgen. Ich hab keine Angst vor dem König. Und weißt du auch warum?“ „Nein“, antwortete seine Frau erstaunt. – „Im Verlauf eines Jahres kann so viel geschehen: Der König könnte sterben. Auch das Kamel könnte sterben oder aber das Tanzen lernen. Was wissen wir schon darüber, was in einem Jahr sein wird oder nicht sein wird?“ Mit diesen Worten ging er in den Garten und legte sich in den Schatten eines alten Baumes. Er schlief so himmlisch, als wäre nichts geschehen.

(aus Alles ist Yoga von Doris Iding, Schirner Verlag)

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Die Kunst des Rückzugs

Ein Krieger des Lichts, der zu sehr seiner Intelligenz vertraut, unterschätzt am Ende die Kraft seines Gegners.
Man darf nie vergessen: Es gibt Augenblicke, da ist die Kraft wirkungsvoller als der Scharfsinn. Und wenn wir uns einer bestimmten Form von Gewalt gegenübersehen, wird kein Geistesblitz, kein Argument, wird weder Scharfsinn noch Charme die Tragödie verhindern können.
Daher unterschätzt der Krieger nie die rohe Gewalt: Wenn sie irrational und aggressiv ist, zieht er sich vom Schlachtfeld zurück, bis der Gegner seine Kraft verbraucht hat.
Allerdings sollte eines klar sein: Ein Krieger des Lichts ist niemals feige. Die Flucht kann ein geschickter Verteidigungszug sein, aber sie darf nie angetreten werden, wenn die Angst groß ist.
Im Zweifelsfalle nimmt der Krieger lieber die Niederlage in Kauf und pflegt seine Wunden, denn er weiß, dass er dem Angreifern durch seine Flucht größere Überlegenheit zugesteht, als dieser verdient.
Physische Wunden lassen sich behandeln, doch spirituelle Schwächen verfolgen einen ewig. In schwierigen und schmerzlichen Augenblicken stellt sich der Krieger der ungünstigen Situation entschlossen, heldenhaft und mutig. Um den rechten Geisteszustand zu erreichen (denn der Krieger des Lichts zieht in einen Kampf, in dem er die schlechteren Karten hat und möglicherweise leiden wird), muss er genau wissen, was ihm schaden kann.

Okakura Kasuko schreibt darüber in seinem Buch über die Teezeremonie:

„Wir schauen auf die Bosheit der anderen, weil wir die Bosheit durch unser eigenes Verhalten kennen. Wir verzeihen denen niemals, die uns verletzt haben, weil wir glauben, dass sei uns auch nie verzeihen werden. Wir sagen dem anderen die schmerzliche Wahrheit ins Gesicht, die wir selbst nicht wahrhaben wollen. Wir zeigen unsere Kraft, damit niemand unsere Zerbrechlichkeit sieht.
Daher sei dir immer bewusst, wenn du über deinen Bruder richtest, dass du es bist, der vor Gericht steht.“

Manchmal kann dieses Bewusstsein einen Kampf verhindern, der nur Nachteile bringen würde. Manchmal hingegen gibt es keinen Ausweg, sondern nur den Kampf mit ungleichen Chancen.
Wir wissen, dass wir verlieren werden, der Feind oder die Gewalt lassen uns keine andere Wahl, denn Feigheit kommt für uns nicht in Frage. Dann müssen wir das Schicksal annehmen. Dazu kommen mir jetzt Zeilen aus der großartigen Bhagavadgita (Kapitel II, 20-16) in den Sinn:

„Der Mensch wird nicht geboren, und er stirbt nie. Er ist auf dieser Welt, um zu leben, er hört nie auf zu leben, denn er ist ewig und unvergänglich.
So wie der Mensch die alten Kleider ablegt und neue anlegt, so legt die Seele den alten Körper ab und erhält einen neuen.
Die Seele selbst aber ist unzerstörbar. Schwerter können sie nicht schneiden, Feuer sie nicht verbrennen, Wasser sie nicht nass machen, der Wind sie nicht austrocknen. Sie steht außerhalb der Macht all dieser Dinge.
Da der Mensch unzerstörbar ist, ist er (auch in seinen Niederlagen) immer siegreich, und daher sollte er nie klagen.“

(aus "Sei wie ein Fluss der still die Nacht durchströmt" von Paulo Coelho)
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Ich wünsche dir Zeit

Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche dir Zeit, dich zu freun und zu lachen,
und wenn du sie nützt, kannst du etwas draus machen.

Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche dir Zeit – nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.

Ich wünsche dir Zeit – nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, sie möge dir übrig bleiben
als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun,
anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.

Ich wünsche dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen.
Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche dir: Zeit zu haben zum Leben!

(Elli Michler)
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Von der Freiheit

Am Stadttor und an eurem Herdfeuer habe ich euch fußfällig eure eigene Freiheit anbeten sehen. Gerade so wie Sklaven sich vor einem Tyrannen erniedrigen und ihn lobpreisen, obwohl er sie niederschmettert.

Ja im Tempelhain und im Schatten des Burgbergs habe ich die Freiesten unter euch ihre Freiheit wie ein Joch und eine Kette tragen sehen.
Und das Herz hat mir geblutet; denn frei könnt ihr nur sein, wenn euch selbst der Wunsch, nach Freiheit zu sterben, zu einer Fessel wird und ihr aufhört, von der Freiheit als einem Ziel und einer Erfüllung zu sprechen.

Wahrhaft frei werdet ihr nicht dann sein, wenn eure Tage ohne Sorge und eure Nächte ohne ein Bedürfnis oder einen Kummer sind.
Sondern vielmehr wenn diese Dinge euer Leben umfassen und ihr euch dennoch nackt und ungebunden über sie erhebt.

Und wie solltet ihr euch über eure Tage und Nächte erheben, außer ihr zerbrecht die Ketten, die ihr im Morgengrau eurer Vernunft um eure Mittagsstunde geschlungen habt?

Und was ist es, das ihr um eurer Freiheit willen abzuwerfen trachtet, denn anderes als Teile eurer selbst? Ist es ein ungerechtes Gesetz, das ihr abschaffen möchtet, so wurde euch dieses Gesetz durch eure eigene Hand auf die Stirn geschrieben.

Ihr könnt es nicht tilgen, indem ihr eure Gesetzbücher verbrennt, noch indem ihr die Stirn eurer Richter wascht, und würdet ihr auch die See über sie ergießen.

Und ist es ein Gewaltherrscher, den ihr entthronen möchtet, sorgt erst dafür, dass der Thron zerstört wird, den ihr ihm in euerm Inneren erbaut habt.
Denn wie kann ein Tyrann die Freien und die Stolzen beherrschen, außer es ist ein Sklaventum in ihrer Freiheit und eine Beschämung in ihrem Stolz?

Und wenn es eine Sorge ist, die ihr abschütteln möchtet, so wurde euch diese Sorge nicht aufgezwungen, sondern ihr habt sie euch selbst erwählt.

Und wenn es eine Furcht ist, die ihr zerstreuen möchtet, so sitzt diese Furcht in eurem Herzen und nicht in der Hand des Gefürchteten.

Wahrlich, alle Dinge ziehen durch eure Seele in beständiger Umarmung: das Erwünschte und das Gefürchtete, das Verabscheute und das Geliebte, das Angestrebte und dasjenige, dem ihr entrinnen möchtet.
Diese Dinge bewegen sich in euch als untrennbare Paare von Licht und Schatten.

Und wenn ein Schatten verblasst und verschwindet, wird das verbleibende Licht zum Schatten eines anderen Lichtes.
Und ebenso wird eure Freiheit, sobald sie ihre Fesseln verliert, ihrerseits zur Fessel einer größeren Freiheit.

(aus "Der Prophet" von Kahlil Gibran)
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Von der Zeit

Ihr möchtet die Zeit messen, die doch ohne Maße ist und unermesslich.

Ihr möchtet euer Handeln und selbst den Lauf eures Geistes nach Stunden und Jahreszeiten ordnen. Aus der Zeit möchtet ihr einen Fluss machen, von dessen Ufer aus ihr in Muße dessen Strömen betrachten könnt.

Doch das Zeitlose in euch ist sich der Zeitlosigkeit des Lebens bewusst.

Und weiß, dass das Gestern nichts als die Erinnerung des Heute ist und das Morgen das, was das Heute erträumt.

Und was in euch singt und gewahrt, wohnt nach wie vor in den Grenzen jenes ersten Moments, der die Sterne im Weltraum verstreute.

Wer von euch spürt etwa nicht, dass seine Fähigkeit zu lieben unbegrenzt ist?

Und dennoch, wer empfindet nicht, dass ebendiese Liebe, wenn auch unbegrenzt, doch restlos im Zentrum seines Wesens enthalten ist und sich nicht von Liebesgedanken zu Liebesgedanken bewegt noch von Liebeshandlung zu Liebeshandlung?

Und ist etwa die Zeit nicht ganz so sie die Liebe – ungeteilt und raumlos?

Aber wenn ihr schon die Zeit in Gedanken nach Jahreszeiten bemessen müsst, dann möge jede einzelne Jahreszeit alle übrigen Jahreszeiten umfassen.
Und das Heute Umarme das Vergangene mit Erinnern und das Künftige mit Sehnsucht.

Vertraue diesen Träumen, denn in ihnen verbirgt sich das Tor der Unendlichkeit.

 Kahlil Gibran (1883 - 1931), Dichter, Philosph und Künstler, wurde im Libanon geboren und emigriete in jungen Jahren  in die USA, Boston. Sein Lebenswerk galt der Versöhnung der westlichen und arabischen Welt. Der Prophet, erschienen 1923 (dt. Erstausgabe 1925) und gilt als Hauptwerk, zugleich  wohl als sein bekanntestes Werk.

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Ein Blick in Nachbars Garten

´Gib dem Narren tausend Meinungen, er wird nur deine wollen´, besagt ein arabisches Sprichwort. Wenn wir den Garten unseres Lebens bepflanzen, bemerkten wir irgendwann unseren Nachbarn, der uns beobachtet. Selber bringt er nichts zuwege, aber er gibt gern Ratschläge, wie wir unsere Taten aussäen, unsere Gedanken pflanzen, unsere Eroberungen begießen sollen.

Hören wir auf unseren Nachbarn, dann arbeiten wir am Ende für ihn, und der Garten unseres Lebens entspricht seinen Vorstellungen. Bis wir am Ende die mit viel Schweiß bestellte und mit vielen Segnungen gedüngte Erde gar nicht mehr als unsere erkennen und auch nicht, dass jeder Zentimeter Erde Geheimnisse hat, die nur die geduldige Hand des Gärtners deuten kann. Wir achten gar nicht mehr auf Sonne, Regen, wechselnde Jahreszeiten, sondern sind nur noch auf die Ratschläge unseres Nachbarn fixiert, der uns über den Zaun hinweg ausspäht.

Er gibt uns Ratschläge für unseren Garten, aber der Narr kümmert sich nie um seine eigenen Pflanzen.

(aus "Sei wie ein Fluss der still die Nacht durchströmt" von Paulo Coelho)
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Das Sankhya beschreibt Gedanken als Pakete potentieller Energie, die sich immer mehr verfestigen, wenn günstige Bedingungen vorhanden und Hindernisse ausgeräumt sind. Sie werden zu wünschen, dann zu Gewohnheiten, dann zu Lebensweisen mit physisch-materiellen Konsequenzen. Diese Konsequenzen mögen ebenso wenig Gedanken ähnlich sehen, wie ein Eichenbaum einer Eichel ähnlich sieht, aber die Gita sagt, dass sie ebenso eng zusammenhängen wie die Letzteren. Genauso wie der Samen sich nur zu einer Baumart auswachsen kann, können Gedanken nur Auswirkungen von gleicher Wesensart hervorrufen. Freundlichkeit gegenüber anderen, um nur ein Beispiel zu nennen, begünstigt ein Nervensystem, das sich selbst gegenüber freundlich ist.

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Lokah Samastah

Alle Welten. Die heiligen Vedas beschreiben vierzehn verschiedene Daseinsbereiche vom Grobstofflichen bis in feinste energetische Sphären. Die ersten drei dieser „Welten“ werden auch im bedeutenden Gayatri-Mantra angerufen: Om bhur bhuvah svah (Erde, Luftraum und Himmel). Im übertragenen Sinn sind damit auch jene Wesen, die diese Welten besiedeln, miteinbezogen – also alle Geschöpfe, ganz gleich in welchem Zustand oder auf welchem Schwingungsniveau sie sich gerade befinden.

 Sukhino

Glücksvoll. „Glücklich“ meint hier mehr als bloß eine vorübergehende Emotion, sondern einen Zustand der bedingungslosen Zu-Frieden-heit. Nach vedischer Ansicht ist Sat-Chit-Ananda (immerwährende Glückseligkeit) unser Ur-zustand. Glück ist ein Geburtsrecht.

Bhavantu

Sie sollen sein. Da das Mantra allen Wesen gewidmet ist, balanciert es die Welt aus. Keine egoistische Bitte für das eigene Wohlergehen ist es, sondern selbstloser Ausdruck der Verbundenheit mit dem gesamten Universum. So enthält es auch die Idee von Ahimsa.

 Verwendung und Wirkung von Lokah Samastah Sukhino Bhavantu

Im Yogawiki von Yoga Vidya heißt es dazu: „Im Yoga geht man davon aus, dass die Schwingungen des Friedens und des Wohlwollens, die durch ein Mangala Mantra erzeugt werden, eine positive Energie darstellen, die Friedensenergien verbreiten. Wenn Menschen zusammen das Lokah Samastah Sukhino Bhavantu rezitieren und sich der Bedeutung bewusst machen, entsteht ein Verbundenheitsgefühl, eine Herzensverbindung, eine Freude.“

(Quelle: http://www.yogazeit.at)

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Risiken – Ich lerne, Risiken einzugehen.

Heute will ich mich kopfüber ins Leben stürzen. Ich will nicht davor zurückscheuen, Risiken einzugehen. Zu lange ist mein Leben schon von Langeweile gekennzeichnet, die der Routine entspringt. Ich strebte nach Sicherheit und stecke jetzt in einem Trott, der mich gar nicht mehr richtig leben lässt. Heute will ich meine physischen, mentalen und spirituellen Grenzen erkunden und mich fordern lassen. Ich will die Aufregung neuer Erfahrungen hautnah spüren.

Um aus meinem Trott herauskommen zu können, muss ich, wie ich weiß, meinem inneren Kind versichern, dass ich es gut versorgen werde. Ich verstehe sein starkes Bedürfnis nach Sicherheit, aber ich glaube auch, dass es verdient, mehr vom Leben mitzubekommen. Wenn ich nicht in den nächsten Jahren langsam dahinsiechen will, muss ich meine Grenzen ausdehnen. Ich muss meine Angst vor dem Neuen überwinden, um mir ein befriedigendes Leben gestalten zu können.

(aus „Liebe dein inneres Kind“ von Rokelle Lerner – Goldmann Verlag)

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Arjuna und die Bhagavadgita 

Arjuna befand sich am Schlachtfeld zwischen den, zum Kampf bereiten, Reihen und wusste nicht mehr, ob es gut oder schlecht war, ob er kämpfen sollte oder es lieber bleiben lassen. Er wusste, dass er gegen seine eigene Verwandtschaft kämpfen musste, wenn er kämpft. Und dass es nie mehr so sein wird, wie es war. Ist seine Schlachtfeld unsere innere Zerrissenheit? Vom Kind - Jugendlichen zum Erwachsenen, oder noch mehr? Geht es uns immer so, wenn wir an einem Scheideweg stehen?

Wie geht es uns im Leben?  Wir werden im günstigsten Fall in eine intakte Familie geboren. Hier wachsen wir heran. Als Kinder lernen wir fast ausschließlich am Model. Wir eignen uns Verhaltensmuster unserer Eltern, Familie, Erzieher, Lehrer und unserer Umwelt an. Mit diesen Mustern lässt es sich erst einmal gut leben und alles scheint in Ordnung zu sein. Für mache Menschen wird das dann wohl auch ein Leben lang so sein.

Aber es kann auch der Zeitpunkt im Leben kommen, an dem man diese Werte und Lebensvorstellungen hinterfragt. Gewisse angeeignete Verhaltensweisen sind vielleicht nicht im Einklang mit dem, wie ich sein möchte.

So beginnt man in sich hinein zu hören und versucht zu erfühlen, wie möchte ICH denn sein? Was macht meine Identität als eigenständiges Individuum aus?  Wie möchte ich denn in gewissen Situationen reagieren? Meist reagiert man in alt bekannten Mustern. Aber sind es wirklich die eigenen, oder doch die, die man ohne zu hinterfragen, übernommen hat? Gerade wenn es schnell gehen muss oder man Stress hat, greift man auf altbekanntes zurück und wir fragen uns manchmal, warum Menschen etwas Unschönes weitergeben, was sie selbst erlebt haben und von dem sie doch wissen müssten, dass es nicht gut ist.

So sitzt du nun da und weißt nicht, was du wirklich möchtest. Und vor allem, wie unterscheide ich, was ICH möchte und was ich nur übernommen habe. Es gibt viele Sachen, die aus der Ursprungsfamilie sehr gut sind und die man auch übernehmen möchte. Aber es gibt auch die Dinge, die ich anders machen möchte. Nun kann ich mir überlegen, was ich in Zukunft ändern möchte. Ich habe die Wahl, ob ich ändern möchte oder nicht, aber handeln muss ich auf jeden Fall, wenn die entsprechende Situation kommt. So wie Arjuna eine Entscheidung treffen muss, nicht handeln ist keine Option.

Also nehme ich mir vor, gewisse Verhalten zu ändern. Wenn ich für mich erkannt habe, was ich verändern möchte, habe ich schon mal etwas geschafft. Und es geht ans Werk. In entspannten Lebensphasen, in denen ich ach Zeit habe zu überlegen und überlegt zu handeln funktioniert das dann vielleicht ganz gut. Doch dann kommen die Momente, in denen die Emotionen mit ins Spiel kommen und schon bin ich in einer bestimmten Situation genau wieder in meine alten Muster gefallen. Jetzt kann ich feststellen, wie verdammt schwer es ist, Muster, die über viele Jahre angeeignet und praktiziert wurden zu ändern. Manchmal habe ich das Gefühl, es ist alles vergebene Liebesmüh und ich sollte mich lieber mit was Sinnvollem beschäftigen. Aber ich weiß, dass es möglich ist, nur weiß ich nicht immer wie. Und ich weiß, dass es absolut sinnvoll ist, um sein eigenes Leben zu kreieren und zu leben.

Nun habe ich das Gefühl, einen Ratgeber gefunden zu haben. Hier tauchen die Ratschläge des Wagenlenkers Krishna auf. So spricht er von der Ebenheit des Geistes. Diese Ebenheit braucht es, um bewusst entscheiden zu können, damit das Verhalten dem Entspricht, welches mir das Gefühl gibt gut und richtig gehandelt zu haben. Alle momentan zur Verfügung stehenden Aspekte einbezogen, im Moment die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Dieses Gefühl des inneren Friedens. Ob letztendlich die Entscheidung ganz richtig war, stellt sich immer erst hinterher heraus, aber ich habe wie man so schön sagt, mit bestem Wissen und Gewissen entschieden. Allerdings nutzt bestes Wissen und Gewissen nichts, wenn die Entscheidung nicht wirklich vom Herzen mitgetragen wurde.

Manchmal begegnet man Menschen, die das Gefühl ausstrahlen, mit sich im Reinen zu sein. Sie strahlen Zufriedenheit und Gelassenheit aus. Und ich glaube, dass genau das erstrebenswert ist, mit sich im Reinen zu sein. Wie man auch sagt, in seiner Mitte zu ruhen.

Ich habe mal gelesen, dass Zufriedenheit die Basis für Glück ist. Und Glück nur immer gewisse Momente oder Phasen in der Zufriedenheit sind. Wenn es uns nun gelingt, Zufriedenheit als Basis unseres Lebens zu erschaffen, haben wir gute Voraussetzungen auch immer wieder glücklich zu sein.

So sind wir auch für unsere Mitmenschen und unser Umfeld angenehme Menschen und es ist immer wieder schön, solchen Menschen zu begegnen.  Es wird immer die getriebenen Menschen geben, die meiner Meinung nach am wirklichen Leben vorbei leben. Aber wie heißt es so schön, des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Und es ist nur möglich anzubieten. Wenn jemand nicht annehmen möchte, gilt es auch das zu akzeptieren, auch wenn es manchmal weh tut. Gerade, wenn es um Menschen geht, die einem was bedeuten. Doch im Grunde sollte uns jeder Mensch etwas bedeuten.

Ich habe diese Woche eine schöne Geschichte im Radio gehört, die mich sehr bewegt hat und die für mich ein Weg zu mehr Menschlichkeit in der Welt ist.

Ich versuche einmal die Geschichte frei nach zu erzählen.

Ein Forscher in Afrika wollte nachweisen, dass Menschen ohne Rücksicht ihren Trieben folgen.  So versammelte er eine Gruppe Kinder und erklärte ihnen folgendes. Er hatte unter einen Baum einen Korb mit vielen süßen, saftigen Früchten platziert. Nun sollten die Kinder auf ein Kommando loslaufen. Wer als erster den Korb erreicht, darf sich so viel davon nehmen wie er möchte und sich satt essen.

Er gab das vereinbarte Kommando und was geschah? Erst einmal gar nichts. Dann nahmen sich alle Kinder an den Händen zu liefen alle gemeinsam so schnell sie konnten zu dem Korb, teilten die Früchte und aßen alle gemeinsam.

Der Wissenschaftler war erstaunt und fragte, warum sie das gemacht hätten? Da antworteten die Kinder „Ubuntu“. „Ich bin, weil wir sind. Wie kann ich mich freuen, wenn du traurig bist?“

Ubuntu, ausgesprochen [ùɓúntú], bezeichnet eine afrikanische Lebensphilosophie, die im alltäglichen Leben aus afrikanischen Überlieferungen heraus praktiziert wird. Das Wort Ubuntu kommt aus den Bantusprachen der Zulu und der Xhosa und bedeutet in etwa „Menschlichkeit“, „Nächstenliebe“ und „Gemeinsinn“ sowie die Erfahrung und das Bewusstsein, dass man selbst Teil eines Ganzen ist.

Damit wird eine Grundhaltung bezeichnet, die sich vor allem auf wechselseitigen Respekt und Anerkennung, Achtung der Menschenwürde und das Bestreben nach einer harmonischen und friedlichen Gesellschaft stützt, aber auch auf den Glauben an ein „universelles Band des Teilens, das alles Menschliche verbindet“. Die eigene Persönlichkeit und die Gemeinschaft stehen in der Ubuntu-Philosophie in enger Beziehung zueinander.

(aus Wikipedia)

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Visualisierung – Heute sehe ich eine gesunde Zukunft vor mir.

Heute will ich mich weigern, wieder die alten Tonbänder aus der Vergangenheit mit ihren kritischen Botschaften abzuspielen. Stattdessen will ich mir vorstellen, wie ich sein werde. Die Samen meines künftigen gesunden Selbst haben in mir schon Wurzeln geschlagen. Ich sehe, wie mein inneres Kind aus der Angst zu Zuversicht und Freuden gelangt.

Ich sehe, wie ich lache und liebe, voller Vitalität bin und nur lebensfördernde Beziehungen eingehe. Ich fühle die tiefe Befriedigung, die eintritt, wenn ich mir meine persönlichen Grenzen setze und bewahre. Ich spüre den warmen Strahl eines gesunden Selbstwertgefühls, während ich lerne, mich zu ernähren und für mich zu sorgen.

Ich weiß eindeutig, dass ich selbst die Person in meiner Vision bin und all die Freuden eines erfüllten und befriedigenden Lebens erfahre. Die Schäden aus der Vergangenheit liegen hinter mir. Heute will ich die Samen des Lebens und der Gesundheit pflegen, die mit jedem Tag wachsen.

(aus „Liebe dein inneres Kind“ von Rokelle Lerner – Goldmann Verlag)

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Die Kuh die weinte

Er bekam den beliebtesten Job im Gefängnis-Schlachthof. Er war ein brutaler Gewaltverbrecher. Man nannte ihn den Bolzenschussgerätmann Joe.

Die Kühe wurden in einen trichterförmigen Gang getrieben, bis ganz vorne nur noch ein einzelnes Tier hinein passte. Joe setzte das Gerät an und drückte ab.

Ein einzelner Bolzen reichte aber nicht aus, ein Tier zu töten. Also nochmal. Ein Schuss zum Betäuben, ein Schuss zum Töten.

Die Kühe in der Reihe dahinter erlebten den Todeskampf ihres Artgenossen vorne, und zappelten vor Angst. Es gab aber kein Entkommen.

So ging das Tag ein, Tag aus. Ein Schuss zum Betäuben, ein Schuss zum Töten.

Eines Tages aber passierte etwas, das Joes Leben komplett verändern sollte.

Nachdem er schon einen halben Tag lang unzählige Tiere getötet hatte, stand plötzlich eine Kuh vor ihm, die scheinbar gar keine Angst hatte.

Sie stand dort ganz ruhig und schaute ihm mit traurigen Augen tief in sein Herz.

Das brachte Joe völlig durcheinander. Es versuchte, sich zusammenzureißen und das Bolzenschussgerät anzusetzen. Aber es gelang ihm nicht.

Die Kuh schaute ihm in die Augen und Joe blickte wie magnetisch angezogen in das Gesicht des Tieres.

Da beobachtete er, wie sich im rechten Auge der Kuh Wasser sammelte. Es wurde immer mehr, bis ein Tropfen am Gesicht der Kuh herablief.

Dann lief auch aus dem linken Auge eine Träne über das Gesicht der Kuh. Die Kuh weinte.

Sie schien zu sagen: „Warum tust Du das? Ich würde so gerne meine Fehler wieder gut machen, wenn ich nur wüsste, was ich falsch gemacht habe? Was habe ich Dir getan? Ich will doch nur leben.“

Joe ließ das Gerät aus der Hand gleiten und verlor das Bewusstsein. Als er wieder zu sich kam, rief er: „Ihr könnt mit mir machen, was ihr wollt, aber ich werde diesem Tier nicht das Leben nehmen. Und auch keinem anderen.“

An diesem Tag wurde er Vegetarier und hat seitdem nie wieder ein Stück Fleisch gegessen.

(aus "Die Kuh, die weinte - Buddhistische Geschichten" von Ajahn Brahm)

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Die Autorin beschreibt ein Stück ihres Weges zu dem Buch, aus dem dieser Text stammt:

Lassen Sie ihr Hirn nicht unbeaufsichtigt von Christiane Stenger, Campus Verlag

Instant Influence - Selbsttest:

Alles in allem geht es bei dieser Technik um sechs Schritte, die einem in einer Situation weiterbringen können, in der die Motivation auf dem Nullpunkt gesunken ist.

Der erste Schritt ist, sich oder eine andere Person zu fragen, warum man sein jetziges Verhalten überhaupt ändern soll. Also, meine Antwort auf diese Frage ist: Im Moment möchte ich mich selbst motivieren, um endlich dieses Kapitel über Motivation abzuschließen, damit ich dann bald auch das nächste Kapitel schreiben und schließlich das gesamte Manuskript beim Veralag abgeben kann.

Die zweite Frage lautet: „Wie groß ist ihre Bereitschaft, sich zu ändern – auf einer Skala von 1 bis 10?“ Dabei bedeutet 1 – überhaupt nicht bereit und 10 – vollkommen bereit. Spontan gebe ich mir eine 7.

Daraufhin soll ich mich drittens fragen, warum ich keine niedrigere Zahl gewählt habe. Meine Antwort: „Weil ich ja eigentlich schon sehr gerne schreibe.“ Übrigens, wenn man eine 1 angibt, muss man sich fragen, was nötig wäre, um aus der 1 zumindest eine 2 werden zu lassen.

Bei Frage vier soll ich mir darüber klar werden, was die positiven Resultate wären, wenn ich mich geändert hätte. Die kenne ich: Das Kapitel wäre fertig und ich wieder entspannter. Diese Situation soll ich mir bildlich vorstellen.

Der fünfte Schritt ist, sich zu fragen, warum einem selbst diese Resultate so wichtig sind: Ich möchte ein Buch schreiben, bei dem der Leser mehr über sein Gehirn erfährt, noch besser mit ihm umgehen kann und in einigen Bereichen tatsächlich genialer wird. Damit sine jetzt Sie gemeint, liebe Leser!

Bei der letzten Frage soll ich mir abschließend überlegen, was als nächster Schritt zu tun ist, um mein Ziel in die Tat umzusetzen. Die Antwort kenne ich: Schreiben! Und los geht’s!

Alles in allem sind das sechs sehr gute Schritte, die uns in einer Situation, in der die Motivation auf den Nullpunkt gesunken ist, wirklich weiterbringen können. Und nicht nur das. Diese Fragen helfen auch allgemein bei Vorhaben, die wir in die Tat umsetzen möchten.

Ganz im Augenblick zu sein, das ist Glück.

Die Suche nach dem Glück ist eine Suche des Egos. Solange du suchst, wirst du nicht glücklich sein, denn deine Suche lässt nicht zu, dass du im Hier und Jetzt lebst. Du lebst dann in einer vorgestellten Zukunft. Im wahren Sein gibt es kein Glück und kein Unglück, aber es gibt einen inneren Frieden in dir. Stelle dir für eine Minute vor, dass du dich entschieden hättest, nicht mehr nach dem Glück zu suchen, sondern das, was ist, zu akzeptieren. Wäre das keine Erleichterung? Jeglicher Druck wäre verschwunden!

Und wann hast du die Stimme in deinem Kopf vernommen? Nach zehn Sekunden? Nach 30 Sekunden? Eine Stimme die sagt: "Und wie soll ich ...?" Irgendein Gedanke, der dir Angst macht tauchte auf und schon stelltest du die Frage: "Und wie soll ich das in der Praxis umsetzen?" Du zweifelst: "Das geht doch gar nicht. Ich werde verhungern, obdachlos, arm ..." So schnell kann dich dein Ego aus dem Jetzt herausholen und in die Zukunft katapultieren - sein Lieblingsrevier. Denn dort beherrscht es dich.

(aus "Über das Gelingen" - Oliver Driver)

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Erzähl uns vom  Sinn der Stille

Ein einsamer Mönch, der gerade aus einem Brunnen Wasser schöpfte, bekam von einer Gruppe Menschen Besuch. Sie sagten zu ihm: "Erzähl uns vom Sinn der Stille."

Der Mönch antwortete: "Blickt in den Brunnen. Was könnt ihr sehen?"

Die Menschen blickten in den Brunnen, dessen Wasseroberfläche noch sehr bewegt war. Sie antworteten: "Wir sehen nichts."

Nach einer Weile, als sich das Wasser etwas beruhigt hatte, sagte der Mönch: "Blickt noch mal in den Brunnen. Was seht ihr jetzt?"

Die Menschen blickten in den Brunnen und antworteten: "Jetzt sehen wir uns."

Nach einer Weile, die Wasseroberfläche war jetzt ganz ruhig, sagte der Mönch: "Blickt noch einmal in den Brunnen. Was seht ihr jetzt?"

Die Menschen blickten hinein und antworteten: "Jetzt sehen wir den Grund." 

Da lächelte der Mönch und sagte: " Das ist der Sinn der Stille. Sie lässt uns den Grund aller Dinge sehen."

(Unbekannter Verfasser)

Tempora mutantur, et nos mutamur in illis.
(Die Zieten ändern sich u. wir uns in ihnen)  Kaiser Lother I

 

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