Yoga eröffnet Dir den Weg zu dir!

All we have is now! - Enjoy your pracitce and have a nice life!

Nachgedacht & Reingefühlt

Der Geist wird reich durch das, was er empfängt,
das Herz durch das, was es gibt.

                              (Victor Hugo)                       
  

Patanjali war ein indischer Weiser
und der Verfasser des Yogasutra,
des klassischen Leitfadens des Yoga,
weshalb er auch als „Vater des Yoga“
bezeichnet wird

Der letzte Text vor der Sommerpause - jetzt geht es erst einmal in die Sommerpause. Neue Texte gibt es dann ab September wieder. Erschafft Euch einen schönen Sommer, genießt das Leben und tragt zu einem glungenen Zusammenleben aller Wesen bei.

Wir Menschen sind wohl die einzige Spezies, die es nicht schafft, seine Mitmenschen in Ruhe zu lassen?


Was heißt „Motivation“ eigentlich? Nichts anderes als „Beweggrund“! Ohne Motivation bewegt sich nichts, ohne Motivation kann sich nichts bewegen. Wenn unsere Motivation stark ist, benötigen wir kaum noch Kraft, um uns in Bewegung zu versetzen – mit einer schwachen Motivation wird es oft geradezu unmöglich.

Materielle Anreize -also in der Regel Geld – werden sehr gern eingesetzt, Menschen dazu zu bewegen, etwas zu tun, das sie sonst nie und nimmer tun würden: Beispielsweise jeden Tag um 8 Uhr in einem muffeligen Büro zu erscheinen. Doch das Geld hat ja nur sehr indirekt etwas mit der Tätigkeit zu tun und daher fällt die Arbeit den meisten auch ziemlich schwer. Vielleicht hat manch einer seine Arbeit sogar absolut satt – aber eine andere Motivation hält ihn bei der Stange: Er hat Angst vor Arbeitslosigkeit. Auch diese Motivation ist allerdings alles andere als angenehm. Zwar führt sie immerhin dazu, dass man überhaupt zur Arbeit geht – aber leider mit wachsend unangenehmen Gefühlen. Eine andere Möglichkeit ist, dass jemand motiviert ist, zur Arbeit zu gehen, weil sie ihm sinnvoll erscheint, weil er dort netten Menschen begegnet, weil er dort seine Fähigkeiten beweisen kann.

ES dürfte wohl klar sein, welche Motivation dauerhaft, stark und befriedigend ist. Die Frage ist nur: Können wir immer solche ´intrinsische´ Motivation, also eine Motivation, die nicht von außen, sondern von unserem Inneren herkommt, entwickeln? Ein Herzensziel ist genau so eine Motivation! Aber können wir und auch für alltägliche Dinge wie Einkaufen gehen oder Sport treiben, sinnvoller motivieren?

Sehen wir und dazu einmal genauer an, welche Grundformen der Motivation es gibt. In der Regel werden zwei Formen angenommen: Die „Weg-von-Motivation“ und die „Hin-zu-Motivation“. Sicherlich sind Ihnen beider vertraut.
Das beste Beispiel für die „Weg-von-Motivation“ ist Schmerz. Schmerz ist ein klares Signal, dass etwas geändert werden muss. „Ich muss weg vom Schmerz“. Diese Motivation ist so grundlegend, dass sie selbst die primitivsten Lebensformen kennen – eine Verletzung bewegt zu einer schnellen Fluchtreaktion. Aber auch bei Menschen ist die „Weg-von-Motivation“ die bei Weitem häufigste Art, sich in Bewegung zu setzen. Die meisten von uns beginnen erst dann, etwas zu tun, wenn der augenblickliche Zustand zu unangenehm wird. Natürlich: Wer wird mit einer Diät anfangen, solange er rank und schlank ist?

So sinnvoll die „Weg-von-Motivation“ auch für das Überleben ist – sie hat doch einige Nachteile: Erst einmal lenkt sie die Aufmerksamkeit auf das Negative und beschäftigt unseren Geist damit. Dann aber sagt sie nur, dass wir und vom augenblicklichen Zustand wegbewegen müssen, aber leider nichts darüber wohin. Das kann dann natürlich oft in Zustände führen, die noch unangenehmer sind, wie man an denjenigen Menschen sieht, die weg aus einem grauen, unerträglichen Alltag in den Drogenkonsum flüchten.

Die „Hin-zu-Motivation“ ist der genaue Gegenpol. Die Motivation durch Belohnung wirkt wie ein Magnet, der uns, wenn er nur stark genug ist, unaufhaltsam anzieht. Und selbst wenn er nicht ganz so stark ist, macht er es uns leichter, uns zu orientieren und auf das Ziel hin zu bewegen.
Für die „Hin-zu-Motivation“ brauchen wir zwei höher entwickelte Fähigkeiten: Voraussicht und einen gewissen Grad an Bewusstsein. Wenn wir keine Vorstellung von der Belohnung haben, die ein Ziel uns bietet, beispielsweise vom interessanten neuen Job, unserem Urlaubsziel oder einem Leben ohne Zigaretten, kann es uns auch nicht motivieren. Die „Hin-zu-Motivation“ wirkt nicht so unmittelbar wie die „Weg-von-Motivation“ und doch ist sie viel effektiver, wenn es nicht um das bloße physische Überleben geht.

Aus Kurmas Übungen: Belohnung und Strafe

Ein Ziel setzen ist auf Dauer gesehen sinnvoller und effektiver, als von etwas abzuschrecken. Das ist aber den wenigsten Menschen klar: Deshalb werden Kinder geschlagen, Arbeitnehmer mit Kündigung bedroht oder Terroristen mit Krieg. Die Wirkungen sind mäßig. Mit dem folgenden Spiel können Sie das schnell feststellen. Alles, was Sie dafür brauchen, ist ein Mitspieler, beispielsweise Ihr Kind oder Ihren Partner, zwei Stück Schokolade und eine Uhr.

Verstecken Sie die Schokolade gut irgendwo in der Wohnung. Dann fordern Sie Ihren Mitspieler auf, den Schatz zu suchen. Im ersten Durchgang rufen Sie immer laut „Nein!“, wenn der Mitspieler in die falsche Richtung geht. Im zweiten Durchgang immer „Gut!“, wenn er sich in die richtige Richtung bewegt.

Vergleichen Sie mal die Zeiten!

(aus Die 7 Geheimnisse der Schildkröte von Aljoscha Long/Ronald Schweppe – Heyne Verlag)


Ich kann loslassen.

In diesem Moment will ich all die Verletzungen und Scherzen, an denen ich seit meiner Kindheit festgehalten habe, loslassen. Die Bürde des Leids wiegt zu schwer, zehrt an der Stärke und Energie, die ich brauche, um mich zu verändern und zu wachsen.

Heute will ich meine Bürde fallenlassen. Ich bin überrascht, wie leicht ich mich fühle. Ganz automatisch stehe ich aufrechter, kann ich sehr viel weiter sehen als zuvor. Da sie nun nichts mehr festhalten müssen, können meine Hände neue Möglichkeiten erkunden. Ich schwelge in meiner neu gefundenen Bewegungsfreiheit. Meine Hände lassen los und sind nun frei, nach dem Leben zu greifen

(aus „Liebe dein inneres Kind“ von Rokelle Lerner – Goldmann Verlag)

BESTÄNDIGKEIT

Das Geheimnis, niemals aufzugeben und sein Ziel nicht aus den Augen zu lassen

Der dritte Wettlauf:
Shashaka, der Hase, dachte immer wieder über die beiden Wettrennen (die er beide verlor) mit der Schildkröte nach. Ihm wurde ganz heiß und kalt, als er sich vorstellte, wie sich die anderen Tiere wohl nun über ihn lustig machen würden. Es dauerte eine Weile, bis er es wagte, einen neuen Wettlauf zu fordern. Schließlich jedoch überwand er seinen Stolz uns suchte die Meisterin auf. „Zweimal Kurma, habt Ihr das Rennen gewonnen; einmal habe ich verschlafen und dann hat mich ein Unwetter überrascht. Das wird mir nicht wieder geschehen! Wagt Ihr es noch einmal?“ Kurma lächelte mild und nickte. Doch Shashaka war vorsichtig geworden. „Aber nicht wieder den Pfad zur Sonnenblume – der bringt mir kein Glück. Lasst uns zur alten verlassenen Bärenhöhle laufen.“ Kurma war einverstanden.

Kurz vor Sonnenaufgang erschien der Hase bei der Meisterin. „Kein Sturm in Sicht – und ich bin gut ausgeschlafen! Welche Weisheit habt ihr diesmal für mich?“ Kurma verbeugte sich und antwortete, ganz so, als hätte sie den Spott nicht bemerkt. „Verfolge dein Ziel beständig.“ „Oh, das werde ich!“, rief Shashaka und rannte los, als die ersten Sonnenstrahlen die Erde berührten. Als er eine Weile gelaufen war, wusste er, dass er diesmal gewinnen würde. Es war ein herrlicher Tag und er schritt etwas langsamer aus. Aus dem kleinen Wäldchen neben dem Weg erklang Gesang und Lachen. Shashaka fühlte sich gewaltig angezogen: „Ein Hasenfest! Ein kurzer Blick kann nicht schaden – ich habe genug Vorsprung …“ Was für ein Fest! Es gab große Portionen saftiger, schmackhafter Kräuter, er traf alte Freunde – und die lieblichsten Hasenmädchen! Erst als die Abendsonne sich in den Augen seiner Gespielin spiegelte, erkannte er, dass er den Wettlauf abermals verloren hatte.
So gewann Kurma, die Schönheit des Tages genießend, ohne ihr Ziel aus den Augen zu verlieren, auch den dritten Wettlauf.

Beständigkeit bedeutet, sich selbst treu zu bleiben. Es bedeutet, zu beenden, was man beginnt. Und es bedeutet, zuverlässig und vertrauenswürdig zu sein. Das alles klingt ziemlich gut. Selbst – oder gerade – Menschen, die recht unorganisiert sind, wissen Zuverlässigkeit, Vertrauenswürdigkeit und Beständigkeit (zumindest an anderen) zu schätzen. Und sie würden von sich selbst sagen, dass sie immerhin in ihrem persönlichen Chaos stets sich selbst treu bleiben. Doch insgeheim vermissen sie ein wenig Beständigkeit und wünschten, sie könnten ihre Ziele besser im Auge behalten.
Es gibt Zeiten im Leben, da fühlt es sich einfach gut an, spontan zu sein. Warum über das Morgen nachdenken? Warum überhaupt einen Plan verfolgen? Wieso nicht einfach das tun, was einem im Augenblick als das Beste, Sinnvollste, Angenehmste erscheint?
Ja, warum eigentlich nicht? Vielleicht werden wir ja feststellen, dass Beständigkeit Spontanität nicht ausschließt…

Manduki der Frosch, war sehr unzuverlässig. Egal, was er begann – sicher war nur, dass er es nicht zu Ende brachte. Einmal wollte er den Weiher, in dem er lebte, verschönern und begeisterte viele Freunde für diese Arbeit. Doch kaum hatte die Arbeit begonnen, verlor er die Lust und dachte, dass es viel besser sei, seine Begabung als Sprungkünstler zu kultivieren. Aber kaum hatte er einen Tag lang trainiert, wurde ihm das schon wieder zu mühselig, und so verfiel er wieder auf einen anderen Gedanken. Diesmal sollte ihn sein neuer Einfall allerdings tatsächlich weiterführen: Denn er kam auf die Idee, die berühmte Schildkröte Kurma zu besuchen und von ihr Weisheit zu lernen. Er wollte der größte Weise unter allen Fröschen werden. Als er sein Anliegen Kurma vortrug, lachte sie, dass ihr die Tränen aus den Augen liefen. „Mein Lieber, du kannst einen Weg doch nicht haben. Du musst ihn gehen!“

 Es spricht nichts dagegen, ein Ziel aufzugeben, wenn wir erkennen, dass es unerreichbar ist, wenn wir merken, dass es gar nicht das Ziel ist, das wir wirklich anstreben, wenn wir sehen, dass andere Ziele viel wertvoller sind. Die Schwierigkeit liegt eben nur darin, sich darüber wirklich klar zu sein.
Nehmen wir einmal an, Sie haben den Herzenswunsch, Klavier spielen zu können. Zunächst macht es noch Spaß, einfache Übungen auf den Tasten zu machen. Doch schon bald werden die monotonen Fingerübungen langweilig, das Ziel, einmal wirklich Klavier spielen zu können, sie Sie es sich vorgestellt haben, rückt in unabsehbare Ferne und wird damit winzig klein. So klein, dass sich die Frage stellt, ob es überhaupt ein interessantes Ziel ist – vielleicht wäre es doch viel schöner, gut zeichnen zu können. Und die Gedanken sind schon weit fort von den langweiligen Klavierübungen und befassen sich bereits mit den Freuden des Zeichnens. Es wird Zeit, sich für den nächsten Zeichenkurs einzuschreiben …

Kennen Sie diese oder ähnliche Situationen? Den meisten Menschen geht es so. Vielleicht ist das wirkliche Ziel, das hinter solchen Ausweichmanövern steht, der Wunsch nach Abwechslung, nach Neuem, nach dem Unbekannten. In der Tat ist die Suche nach Abwechslung in unserem Gehirn angelegt. Kurzfristig Motivationen sind immer am stärksten – und sie lassen regelmäßig sehr schnell nach.
Wenn wir jedoch unsere Ziele ständig wechseln, bevor wir sie erreichen, werden wir keines erreichen. Oder aber wir erreichen nur Ziele, die fast schon vor unseren Augen liegen. Klavier spielen lernen wir auf diese Art und Weise nie. Dazu brauchen wir Beständigkeit.
Bedeutet das, dass wir uns eben „zusammenreißen“, „hart zu uns zu sein“, „den inneren Schweinehund besiegen“ müssen? Vielleicht sollten wir erst einmal unsere Ziele genau ansehen, bevor wir uns auf den Weg machen. Und dann wäre es am besten, wenn es uns gelänge, den Weg selbst zu unserem Ziel zu machen.

Manduki wollte von Kurma wissen, wozu denn Beständigkeit überhaupt gut sei. „Ich habe gehört, Ihr lehrt, dass man sich nicht an die Dinge klammern soll. So halte ich es doch! Hauptsache ist, dass ich überhaupt etwas beginne. Aber wenn ich sehe, dass es mir keinen Spaß macht, tue ich eben etwas anderes. Ist das falsch?“ „Nein, nein, mein Lieber“, antwortete Kurma. „Ich fürchte nur, dass dir eine Menge Spaß entgeht!“

Wer schnell aufgibt, kommt nur ein kleines Stück weit voran und verliert durch sein voreiliges Resignieren oft viel mehr, als er sich vorstellen kann.

Sehr oft liegt die Schwierigkeit vor allem darin, wie wir unsere Ziele sehen: als Punkt oder als Strecke. „Klavier spielen können“ ist ein Punkt in weiter Zukunft. „Klavier spielen lernen“ ist dagegen ein Ziel, das Sie täglich neu erreichen und das Sie, wenn es wirklich ihr Herzensziel ist, auch in jedem Moment des Lebens mit Freude und Befriedigung erfüllt.
Es gibt Ziele, die nichts mehr als nur ein Schöner Ausblick in unserer Vorstellung sind – und es gibt Herzensziele, die uns wirkliche Erfüllung bringen.
Aber wie erkennen wir unsere Herzensziele?
In der Regel sine es nicht die Dinge, die Ihnen als Erstes einfallen. Ein neues Haus, ein neues Auto, mehr Geld … Herzensziele sind nur selten materieller Natur. Horchen Sie in sich hinein. Und wenn Sie etwas gefunden haben, von dem Sie glauben, es könnte ein Ziel sein, das sich für Sie wirklich lohnt, gehen Sie einmal die folgende keine Übung durch …

Aus Kurmas Übungen: Herzensziele entdecken

Machen Sie sich ein Bild von einem Ziel, von dem Sie glauben, dass es eines Tage Ihr Herzensziel sein könnte. Versetzen Sie sich ganz in die Situation hinein, in der Sie am Ziel angelangt sind. Und dann beantworten Sie folgende Fragen:

Freuen Sie sich zwar ein wenig, das Ziel erreicht zu haben, sind Sie aber gleichzeitig etwas traurig, dass der Weg dorthin nun beendet ist?

Sind Sie nun, wo Sie es erreicht haben, dauerhaft zufrieden? Hat es Ihr Leben verändert, dieses Ziel erreicht zu haben? Oder können Sie diese Fragen nur schwer beantworten, weil Sie Ihr Herzensziel gar nicht erreichen können, da Ihr Ziel bereits im Weg liegt?

Wenn Sie entweder die letzte oder aber die ersten drei Fragen mit „Ja“ beantwortet haben, dann scheint er sich wirklich zu lohnen, diesem Herzensziel zu folgen. Am besten, Sie beginnen noch heute damit!

Vielleicht haben Sie Ihr Herzensziel ja schon längst gefunden – und sind verzweifelt darüber, dass Sie dennoch nicht durchhalten. Manchmal ist das ein Zeichen dafür, dass es sich gar nicht wirklich um Ihr Herzensziel handelt. Dann lohnt es sich, noch einmal genau in sich hineinzuhorchen. Mitunter ist die Motivation aber eben schwächer, weil die Ablenkungen und Alternativen so stark sind. Ein wirkliches Ziel ist eine starke Motivation, sich selbst treu zu bleiben; aber manchmal reicht selbst das noch nicht.

(aus "Die 7 Geheimnisse der Schildkröte" von Aljoscha Long/Ronald Schweppe – Heyne Verlag)

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Entschleunigung – so lautet das Zauberwort, das uns aus dem Hamsterrad befreien und ins wahre Leben zurückholen kann. Fließen ist besser als hetzen, genießen ist besser als konsumieren!

„Die nur ganz langsam gehen, aber immer den rechten Weg verfolgen, können viel weiter kommen als die, welche laufen und auf Abwege geraten“, schrieb schon Decartes.

Und einer der Abwege, auf die man heute leicht geraten kann, heißt Multitasking. Das Wort stammt aus der Computerwelt und bezeichnet die Fähigkeit, mehrere Arbeitsabläufe zu gleicher Zeit zu erledigen. Was aber schon beim Computer nur scheinbar funktioniert (der Eindruck von „Gleichzeitigkeit“ entsteht nur, da der Prozessor in irrwitzigem Tempo zwischen seinen Aufgaben hin und her springt), funktioniert beim Menschen erst recht nicht. Für jede Wahrnehmung brauchen wir nämlich genug Zeit, damit die Nervenreize, die das Gehirn empfängt, auch verarbeitet werden und ins Bewusstsein dringen können.

Kurma spricht: „Alles auf einmal tun wollen und dabei doch nichts vollenden, das ist der Brauch derjenigen, die in der Zeit gefangen sind. Das Nichtstun im Tun entdecken und dabei alles vollenden, das ist der Brauch derjenigen, die die Ewigkeit besitzen, da sie sich selbst losgelassen haben.“

Wer alles schnell und am besten gleich auf einmal tun will, sollte sich nicht wundern, falls er sein Leben irgendwann als oberflächlich empfindet. Natürlich können wir im Prinzip mehrere Dinge gleichzeitig tun. Beispielsweise können wir

·       die Zeitung lesen, während wir unser Frühstücksei verspeisen und dabei noch ´zuhören´, was unser Partner uns gerade erzählt;

·       Auto fahren, während wir eine Zigarette rauchen du mit dem Handy telefonieren;

·       unsere E-Mails checken, während wir uns die Zähne putzen und Radio hören.

Das Problem ist nur: Wer vieles zur gleichen Zeit tut, kann das natürlich immer nur oberflächlich tun. Ob man durch Multitasking wirklich schneller auf der Zielgeraden ist, ist fraglich (erst recht, was einen an diesem Ziel dann überhaupt erwartet …). Sicher ist aber, dass unser Geist verwirrt und zerstreut wird, wenn unsere Aufmerksamkeit sich ständig gleichzeitig auf all die vielen bunten Glasperlen dieser Welt richten muss. Bestenfalls fühlen wir uns dann gehetzt, schlimmstenfalls bekommen wir einen Herzinfarkt.

Yuna die Eule, hatte einige Gäste eingeladen, einen sonnigen Nachmittag mit ihr auf der großen grünen Lichtung zu verbringen. Für Leckereien war gesorgt, ebenso für unterhaltsame Spiele und sogar für etwas Musik.
Pikki (die Maus) hatte Kurma abgeholt und so waren beide auf dem Weg zu Yuna. Wie so oft rannte Pikki immer ein ganzes Stück voraus, bemerkte dann irgendwann, dass Karma nicht folgen konnte (oder wollte), drehte sich um und lief wieder zurück. Nachdem sie beiden wieder eine Weile nebeneinander gegangen waren, preschte Pikki wieder nach vorn, kam schließlich zurück – und so ging es während der ganzen Strecke. Schließlich sagte Pikki sichtlich nervös: „Kurma, siehst du nicht, wie schnell ich hin und her laufe – hast du da kein schlechtes Gewissen, so langsam zu gehen?“ Kurma antwortete: „Ach liebe Pikki – es mag schon sein, dass ich langsam gehe, aber dafür gehe ich immer nur nach vorne und nie rückwärts. Wer aber immer vorwärtsgeht – und sei es noch langsam – wird doch sein Ziel erreichen.“

Konzentration auf seinen Weg, oder besser gesagt auf jeden einzelnen Schritt seines Weges, schult den Geist und kann enorme Energie entfachen. Nur die Kraft der Konzentration ermöglicht es Menschen, Formel-I-Rennen zu gewinnen, Violinvirtuosen zu werden, den Nobelpreis für Physik zu gewinnen oder auch nur ein volles Glas Wasser durchs Zimmer zu tragen, ohne dass die Hälfte auf dem Boden landet.
Langsamkeit ist die Voraussetzung für Konzentration. Wer zum Beispiel ein Instrument oder Tangotanzen lernt, muss sich die Tonleitern oder Tanzschritte erst einmal sehr langsam anschauen, um sie schließlich zu verinnerlichen. Die Verlangsamung von Bewegungen können Sie jedoch auch bei ganz gewöhnlichen Handlungen praktizieren – bei Tätigkeiten, die Ihnen längst in Fleisch und Blut übergegangen sind. Auf diese Weise entschleunigen Sie Ihren Alltag und bringen Ihre innere Stoppuhr zum Stillstand. Und das ist noch weitaus wichtiger.

Fehler im Zeitmanagement gehören zu den häufigsten Auslösern für Hektik und Stress. Viele Menschen verbringen ihr halbes Leben damit, ihre To-do-Listen abzuarbeiten. Typischerweise stehen die am meisten drängenden Probleme dabei meist ganz oben (so schlau sind wir ja noch), werden dann aber trotzdem zuletzt ausgeführt (weil das, was drängt meist am wenigsten Spaß macht.)

Kurma spricht: „Sind die Dinge ungeornet, hilft kein Handeln. Sind die Dinge in seiner sinnvollen Ordnung gebracht, fällt alles leicht. Doch das, was dringend erscheint, ist nicht immer von Bedeutung. Und was bedeutsam ist, erscheint nur selten dringend.“

Eine der wichtigsten Fähigkeiten, die dabei hilft, wertvolle Lebenszeit sinnvoll zu nutzen, besteht darin, zwischen ´dringend´ und ´wesentlich´ unterscheiden zu können. Wenn das Telefon klingelt, drängt es einen geradezu dranzugehen. Dringend ist es zum Beispiel auch, noch schnell einkaufen zu gehen, bevor die Geschäfte zumachen. Dringliche, unmittelbar anfallende Angelegenheiten haben aber nur selten mit unseren Visionen oder Werten zu tun.

Wesentlich wäre es beispielsweise, sich gut um seinen Körper zu kümmern und für genug Bewegung und Entspannung zu sorgen. Auch meditieren, sich kreativ betätigen oder Zeit für den Partner oder die Kinder finden, um die Verbindung zu ihnen zu intensivieren, gehören in die Rubrik ´wesentlich´.

Wer also eine To-do-Liste aufstellt, sollte also nicht nur an kurzfristige Erledigungen und Besorgungen denken, sondern auch daran, Zeit für die eigene Entwicklung einzuplanen. Fragen, die dabei weiterhelfen, sind:

·       „Was ist mir wirklich wichtig?“

·       „Was möchte ich in fünf Jahren für ein Mensch sein – welche Charaktereigenschaften will ich pflegen; von welchen negativen Gewohnheiten will ich mich befreien?“

·       „Denke ich nur an die goldenen Eier oder auch an die Gans, die sie legt? Achte ich auf meine Gesundheit und Ausgeglichenheit? Nähre ich mich meinen Herzzielen?“

Meistens geraten wir vor allem dann in Eile, wenn wir es mit dringenden, akuten Problemen zu tun haben. Ohne dass uns das bewusst wäre, geraten wir dann in ein Rekord-Denken: Wir treten im Wettlauf gegen die verrinnende Zeit, gegen uns selbst oder gegen die schrecklich vielen Dinge an, die noch zu erledigen sind.

Wenn Ihnen daran liegt, langsamer, bewusster, ruhiger und gelassener zu leben, müssen Sie diese Werte natürlich auch pflegen. Das können Sie tun, indem Sie entsprechende Bücher lesen, unwichtige Menschen und Tätigkeiten aus Ihrem Leben fernhalten oder einmal gezielt das Tempo drosseln, wenn Ihnen alles zu viel (und zu schnell) wird.

Eine gute Möglichkeit dazu besteht darin, eine To-do-Liste in eine ´10-Minuten-mehr-Liste´ zu verwandeln. Wie bei anderen To-do-Listen sollten Sie dabei natürlich zunächst das Unangenehmste notieren, etwas das unbedingt erledigt werden muss, obwohl Sie eigentlich keine Lust dazu haben. Tun Sie das Unangenehme trotzdem möglichst sofort und konzentriert. Lassen Sie weder innere noch äußere Ablenkungen zu.

Notieren Sie dann weitere Punkte auf Ihrer Aufgabenliste, und zwar in der Reihenfolge, in der Sie sie erledigen möchten. Daneben schreiben Sie die Zeit auf, die Sie dafür normalerweise ungefähr brauchen. Hier ein Beispiel:

1.     Abspülen und die Küche aufräumen (ca. 15 Minuten)

2.     Zum Supermarkt gehen und einkaufenn (ca. 30 Minuten)

3.     Sabine anrufen (ca. 3 Minuten)

4.     Yoga machen und duschen (ca. 30 Minuten)

Als Nächstes wenden Sie den ´plus-10-Trick´ an, indem Sie sich für jede Tätigkeit jeweils 10 Minuten mehr Zeit einplanen (für die Küche also 25 statt 15 Minuten usw.)
Der ´plus-10-Trick´ hilft Ihnen dabei, Ihren Tagesablauf im Großen und Ganzen weiterhin wie gewohnt durchzuführen, doch indem Sie sich bei allem etwas mehr Zeit lassen (manchmal reichen auch schon 5 statt 10 Minuten), verlangsamen Sie das Tempo insgesamt deutlich. Die Folge ist, dass Sie immer weniger Zeit damit verbringen werden, ´Ihr Pensum durchzuziehen´ und immer mehr Möglichkeiten finden, bei sich selbst anzukommen.

Dabei werden Sie eine interessante Entdeckung machen; wahrscheinlich werden Sie nämlich feststellen, dass selbst unangenehme Routinearbeiten plötzlich einen ganz besonderen Reiz bekommen können: Während Sie in aller Ruhe die Teller abspülen, Ihre Hände ins warme Wasser tauchen, das Geschirr vorsichtig abtrocknen und wieder einräumen, können Sie sich selbst intensiver spüren und erleben. Nicht umsonst sagt man im Zen: „Die Küche aufräumen heißt, den Geist aufräumen.“

Vielleicht fragen Sie sich jetzt, wo Sie die Zeit herholen sollen, wenn Sie von Rennmaus- auf Schildkrötentempo umschalten. Der Tag hat natürlich nicht mehr Stunden. Macht aber nichts, denn es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die Zeit ´umzuschichten´: vom Unwesentlichen zum Wesentlichen, vom bloßen Zeitvertreib zum Zeitgewinn. Beispielsweise können Sie auf unnütze Telefonate oder anstrengende Treffs verzichten. Oder auf unbefriedigende Fernsehsendungen, Zeitschriftenartikel und überflüssige Surf-Stunden im Internet.

Kurma spricht: „Entdecke, wer du sein willst – und du hast alle Zeit der Welt.“

In diesem Abschnitt sind wir der Wiederentdeckung der Langsamkeit nachgegangen. Es geht um unser Leben, und wir tun gut daran zu erkennen, was wesentlich dafür ist – und das ist selten dasselbe wie das, was dringlich ist. Damit sich unsere Kreativität entfalten kann, müssen wir uns Zeit geben. Dann erekennen eir auch, dass es vielleicht gar nicht nötig ist, Leben und Arbeit voneinander zu trennen. Das Zauberwort heißt: Entschleunigung.

Weniger denken und dafür mehr spüren – das ist vielleicht die effektivste, mit Sicherheit aber die schönste Art und Weise, die Kunst der Langsamkeit zu erlernen. Wer immerzu in seinem Kopf feststeckt, wird leicht nervös. Wer sich hingegen auf seinen Körper und seine Sinne konzentriert, findet ganz von selbst zur Ruhe.

Kurma spricht: „Hast du die Wahl zwischen einer Truhe voller Gold und deiner Zeit, so wähle die Zeit. Hast du die Wahl zwischen einem Palast und einem kostbaren, unvergesslichen Augenblick, so wähle diesen Augenblick. Kein Gut ist wertvoller als die Zeit, kein Luxus kann je größer sein.“

Wir sind die Meister unserer Zeit. Wir haben es in der Hand, jede Sekunde zu genießen und auszukosten – oder aber unsere kostbare Zeit zu vergeuden und totzuschlagen. Zeit lässt sich zwar nicht in Geld ausrücken, doch was wäre, wenn jede Minute unseres Lebens ein Euro wert wäre? Wären wir wirklich bereit, damit für stumpfsinnige Fernsehserien, für langweilige Treffen mit uninteressanten Menschen, für überflüssiges Gerede und unbefriedigende, vergängliche Vergnügungen zu bezahlen? Oder würden wir dafür eher Freude, wahren Genuss, inneren Frieden, die Gemeinschaft mit guten Freunden und unseren Liebsten oder andere wertvolle Erfahrungen eintauschen?

Wir denken die Antwort fällt nicht schwer…

KURMAS GEHEIMNISSE

Gelassenheit. Nimm die Dinge nicht zu wichtig – vor allem aber nicht dich selbst!

Langsamkeit. Mit Eile lässt sich das Glück nicht eingangen. Willst du dein Ziel erreichen – mach einen Umweg!

(aus Die 7 Geheimnisse der Schildkröte von Aljoscha Long/Ronald Schweppe – Heyne Verlag)

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Hektik erzeugt Stress und Stress macht krank

In Industrienationen sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache. Wer die Bremse in seinem Leben nicht mehr findet, schadet seinem Körper und rast ungebremst seinem früheren Ende entgegen. Gestresste Menschen leiden deutlich häufiger unter Asthma, Allergien, Verdauungsstörungen und Kopfschmerzen als Genießer und Lebenskünstler. Zeitdruck führt zudem zu Schlafstörungen und Nervosität.

Chronischer Stress belastet nicht nur die Nerven, sondern auch das Immunsystem. Die Infektanfälligkeit steigt, der Blutdruck ebenfalls. Das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zum Opfer zu fallen, erhöht sich deutlich. Zwar sind es oft äußere Faktoren wie Termindruck, die den Stress erzeugen; mindestens ebenso oft sind es aber auch ganz alltägliche, ´selbst verschuldete´ Verhaltensmuster, die uns auf „180“ bringen. Hier ein Beispiel, das Ihnen vielleicht bekannt vorkommt:

Eigentlich will Jenny vor dem Kochen kurz einen Spaziergang machen, da die Sonne noch so schön scheint. Im Flur fällt ihr auf, dass sie ihre Schuhe eigentlich mal dringen putzen sollte. Sie holt den Schuhputzkaste und vermisst den Lappen – also geht sie rasch in den Keller und sucht nach alten Tüchern, aus denen sie mühselig ein Stück herausschneidet. Endlich sind die Schuhe wieder blitzblank, da fällt ihr ein, dass sie die dreckigen Tassen noch rasch in die Geschirrspülmaschine stellten sollte. Das ist schließlich praktisch, denn dann kann sie die Maschine schon mal laufen lassen, während sie spazieren geht. Allerdings verbraucht sie dabei den letzten Spül-Tab: also schnell den Einkaufszettel honen und „Geschirrspül-Tabs“ draufschreiben – aber wo ist eigentlich der Stift schon wieder gelandet? Ach ja, und die Pfanne, die nicht in die Spüle passte, spült sie dann lieber noch schnell per Hand ab, die braucht sie nachher ja ohnehin zum Kochen.
Und während Jenny so im Haus herumsaust, geht die Sonne hinter den Bäumen langsam unter…

Wer einerseits am Arbeitsplatz unter Druck steht und andererseits auch seine knappe Freizeit nicht richtig nutzt, wird früher oder später völlig überlastet sein. Nicht umsonst sind heute etwas drei Millionen Deutsche Opfer des Burn-out-Syndroms – sie fühlen sich völlig ausgebrannt und erschöpft. Natürlich gibt es dabei verschiedene Vorstufen: So kann sich der nahe Zusammenbruch durch wenig spektakuläre Symptome wie Lustlosigkeit, Müdigkeit, Stimmungstiefs, Migräne, Gereiztheit oder Kopfschmerzen ankündigen.

Das Aufspüren des eigenen Rhythmus ist eine wichtige Fähigkeit, die sehr dabei hilft, `Zeit zu gewinnen´, statt sie zu verlieren. Alles Lebendige wird von festen Rhythmen beeinflusst. Die natürlichen Rhythmen wie die vier Jahreszeiten, Ebbe und Flut, Tag und Nacht oder die Mondrhythmen prägen uns. Daher ändern auch 30 Fernsehprogramme nichts daran, dass wir im Winter weniger Energie haben als im Sommer, dass wir uns im Frühling besonders leicht verlieben oder dass wir depressiv werden, wenn es uns an Licht mangelt.
Neben den Rhythmen der Natur gibt es auch gesellschaftliche, auf Traditionen beruhende Rhythmen. Das Weihnachtsfest gehört ebenso dazu wie das Sonnwendfeuer, bestimmte Dorffeste oder etwas die Sitte, den Sonntag als Ruhetag zu nutzen. Leider geht es einigen dieser teils Jahrtausende alten Traditionen ähnlich an den Kragen wie bedrohten Tierarten: Immer weniger Menschen kümmern sich darum und ihr Überleben ist somit ungewiss.

Die Störung der Natur-Rhythmen gelingt dem Menschen nur schwer, obwohl der Treibhauseffekt und die ausdauernde Vergiftung der Umwelt hier noch für einige Überraschungen sorgen dürften. Jahreszeiten-Feste und andere Traditionen sind hingegen längst ins Wanken geraten. Ebenso der Tag-Nacht-Rhythmus oder der natürliche Wechsel zwischen Aktivität und Entspannung. All das kann nicht ohne folgen für unser eigenes Geleichgewicht bleiben: Geraten die äußeren Rhythmen aus den Fugen, so leiden auch die natürlichen Rhythmen im Körper – ob Kreislauf, Puls- und Herzschlag, Hormonhaushalt oder das harmonische Wechselspiel zwischen Sympathikus und Parasympathikus.

Ob Ihnen gesellschaftliche Rhythmen nun wichtig sind oder nicht, ist allein Ihre Entscheidung. Die wichtigere Frage ist, ob es Ihnen gelingt, zu Ihrem individuellen Rhythmus zu finden und ihn zu pflegen. So wie jedes Musikstück seinen ihm eigenen Rhythmus hat, trifft das auch auf jeden Menschen zu. Natürlich ist ein Adagio-Satz ruhiger als ein Allegro-Satz – aber hektisch sind beide nicht. „Allegro“ bedeutet nämlich nicht „hetzend“ sondern „bewegt“ oder „lebhaft“. Lebendigkeit und Bewegung sind aber nicht das Gegenteil der Langsamkeit, um die es hier geht. (Auch Schildkröten sind schließlich lebendig, bewegen sich und können mitunter sogar recht schnell laufen – mit Hektik hat das aber trotzdem nichts zu tun.)

Joggen ist sehr gesund, aber nur dann, wenn man entspannt läuft. Laufen kann Stress schnell abbauen. Untersuchungen haben jedoch gezeigt, dass sich bei Sportlern, die verbissen laufen, bei Weitem nicht die positiven Effekte auf das Immunsystem zeigten wie bei entspannten Joggern. Wenn Sie gerne laufen, ist das wunderbar – nicht nur für Ihre Gesundheit, sondern auch für den seelischen Ausgleich. Achten Sie jedoch darauf, ohne Ziel zu joggen, und laufen Sie nicht so, als würden Sie Ihrem verpassten Bus hinterherrennen.

Wenn Sie gerne sportlich aktiv sind, sollten Sie für die nötigen Ruhephasen sorgen. Ausruhen ist nämlich auch sehr gesund – doch auch hier ist wiederum wichtig, nicht einseitig zu werden. Gerade Couchpotatos sollten daran denken, auch immer wieder einmal eine flotte Runde um den Block zu drehen.

Ganz gleich jedoch, ob es um Bewegung oder Entspannung geht – das Wichtigste ist, auf seien innere Stimme zu hören, denn sie sagt einem immer, was jeweils am besten zum inneren Rhythmus passt.

Kurma spricht: „Will ich auf den Hügel klettern und die Aussicht genießen, so bleibe ich nicht unter dem Mangobaum liegen. Träume ich zufrieden unter dem Mangobaum, so klettere ich nicht auf den Hügel. Zu schlafen, wenn man müde ist, zu essen, wenn man hungrig ist und sich in den Schatten zu begeben, wenn es heiß wird – das nenne ich, der natürlichen Ordnung folgen.“

Aus Kurmas Übungen: Finde deinen Rhythmus

Wir gut kennen Sie Ihren eigenen Rhythmus? Wahrscheinlich haben Sie bereits viele Erfahrungen mit Ihrem Biorhythmus gemacht. Trotzdem fällt es manchmal gar nicht so leicht, sich selbst richtig einzuschätzen. Der folgende Test hilft Ihnen dabei, sich darüber bewusst zu werden. Sie können dabei nichts falsch machen und eine Auswertung (oder gar Bewertung) gibt es auch nicht. Ihren eigenen Rhythmus zu erkennen hilft Ihnen dabei, zu entschieden, wann es Zeit für Sie ist zu handeln und wann es besser ist, innezuhalten – ganz gleich, ob es dabei nur um den Tagesablauf oder um so große Dinge wie Persönlichkeitsentwicklung geht.

Denken Sie einfach kurz über die folgenden Fragen nach und beantworten Sie sie dann. Überlegen Sie anschließend, inwiefern Sie Ihren Rhythmus im Alltag bereits folgen und wo es noch Verbesserungsbedarf gibt:

Brauchen Sie morgens einen Wecker oder wachen Sie von selbst auf?

Sind sie schon am frühen Morgen fit und voller Tatendrang, oder brauchen Sie eine Weile, um das Bett zu verlassen und in Schwung zu kommen?

Fällt es Ihnen leicht, sich am späten Abend noch einen Film anzusehen, oder nach Mitternacht noch auszugehen? Genießen Sie das Nachtleben? Oder fallen Ihnen die Augen schon zu, sobald es dunkel wird?

Haben Sie eher einen schnellen oder langsamen Pulsschlag?

Erledigen Sie Aufgaben gerne flott und zügig, oder lassen Sie sich lieber viel Zeit dabei?

Zu welchen Tageszeiten fühlen Sie sich besonders wohl?

Wann kommen Ihnen am ehesten kreative Einfälle – wann tauchen neue Ideen auf?

Gehen Sie lieber vormittags oder abends zum Sport – oder am liebsten gar nicht?

Welche Phase im Tagesablauf finden Sie besonders mühsam?

Wie gehen Sie mit Müdigkeit und Erschöpfung um? Werden Sie aktiv oder legen Sie sich lieber aufs Sofa?

Wie kommen Sie mit Kälte klar, und wie mit Hitze?

Welche Jahreszeit ist ihnen am liebsten?

Kommen Sie mit dem Tempo, das Ihnen von außen vorgegeben wir, im Großen und Ganzen klar, oder würden Sie gerne ganz anders leben – zum Beispiel ruhiger und langsamer?

Wer langsamer lebt, hat viele Vorteile. Mal ganz davon abgesehen, dass Gesundheit und Nerven geschont werden, führt ein etwas gemächlicheres Lebenstempo dazu,

·       dass Sie sich besser konzertierter können,

·       dass Sie sorgfältiger und genauer arbeiten können,

·       dass Sie sich entspannter fühlen und besser schlafen,

·       dass Ihr Geist ruhiger und klar wird.

Kurma spricht: „Wer mit Langsamkeit und Bedacht handelt, wird ruhig. Wer ruhig wird, wird heiter und gelassen. Heiterkeit und Gelassenheit aber sind wie Schlüssel, die das Tor zum Glück öffnen.“

(aus Die 7 Geheimnisse der Schildkröte von Aljoscha Long/Ronald Schweppe – Heyne Verlag)

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20 Lektionen für ein Leben im Jetzt

Er zählt zu den bedeutendsten spirituellen Lehrern der Gegenwart. Seine Seminare sind von einer solchen Intensität. Eckhart Tolle selbst von einer derartigen Präsenz, dass die Zuhörer spüren: Ein anderes, ein bewussteres Leben ist möglich. Hier sind seine Lektionen für ein bewusstes Selbst, für unser Leben im Jetzt.

Es war Anfang der 60er-Jahre. Der Dalai Lama war vor Kurzem aus Tibet nach Indien geflohen und gab zum ersten Mal Besuchern aus dem Westen eine Audienz. Einer von ihnen klagte, er leide an einem Mangel an Selbstwertgefühl. „Worunter leidest du?“, fragte der Dalai Lama nach. Der Besucher versuchte es zu erklären, doch der Dalai Lama konnte ihm nicht folgen. Chdließlich ging er von einem zum anderen in der Gruppe und fragte, ob auch sie dieses Gefühl kannten. Fast jeder sagte Ja. Der Dalai Lama staunte. Ihm war es völlig fremd, wie sich jemand minderwertig fühlen konnte. Keine andere Lebensform auf diesem Planeten kennt Negativität, nur der Mensch. Hast du jemals eine unglückliche Blume oder eine gestresste Eiche gesehen? Ist dir jemals ein depressiver Delfin begegnet, ein Frosch, der Selbstwertprobleme hat, eine Katze, die sich nicht entspannen kann, ein Vogel, der Hass und Groll mit sich herumträgt?
Kein Tier, und sei es auch noch so klein, hat Probleme mit dem Selbstwertgefühl. Warum also ausgerechnet wir Menschen? Weil wir bewusst, sind. Wir identifizieren uns nicht mit unserem Sein, sondern mit unseren Gedanken und Gefühlen. Ungefähr im Alter von drei Jahren beginnen wir damit, aus dem, was wir denken, tun und fühlen, ein Bild von uns selbst zu konstruieren. Wir erschaffen unser Ego. Für ein Kind ist das ein ganz normaler Entwicklungsprozess. Doch leider identifizieren wir uns im Laufe der Jahre immer stärker mit diesem Ego – und als Erwachsene sind wir dann endgültig davon überzeugt, dieses Ego zu sein. Wir vergessen unser wahres Selbst. Und genau das ist unser Problem. Das Ego hält und davon ab, in der Gegenwart zu leben. Es ist ein reines Gedankenkonstrukt, das sich ständig mit der Vergangenheit und der Zukunft beschäftigt. Von der Gegenwart fühlt es sich auf dem Weg in eine viel bessere Zukunft gestört. Was es in Wahrheit wirklich schätzt, sind Konflikte und Dramen. Denn die halten dich so in Atem, dass du nie zur Ruhe kommst.
Ger nicht spürst, was real ist. Du musst ständig kämpfen, um dich zu behaupten. Oder dir irgendwelche Wünsche erfüllen, weil du dich dann für einen kurzen Moment lebendig und wertvoll fühlst. Doch wie gelingt es uns, uns aus diesen endlosen Gedankenschleifen zu befreien, uns von unserem Ego lösen? Tatsächlich gibt es einen Ausweg: die vollständige Annahme des Jetzt und die Konzentration auf den gegenwärtigen Augenblick. Im Anschluss findest du 20 Lektionen für dein bewusst Sein. Und hier noch ein möglicher Dialog, der dir auf deinem Weg helfen kann.

Akzeptiere das, was ist.
Das kann ich wirklich nicht. Es regt mich auf und macht mich wütend.
Dann akzeptiere das, was ist.
Ich soll akzeptieren, dass ich mich aufrege und wütend bin und dass ich das nicht akzeptieren kann?
Ja, akzeptiere, dass du nicht akzeptieren kannst. Begegne deinem Widerstand mit Widerstandslosigkeit. Und dann sieh, was geschieht.

1.   Widerstandslos sein
Ein buddhistischer Mönch sagte einst zu mir: „Alles, was ich in den zwanzig Jahren als Mönch gelernt habe, kann ich in einem Satz zusammenfassen: Was entsteht, vergeht auch wieder. Das weiß ich.“ Er meinte damit natürlich dieses: Ich habe gelernt, dem, was ist keinen Widerstand entgegenzusetzen; ich habe gelernt, den gegenwärtigen Moment zuzulassen und die vergängliche Natur aller Dinge und aller Umstände anzunehmen. Zeit aus unserem Bewusstsein zu streichen, bedeutet, unser Ego zu streichen. Das ist die einzige wahre spirituelle Praxis. Gemeint ist natürlich die Eliminierung der psychischen Zeit. Also das Ende der unaufhörlichen Beschäftigung unseres Egos mit Vergangenheit und Zukunft und das Ende seiner Unwilligkeit, durch die Ausrichtung auf das unvermeidliche So-Sein des gegenwärtigen Augenblicks eins mit dem Leben zu sein.

2.   Frieden finden
Unser vorrangiges Ziel besteht darin, dafür zu sorgen, dass Bewusstsein in alles einfließen kann, was wir tun. Dabei ist das, was wir durch unser Tun erreichen, zweitrangig. Während wir früher immer ein Ziel in der Zukunft verfolgt haben, gibt es jetzt ein höheres Ziel, das nur im Hier un Jetzt zu finden ist, durch die Aufhebung der Zeit. Unsere Lebensreise besteht immer nur aus dem einen Schritt, den wir in diesem Augenblick machen. Es gibt immer nur diesen einen Schritt, und auf den sollten wir unserer Aufmerksamkeit richten. Das bedeutet nicht, dass wir nicht wissen, wohin wir gehen. Es heißt lediglich, dass dieser eine Schritt vor allem anderen Vorrang hat, das Ziel jedoch nur zweitrangig ist. Und was wir am Ziel vorfinden, sobald wir dort angekommen sind, hängt von der Qualität dieses einen Schrittes ab. Mit anderen Worten: Was auch immer die Zukunft für uns bereithält, hängt von unserem jetzigen Bewusstseinszustand ab.

3.   Dein Ja zum Leben stoppt das Ego
Immer dann, wenn sich ein gewohnheitsmäßiges Nein zum Leben in ein Ja verwandelt und wir diesen Augenblick so zulassen, wie er ist, lösen wir damit sowohl die Zeit als auch das Ego auf. Damit unser Ego überleben kann, muss es dafür sorgen, dass Zeit – Vergangenheit und Zukunft – wichtiger ist als der gegenwärtige Augenblick. Zeit ist die horizontale Dimension des Lebens, die Oberflächenschicht der Wirklichkeit. Daneben gibt es aber noch die vertikale Dimension der Tiefe, die nur durch das Tor des gegenwärtigen Augenblicks zugänglich ist.

4.   So gelingt der Ausstiege aus Dramen
Wenn du die Gegenwart mit der Vergangenheit oder Zukunft überschattest, dann erschaffst du Zeit, psychologische Zeit – jene Substanz, aus der Drama besteht. Immer wenn du den gegenwärtigen Moment nicht dadurch achtest, dass du ihm zu sein erlaubst, erschaffst du Drama. Die meisten Menschen sind in ihr eigenes Lebensdrama verliebt. Ihre Geschichte ist ihre Identität. Das Ego bestimmt ihr Leben, Ihr gesamtes Selbstverständnis ist vom Ego abhängig. Selbst ihre – normalerweise erfolglose – Suche nach einer Antwort, nach einer Lösung, nach Heilung wird zu einem Teil davon. Nichts fürchten sie mehr, nichts wehren sie vehementer ab als das Ende ihres Dramas. Solange du deinem Verstand folgst, gibt es nichts, was du mehr fürchten, nichts, was du heftiger abwehren wirst als dein Erwachen.

5.   Dem Streit die Basis entziehen
Wenn du in völliger Akzeptanz dessen lebst, was ist, dann endet damit alles Drama in deinem Leben. Niemand kann sich mehr mit dir streiten, auch wenn er sich noch so sehr darum bemüht. Mit einer völlig bewussten Person kann man sich nicht streiten. Streit setzt voraus, dass du mit deinem Verstand und einer Haltung identifiziert bist und zugleich auf die Position des anderen reagierst und diese abwehrst. Als Resultat werden die gegenüberliegenden Polaritäten energetisch wirken. Indem wir bewusst sind, unterlaufen wir diesen Prozess.

6.   Leg Achtsamkeit in all dein Tun
Geschirr abwaschen, eine Unternehmensstrategie entwerfen, eine Reise planen – was ist wichtiger: die Tätigkeit oder das Ergebnis, das du mit dieser Tätigkeit erzielen willst? Dieser gegenwärtige Moment oder irgendein Augenblick in der Zukunft? Gehst du mit diesem Augenblick so um, als wäre er ein Hindernis, das zu überwinden musst? Hast du das Gefühl, dass ein zukünftiger Augenblick vor dir liegt, der wichtiger ist?
Fast jeder lebt die meiste Zeit über so. Da die Zukunft nie abbricht, außer in der Gegenwart, ist da eine ungesunde Art zu leben. Sie erzeugt ein dauerndes unterschwelliges Unbehagen, Spannungen und Unzufriedenheit. Sie würdigt das Leben nicht, das sich ausschließlich jetzt vollzieht, nicht vorher und nicht nachher, sondern jetzt.

7.   Lass deine Ansichten los
In Zen heißt es: „Suche nicht nach Wahrheit. Lass einfach deine Ansichten los.“ Was bedeutet das? Wir hören auf, uns mit unserem Denken zu identifizieren. Jenseits des Denkens kommt von ganz allein das zum Vorschein, was uns wirklich ausmacht, was wir wirklich sind. Wir können nicht gegen unser Ego kämpfen und gewinnen, ebenso wenig, wie wir gegen die Dunkelheit ankämpfen können. Erforderlich ist nur das Licht des Bewusstseins. Dann erkennen wir: Wir selbst sind das Licht!

8.   Stille stoppt das Gedankenkarussell
Was uns in unruhigen Zeiten helfen kann, ist die Konzentration auf die Stille. „Das äußere Geräusch entspricht dem inneren Geräusch des Denkens. Die äußere Stille entspricht der inneren Stille. Wann immer Stille um dich herum ist, höre sie. Das bedeutet, du bemerkst sie. Richte deine Aufmerksamkeit auf diese Stille. Die Wahrnehmung der äußeren Stille lässt die Still in dir erwachen, weil du nur durch Stille Schweigen wahrnehmen kannst. In dem Augenblick, in dem du die Stille um dich bemerkst, nimmst du wahr, ohne zu denken.

9.   Gewohnheiten können wir durchbrechen
Ganz ehrlich: Musst du wirklich jede Erfahrung und jede Sinneswahrnehmung mental etikettieren? Musst du wirklich eine von Reaktion beherrschte Beziehung der Hassliebe zum Leben haben, durch die du dich in einem fast ununterbrochenen Konflikt mit den Situationen und anderen Menschen befindest? Oder ist da nur eine tief verwurzelte mentale Gewohnheit, mit der zu brechen kannst? Nicht, indem du irgendwas tust, sondern indem zu zulässt, dass dieser Augenblick so ist, wie er ist. Nichts anderes ist erforderlich.

10. Bleib offen bei Begegnungen
Wenn du das nächste Mal einem Unbekannten begegnest, dann lenke deine Aufmerksamkeit darauf, wie lange es dauert, bis du dir verschiedene Urteile über einen Menschen gebildet hast. Es ist erstaunlich, dass wir aus einem einzigen Moment so viel schließen, ohne auch nur ein Wort aus dem Mund des anderen gehört zu haben. Aber was ist, wenn du mit deiner Einschätzung dieses Menschen völlig falsch liegst? Was bedeutet das für dein oder sein Leben?

11. Im Einklang mit dem Leben sein
Wenn du von einem schweren Verlust betroffen bist, wehrst du dich dagegen oder fu fügst dich. Manche Menschen werden dann bitter oder sind voller Groll, während andere Mitgefühl, Weisheit und Liebe entwickeln. Übe dich darin, egal, was geschieht, es innerlich anzunehmen. Dann bist du offen für das Leben. Du gibst dich ihm hin. Wenn du dich innerlich fügst, wenn du dich ergibst, eröffnet sich eine neue Bewusstseinsdimension. Sollte handeln angesagt oder nötig sein, geschieht dies im Einklang mit dem Ganzen und getragen von schöpferischer Intelligenz – von jedem unkonditionierten Bewusstsein, mit dem du im Zustand innerer Offenheit eins wirst, Dann sind die Umstände und Mitmenschen kooperativ und helfen dir weiter. Koinzidenzen ergeben sich. Wenn nichts getan werden kann, ruhst du in dem Frieden und der inneren Stille, die mit Akzeptanz und mit Hingabe einhergehen.

12. Es ist immer Jetzt
Je aufmerksamer wir werden, desto deutlicher erkennen wir die Bemühungen des Egos: Zweifel an dem, was wir tun, tauchen auf oder – scheinbar aus dem Nichts – Probleme, die unbedingt gelöst werden müssen. Dabei ist es theoretisch so leicht, sich im JETZT aufzuhalten: hinsetzen, die Augen schließen, den Atem fließen lassen und sich einfach nur auf die Gegenwart konzentrieren.
Theoretisch. In der Praxis tauchen ständig Gedanken auf, die uns ablenken. Das Ego kämpft. Und doch ist zwischendurch spürbar: die Kraft der Gegenwart. Die Erlösung – die Loslösung aus dem Hamsterrad. Immer dann, wenn der Verstand schweigt, der Geist zur Ruhe kommt. Wir einfach nur sind. Gegenwärtig. Diese Momente sind so kostbar, so intensiv, do friedlich, dass sie uns motivieren, weiterzumachen und die Widerstände des Egos zu ignorieren.

13. Du kannst dich ändern. Jederzeit
Eins zu sein mit dem, was ist, bedeutet nicht, dass du dich nicht mehr erändern kannst. Aber die Motivation, etwas zu unternehmen, entspringt nicht mehr dem Ego-Verlangen oder der Ego-Furcht, sondern komm aus größerer Tiefe. Die innere Ausrichtung auf den gegenwärtigen Augenblick erweitert dein Bewusstsein und bringt es mit dem Ganzen in Einklang, von dem der gegenwärtige Augenblick integraler Bestandteil ist. Dann wirkt das Ganze, die Totalität des Lebens, durch dich.

14. Sei geduldig mit dir selbst
Geduld ist der Schlüssel zum Erfolg. Wenn es uns gelingt, uns auf das JETZT zu besinnen, sind wir auf dem richtigen Weg. Statt nachts darüber zu grübeln, welche Aufgaben wir am nächsten Tag erledigen müssen, können wir uns einfach bewusst machen, dass wir bequem im warmen Bett liegen, die Decke und das Kissen spüren und uns auf das Atmen konzentrieren. Im JETZT haben wir keine Probleme. Und indem wir zur Ruhe kommen, gelingt es uns leichter zu schlafen.

15. Alles ist verbunden
Buddhisten haben schon immer gewusst, dass alles wechselseitig verbunden ist. Auch die Physik bestätigt: Nichts, was geschieht, ist ein isoliert stattfindendes Ereignis; es scheint nur so. Die Ganzheit des Lebens wird jedoch durch unser Denken fragmentiert. Dabei hat das Leben in seiner Totalität das Ereignis hervorgebracht. Es ist Teil der Gesamtvernetzung, des Kosmos. Und das bedeutet: Das, was es ist, könnte gar nicht anders sein. In den meisten Fällen können wir auch nicht annähernd begreifen, welche Rolle ein scheinbar sinnloses Ereignis innerhalb der Totalität des Kosmos haben könnte, aber die Erkenntnis seiner Unvermeidlichkeit in der Unermesslichkeit des Ganzen kann ein erster Anfang sein, innerlich das, was ist, zu akzeptieren und sich so wieder in die Ganzheit des Lebens einzufügen.

16. Das Leiden durch Annahme beenden
Es ist wahre Freiheit und damit die Aufhebung des Leidens, wenn du so lebst, als hättest du das, was du in diesem Augenblick fühlst und erlebst, vollkommen selbst gewählt. Diese innere Übereinstimmung mit dem Jetzt beendet das Leiden.

17. In Notfällen sind wir gegenwärtig
Ein flüchtiges Gefühl von Liebe und Freude oder kurze Momente tiefen Friedens sind möglich, wann immer eine Unterbrechung im Gedankenstrom entsteht. Für die meisten Menschen geschehen diese Unterbrechungen selten und nur zufällig in Momenten, in denen der Verstand „Sprachlos“ ist, manchmal hervorgerufen durch immense Schönheit, außerordentliche körperliche Anstrengung oder sogar durch große Gefahr. Wenn du dich jemals in einer Notsituation auf Leben und Tod befunden hast, wirst du wissen, dass es da kein Problem gab. Der Verstand hatte keine Zeit, mit der Situation herumzuspielen und ein Problem daraus zu machen. In der wirklichen Notlage hält der Verstand an; du wirst vollkommen gegenwärtig im Jetzt, und eine unendlich viel größere Kraft übernimmt die Führung. Deshalb gibt es so viele Berichte von ganz normalen Leuten, die plötzlich unglaublich mutig handeln konnten.

18. Deine Seele ist unsterblich
Wir erleben uns derzeit als Welle und sehen vor lauter anderen Wellen überhaupt kein Meer. Wir kämpfen ums Überleben und haben Angst, denn die Gefahr, dass die Welle vergeht, ist real. In jedem Moment entstehen und vergehen Trillionen von Wellen auf dem Meer. Sie sind Form an der Oberfläche und im Grunde nichts anderes als das eine Meer. Doch sobald eine Welle tief in sich geht, erkennt sie dass sie unzerstörbar ist, eins mit dem unermesslichen Meer.

19. Im Jetzt ist alles einfach
Die innere Ausrichtung auf den gegenwärtigen Augenblick erweitert dein Bewusstsein und bring es mit dem Ganzen in Einklang, von dem der gegenwärtige Augenblick ein integraler Bestandteil ist. Dann wirkt das Ganze, die Totalität des Lebens, durch dich. Un in dir herrscht Frieden. Es scheint fast paradox, aber sobald deine innere Abhängigkeit von der Form verschwunden ist, werden sich deine allgemeinen Lebensumstände und äußeren Gegebenheiten wahrscheinlich stark verbessern. Dinge, Menschen oder Umstände, die du für dein Glück zu brauchen glaubtest, kommen jetzt ohne deine Mitwirkung, ohne Mühe auf dich zu, und du kannst dich an ihnen erfreuen und sie würdigen – solange sie da sind. Denn all diese Dinge werden natürlich auch weiterhin wieder verschwinden. Zyklen werden kommen und gehen, aber mit dem Verschwinden der Abhängigkeiten verschwindet auch die Angst vor dem Verlust. Es gibt keinen Grund, darüber unglücklich zu sein.

20. Erkenne, wie du dir selbst Leid zufügst
Nimm irgendeine Lebenssituation. Wie würdest du dich fühlen, wenn du sie voll und ganz so akzeptiertest, wie sie ist – jetzt in diesem Moment? Du kannst lernen, dass Ungeduld, Gereiztheit, Wut, Grollen und Klagen stets Formen von Leid sind. Erkenne sie, während sie da sind, und sage dir: In diesem Moment verursache ich mir Leid. Verstehe, wenn du gewohnheitsmäßig dir selbst Leid zufügst, verursachst du möglicherweise auch anderen Leid. Die unbewussten mentalen Muster hören meist dadurch auf, dass sie bewusst gemacht und wahrgenommen werden, während sie ablaufen. Du kannst nicht bewusst sein und dir zugleich selbst Leid zufügen.

(Eckhart Tolle im Gespräch mit Christiane Schönemann - aus „Happinez“ – Bauer Premium KG)

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„Entscheiden ist einfach, wenn man weiß, wie es geht“

Soll ich meinen Job kündigen? Tut diese Freundschaft mir noch gut? Und der Urlaub Endlich mal wieder Wandern oder wie immer. Wir alle kennen dieses ewige Hin-und-her-Grübeln. Das Schwanken. Deutschlands bekanntester Entscheidungsforscher, Prof. Philip Meissner, hat uns verraten, was in solchen Situationen hilf.

Herr Professor Meissner, als Leiter eines Lehrstuhls für Strategisches Management und Entscheidungsfindung fällt es Ihnen sehr leicht, Entscheidungen zu treffen…

„Das kommt auf die Entscheidung an. Wir alle treffen in Schnitt jeden Tag etwa 20 000 Entscheidungen. Was ziehen ich an? Was esse ich zum Frühstück? Das sind die kleinen, alltäglichen Entscheidungen, die normalerweise keine weitreichenden Folgen haben. Aber dann gibt es noch diese großen und wichtigen Entscheidungen – die fallen mir auch nicht leicht oder schwerer als anderen Menschen. Ich gehe sie nur anders an.“

Gibt es also eine Art Fahrplan für große Entscheidungen?

„Erst einmal sollte Sie sich bewusst machen: Wir entscheiden und grundsätzlich eher für das, was wir kennen, als für das, was wir nicht kennen. Außerdem haben Studien gezeigt: Das Verlustrisiko wird stets stärker wahrgenommen als die Chance, die sich uns möglicherweise bietet – und zwar mit dem Faktor drei! Das heißt: Die Angst vor dem Verlust wiegt dreimal schwerer als die Vorfreude auf die mögliche Chance. Für diese Erkenntnis hat der Psychologe Daniel Kahneman sogar einen Nobelpreis bekommen. Denn diese Verlustangst hat weitreichende Auswirkungen! Gerade bei wichtigen Entscheidungen kann sie uns unnötig bremsen. Umso wichtiger ist es, eine Strategie zu haben, die einem dabei hilft, die richtigen Entscheidungen zu treffen…“

Okay, gehen wir strategisch vor: Was ist dann mein erster Schritt, wenn ich eine gute Entscheidung treffen möchte?

„Zuerst einmal sollten Sie sich fragen: Was genau ist überhaupt mein Problem? Jeff Bezos, der Gründer und Geschäftsführer des Onlinehändlers Amazon und aktuell der reichste Mann der Welt, fragt beispielsweise immer dreimal nach dem Warum, wenn er vor einem Problem steht.
Ein einfaches Beispiel: Ein Mitarbeiter kommt jeden Tag zu spät zur Arbeit. Warum? Weil er zu spät losfährt. Warum? Weil er morgens nicht aus dem Bett kommt. Warum? Weil er abends zu lange fernsieht… So kann man der Ursache jeden Problems auf den Grund gehen. Nehmen Sie sich dafür am besten 30 Minuten Zeit, in denen Sie nicht gestört werden! Dann schreiben Sie ihr Entscheidungsproblem auf ein weißes Blatt Papier. Als Beispiel: Soll ich aufs Land ziehen? Warum? Was genau stört Sie? Womöglich treibt Sie gar nicht der Wunsch nach Landluft, sondern der neugierige Nachbar, der Sie nervt, oder Ihre aktuelle Überforderung im Job, durch die Sie mehr Ruhe brauchen?
Diese ebenso einfache die effektive Methode hilft Ihnen, die wesentlichen Treiber und eigentlichen Gründe für Ihren Wunsch zu identifizieren.“

Kann ich das nicht einfach im Gespräch mit meinen Freunden herausfinden?

„Freunde oder andere nahestehende Personen kenn uns unsere Situation, daher ist es richtig und wichtig, mit ihnen zu sprechen und ihre Meinung zu hören. Das Problem dabei: Viele Ratgeber vertreten – oftmals sogar unbewusst – ihre eigenen Interessen. Wenn ich beispielsweise einen Freund frage, ob ich einen Job in einer weit entfernten Gegend annehmen soll, könnte er mich in seiner Nähe behalten wollen und mir deshalb von dem Jobwechsel abraten. Sein Rat kann gar nicht ganz unabhängig sein. Zudem teilen unsere Freunde vermutlich unsere Werte und Lebenseinstellung und werden daher ähnliche Argumente anführen. Deshalb rate ich: Frage Sie außerdem immer Menschen, die schon einmal vor derselben Entscheidung standen, vor der Sie jetzt stehen! Und – noch viel wichtiger: Suchen Sie sich einen Kritiker!“

Sie meinen, ich sollte mit jemanden sprechen, der meine Idee schlecht findet?

„Ja, suchen Sie sich einen Menschen, der Ihnen Argumente liefert, die Sie davor noch nicht gehört und die Sie sich vor allem noch nicht überlegt haben! Und bleiben Sie bei diesem Gespräch offen und zugewandt, denn: Es geht nicht darum, Recht zu behalten, sondern Sie wollen eine gute Entscheidung treffen! Sollten Sie keinen Kritiker finden, mit dem Sie reden können, machen Sie gedanklich eine Reise in die Zukunft, in der Ihre Idee komplett gescheitert ist. Stellen Sie sich vor: Sie sitzen in fünf Jahren alleine in Ihrem Haus auf dem Land. Kein Freund kommt Sie besuchen. Und auf dem Weg zur Arbeit stehen Sie jeden Tag stundenlang im Stau. Alles, was schieflaufen kann, läuft auch schief. Schreiben Sie fünf Minuten lang alle Gründe für Ihr imaginäres Scheitern auf einen Zettel. Und anschließend überlegen Sie sich, wie Sie die Fehler verhindern können. Dadurch stoßen Sie auf die kritischen Punkte Ihrer Idee und werden so zu einem guten eigenen Kritiker.“

Eigentlich wird einem doch ständig eingebläut, man solle auf sein Bauchgefühl hören…

„Das ists wissenschaftlich noch nicht so genau erforscht worden. Aktuell geht die Forschung davon aus: Solche schnellen und unbewussten Bauchentscheidungen sind vor allem dann gut, wenn der Entscheider sein Umfeld sehr gut kennt. Das heißt: Wenn beispielsweise ein Feuerwehrmann seit 20 Jahren in brennende Häuser geht, wird er spontan und unbewusst vermutlich die richtige Entscheidung treffen. Bewege ich mich aber in einem unbekannten Feld, dann helfen mir meine Erfahrungen nicht weiter. Dann ist der Bauch kein guter Ratgeber, sondern es sollte doch eher der Kopf entscheiden.“

(Anmerkung: Wenn alles miteinander verbunden und verwoben ist, kann ich in einem Zustand tiefster Entspannung und Leichtigkeit immer die richtige Entscheidung aus dem Bauch heraus treffen. Herz und Bauch geben uns die richtige Entscheidung, der Kopf ist eher der Kritiker, der uns zweifeln lässt, Ängste entstehen lässt und uns in der Komfortzone halten möchte. Und zusätzlich tut sich unser Verstand sehr schwer damit, zuzugeben, dass eine frühere Kopfentscheidung doch nicht die richtige war. Ich bin der Meinung, man sollte alle Argumente durchdenken und am Ende in sich hineinspüren und wenn das Herz freudig lächelt, ist die Entscheidung die absolut richtige.)

Ich habe mal gehört, die japanischen Samurai, sollten ihre Entscheidung innerhalb von sieben Sekunden treffen – das reicht dann ja nur für eine Bauchentscheidung. Wie viel Zeit sollte ich mir denn tatsächlich für eine wichtige Entscheidung nehmen?

„Wir reden ja über große Entscheidungen. Die brauchen Zeit. Man muss darüber nachdenken, Argumente sammeln, mit Ratgebern sprechen. Und – ganz wichtig: Man sollte auch eine Nacht darüber schlafen. Es mag wie eine alte Volksweisheit erscheinen, doch es steckt mehr dahinter: Aktuelle Forschungsergebnisse aus dem Bereich der Neurowissenschaften zeigen, dass unbewusste Denkprozesse, wie sie im Schlaf ablaufen, gerade bei komplexen Entscheidungen sehr hilfreich sein können. Sie helfen offenbar zu vermeiden, dass unsere Emotionen zu Fehlentscheidungen führen – dass also weder unsere überschwängliche Vorfreude auf den neuen Job noch unsere Angst vor einer beruflichen Veränderung unsere Denkprozesse beeinflussen. Zwar können wir uns unseren Emotionen nie ganz entziehen, wenn wir jedoch eine Nacht darüber schlafen, wird die Intensität, mit der sie unsere Entscheidungsprozesse steuern, reduziert. Darüber hinaus erhöht Schlaf unserer Problemlösungsfähigkeit.“

Was bedeutet das?

„Viele Studien konnten zeigen, dass man im Schlaf zu anspruchsvollen Problemlösungen kommt. Wissenschaftler der Uni Münster haben Teilnehmer einer Studie gebeten, über verschiedene Runden hinweg komplexe Aufgaben zu lösen. Hierbei gab es jedoch einen Trick. Diesen Trick haben 60 Prozent der Teilnehmer, die zwischendurch Nacht geschlafen haben herausgefunden, aber nur 20 Prozent der Teilnehmer, die zwischendurch keine Schlafpause hatten. Oder noch ein Beispiel von der Harvard Medical School: Da haben Wissenschaftler Probanden durch ein Labyrinth geschickt. Die Teilnehmer, die zwischendurch geschlafen und sogar von dem Labyrinth geträumt haben, waren zehnmal so gut darin, den Weg hindurch zu finden. Weil Schlaf also wichtig ist, um gute Entscheidungen zu treffen, achtet zum Beispiel auch Amazon-Chef Jeff Bezos darauf, jede Nacht mindestens acht Stunden zu schlafen. Was genau im Schlaf passiert, ist allerdings noch nicht genau entschlüsselt.“

Ich habe inzwischen schon viele Nächte über meine Probleme geschlafen und bin bislang zu keinem Ergebnis gekommen. Was mache ich nun?

„Was machen Sie, wenn Sie zum Beispiel einen Film schauen? Lesen Sie zwischendurch E-Mails oder schreiben Sie Ihren Freunden kurze Nachrichten?“

Ja, Warum?

„Wir sind in konkreten Entscheidungssituationen oft abgelenkt und fokussieren uns nicht richtig. Das ist aber auch schwierig: Ständig gehen E-Mails ein, WhatsApp-Nachrichten, dann klingelt das Telefon… Kurzum: Die neue Welt lenkt uns ständig ab. Und diese ständige Ablenkung und das Multitasking verändern unser Gehirn und haben damit auch einen Einfluss auf unsere Entscheidungsfähigkeit. In einer britischen Studie konnte nachgewiesen werden, dass Gehirnbereiche, die für die Emotionskontrolle zuständig sind, bei Teilnehmern, die ständig Multitasking betreiben, deutlich geschrumpft waren. Somit kann Multitasking dauerhaft dazu führen, dass wir uns schneller ablenken lassen und auf unsere Emotionen reagieren, anstatt konzentriert an einem Thema oder an einer Entscheidung zu arbeiten. Eine Studie der Standford University zeigt, dass Studienteilnehmer, die in ihrem Alltag oft mehrere Aufgaben parallel ausübten und unterschiedliche Medien zur gleichen Zeit nutzen, zum Beispiel E-Mails auf dem Handy lesen, während man fernsieht, deutlich schlechtere Entscheidungen treffen konnten. Konzentration und die Analyse von Zusammenhängen sind ein zentrales Element in jedem Entscheidungsprozess. Um diese Fähigkeiten zu erhalten oder zu verbessern, müssen wir unsere Denkprozesse trainieren.“

Es gibt tatsächlich eine Möglichkeit, meine Entscheidungsfähigkeit zu trainieren?

„Auch dazu gab es eine Studie der Harvard Medical School. Mit Magnetresonanztomographen konnten Wissenschaftler nachweisen, dass man durch ein achtwöchiges Achtsamkeitstraining die Struktur seines Gehirns so beeinflussen kann, dass der vordere Teil des Gehirns, der präfrontale Cortex, der für Konzentration und überlegte Entscheidungen verantwortlich ist, physisch kräftiger wird. Dieselbe Studie zeigte, dass Achtsamkeitstraining auch zu einer besseren Emotionssteuerung führt. Gleichzeitig reduziert es den Einfluss von Angst und Stress.“

Wie genau sieht ein solches Training aus?

„Alle Achtsamkeitstrainings haben ein Ziel: die Aufmerksamkeit und Konzentration auf einen Punkt, zum Beispiel den eigenen Atem zu lenken. Das ist alles. Es klingt erstaunlich einfach. Sie werden aber merken, dass es gar nicht so einfach ist. Suchen Sie sich einen ruhigen Ort, an dem Sie zehn Minuten nicht gestört werden, schließen Sie Ihre Augen und konzentrieren Sie sich auf Ihren Atem. Sobald Sie feststellen, dass Sie sich nicht mehr auf Ihren Atem konzentrieren, bringen Sie die Aufmerksamkeit zurück. Es gibt viele Studien, die belegen, dass Meditation Prozesse im Gehirn verändert. Kaum eine Forschung ist eindeutiger…
Ich selbst meditiere täglich 20 Minuten. Mir hilft es zu erkennen, dass ich nicht jeder Emotion und jedem Gedanken folgen muss. Sonst werden negative Gedanken womöglich viel stärker aufgebauscht, als es notwendig wäre. Mit Meditation trainiert man die eigene Fähigkeit, Abstand zu nehmen und beängstigende Gedanken auch mal vorbeiziehen zu lassen.“

Das ist gut! Angst ist auch meine größte Bremse!

„Die amerikanische Wirtschaftsjournalistin Suzy Welch hat einen spannenden Ansatz entwickelt: 10/10/10-Methode. Da soll man sich folgende Fragen stellen: Welche Auswirkungen hat meine Entscheidung in zehn Minuten? Welche Auswirkungen hat meine Entscheidung in zehn Monaten? Welche Auswirkungen hat meine Entscheidung in zehn Jahren? Mithilfe dieser Fragen gelingt es Ihnen, Klarheit über Ihre Entscheidung zu erhalten. Sie reduzieren mögliche Schuldgefühle und überwinden die zum Teil lähmende Angst davor, eine falsche Entscheidung zu treffen. Denn selbst wenn eine Entscheidung in den ersten zehn Minuten negative Auswirkungen hat, in zehn Monaten sind diese unter Umständen nicht mehr spürbar, und in zehn Jahren werden Sie auf diese Entscheidung zurückblicken und sich freuen, dass Sie sie getroffen haben. Oder Sie erinnern sich nicht mehr an die Entscheidung. Viele der Entscheidungen, von denen wir denken, dass sie unser Leben fundamental verändern, sind in der Realität nämlich gar nicht so wichtig wie gedacht. „

Dann brauche ich wohl noch ein bisschen mehr Zeit, um meine Entscheidungen zu treffen…

„Es ist natürlich wichtig, dass man nicht endlos nachdenkt. Wenn alle Informationen da sind, gibt es keinen Grund, eine Entscheidung endlos vor sich herzuschieben. Dann kann es helfen, sich eine Deadline zu setzen. Und am besten machen Sie die Deadline auch offiziell, indem Sie beispielsweise Freunden davon erzählen. Das erhöht den Druck, dass Sie diese Deadline auch wirklich einhalten.“

Und wenn ich trotzdem eine falsche Entscheidung treffe?

„Dann haben Sie jederzeit die Chance, Ihre Situation wieder zu verändern. Es wäre nämlich eine noch viel größere Fehlentscheidung, an einer falschen Entscheidung dauerhaft festzuhalten…“

(aus „Happinez“-Interview: Kerstin Kropac – Bauer Premium KG)

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Verlieb dich ins Leben …

… mit jeder Faser deines Seins, verliebe dich in dein Leben. Öffne deine Arme und dein Herz für alles, was das Leben noch für dich bereithält. Für alle Wunder, alle Herausforderungen, jeden Abschied und alle Neuanfänge, für alle Momente der Freude und alle Momente der Trauer, für Erfolge und für Niederlagen, für Annehmen und für Loslassen, für Ja- und auch Neinsagen, für das Gestern, das Morgen und vor allen Dingen für das Heute. Das Leben hat nicht den Anspruch, dass immer alles nice und easy ist. Das Leben hat den Anspruch, dass du lebst. Und zwar ganz. Mit allen Facetten, allen Farben und Tönen, allen Hochs und allen Tiefs. Das ist das Leben. Das Leben macht das nicht, weil es dich nicht mag, das Leben macht das, weil es dich liebt und weil es weiß, dass du als Mensch genau für diese Erfahrung gemacht wurdest. Du bist hier, um zu wachsen, zu erfahren, zu leben, zu sein und zu lieben. Das ist die Aufgabe, die wir hier alle haben. Verliebe dich ins Leben und all seine Schönheit, all seine Möglichkeiten und all seine Vielfalt. Es ist ein Geschenk für dich.

(aus „Rise Up & Shine“ von Laura Malina Seiler – Rowohlt Taschenbuch Verlag)

Einfach weiteratmen

Angstzustände und Panikattacken sind ein riesiges Thema unserer Zeit – und das nicht erst seit wir eine Pandemie erleben. Mehr und mehr Ärzte empfehlen Yoga, denn eine ganzheitliche Praxis hilft nachweislich bei akuten Ängsten und unterstütz langfristig Heilung.

Dienstagnachmittag im Home-Office. Bisher war es eigentlich ein normaler, sogar produktiver Tag. Aber seit einigen Minuten fühlt sich der Bauch irgendwie flau an, leises Unwohlsein und Nervosität. Dann hängt der Server beim Einwählen. Erstes Händezittern, flacher Atem. Zweimal neu versucht, es klappt. An sich ist nicht Schlimmes passiert, aber alles stresst, fühlt sich eng an, kreist mich ein. Zittrig das Dokument zum Hochladen anklicken, die Enter-Taste drücken. Es lädt. Der dunkle Balken wandert langsam von links nach rechts. Dann stoppt er, pulsiert, verschwindet. „Server Verbindung unterbrochen“. Mir wird schwarz vor Augen, das Herz rast. Das wird jetzt ewig dauern. Keiner da, den ich um Hilfe fragen kann. Schweißausbruch. Der Tagesplan im Verzug, die Kollegen genervt, der Chef sauer. Schwarze Sterne flimmern vor meinen Augen. Wie soll ich das schaffen? Das Versagen, die Schuld, die Unausweichlichkeit… Alles verschwimmt.

Angst kann uns förmlich erstarren lassen und von einem Augenblick zum anderen handlungsunfähig machen. Der sonst so verlässliche Verstand, jegliche Lebensfreude oder Zuversicht sind dann in Sekundenschnelle wie weggewischt. Der Auslöser solcher Angst- und Panikattacken ist meistens real und wirkt logisch, doch die emotionalen und körperlichen Reaktionen darauf fallen unproportional heftig aus. So können selbst kleine, sogar nichtige Reize ausweglose Gedankenspiralen heraufbeschwören. Natürlich ist eine Internet-Verbindungspanne nervig, aber sie ist kein echter Grund zur Panik. Gelassen weiteratmen und alles ist wieder gut! Leider ist das in so einem Moment leichter gesagt als getan. Und das Gemein ist: Gerade weil diese Attacken einem den Atem rauben und den Geist vernebeln, wirkt es so, als würde die grauenvolle mögliche Zukunft bestimmt eintreten. Mir anderen Worten: Angst lügt uns an, Panik lockt uns in die Falle. Und als Betroffene sind wir in solchen Momenten oft hilflos.

DER KNALLFROSCH IN DER BLECHDOSE

Seit einigen Wochen erleben das mitunter auch Menschen, die sonst kaum mit Ängsten zu kämpfen haben: Inmitten von exponentiellen Ansteckungsraten, schreckliche Nachrichten aus den besonders vom Virus betroffenen Gebieten und immer drastischeren Gegenmaßnahmen entsteht eine Grundstimmung der Verunsicherung: Plötzlich ist da etwas sehr konkretes, tatsächlich Furchteinflößendes und alles verändert sich rasend schnell, ohne dass wir daran etwas ändern könnten. Die Angst, die das erzeugt, ist mindestens so ansteckend wie das Virus selbst: Wir schnappen sie auf aus unserer unmittelbaren Umgebung, aus den Nachrichten und den sozialen Medien. Aber genau wie bei allen Ängsten kommt es jetzt darauf an, wie wir auf sie reagieren. Wird das Thema lebensbeherrschend, weil es so groß ist – oder geling es uns, Akzeptanz und Gelassenheit zu finden?

Dabei spielt das Prinzip der Resonanz eine wichtige Rolle. Stell dir vor, dein Wahrnehmungsraum ist so groß wie eine Blechdose und jemand steckt einen Knallfrosch hinein. Bäääääm! Der Knallfrosch fetzt und deine Gelassenheit ist entsprechend ihrer Größe gering. Du gehst voll in Resonanz, dein ganzes Denken dreht sich um den Knall und deine Emotionen – und das bringt dich an die Grenze. Ist dein Wahrnehmungsraum so groß wie ein Fass, machte es immer noch ordentlich Bummm und du erschreckst dich. Du kannst den Knall zwar schon leichter abtun, musst dich aber dennoch mit ihm auseinandersetzen. Im dritten Beispiel hast du einen Wahrnehmungsraum so groß wie eine Kathedrale. Nanu, denkst du jetzt, warum hopst ein Knallfrosch? Jetzt bestimmst du selbst über den Raum, deine Emotionen und Reaktionen. Du bist ein selbstbestimmtes mitschwingendes System.

Genau darum geht es bei der Bewältigung von Angst: den Raum zu erweitern und selbstbestimmt mitzuschwingen, statt in ungebremster Resonanz vom Geschehen mitgerissen zu werden. Denn der Punkt ist: Du kannst einen Auslöser wie die Corona-Krise nicht vollständig vermeiden, selbst wenn du dich einigelst und keine Nachrichten mehr hörst. Auch Gedanken und Stimmungen sind Knallfrösche und das Leben ist voll von ihnen. Um im physikalischen Bild von Resonanz zu bleiben, könnte man sagen: Um so weit un groß zu erden sie eine Kathedrale, musst du deine Frequenz, deine Schwingung zu erhöhen. So kannst du fühlen und mitfühlen, wirst dabei aber nicht an diene Grenzen gebracht, sondern könntest gelassen bleiben. Darauf will auch Yoga hinaus: Anstatt wie ein Beruhigungsmittel die Dämpfung zu erhöhen, sich gegen alle Auslöser zu panzern und möglichst gefühllos zu machen, kann die Praxis deinen Akzeptanzraum erweitern. Wenn du nun weniger mit Ängsten zu tun hast, macht dich das gelassener in deinem Alltag und resilienter in Krisensituationen wie dieser. Bist du dagegen stärker davon betroffen, dann kann Yoga ein wertvoller Baustein der Bewältigung und Heilung sein.

NEUE ANSÄTZE

Ängste sin ein weit verbreitetes Phänomen: Rund 15 Prozent der Deutschen gehen im Verlauf eines Jahres wegen einer Angststörung zum Arzt. Dazu kommen all jene, die sich damit abfinden, nun mal ein Angsthase zu sein, oder die hoffen, es ginge von alleine weg, wenn sie sich nur gut genug zusammenreißen. Damit ist die Angststörung die häufigste psychische Erkrankung, häufiger als Depression oder Burn-out. Glücklicherweise sind beide Phänomene inzwischen besser erforscht als noch vor wenigen Jahren. Die meisten Ärzte schicken einen nicht mehr mit einem Rezept für Beruhigungsmittel nach Hause, sondern empfehlen auch ganzheitliche Behandlungsmethoden – und immer häufiger Yoga. Eine Reihe von Studien hat in den letzten Jahren gezeigt, dass die Kombination aus geschulter Atmung und Körperhaltung gemeinsam mit der Geistesschulung durch Meditation sowohl kurz- als auch langfristig die psychisch-körperliche Gesundheit von Angstpatienten verbessert – und teilweise sogar vollständige Heilung bringt. Murali Doraiswamy, Professor für Psychiatrie und Verhaltensforschung an der US-amerikanischen Duke University sagte dazu in einem Interview: “Wenn es einen pharmazeutischen Wirkstoff gäbe, der ähnlich positiv und nebenwirkungsfrei wirkte wie Yoga wäre das ein weltweiter Bestseller.“

Um mit Yoga emotionale Balance zu gewinnen, müssen wir nicht flexibel oder stark sein, auch nicht jung, fröhlich, energiegeladen oder bei guter Gesundheit. Wir müssen keinen Handstand oder Lotussitz beherrschen. Wir brauchen auch überhaupt keine Vorkenntnisse – nur unseren Herzschlag und den Atem. Diese beiden Werkzeuge entspannen und verankern uns im gegenwärtigen Moment. Wir steigern unsere Achtsamkeit und unser Körperbewusstsein. Schon 15 bis 30 Minuten Praxis zwei- oder dreimal pro Woche, ohne körperliche Verausgabung und besondere Vorbereitung, können ausreichen, um emotional ausgeglichener zu werden. Für anhaltende oder intensivere Ergebnisse dürfen wir natürlich mehr üben.

WIE YOGA WIKT

Dabei ist klar: Ein paar Asanas allein bewirken nicht allzu viel, wirklicher Wandel geschieht erst, wenn wir den vollen klassischen Yogaweg ausschöpfen. Dabei spielen neben Pranayama und Meditation vor allem auch Gedankenlenkung und Selbsterkenntnis eine wichtige Rolle. In dieser Kombination setzt die Praxis einen Entwicklungsprozess in Gang, der einen Entwicklungsprozess in Gang, der einen von den erlernten negativen Glaubenssätzen über sich selbst und von eingefahrenen Verhaltensmustern befreien kann. Doch wie wirken die Teile der Yogapraxis im Einzelnen?

Asana
Wenn wir Angst haben, verändern sich Körperhaltung, Mimik und Gestik. Unsere Stimme klingt schrill und wir bewegen uns anders, oft verkrampfter, manchmal auch kraftlos. Asanas entspannen einen erhöhten Muskeltonus und stimulieren einen herabgesetzten Tonus. Die intensiven Dehnungen bauen zudem fasziale Spannungen ab und steigern die Durchblutung der Gewebe. Das alles fährt zu einem Gefühl innerer Ausgeglichenheit und Stabilität.

Man kann aber auch noch gezielter arbeiten: Bestimmte Rückbeugen oder Hüftöffner zum Beispiel lösen Schon- und Fehlhaltungen auf, die entstehen, wenn der Körper sich durch Panik und Angst zusammenzieht und auf Flucht einstellt. Die längere Haltung einer Asana beruhigt den Sympathikus, jenen Nervensystemteil, der die Angst aufrechterhält, und es aktiviert den Parasympathikus, der sie lindert. Deswegen solltest du im Zusammenhang mit Ängsten und Verunsicherung jede Haltung mindestens 30 Sekunden lang einnehmen, besser noch länger. Bleiben wir nämlich mehrere Minuten in einer Haltung – selbst wenn sie unbequem ist -, dann lernen wir, auch unangenehme Gefühle besser aufzuhalten und das gibt und die Kontrolle über unsere Emotionen zurück.

Pranayama

Mit Pranayama lernen wir, die Lebenskraft bewusst wahrzunehmen zu kanalisieren. Geist und Atem sind dabei untrennbar miteinander verbunden: Ist der Atem unruhig, so ist es auch unser Geist – und umgekehrt. Beruhigen wir also gezielt unseren Atem, so beruhigen wir zugleich auch immer unseren Geist. Man kann das sogar messen: Die konzentrierte Beobachtung und Kultivierung eines ruhigen, gleichförmigen Atems senkt Cortisolwerte und erhöht dabei die Serotonin-, Dopamin und Endorphin Konzentration. Zusätzlich bauen wir durch positive Ergebnisse unseren Selbstwert auf: Ich kann langsam durchatmen, wann immer ich es möchte – und es wirkt sofort. Ich habe es in der Hand!

Dharana

Körperlich gestärkt und beruhigt durch Asana und Pranayama kann nun Dharana weiterhelfen, die yogische Gedankenlenkung. Hier geht es darum, nicht länger grässliche Zukunftsbilder aufzubauen, sondern positive Impulse zu setzen. Angenommen, du machst eine Diät, sitzt vor einer Torte, starrst sie an und wiederholst: „Ich will keine Torte, ich will nicht dick sein, ich will nicht schwach sein.“ Indem du dich dem Anblick aussetzt, aber nicht nachgeben möchtest, vergeudest du wertvolle Kraft. Geh stattdessen lieber raus und beschäftige dich mit etwas anderem, dann vergiss die Torte einfach und dann willst du sie auch nicht mehr. So ist es auch mit der Angst: Wenn wir lernen, unsere Wahrnehmung in eine bestimmte Richtung umzulenken, bleiben wir trotz aufkeimender Angst handlungsfähig und aktiv.
Dabei ganz wichtig: Das Unterbewusstsein versteht kein „nicht“. Statt sich also vorzunehmen, jetzt besser keine Angst zu haben, oder sich angsterfüllte Zukunftsbilder auszumalen, um sie sofort wieder abzulehnen, müssen wir unseren Geist und unsere Konzentration auf etwas Positives ausrichten. Es kommt auf die Perspektive an: Statt „gegen die Angst (Torte) sag dir „für Freiheit“ (Spaziergang). Dafür bieten sich verschiedene Methoden an, etwa Traumreisen, Autosuggestion, Mantras, Affirmationen oder Positive Thinking.

Svadhyaya

Die Kombination aus der bisherigen Praxis ermöglicht als weiteren, großen Schritt Svadhyaya. Die yogische Selbsterforschung ist unerlässlich für den guten Umgang mit uns selbst und unseren Mitmenschen. Hier beginnt der eigentliche Weg zur Selbstverwirklichung: Wenn wir ein erfülltes Leben führen möchten, kommen wir nicht drum herum, einen Blick nach innen zu werfen – unabhängig davon, ob Angst uns treibt oder entspannte Neugier. Selbstfindung ist ein Prozess, bei dem wir unsere besonderen Fähigkeiten und Ziele immer klarer aus einem Wust an Möglichkeiten und Fehlidentifikation (Kleshas) herausschälen. Dabei geht es gerade nicht um ein konstantes Selbstüberwachen oder interpretierendes Überanalysieren, sondern um die strukturierte, planvolle Auseinandersetzung mit unserem Selbst. So finden wir mit der Zeit ein funktionales, persönliches Wertesystem, Selbstgewissheit und eine klare Zukunftsplanung. Allein auf sich gestellt ist das eine ziemliche Herausforderung. Ein Mentalcoach, ein Psychotherapeut oder eine mitfühlende logisch denkende Vertrauensperson bieten da die nötige Unterstützung.

(aus Yoga Journal von Anna Kramer – well media GmbH)

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„Wenn das Herz auf Reisen geht“

Die schwedische Schriftstellerin Selma Lagerlöf (1858-1940) verlieh ihrem kleinen Helden Nils Holgerson Flügel – sie sorgte damit für eine literarische Revolution und bekam als erste Frau den Nobelpreis für Literatur. Denn mit ihrem besonderen Blick auf die Menschen lehrte sie uns immens viel über das Leben.

Ein Buch über Schweden soll sie schreiben – doch will ihr nichts Rechtes einfallen. Schließlich kehrt sie auf der Suche nach Inspiration nach vielen Jahren zum Anwesen ihrer Kindertage zurück. Das Gut Marbacka in Värmland gehört mittlerweile Fremden, doch mit jedem Schritt, den sie sich dem Gebäude nähert, fallen ihr immer neue Begebenheiten ihrer Kindheit ein: die Ernte, Feste, die schere Arbeit, die Volkslieder, die man damals sang. Plötzlich vernimmt sie Schreie und bemerkt einen Knirps, der nicht größer sein kann, als eine Hand breit ist, und der sich gegen einen viel größeren hungrigen Waldkauz zur Wehr setzt. Sie verjagt den Vogel, und der winzige Junge erzählt ihr zum Dank von seinen Abenteuern: „Nein, was für ein Glück, jemanden zu treffen, der auf einem Gänserücken durch ganz Schweden gereist ist!“, dachte sie. „Genau das, was er erzählt, werde ich in meinem Buch schreiben. Jetzt muss ich mich deswegen nicht mehr sorgen. Wie gut es war, dass ich nach Hause gefahren bin. Man stelle sich vor, dass mir Hilfe zuteil wurde, sobald ich zum alten Hof kam!“

Natürlich hat es diese Begegnung zwischen der Frau und dem Knirps im realen Leben niemals gegeben. Und doch verknüpft die Autorin dieser Zeilen auf ganz wundersame Weise Fakt mit Fiktion. Denn Marbacka ist ein realer Ort, ihr Elternhaus, das zeitlebens ihre Seelenheimat bleiben wird. Und das Buch, dem diese Zeilen entstammen, „Nils Holgersons wunderbare Reise durch Schweden“, wird Selma Lagerlöf für alle Zeiten unsterblich machen. Bis heute ist es ungewöhnlich, dass ein Autor sich selbst in sein Werk integriert, zu einer handelnden Person macht – im Jahr 1905, als Nils Holgerson veröffentlicht wird – ist dies einer der vielen sensationellen Kunstgriffe des Buches. Ein weiterer ist, dass Selma Lagerlöf den Leser zusammen mit ihrem in einen Winzling verwandelten Helden förmlich in die Lüfte erhebt, ihn ganz neue, ungeahnte Perspektiven vermittelt.

In einer Zeit, in der Menschen es erstmals wagen, sich mit Flugmaschinen in die Lüfte zu schrauben – in Amerika hatten die Brüder Wright gerade die Ära des Motorfluges begründet – ist es für Selma Lagerlöf das Selbstverständlichste der Welt, ein Land – ihr Land – von oben zu betrachten, über seine Landschaften und Städte zu fliegen. Etwas das man damals höchstens im Traum für möglich gehalten hätte, lässt die Frau ihren Helden tun. Und bedenkt man, dass der Unsprungsgedanke hinter „Nils Holgerson“ ein ganz pragmatischer ist, nämlich ein Heimatkindebuch für schwedische Schulkinder zu verfassen, erscheint und Lagerlöfs Roman umso kühner und wunderbarer. Fügt sich jedoch ganz logisch in die Lebensanschauung einer Frau ein, die gegen den Willen ihres Vaters eine Lehrerausbildung macht, sich jedoch stets weigert, Lehrpläne zu befolgen oder ihren Schülern Prüfungen abzunehmen. Wie könnte eine solche Frau ein Schulbuch anders verfassen, als die eigentlich trockene Materie in ein spannendes Abenteuer zu verwandeln?

Dabei deutet erst einmal nicht im frühen Leben dieser Frau darauf hin, dass sie dereinst als erste Frau den Literaturnobelpreis entgegennehmen wird. Im Gegenteil. Wer als Mädchen Mitte des 19. Jahrhunderts im ländlichen Schweden aufwächst, hat zwei Möglichkeiten: zu heiraten und sein Leben ausschließlich der Familie zu widmen. Oder einen der wenigen Berufe zu ergreifen, die für Frauen als ehrbar erachtet werden. Selma Lagerlöf wählte Letzteres – die einzige halbwegs akademische Ausbildung, die einer Frau in Schweden damals möglich ist, ist die der Lehrerin. In einem Brief an ihre Freundin Sophie Elkan schreib sie später: „Irgendwann einmal würde die Familie eine echte Begabung hervorbringen. Ich möchte annehmen, dass ich da bin, denn es ist nötig, dass man an sich selbst glaubt, Denk Dir, dass ich das von mir geglaubt habe, seit ich acht Jahre alt war. Das war das Zentrale in meinem Leben, und nicht Liebe oder ein Zuhause wie für andere Frauen.“

Selma weiß früh, dass sei für die Ehe nicht gemacht ist. Diese Überzeugung hat ihren Ursprung vielleicht auch in einem Hüftschaden, an dem sie seit ihrer Geburt leidet und der Selma zeitweilig sogar lähmt. Ihr ganzes Leben lang wird sie sich etwas steif und statisch voranbewegen. „Diese Behinderung“, sagt sie, „hat mich gezwungen, stillzusitzen und in mich hineinzuschauen, und das ist der Grund warum ich Schriftstellerin wurde. Wäre ich gesund gewesen, hätte ich wohl irgendeinen Fabrikverwalter heiraten müssen.“

Wie um den Mangel an Beweglichkeit wettzumachen, entwickelte Selma schon früh ein tiefes Gespür für die Traditionen ihrer Heimat: Die Geschichten und Legenden, die direkt der wilden, weiten Natur Schwedens zu entstammen scheinen und denen sie als Kind gebannt lauscht. Ihre Großmutter gilt als erstklassige Geschichtenerzählerin „Ich erinnere mich, dass sei immer ihre Hand auf meinen Kopf legte, wenn sie ein Märchen erzählt hatte, und sagte: Und all das ist so wahr, wie ich Dich sehe und du mich siehst.“

Poesie über harte Felsen

Es ist diese Unbedingtheit, das Erzählte in Realität anzusehen, die so selbstverständlich ist wie Schwedens Wälder und Winterkälte, die die junge Selma tief bewegt und ihr Fühlen und Denken in Bahnen lenkt, die ihr ganzes Leben bestimmen werden.
Viel später, an einem Dezembertag 1909, wird sie darüber eine Rede halten – am Tag, als ihr der Literaturnobelpreis überreicht wird. Dann wird sie von der Zugfahrt zur Zeremonie nach Stockholm erzählt, während der das monotone Rattern der Räder sie in einen Tagtraum versetzt hat. Plötzlich ist da ihr Vater, der 24 Jahre zuvor gestorben war und der Familie ein heruntergewirtschaftetes Gut hinterließ, das schließlich an Fremde verkauft werden musste. Doch nicht Vorwürfe wegen des Verlustes des geliebten Marbacka bestimmten den Traum-Dialog, der auf dieser Reise zwischen Vater und Tochter geführt wird. Denn Erik Gustav Lagerlöf sollte auch derjenige sein, der seinen Kindern – Selma ist das zweitjüngste von fünf Geschwistern – alte Lieder vorsingt und sie die Liebe zur Heimat lehrt. Es sind als ihre schwedischen Wurzeln und der bäuerliche Volksglaube, denen sie das alles verdankt, was ihr nun den Nobelpreis einbringt – und genau das formuliert sie ihrem toten Vater gegenüber: „Denk nur an all diese armen heimatlosen Kavaliere, die in Deiner Jugend in Värmland umherzogen und Karten spielten und Lieder sangen. Wie viele tolle Abenteuer und Einfälle und Schmerz schulde ich ihnen! Und denk an all die Alten, die in kleinen grauen Hütten am Waldsaum saßen und von Nöck und Troll und von verzauberten Jungfrauen erzählten, die im Berg gefangen säßen. Die haben mich gelehrt, wie man über harte Felsen und schwarzen Wäldern Poesie ausbreiten kann.“
Es sind die uralten Motive, die Selma Lagerlöf mit ihrem ureigenen, einzigartigen Verständnis für das, was die Menschen bewegt, kombiniert. Selma Lagerlöf gelingt das Kunststück, von Äußerlichkeiten auf einen tieferen Inhalt zu schließen. Was für dein einen nicht mehr als Fantasie und Abenteuerhaltung, ist für Lagerlöf Teil einer Weltanschauung, eins Menschenbildes, traditionsverbunden und zukunftsorientiert zugleich. Keine andere schwedische Schriftstellerin ist ihr auf diesem Weg vorausgegangen. Selma Lagerlöf beschreitet Neuland, einzig getrieben von dem unbändigen Wunsch, einen eigenen Beitrag, eine eigene Spur im Kosmos der Geschichte ihres Landes zu hinterlassen. „Gösta Berling“ ist ihr erster Roman, den sie neben der Arbeit als Lehrerin verfasst und 1891 veröffentlicht. Die Geschichte handelt vom trunksüchtigen Pfarrer Gösta Berling, der erst durch die Liebe einer Frau geläutert wird. In so einfache wie lyrischen Worten beschreibt sie die wundersame Wandlung, die diese Persönlichkeit durchmacht. Der Roman macht Selma Lagerlöf in ganz Schweden bekannt. Einige Kritiker belächeln sie als Märchenerzählerin, weil sie die Handlung ihrer Geschichte mit regionalen Mythen, klassischen Legenden und romantischen Schilderungen versetzt. Dich hinter der scheinbaren Trivialität verbergen Selma Lagerlöfs Charaktere allesamt hochkomplexe Persönlichkeiten, die sich erst aus tiefer Schuld und Not befreien müssen, um zu einem guten Leben zu finden. „Gösta Berling“ begründet Lagerlöfs Ruf als Autorin, weil sie etwas ganz Neues in die schwedische Literatur bringt: Eine einfache, leicht verständliche Sprache, die kunstvoll verwoben ist mit dem Schatz uralter Überlieferungen. Doch erst der Auftrag der Schulbehörde, ein längst überholtes Lesebuch über Schweden durch ein modernes zu ersetzen, bringt die Schriftstellerin dazu, mit sämtlichen literarischen Konventionen zu brechen: Denn dadurch, dass sie ihr geliebtes Land von oben aus der Sicht der Wildgänse, die etwa 1000 Meter über dem Boden fliegen, betrachtet, hebt Selma Lagerlöf sämtliche Grenzen der Perspektive auf: Wir sind nicht länger Teil der Landschaft, sondern können bis zum Horizont blicken – damit verspricht Selma Lagerlöf und nicht weniger als die Unendlichkeit.

Die Sicht des Winzlings

Die Unendlichkeit der Möglichkeiten, die wir im Leben haben. Die Vielzahl von Wandlungen, der Veränderung, der wechselnden Anschauungen, die jeder Mensch durchleben kann, bis er zu dem Schluss kommt: Ja, ich hab jederzeit die Chance, mein Leben zu ändern, selbst wenn Konventionen oder äußere Zwänge dagegen sprechen. Es ist letztlich auch die Suche nach Identität, die Selma Lagerlöf stets angetrieben hat. „Wer mit sich selbst in Frieden leben will, muss sich so akzeptieren, er ist“, sagte sie einmal – ein auf den ersten Blick simpler Satz, der jedoch sehr viel aussagt über die Notwendigkeit, die eigene Vergangenheit, die eigenen Traditionen zu akzeptieren, um die Möglichkeit zu haben, sei in einem größeren Kontext zu setzen und letztlich Zufriedenheit zu erlangen. Der Junge Nils Holgersson muss erst winzig werden, um neue Dimensionen des Seins zu entdecken. Plötzlich ist er fähig, mit Tieren, der er bislang nur gequält hatte, zu kommunizieren ´, sie gleich in mehrfacher Hinsicht zu verstehen, und er ist gezwungen, sich ihnen unterzuordnen. Aus der Luft erkennt er die Zusammenhänge, die die Menschlieh Gesellschaft prägen: die Schönheit der Landschaft, aber auch die Bahnlinien, die die Wälder durchkreuzen, Industriestädte miteinander verbinden, die Kriege Schwedens, seine Landwirtschaft, seinen Bergbau, sein Schifffahrt – nichts wird beschönigt oder idealisiert. Selbst der Tod wird bei Nils Holgersson nicht ausgeklammert. Und letztendlich erzählt dieser Roman der mehr Kunstwerk als Schulbuch ist und in 40 Sprachen übersetzt wurde, auch von der größten Lektion, die ein Bauernjunge wie Nils überhaupt lernen kann: die Lektion über die Freundschaft und die Liebe, die unsere stärkste Antriebsfeder ist. Denn nur sie macht den Menschen zu dem, was er ist. Am Ende, als Nils Holgersson schließlich wieder in seine Ursprungsgröße zurückverwandelt ist, hat er nichts mehr mit dem Kind gemein, das einst mit den Gänsen zu seiner Reise aufgebrochen war: „Als er oben auf der Uferböschung ankam, wandte er sich um und betrachtete die vielen Vogelscharen, die auf das Meer hinaus flogen. Alle schrien ihre Lockrufe, nur eine Wildgansschar flog stumm davon … und der Junge spürte eine solche Sehnsucht nach dem Davonfliegen, dass er fast wünschte, er wäre wieder Däumling, der mit einer Wildgansschar über Land und Meer fliegen könnte.“
Die größte Sehnsucht seiner Erschafferin hat Nils Holgersson wahr gemacht. Mit dem Geld, das ihr der phänomenale Erfolg des Buches einbringt, kann sie Marbacka zurückkaufen, später auch alle Ländereien darum herum. Es war also tatsächlich, sie sei selbst in ihrem berühmten Roman schreibt, ein großes Glück, auf einen solchen Wichtel zu treffen.

(aus „Happinez“ von Astrid Kessler – Bauer Premium KG)

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Das freundliche Pulverfass

Frank arbeitet seit vielen Jahren an seinem spirituellen Wachstum. Er besitzt ein wunderschönes Yogastudio mitten in New York. Zu allen Besuchern des Studios ist er sehr freundlich und zuvorkommend und hilft, wo immer er kann. Selbst dann, wenn man ihn ärgert, versucht er, alles positiv zu sehen, und weiß auf alles eine Antwort aus der Bhagavadgita. Sein größter Wunsch ist es, dass seine Schüler ihn als Guru anerkennen.

Auf sensitive Menschen aber wirkt Frank schon immer wie ein geladenes Pulverfass. Dann und wann rastete er aus, etwa als zu einem Streit zwischen ihm und seiner Lebensgefährtin kam, weil sie ihn betrogen hatte. Er wurde so wütend, dass er eine Vase zerstörte und auch eine Tür eintrat. Am nächsten Morgen versuchte Frank wieder, gelassen und ruhig zu wirken. Sammy, ein indischer Yogalehrer, der damals ein Gastseminar bei Frank hielt, half ihm, die eingetretene Tür in den Keller zu tragen. Als die Männer die Kellertür öffnen wollten, klemmte sie, und als die Tür endlich offen war, ging das Licht nicht an. Frank sah ratlos zu Sammy und fragte ihn: „Was will mir das wohl sagen?“ „Hier im Kellerraum schlummert deine Wut“, gab Sammy zur Antwort. „Es wird Zeit, dass du lernst, im Keller die Tür zu ölen und das Licht zu reparieren. Auch dieser Keller gehört zu dir, nicht nur dein wunderschöner Yogaraum. Ein wahrer Guru kennt alle seine Räume – sowohl die schönen als auch die dunklen.“

 (aus Alles ist Yoga von – Doris Iding, Schirner Verlag)

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6 LEHREN AUS DER YOGAPRAXIS

Yoga basiert immer auf der konkreten Erfahrung. Nicht das, was wir lesen oder lernen, sondern das, was wir auf der Matte und dem Meditationskissen „er-leben“, wird unser Leben und Denken nachhaltig prägen. Und manches davon kann uns vielleicht auch dabei helfen, besser mit den Herausforderungen unserer Zeit umzugehen.

1.    Veränderung ist möglich

Dass sich Dinge zum Guten wandeln können, ist die Grundannahme im Yoga. Ohne sie würden wir wohl nicht auf die Matte gehen. Und es stimmt: Auch in Körperregionen, wo ich lange unbeweglich war, kann Mobilität entstehen. Selbst wenn ich in einer Stunde ungeduldig oder im Widerstand bin, kann Hingabe und Freude wachsen. Diese Erfahrung hilft, durch Höhen und Tiefen hindurch Zuversicht zu entwickeln und am Ball zu bleiben.

Warum also sollten wir uns angesichts der Klimakrise dem Wahn hingeben, das System sei unvergänglich, der Mensch nun mal gierig und egoistisch und die Kathastrophe unausweichlich? Auch wenn die globalen Probleme unfassbar viel größer sind als unsere „kleine Praxis, wir dürfen uns daran erinnern, dass Veränderung das Wesen alles Lebendigen ist und dass der Kern des Guten immer da ist.

 

2.    Wir brauchen fast nichts – aber wir müssen etwas tun.

Einer der großen Vorzüge von Yoga ist, dass es mit so wenig auskommt. Niemand würde ernsthaft annehmen, man bräuchte besondere Klamotten, weite Riesen oder ein extraschickes Studio, um den sprichwörtlichen „Yoga-Bliss“ zu erleben. Im Gegenteil: Je weniger uns im Außen bindet, umso besser gelingt Verbindung und wir erleben dankbar: Alles, was ich wirklich brauche, ist da! Was dagegen sehr wohl nötig ist, ist das Tun: Nur wenn wir auf die Matte gehen und uns auf die Praxis einlassen, kann etwas mit uns geschehen.

Genauso können wir uns auch jenseits der Matte kritisch fragen: Was brauche ich wirklich zu einem guten Leben? Was ist überflüssig und vielleicht sogar schädlich? Wo treibt mich Gier? Und was kann ich konkret tun (bzw. lassen), damit ich selbst und alle anderen Wesen auch in Zukunft gut leben?

 

3.     In Gemeinschaft geht es besser. (Auch das wird wiederkommen.)

Alleine zu üben oder zu meditieren, ist wunderbar, doch gerade in der Gemeinschaft geschehen oftmals kleine Wunder: Wenn wir müde und lustlos sind, kann uns die Energie der Gruppe durch die Stunde tragen. In Beziehung und Resonanz zu anderen Yogis lernen wir Dinge, auf die wir sonst nicht so leicht gestoßen wären. Und wenn sich die Konzentration von vielen Meditierenden im Raum potenziert, dann stoßen wir ganz mühelos in ungeahnte Tiefen vor.

Gerade wenn Sie mal wieder zermahlen werden zwischen dem Gefühl von Hilflosigkeit und dem Versuch, alles jeden Tag ein bisschen umweltfreundlicher und nachhaltiger zu machen: Machen Sie sich bewusst: Niemand muss die Welt im Alleingang retten. Gemeinsam mit Gleichgesinnten fällt es viel leichter, halt und Orientierung zu finden und sinnvoll zu handeln.

 

4.    Lösung geschieht immer in Hinwendung.

Natürlich kann man ungeliebte Übungen einfach ausklammern, Schmerzen ignorieren, sich durch eine schwierige Sequenz hindurchmogeln oder seinen Körper verfluchen, weil er bei bestimmte Asanas nicht so hinbekommt, wie man es gerne hätte. In der Yogapraxis lernen wir aber auch immer wieder, was alles möglich ist, wenn wir uns dem, was sich da zeigt, aufmerksam und liebevoll zuwenden: Es verändert sich, wird klarer und irgendwann auch leichter.

Auch mit Blich auf die Umweltkrise gilt: Sie geht nicht davon weg, dass wir sie verdrängen. Sie wird auch nicht besser, wenn wir ängstlich irgendwie weiterwursteln oder empört mit dem Finger auf andere zeigen. Indem wir aber nicht ausweichen, uns hinwenden und versuchen, die Lage und unser eigenes Verhalten ehrlich zu betrachten, entsteht Raum sich auszurichten und zu handeln.

 

5.    Wir brauchen Stabilität und Offenheit

Aus der Asana-Praxis kennen wir Patanjalis Prinzip sthira sukham asanam: Die Haltung soll stabil und leicht zugleich sein. Erst in dieser Ausgewogenheit aus Kraft und Öffnung, Tun und Hingabe kommen die Energien in Fluss und wir finden eine Tiefe, die uns trägt und befriedigt.

Gerade wenn wir großen Herausforderungen gegenüberstehen, hilft uns diese Balance: Wir brauchen Stabilität, um die Situation erst einmal auszuhalten und nicht in Angst, Panik und Lähmung zu verfallen. Und wir brauchen Offenheit, Mitgefühl und eine Verbindung zum Herzen, damit wir die drängenden Probleme nicht von uns abspalten und verdrängen, sondern Klarheit und eine stimmige Haltung zu ihnen entwickeln.

 

6.    Es geht um Verbundenheit.

Der Begriff Yoga kommt aus derselben wortgeschichtlichen Wurzel wie das englische Verb to join und das französische joindre: Es bedeutet verbinden. Und wenn man genauer hinspürt, dann weiß man auch: Das ist es, was wir in der Praxis eigentlich suchen und was uns an ihr so beglückt – das Gefühl, mit unserem Inneren und der Welt um uns herum verbunden und im Reinen zu sein. Alles andere, die Übungen, die Achtsamkeitspraxis, die kleinen und großen Fortschritte, die Auseinandersetzung mit der Lehre, sind nur Hilfsmittel auf dem Weg dorthin.

Aus diesem Blickwinkel betrachtet wird klar: Auf einer tieferen Ebene ist die Krise unserer Zeit auch eine spirituelle Aufgabe. Könnten wir als Menschheit die Ilusion des Getrenntseins überwinden und unsere universelle Verbundenheit deutlicher wahrnehmen, dann würden die Probleme, denen wir gegenüberstehen, an ihre Wurzeln zurückgeführt. Tat Twan Asi (das bist du) träte an die Stelle von Raubbau, Zerstörung und Ausbeutung. Eine Utopie? Vielleicht. Aber immerhin eine Richtung, in die wir uns bewegen und auf die zu wir uns entwickeln können.

 

(aus Yoga - Nr.2 März/April 2020 von Stephanie Schauenburg – well media GmbH Verlag)

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Die 7 Geheimnisse der Schildkröte (Kurma)

Innerlich loslassen

Hier geht es darum, Seelenballast abzuwerfen. Natürlich sind die drei Schritte letztlich nicht voneinander zu trennen: Den Körper zu entspannen (Schritt 1) und sich regelmäßig Erholungsphasen zu gönnen (Schritt 2), das hilft auch dabei innerlich loszulassen. Und wer es umgekehrt schafft, sich von belastenden Gedanken und Gefühlen zu befreien, wird automatisch weniger Verspannungen und bessere Nerven haben.

Kurma spricht: „Wer die Welt zu lenken und zu erobern trachtet, der kommt an kein Ende und kann doch niemals siegen. Die Welt folgt ihrem eigenen Lauf. Wer eingreift, zerstört es. Wer festhält verliert es.“

Wir alle versuchen in irgendeiner Weise, die Welt zu lenken – natürlich nicht in dem Sinne, dass wir und deshalb unbedingt aktiv in der Politik engagieren oder uns gar zum Staatsoberhaupt wählen lassen wollen: Doch seine eigene, kleine Welt möchte wohl jeder von uns gerne im Griff haben.

Ob wir uns beruflich verändern wollen, ein Haus bauen möchten, uns eine saubere Umwelt wünschen oder auch nur darauf beharren, dass unser Partner seine Zahnpastatube endlich ordentlich zusammenrollt – jeder von uns hat bestimmte Wünsche und verfolgt seine Ziele. Manchmal ist es ja auch wirklich das Beste, aktiv zu werden und Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Es gibt jedoch auch viele Situationen, in denen es nur eine Möglichkeit gibt, Probleme zu lösen – und die besteht darin, den Dingen ihren Lauf zu lassen.

Auch wenn der Wunsch, sein Leben im Griff zu haben, verständlich ist, so ist er doch auch unrealistisch. Die entzieht sich unserer Kontrolle. Selbst mächtige Herrscher kommen und gehen, ohne dass sie die Welt jemals wirklich in ihre Gewalt gebracht hätten. Und man kann noch von Glück sagen, wenn sie sie nicht wesentlich schlechter zurückgelassen haben, als sie sie vorfanden.

Den Lauf der Erde können wir nicht beeinflussen, und genau genommen haben wir nicht einmal Einfluss darauf, ob unser Auto morgens anspringen wird oder nicht. Wenn unsere Macht so begrenzt ist – warum dann nicht einfach loslassen und sich entspannen?

Kurma spricht: „Besser zur rechten Zeit loslassen, als das Maß überschreiten. Tun, was zu tun ist, um sich dann zurückzuziehen – das ist die Weisheit des Himmels.“

Natürlich müssen wir uns um unsere Pflichten kümmern, doch das ist kein Grund, Säcke voller Ballast mit uns herumzutragen. Ist eine Aufgabe erledigt, können wir uns einfach der nächsten zuwenden. Ist ein Schritt getan, sollten wir ihn völlig vergessen und uns auf den nächsten konzentrieren. Auf diese Weise können wir von Schritt zu Schritt loslassen, ohne allzu viel zu erwarten.

Ein wenig Übung in der Kunst des Loslassens kann mehr Probleme lösen als tausend übers Knie gebrochene Bretter. Das Gefühl dafür zu entwickeln, wann die reche Zeit zum Loslassen gekommen ist, erfordert zwar etwas Feingefühl – im Zweifelsfall ist es aber immer besser, loszulassen als festzuhalten.

Apropos loslassen: Vielleicht trennen Sie sich ab und zu gern von alten Büchern, von Kleidern, die Sie nie mehr anziehen, oder Gegenständen, die Sie nicht mehr brauchen. Dann wissen Sie auch, wie befreiend sich das anfühlt. Inneren Ballast abzuwerfen ist jedoch noch tausendmal erleichternder, denn mit jedem Sandsack, den Sie abwerfen, kann Ihr Heißluftballon leichter in den Himmel fliegen.

Es gibt viele unsichtbare Sandsäcke, die unsere Gedanken, Gefühle und Vorstellungen beschweren. Auch wenn sie unsichtbar sind, können wir sie doch erkennen, und zwar daran, dass sie uns oft geradezu dazu zwingen, in festen Mustern zu denken oder zu handeln. Anders gesagt: Es sind unsere schlechten Gewohnheiten, die uns auf unsere Fixierungen hinweisen.

Zu dieser Art von seelischem Ballast gehören beispielsweise

·       die Abhängigkeit von Alkohol, Zigaretten, Drogen, Beruhigungsmittel oder Aufputschmittel

·       zwanghafte sexuelle Wünsche oder Vorstellungen

·       Fixierung im Bereich der Ernährung – etwa die Lust, ständig Süßes zu essen oder insgesamt zu viel oder zu wenig zu essen.
         ob Übergewicht oder Magersucht: Letztlich ist es immer die Seele, die Essstörungen verursacht.

·       Konsum-, Arbeits-, Spiel-, Fernseh-, oder Internetsucht.

·       Schlechte Denkgewohnheiten und charakterliche Schwächen wie Neid, Geiz, Hass, Gier, Machtstreben, Geltungsdrang,
         übertriebener Ehrgeiz, Rachsucht oder Verärgerung.

·       die Angewohnheit, andere (oder sich selbst) zu beurteilen und verurteilen.

·       Perfektionismus, Schönheitswahn, Leistungsdenken oder Konkurrenzkampf.

Als Kurma einmal durch die steinigen Hügel spazierte, gesellte sich Sindhu, der Esel, zu ihr. Schweigend ging er lange neben ihr her. Schließlich sprach er: „Kurma, liebe Meisterin, nun habe ich die Steifheit aus meinem Körper verbannt und gelernt, meinen Atem zu nutzen – und doch ist mir heute alles gründlich misslungen.“ Nachdem Kurma nichts erwiderte, fuhr Sindhu fort: „Als ich heute erwachte, schien die Sonne so schön, daher weckte ich Yala, meine kleine Tochter. Eigentlich wollte ich sie nur überreden, mit mir einen Spaziergang zur grünen Wiese zu machen, aber die störrische kleine Eselin weigerte sich, auch nur einen Fuß vor den anderen zu setzen. Als sie gar nicht hören wollte, habe ich sie schließlich angebrüllt – doch jetzt ist sie beleidigt und seither ist dicke Luft im Stall.“ Kurma blieb stehen, schaute Sindhu lange an und sprach: „Sindhu, mein Lieber, nicht alles lässt sich durch die Kunst der Entspannung oder die Zügelung des Atems erreichen. Willst du wieder gute Luft, so biete Yala eine große Wiese an.“  „Das verstehe ich nicht!“, sprach Sindhu. „Gerade auf die Wiese wollte ich doch mit ihr.“ Kurma erwiderte: „Jemanden irgendwohin zerren, das bedeutet nicht, ihm eine große Wiese anzubieten. Diejenigen, die wir lieben, loszulassen – das trifft es eher.“ Sindhu blickte zweifelnd drein und sprach: „Den Ärger über einen Wespenstich loslassen, das lasse ich ja gelten. Aber meine eigene und einzige Tochter – wie könnte ich sie jemals aufgeben?“ Daraufhin antwortete Kurma: „Wenn diejenigen, die du liebst, Schutz und Geborgenheit brauchen, so gib sie ihnen. Wenn diejenigen, due du liebst, indes Freiheit und Raum brauchen, so gib sie ihnen. Jemanden in Liebe begleiten, ohne seinen Fluss zu stören, das bedeutet, ihm eine große Wiese anbieten.“ Als Kurma gesprochen hatte, ging Sindhu nachdenklich von dannen.

Auch der Wunsch, andere Menschen beeinflussen zu wollen, ist eine Form von innerem Ballast. Die Folgen können fatal sein – vor allem wenn es nahestehende Menschen sind, die wir kontrollieren möchten, wie etwa unser/e Partner/in, unsere Kinder oder enge Freunde. Jeder von uns hat seinem eigenen Weg zu folgen – und auch wenn es für uns nicht immer den Anschein hat, weiß doch jeder im Grunde seines Herzens sehr wohl, wie der richtige Weg für ihn aussieht. Den anderen so zu akzeptieren, wie er ist, und dabei auch zu erkennen, dass die Umwege, die er gehen mag, einfach zu ihm gehören, kann ihn und uns von ungeheurer Last befreien.

Loslassen ist wichtig, um den Gipfel mit möglichst wenig Gepäck zu erreichen zu können. Wenn es uns (verständlicherweise) schon nicht gelingt, uns ganz und gar von unseren Anhaftungen zu befreien, sollten wir uns zumindest darum bemühen, Belastendes auf ein Minimum zu reduzieren. Hier und da ein paar Steine wegwerfen -auch das ist eine Möglichkeit, unseren Rucksack im Laufe der Zeit zu leeren: Etwas mehr Nachsicht gegenüber unseren Kindern oder Nachbarn, ein wenig mehr Abstand zu unserem Neid, eine Abend ohne Fernsehen oder einfach auch nur ein Stück Sachertorte weniger – es gibt so viel kleine und große Gelegenheiten, um loslassen zu üben.


Übung: Innehalten und loslassen

Die folgende Übung hilft Ihnen dabei, klar zu sehen, woran Sie festhalten und das dann loszulassen. Sie besteht aus zwei Schritten:

1.     Innehalten und beobachten und

2.     Loslassen negativer Gedanken- und Gefühlsmuster:

 

1.     INNEHALTEN UND „STOPP!“ SAGEN

Gedanken und Gefühle haben die Eigenschaft, ständig in Bewegung zu sein. Das kann lästig werden, wenn ein Thema massiv auftritt oder wir in Grübelei verfallen. Ob Eifersucht, Wut, heftige Begierde, Konkurrenzdenken, Ängstlichkeit oder das Gefühl von Minderwertigkeit – wie auch immer die Passagiere aussehen, die Sie in Ihrem Gedankenkarussell herumfahren, Sie sollten lernen, innerlich STOPP! zu sagen.

Negative Gedanken- und Gefühlskreisläufe können durch diese einfache Methode gut durchbrochen werden. Wichtig dabei ist, dass Sie nicht aufgeben „STOPP!“ zu sagen, bevor Ihre ´Passagiere´ abspringen. Anfangs werden Sie also oft „STOPP!“ sagen müssen, doch irgendwann geben die Kreisgedanken auf.

 2.     BEWUSST LOSLASSEN

Sobald Sie seelische Belastungen dingfest machen konnten, sollten Sie ihnen einen Namen geben – etwa „Sucht“, „Sicherheitsdenken“, „Geld“, „Angst vor Krankheit“ oder was auch immer es sei. Nachdem Sie eine dieser Fixierungen durch Selbstbeobachtung erkannt und dann innerlich „STOPP!“ gesagt haben, beginnt der zweite Teil der Übung: Setzen Sie sich bequem und aufrecht hin, schließen Sie die Augen und stellen Sie sich vor, wie Sie das, woran Sie innerlich festhalten – nehmen wir beispielsweise ´Wut´ - symbolisch in Ihre rechte Hand nehmen. Umschließen Sie die ´Wut´ fest in Ihrer rechten Faust. Spannen Sie dann Ihre Muskeln an. Versuche Sie, sich sogar richtig zu verkrampfen, indem sie mit den Zähnen aufeinanderbeißen, Ihr Gesicht zusammenkneifen und die Schultern hochziehen.

Atmen Sie jetzt tief ein, atmen Sie dann tief aus und denken Sie beim Ausatmen: „Ich lasse … (in unserem Beispiel: ´meine Wut´) jetzt los!“ Öffnen Sie dabei die Faust, schütteln Sie die Hand aus und entspannen Sie die Schultern, Nacken und Gesicht schlagartig. Wiederholen Sie das noch zwei- bis dreimal: Denken Sie nochmals an die Eigenschaft, sie Sie loslassen möchten, nehmen Sie sie in Ihre Hand, machen Sie eine feste Faust, spannen Sie die Muskeln an und dann – ausatmen, entspannen und vollkommen loslassen.

 Kurma spricht: „Zur Ruhe kommen – das heißt heimkehren ins wahre Selbst.“

 Es gibt drei häufige Barrieren, die uns den Zugang zu unserm inneren Energeiquellen versperrt: Hektik und Eile in all den kleinen Dingen des Alltags, Konkurrenz- und Leistungsdenken und übertriebene Geschäftigkeit. Der Weg daraus: entspannen, zur Ruhe kommen und innerlich loslassen. Der Atem kann auf diesem Weg zu einem wertvollen Lehrer werden.

 

(aus Die 7 Geheimnisse der Schildkröte von Aljoscha Long/Ronald Schweppe – Heyne Verlag)

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Die 7 Geheimnisse der Schildkröte (Kurma)

Kurmas vier befreiende Einsichten

1.     Jeder von und ist der Suche nach Glück – ob er das nun weiß oder nicht

2.     Die meisten suchen ihr Glück in äußeren Dingen, und machen dabei oft bittere Erfahrungen

3.     Die Tür zum Glück geht nach innen auf.

4.     Frieden und Geborgenheit können wir nur in uns selbst finden. Doch auch wenn es nur ein Innen gibt, gibt es doch viele Pfade, die hineinführen.


Aus Kurmas Übungen: Mentale Allergene erkennen

Allergene sind Stoffe, die bei Allergikern heftige Reaktionen hervorrufen können, ganz gleich ob es sich dabei um Pollen, Hausstaub, oder Erdnüsse handelt. Bei anderen Menschen haben diese Stoffe keine Reaktion zur Folge. Genauso ist das bei mentalen Allergieauslösern – bei bestimmten Situationen oder Menschen, die uns gedanklich oder emotional auf völlig unangemessene, übertriebene Weise reagieren lassen.

Die folgenden Fragen helfen Ihnen herauszufinden, was Sie am meisten aus der Ruhe bringt. Was lässt Sie in die Luft gehen? Was bringt Sie auf die Palme? Wann liegen Ihre Nerven blank? Um Gelassenheit zu entwickeln, ist es wichtig, erst einmal zu entdecken, wo die eigenen Schwachstellen liegen. Stellen Sie sich dazu die jeweiligen Probleme, die auf der folgenden Liste stehen, möglichst detailliert vor. Beantworten Sie für sich dann ganz ehrlich die Fragen, ob Sie auf die jeweilige Situation

a, gelassen

b, gleichgültig

c, leicht verändert oder

d, geradezu allergisch reagieren und aus der Haut fahren

Jedes C und D lädt Sie ein, das jeweilige Problem etwas genauer unter die Lupe zu nehmen und sich in Zukunft in diesen oder ähnlichen Situationen noch genauer selbst zu beobachten, um herauszufinden, wo das wirkliche Problem, die wirkliche Ursache für Ihre „Allergie“ liegt.

 

Hier ein paar Beispiele für mögliche mentale Allergieauslöser und zugrunde liegende Ursachen:

Sie stehen in der Post. Da es sehr voll ist, müssen Sie vor dem Schalter lange in der Schlange stehen. (Problem: Ungeduld)

Sie liegen nachts im Bett, während draußen die Polizeisirenen erklingen oder Nachbarn laut mit den Autotüren schlagen. (Problem: Lärmempfindlichkeit)

Sie sitzen am Frühstückstisch und streiten sich mit Ihrem Partner über alltägliche Probleme. (Problem: Harmoniebedürftigkeit)

Eine Kollegin liegt mit Grippe im Bett. Nun sollen Sie zusätzlich zu Ihrer eigenen Arbeit auch noch Teile ihrer Aufgaben mit erledigen. (Problem: Überlastung)

Sie schaffen es nicht, Ihre Steuererklärung rechtzeitig abzugeben. (Problem: Pflichtbewusstsein)

Ihr Kind bringt ein katastrophales Zeugnis mit nach Hause. (Problem: Ehrgeiz, Zukunftsängste)

Sie sitzen im Wartezimmer Ihres Zahnarztes und werden als Nächstes an der Reihe sein. (Problem: Angst)

Ihr Mann (Ihre Frau) trifft eine alte Schulfreundin (einen Schulfreund) und die beiden flirten ungeniert miteinander. (Problem: Eifersucht)

Ihre Nachbarn erzählen Ihnen, dass sie bald ausziehen werden, da die sich endlich ihren Wunsch erfüllen konnten und sich ein Haus im Villen-Vorort gebaut haben. (Problem: Neid)

 

Sie haben bislang festgestellt, dass es in der Welt an Gelassenheit fehlt – doch die Ursachen dafür liegen im Grunde nicht in der Welt, sondern in uns: Vor allem Ungeduld, Neid, Leistungsdenken oder die Identifikation mit der eigenen Meinung lassen uns die Gelassenheit vergessen. Der erste Schritt, die Gelassenheit wiederzufinden, besteht darin, die Ursache zu verstehen.

Was hindert und eigentlich daran, gelassen zu reagieren? Da gibt es natürlich alle möglichen Gründe – etwas Ungeduld, Neid, Leistungsdenken. Oder auch die Identifikation mit der eigenen Meinung nach dem Motto: „Ich sehe das so, und deshalb stimmt das auch so, basta!“ – eine Einstellung, die es unmöglich macht, auch andere Ansichten anzuerkennen und zu tolerieren.

Nicht nur Sturheit, auch Nervosität oder ein cholerisches Temperament machen es einem schwer, gelassen bleiben. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Überlastung, die viele von uns empfinden. Tendenziell neigen die meisten von uns dazu, sich in allzu viele Aktivitäten zu verstricken. Wir sind Dauerbeschäftigte – sowohl im Beruf als auch in der Familie oder wenn es darum geht, unseren sozialen Pflichten nachzukommen.

Doch was genau steckt hinter alldem? Was ist das zugrunde liegende Prinzip, das Nervosität, Neid, Ärger, Streitsucht oder Verzweiflung letztlich überhaupt erst möglich macht?

Kurma spricht: „Dem Blick, der frei von Anhaftungen ist, enthüllt sich das innere Licht. Der Blick, der vom Anhaften gefesselt ist, ist von Dunkelheit und Nebel umhüllt.“

Eine Grundaussage der fernöstlichen Philosophie lautet, dass es das Anhaften ist, das all unsere Schwierigkeiten verursacht. Doch was bedeutet „anhaften“? Mit Klebstoff oder Kontaktlinsen hat der Begriff wenig zu tun. Vielmehr ist hier das innere Anhaften gemeint, das man auch „Festhalten“ oder „Begehren“ nennen könnte.

Damit der Geist still werden kann und nicht mehr zum Opfer der jeweiligen Einflüsse wird, müssen wir ihn vom Anhaften – also aus seiner Haft – befreien. Übrigens halten wir uns nicht nur an angenehmen Dingen fest – wir „kleben auch an Unangenehmem. Alles, was unsere Gedanken, Gefühle und Vorstellungen an bestimmte Objekte kettet, macht und unfrei – ganz gleich, ob es nun schöne oder unfreundliche Objekte sind, die uns fesseln.

Zum „positiven“ Anhaften gehört alle Dinge, die wir uns wünschen, nach denen wir und sehnen oder die in unserer Vorstellung positive Gefühle wecken. Dazu gehören beispielsweise

·       Geld, Besitz, Reichtum,

·       Jugend, Schönheit, Vitalität,

·       Menschen, die uns lieb sind,

·       Gesundheit und ein langes Leben,

·       Wohlbefinden und angenehme Erfahrungen,

·       unser Image und unser Ansehen,

·       sexuelle und kulinarische Genüsse.

Zum „negativen“ Anhaften gehören alle Dinge, vor denen wir Angst haben oder die wir vermeiden wollen, da sie in unserer Vorstellung düstere Gefühle wachrufen. Dazu gehören etwa

·       Der Tod,

·       Krankheiten,

·       Alter,

·       finanzielle Probleme, Armut oder Not,

·       Feinde oder Menschen, die wir nicht mögen

·       Verluste oder Trennung von dem, was uns wichtig ist,

·       Gewalt, Kriege und Umweltzerstörung.

Letztendlich ist Anhaftung jedoch immer leidvoll – selbst in seinen „positiven“ Aspekten. Ein Verliebter schwebt auf rosaroten Wolken und hat nur noch Augen für seine Liebste, doch sein Geist ist so sehr gefangen, dass er nichts anderes mehr wahrnimmt, das Liebe ja bekanntlich blind macht. Darüber hinaus ist dieser rauschhafte Zustand sehr vergänglich, und so tauchen oft schon aus den ersten Wogen der Liebe Sorgen um die Zukunft auf. Nicht zuletzt aber ist das, was wir begehren, auch nicht immer gut für uns: Eine Motte, die das Licht sucht, kann leicht verbrennen, wenn Sie statt der wärmenden Lampe das Feuer als Lichtquelle wählt.

Kurma spricht: „Die Dinge betrachten, ohne sie besitzen zu wollen – das ist der Weg zur Ruhe. Zusehen, sie die Menschen wachsen, ohne einzugreifen – das ist der Weg der Gelassenheit. Im Loslassen der zehntausend Dinge sich selbst gewinnen – das ist der Weg der Weisheit.“

„Wie können wir Gelassenheit entwickeln?“ – das ist natürlich die entscheidende Frage. Wie können wir Neid, Wut, Aufgeregtheit, Ungeduld oder Verbissenheit überwinden? Letztlich immer nur, indem wir loslassen. Und das Wichtigste, was es dabei loszulassen gilt, ist unser Ego – oder genauer gesagt, diejenigen Aspekte unseres Ichs, die uns den Weg zur Freiheit verstellen.

Ob wir und darüber aufregen, das unser Essen im Restaurant auf sich warten lässt, unsere Arbeit nicht gewürdigt wird oder wir morgens einen Pickel auf unserer Stirn entdecken – letztlich ist es immer die Illusion, dass alles nach unserer Vorstellung laufen sollte, die die Widerstände gegen das Leben erzeugt.

 (aus "Die 7 Geheimnisse der Schildkröte" von Aljoscha Long/Ronald Schweppe – Heyne Verlag)

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Jemand kommt aus Marokko

Jemand kommt aus Marokko und erzählt mir eine witzige Geschichte darüber, wie bestimmte Wüstenvölker die Erbsünde sehen.

Eva ging durch den Garten Eden, als die Schlange sie ihr näherte. „Iss diesen Apfel“, sagte die Schlange. Eva, die von Gott wohl vorbereitet worden war weigerte sich.

„Iss diesen Apfel“, ließ die Schlange nicht locker, „Denn du musst noch für deinen Mann noch schöner werden.“

„Das brauche ich nicht“, entgegnete Eva. „Denn er hat keine andere Frau neben mir.“

Da lachte die Schlange. „Selbstverständlich hat er eine.“ Und weil Eva ihr nicht glauben wollte, führte die Schlange sie auf einen Hügel, wo es einen Brunnen gab.

„Sie ist in der Höhle. Adam hält sie dort versteckt.“

Eva beugte sich darüber und sah das Spiegelbild einer schönen Frau um Wasser des Brunnens. Und aß den Apfel, den die Schlange ihr anbot.

Demselben Stamm aus Marokko zufolge kehrte nur derjenige wieder ins Paradies zurück, der sich im Spiegelbild des Brunnens erkennt und sich selbst nicht mehr fürchtet.

(aus Sei wie ein Fluss der still die Nacht durchströmt, von Paulo Coelho – Diogenes Verlag)

 Sich zu erkennen ist das Eine, aber zu wissen, wie man in bestimmten Situationen reagiert ist wieder eine etwas ganz anderes. Ich glaube, dass man sich viel vornehmen kann, wenn man aber dann wirklich in der Situation ist, kann es sein, dass so spontan entschieden werden muss, dass nur noch ein Impuls zum Reagieren reicht. Oder es kommen neu Gedanken dazu, die man noch gar nicht bedacht hatte. Es kann auch sein, dass dann doch Ängste siegen. Und ohne in der Situation zu stecken, erlauben wir uns oft aus eigener Selbstherrlichkeit über Menschen zu entscheiden. Man kann sich nur seine eigenen Gedanken machen, aber ein Urteil steht uns nicht zu und schon gar keine Verurteilung. Und sich in einer entspannten Zeit mit sich zu beschäftigen und sich zu spüren, mit allen Schwächen und Stärken ist auf jeden Fall gut. Meist flüchten wir vor unseren unangenehmen Seiten in Ablenkung und Zerstreuung, um nicht hinschauen zu müssen und schon gar nicht, um nicht zu spüren. Doch auch Fehler, Ängste und mancher Makel und Mangel gehört zu uns. Wenn wir auch um unsere Fehler und Schwächen wissen und diese uns auch bewusst sind, können wir uns über unsere Stärken um so mehr freuen und aus unserer ganzen Fülle leben. Ein Leben, das von Zufriedenheit und Freude geprägt sein darf, auch wenn nicht immer alles glatt läuft. Denn eins ist gewiss, das tut es bei niemanden, da kann er sich noch so eine Scheinwelt nach außen aufbauen.

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ENTSPANNEN – LOSLASSEN

Leid entsteht, weil wir das, was jetzt ist, nicht wollen oder weil wir jetzt schon Angst haben, das Glück wieder zu verlieren. Gas Geheimnis von Glück ist, das, was jetzt gerade ist, zu akzeptieren und das Beste daraus zu machen.  Es wird vorbeigehen, und etwas Neues wird entstehen. Doch das Leben wird so viel schöner, wenn wir nicht ständig warten, dass irgendwas vorbeigeht. Jeder Moment hält etwas für uns bereit – vielleicht eine Einsicht, ein Lächeln, einen neuen Gedanken, einfach nur einatmen und ausatmen oder einmal mehr loslassen.

Das Leben ist jetzt. Glück ist in jedem Moment da. Ebenso wie Liebe in jedem Moment da ist. Sie sind nie weg. Wir sehen sie nur nicht mehr, weil wir uns in unserem Kopf lieber an einer Vorstellung festhalten wollen, wie das Leben sein soll, anstatt das, was ist, liebevoll anzunehmen. Frieden entsteht, wenn wir aufhören zu kämpfen. Glück zeigt sich, wenn wir es zulassen.

 Jeden Morgen frage ich mich: Was kann ich heute tun, um Freude, Leichtigkeit und Vertrauen zu fühlen? Was kann ich dafür tun? Wie kann ich anderen Menschen diese Gefühle schenken? Kein Verschieben mehr, kein Warten mehr auf das Glück im Morgen. Einfach jetzt damit anfangen. Heute das leben, was du dir für deine Zukunft wünschst.

 Mantra zum Loslassen:

Beim Einatmen: Entspannen

Beim Ausatmen: Loslassen

(Rise up & shine by Laura Malina Seiler – Rowohlt Taschenbuch Verlag 2019)

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Es war einmal eine Ente, die hatte vier Eier gelegt. Während sie noch brütete, schlich sich ein Fuchs ans Nest heran und tötete die Ente. Bevor er die Eier auffressen konnte, wurde er gestört und suchte das Weite, die Eier blieben allein im Nest zurück.

Eine Bruthenne kam gackernd vorbei und entdeckte das verlassene Gelege. Instinktiv setzte sie sich drauf, um die Eier auszubrüten.

Es dauerte nicht lang, da schlüpften die Entenküken aus, und selbstverständlich hielten sie das Huhn für ihre Mutter und spazierten bald in Reihe hinter ihm her. Die Henne, stolz auf ihre jüngste Brut, nahm sie mit zum Bauernhof.

Jeden Morgen nach dem ersten Hahnenschrei begann Mama Henne auf dem Boden zu scharren, und die Entlein zwangen sich dazu, es ihr gleichzutun. Da es den Entlein nicht gelingen wollte, auch nur einen einzigen Wurm aus dem Boden zu picken, versorgte die Mama sämtliche Küken mit Nahrung, sie teilte jeden Regenwurm in Stücke und steckte sie ihren  Kindern in die breiten Schnäbel.

Tag um Tag ging die Henne mit ihrer Brut rund um den Bauernhof spazieren. Diszipliniert und in Reih und Glied folgten ihr die Küken.

Einmal am See angekommen, warfen sich die Entlein gleich ins kühle Nass, als hätten sie nie etwas andres getan, während die Henne verzweifelt am Ufer gackerte und sie anflehte, aus dem Wasser zu kommen.

Munter plantschen die Entlein umher, und ihre Mutter flatterte nervös mit den Flügeln und heulte aus Angst sie könnten ertrinken.

Vom Gegacker der Henne angelockt, erschien der Hahn und erfasste die Situation mit einem Blick. „Auf der Jugend ist kein Verlass“, war sein Verdikt. „Leichtsinnig, wie sie nun einmal ist.“

Eins der Entlein, das den Hahn gehört hatte, schwamm zu ihnen ans Ufer und sagte: „Gebt uns nicht die Schuld an eurem eigenen Unvermögen.“

Denk nicht, dass die Henne falsch gehandelt hat. Richte nicht über den Hahn. Halte die Entlein nicht einfach für trotzig und übermütig.

Keiner von ihnen ist im Irrtum. Sie betrachten nur jeder die Realität von unterschiedlichen Standpunkten aus

„Der Taube wird die Tanzenden immer für Verrückt halten.“

(Komm, ich erzähl dir eine Geschichte von Jorge Bucay, Ammann Verlag)

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Das Geschenk eines jeden Tages – ein Gedankenspiel

(Zwei Rikscha-Fahrer in Dehli im Gespräch.)

„Es schenke dir jemand 86.400 Euro. „Warum sollte jemand das tun?“ „Stell es dir einfach vor. Sagen wir, er hat gute Laune und deswegen tut er es. Dann kommt jemand und stiehlt von den 86.400 Euro 10 Euro. Er klaut sie dir und läuft weg. Und zwar viel schneller als du, sodass du ihn nicht mehr einholen kannst, du weißt die 10 Euro sind weg!“

„Hmm… in meiner Rikscha bin ich sehr schnell und ich kenne Dehli wie meine Westentasche. Aber okay: Ich schaffe es nicht ihn zu fangen!“, sagt er grinsend.

„Würdest du die übrigen 86.390 Euro wegschmeißen und dich den ganzen Tag über die verlorenen 10 Euro ärgern?“

„Ja, na klar“, ist der erste Gedanke. Aber nach einem kurzen Moment sagst du dann: „Nee, natürlich nicht. Ich würde die 10 Euro abhaken und die übrigen 86.390 Euro genießen. Ich würde meine Rikscha aufrüsten und dann in Urlaub fahren. Nach Australien oder sonst wo hin, wo ich schon immer mal hinwollte. Und …“

„Okay, okay“, lache ich „ich glaube dir, dass du viele Ideen hast, was du mit dem Geld machen würdest. Und weißt du was? Du hast heute tatsächlich 86.400 geschenkt bekommen.“

Der Fahrer schaut mich spöttisch an und meint trocken: „Hmm.. genau. Wenn das so wäre, dann wäre ich jetzt schon auf dem Weg ins Reisebüro!“

„Du hast mir nicht genau zugehört, mein Freund…“, sage ich. „..ich habe gesagt: Du hast heute 86.400 bekommen. Nicht 86.400 Euro, sondern 86.400. Und zwar 86.400 Sekunden.
Der Tag hat 24 Stunden … und das sind 86.400 Sekunden. Die bekommen wir jeden Tag geschenkt. Wie im Lotto.“

„… und was willst du mir jetzt damit sagen?“, fragte er anscheinend ernsthaft interessiert.

Ich beginne zu erklären: „Um 0 Uhr hat jeder von uns 86.400 Sekunden geschenkt bekommen. Währen es 86.400 Euro, dann wüsstest du am Abend genau, was du mit jedem Euro angestellt hast.  Aber wir haben kein Geld geschenkt bekommen, sondern Zeit. Und jetzt liegt es an uns, jede einzelne Sekunde gut zu investieren. Der Mensch der dich vielleicht angeschrien oder geärgert hat, hat … hat dir 10 Sekunden geklaut. Die sind weg. Hake sie ab. Nutze nun die übrigen 86.390 Sekunden, so wie du auch die 86.390 Euro für deine Träume genutzt hättest.“

„Joar… da hast du wohl recht!“, sagte mein Gesprächspartner knapp. Aber sein Lächeln zeigt, dass ein bisschen von der Botschaft bei ihm angekommen ist.

(aus „Der Rikscha-Fahrer der das Glück verschenkt“ von Biyon Kattilathu, GU Verlag 2019)

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Akzeptiere, was auch immer geschieht

Es ist unser Denken, das Situationen oder Ereignisse isoliert und sie als gut oder schlecht bewertet, so als hätten diese ein Eigenleben. Verlassen wir uns total auf das Denken, wird die Wirklichkeit fragmentiert. Diese Fragmentierung ist zwar eine Illusion, aber sie wirkt durchaus real. Doch in Wahrheit ist das Universum ein unteilbares Ganzes, in dem alle Dinge wechselseitig miteinander verbunden sind. Nichts besteht für sich allein. Jedes Ereignis hat in der Totalität seinen Platz und seine Funktion. Diese Totalität ist viel mehr als die äußere Erscheinung der Dinge, mehr als die Summe ihrer Teile, mehr als alles, was dein Leben oder die Welt umfassen mag.

Hinter der scheinbaren Zufälligkeit oder gar chaotischen Aufeinanderfolge von Ereignissen verbirgt sich die Entfaltung der höheren Ordnung und eines tieferen Sinns. Im Zen heißt es: „Der Schnee fällt – jede Flocke an ihren Platz.“ Durch Nachdenken können wir diese höhere Ordnung nicht erfassen. Auf der gedanklichen Ebene können wir nicht nachvollziehen, dass Einteilungen wie „gut“ oder „schlecht“ nur ein Beweis für eine eingeschränkte Perspektive, daher folglich nur zeitweilig und relativ wahr sind.

Das zeigt die Geschichte vom Weisen, der in der Lotterie ein neues Auto gewann. Seine Familie und Freunde freuten sich für ihn und kamen, um mit ihm sein Glück zu feiern. „Du bist ein Glückspilz“, sagen sie. Doch er lächelte und antwortete: „Mag sein.“ Eines Tages stieß er auf einer Kreuzung mit einem betrukenen Autofahrer zusammen und wurde mit zahlreichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Seine Angehörigen und Freunde besuchten ihn und dort sagten sie: „Das war aber wirklich Pech!“ Wieder lächelte der Mann und antwortete: „Mag sein.“ Eines Nachts, während er noch in der Klinik lag, wurde sein Haus von einem Erdrutsch ins Meer gerissen. Am nächsten Tag kamen viele Besucher und meinten aufgeregt: „Was hast du für ein Glück gehabt, dass du in der Klinik warst.“ Und wieder lautete seine Antwort: „Mag sein.“

Dieses „Mag sein“ des Weisen steht für die Weigerung etwas zu bewerten. Er akzeptiert was geschieht. Der Verstand kann meist nicht erfassen, welchen Stellenwert ein scheinbar zufälliges Ereignis im Geflecht des Ganzen einnimmt und welchen Sinn es hat. Zufälle gibt es ebenso wenig wie Ereignisse oder Dinge, dir nur sich selbst und für sich allein existieren. Der Körper besteht aus Atomen, die einst das Innere von Sternen bildeten. Selbst für die geringfügigsten Ereignisse gibt es praktisch unendlich viele Ursachen, die auf unbegreifliche Weise mit dem Ganzen verknüpft sind.

Wenn wir ein Ereignis bis zu seinen Ursachen zurückverfolgen wollten, müssten wir bis zum Anbeginn der Schöpfung zurück gehen. Der Kosmos kennt nämlich kein Chaos. Denn das Wort Kosmos selbst bedeutet Ordnung. Aber es ist keine Ordnung, die der Menschengeist je verstehen könnte – doch manchmal wird ihm ein flüchtiger Blick hinein gewährt.

(„happinez“ von Eckehart Tolle)

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Wer Hilfe sucht

Ein Wahrheitssuchender war für mehrere Monate nach Indien gegangen, um dort das Göttliche zu erfahren. Eines Tages machte er einen Ausflug zu einem nahe liegenden Nationalpark. Auf einem seiner Wege durch den Park war er unachtsam, stolperte und stürzte in eine Schlucht. Glücklicherweise bekam er in letzter Sekunde noch eine Wurzel am Rand der Schlucht zu fassen.

Er schaute hinunter und sah, dass unter ihm nichts war als der dunkle Abgrund. „Hilfe!“, rief der Wahrheitssuchende verzweifelt. „Ist hier niemand?“ Wider Erwarten antwortete unmittelbar darauf eine Stimme: „Was willst du?“ „Bitte hilf mir!“, flehte der Suchende. „Das mache ich gerne“, erwiderte die Stimme, „doch vorher muss ich wissen, ob du mir auch wirklich vertraust.“

„Ja, ja, ich vertraue dir! Aber bitte hilf mir schnell.“, wimmerte der Wahrheitssuchende. „Wenn du mir vertraust“, sprach da die Stimme, „dann lass dich jetzt ins Leere fallen!“

Der Wahrheitssuchende schwieg einen Moment. Dabei zitterte er vor Angst am ganzen Körper. Dann blickte er noch einmal nach unten und rief, aber dieses Mal voller Verzweiflung erneut: „Hilfe! Hilfe! Ist hier denn niemand anderes?“

 (aus „Alles ist Yoga“ – von Doris Iding, Schirner Verlag 2010 )

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Jorge Bucay – „Sähen ist wichtiger als ernten“

„Geschichten helfen Kindern beim Einschlafen und Erwachsenen beim Aufwachen“, sagt der Psychologe Jorge Bucay. Er erzählt sie seinen Patienten, in seinen wundervollen Büchern, auf Vorträgen. Ein kluger Kopf, dessen Gedanken Menschen auf der ganzen Welt berühren…

„Du kannst durch die Liebe zu dir selbst zum Blühen bringen. Oder welken, wenn du etwas anderes sein willst, als du bist.“

Als Psychologe begegnen Ihnen alle Facetten unseres Lebens. Welche Frage hören Sie am häufigsten, Herr Bucay?

„Welcher Weg führt mich zum Glück, zu innerer Erfüllung?“

Und was antworten Sie?

„Ein König kam von einer Reise zurück und ging in seinen Garten. Alles war am Eingehen: Die Eiche, weil sie nicht so hoch wachsen konnte wie die Pinie. Die Pinie, weil sie keine Trauben hatte wie die Rebstöcke. Die Rebstöcke, weil sie nicht blühen konnten wie die Rosen. Die Rosen, weil sie nicht so stark waren wie die Eiche. Im hintersten, schattigen Winkel seines Gartens entdeckte der König leichtende Blumen. Freesien. ´Warum strahlt ihr so?´, fragte er sie. ´Weil uns immer bewusst war, dass du uns Fresien haben wolltest. Sonst hättest du hier Eichen oder Rosen gepflanzt. Und so wollten wir die schönsten Freesien werden, die wir nur sein können.´“

Wir sollten es den Freesien gleichtun …

„… genau! Die Botschaft lautet: Sei, wer du bist, und sei dir dessen bewusst. Du kannst dich durch die Liebe zu dir selbst zum Blühen bringen. Oder welken, wenn du etwas anderes sein willst, als du tatsächlich bist.“

Woher weiß ich, wer ich bin?

„Dafür musst du dir eine einzige Frage stellen: Wozu lebe ich? Die Antwort findest du, indem du deinen Träumen lauschst. Wir alle haben Träume – bescheidene und allmächtige, beinahe vergessene und soeben gefundene. Unser Leben ist voller Träume. Verwirklichen wir sie? Dass unser Handeln mit unseren Träumen übereinstimmt, ihnen näherkommt – darum geht es. Das gibt unserem Leben (s)einen Sinn.“

Warum fällt uns das so schwer?

„Weil wir Träume mit Erwartungen verwechseln. Träume öffnen uns die Welt. Erwartungen jedoch verdammen uns zur Trägheit. Wir warten auf das Erhoffte. Klammern uns daran. Das erste Wort, das wir sagen können, ist ´Mama´ gefolgt von ´Papa´ - dann kommt: ´mehr´. Wir wollen, wir erwarten immer noch mehr von allem Bisherigen, das ist unser tiefstes ursprüngliches Bedürfnis.“

Klingt aber nach einer Falle …

„… ja, weil es Unzufriedenheit schürt. Erwartungen sind die Hauptursache vieler Lebenskrisen. Schraube sie herunter. Arbeite lieber fantasievoll am Erreichen deiner Träume. Bemühe dich. Aber erzwinge nichts.“

Nichts erzwingen – was meinen Sie damit?

„Ich nenne es das ´Zwei-Nummern-kleiner Syndrom´: Ein junger Mann betritt den Schuhladen und bittet um ein Paar in Größe 39. ´Die sind ihnen zu klein´, sagt der Verkäufer. ´Sie brauchen ganz sicher eine 41.´ ´Ich will Größe 39!´ Der Kunde zwängt sich hinein. ´Fabelhaft, ich nehme sie.´ Abends kann der junge Mann vor Schmerz nicht mehr laufen. ´Warum trägst du dann diese Schuhe?´, wundert sich sein Kollege. ´Ich genieße das herrliche Gefühl, wenn ich sie nachher endlich ausziehen kann … ´Genau SO handeln wir oft – weil wir die Fäden in der Hand behalten, alles kontrollieren möchten. Doch Glück, Wohlbehagen lässt sich nicht überlisten.“

Und wenn mein Traum platzt? Was schlagen Sie vor?

„Ersetzte ihn. Nicht alles ist möglich – aber es gibt immer eine Möglichkeit.“

Welchen Traum haben Sie aufgegeben?

„Den, von morgens bis abends in der Praxis zu sitzen. Ich merkte eines Tages, dass sich irgendwas geändert hatte, dass ich mir die Frage ´Wozu lebe ich?´ erneut stellen musste. Also dachte ich nach, wie sich meine Vorlieben verschoben hatten, wie meine Werteskala eine andere geworden war. Mir wurde klar, dass ich davon träumte, einen noch größeren Kreis weiterzugeben, was ich gelernt habe – um noch mehr Menschen helfen zu können. Das bedeutet, Vorträge zu halten. Vor allem aber: Bücher zu schreiben. Autor sein! Ich ging mit Feuereifer zur Sache.“

Woraus besteht für Sie Glück?

„Aus Spiritualität und Wissenschaft. Reflexion und Aktion. Verstand und Gefühl. Kämpfen und Annehmenkönnen. Moral und Verständnis. Und das Schwierigste: Leidenschaft und Maßhalten.“

Erinnern Sie sich an Ihre erste Begegnung mit Spiritualität?

„Ich war zehn oder elf, und July, mein Lieblingstante, nahm mich in Buenos Aires mit zu einem Vortrag. Der Saal platzte aus allen Nähten. Ein kleiner, verletzlich wirkender Mann sprach mit sanfter Stimme über Inien, die östliche Welt – und die Frage nach dem Leben. Dazu öffnete er seine Hände: Zwei Bohnenkerne kamen zum Vorschein. Ein kleiner Keim trieb aus dem einen, aus dem andern nicht. Leben sagte er, sei der Unterscheid zwischen diesen beiden Bohnen. Das habe ich nie vergessen: Leben ist ausdehnen, wachsen, sich öffnen.“

Wer war das?

„Der indische Weise Krishnamurti – unser Besuch bei ihm gehört zu meinen bedeutendsten Erinnerungen.“

Wen empfinden Sie noch als weise?

„Sie …“

… mich?

„Denjenigen, mit dem mich gerade spreche. Dem ich zuöhre. Zusehe. Ich kann von jedem lernen. Von Ihnen, meinen Enkeln, der Schneiderin, dem Bettler. Vom Jesuiten-Pater Franz Jalics, von Paulo Coelhos ´Fünftem Berg´. Und von den Mönchen aus Silos.“

Was lehrten Sie die Mönche?

„Anfang der 90er hatten sie mit einfachsten technischen Mitteln eine Platte aufgenommen: Ihre gregorianischen Gesänge fanden den Weg aus ihrem winzigen Dorf in die weite Welt. Die größte Plattenfirma bot ihnen Millionen für ein zweites Album. Die Mönche lehnten ab. ´Das Geheimnis´, sagten sie, ´liegt darin zu gehen – nicht in der Richtung, die man einschlägt.´ Ihr Nein ist für mich ein Beispiel dafür, wie sich Maß und Leidenschaft die Waage halten können. Sie entschieden, als Nächstes lieber ein Buch zu schreiben: ´Gott begegnen´.“

Fühlen Sie sich Gott nahe?

„Ich bin in einem Haus aufgewachsen, in dem Gott einen wichtigen Stellenwert hatte. Mit 18 wollte ich selbst ausprobieren, ob Religion etwas für mich ist. Also befolgte ich die Vorschriften und Gebote, betete täglich. Als Medizinstudent begann ich, meine Beziehung zu Gott infrage zu stellen. Mein Herz sagte ja, aber mein Kopf stellte sich quer …“

… und heute?

„Glaube ich an Gott – mit jedem Tag mehr. Nur kann ich die Vorstellung eines eitlen Gottes nicht akzeptieren, der es nötig hat, dass man ihn lobpreist. Ich glaube nicht an einen Gott, der zürnt, wenn wir nicht befolgen, was er sagt – mag es auch richtig sein. Ich sehe Gott als einen liebe- und verständnisvollen, nährenden, zärtlichen, allgegenwärtigen und zutiefst gütigen Vater.“

Was ist für Sie ein besonders heiliger Ort?

„Die Kirche von San Juan Chamula in den Bergen Südmexikos. Kein Altar, keine Bänke, keine Messe. Die Besucher sitzen auf duftenden Pinienzweigen zusammen. Reden, lachen miteinander. Und zwar ganz laut. Für mich ist das eine wunderbar lebendige heilige Stätte – irgendwo zwischen uralter Maya Tratition und dem katholischen Glauben der spnaischen Eroberer. Ich empfinde Spiritualität heute freier, kreativer, individueller. Sie dreht sich mehr um das, was ich fühle, statt um das, was ich denke. Mehr um das, was ich bin, statt um das, was ich tue.“

Sie stecken in einer Sackgasse, finden einfach nicht den Ausweg: Was machen Sie?

„Fünf Burschen kommen in eine Stadt. Sie tragen ein Holzboot auf ihren Köpfen. ´Behindert es euch nicht beim Gehen?´ fragten die Passanten. ´Natürlich ist es schwer. Aber der Regen hat den Fluss in einen reißenden Strom verwandelt. Nur wegen dieses Bootes sind wir unbeschadet hergekommen -als Zeichen unserer Dankbarkeit haben wir es immer bei uns …´ Schleppen wir nicht alle so ein Boot mit uns herum? Ich taufe es ´Routine´. Es bewährt sich im Alltag. Manchmal jedoch hilft es uns nicht mehr weiter.“

Und dann?

„Müssen wir den Mut haben, uns davon zu trennen. Unsere ausgetretenen Pfade zu verlassen und eine andere Perspektive einzunehmen – schon verschiebt sich unsere Wahrnehmung.“

Wodurch zum Beispiel?

„Ich ändere dann einen Tag lang meine Gewohnheiten. Gehe spazieren. Rufe jemanden an, den ich lange nicht gesehen habe. Esse etwas, das ich noch nie probiert habe … Einen neuen Blickwinkel einzunehmen, ist einer der wirkungsvollsten (Aus-)Wege überhaupt. Wir zögern oft, weil es zunächst ein bisschen sonderbar klingt. Weil die anderen vielleicht den Kopf schütteln. Doch der Taube wird die Tanzenden immer für Verrückt halten.“

Worin besteht die wichtigste Lektion Ihres Lebens?

„Auf einem Markt in Jerusalem entdeckte ich herrlich weichen bestickten Stoff. Eine halbe Stunde feilschten wir, der Händler und ich. Plötzlich kam ein junger Mann mit einem Kaffeetablett. Wortlos ließ mich der Händler stehen, setzte sich und begann, in aller Seelenruhe seinen Kaffee zu schlürfen …“

… wie haben Sie reagiert?

„Vollkommen verdattert stand ich dort und guckte wohl recht missmutig. Denn der Händler sagte: ´Schau, jetzt ist es Zeit, Kaffee zu trinken. Und wenn ich Kaffee trinke, verkaufe ich nichts – ich trinke ja Kaffee.´ In Madrid oder Buenos Aires hätten wir erst das Geschäft abgeschlossen und den Kaffee lieber kalt getrunken. Seitdem habe ich mir eine langsamere Gangart angewhnt. Faszinierend ist, dass ich sogar mehr schaffe, wenn ich nicht versuche, besonders schnell zu sein. Ich habe gelernt, dass unsere persönliche Beziehung zur Zeit ein wichtiger Indikator für uns ist.“

Inwiefern?

„Wie wir mit der Zeit umgehen, wirkt sich auf unsere Gesundheit aus sowie auf unsere Fähigkeit, unser Leben zu genießen. Gelingt es und, die Zeit anzuhalten, um die Gesellschaft eine Menschen, den Marienkäfer auf dem Grashalm oder ein Buch zu genießen? Diese vermeintlich kleinen Dinge, die wir in der Alltagshektik übergehen – in ihnen liegt ein großer Teil des wahren Sinns von allem.

Alles dreht sich immer schneller, höher, weiter …

„… Eile ist die Herrscherin unseres Lebens – solange wir es zulassen. Uns ist die Geduld abhanden gekommen. Das Gefühl, dass manche Begegnungen, manche Aufgaben Zeit brauchen. Auch Zeit fürs Nichtstun. Fürs Schweigen – und Verstehen, was diese Zeit mit uns macht.“

Was denn?

„Ich bin mehr als 30 Jahre mit Perla verheiratet. Sie trägt noch den gleichen Namen. Doch ist sie eine andere. Wir beide sind andere, wir haben gelebt. Sind gewachsen. Und wenn ich Perla ansehe … gefällt mir die heutige meist besser als die frühere. Es ist ein tiefes, beglückendes Gefühl, an ihrer Seite zu sein.“

Sie lieben ihre Frau – egal was passiert …

„… das kann ich so nicht versprechen, weil es nicht stimmt. Bedingungslose Liebe gibt es einzig von Eltern zu ihren Kindern. Deren Liebe ist unberührt von dem, was je geschieht. Die Liebe zu unserem Partner oder unseren Eltern dagegen ist stets im Verhältnis zu dem, was in unserer Beziehung passiert; was ich tue, was der andere tut. Werde ich verletzt? Umsorgt? Finde ich Wachstum? Erfüllung? Liebe bedeutet auch Freiheit. Die Freiheit, sich immer wieder für den anderen zu entscheiden. Ich möchte jeden Tag und jede Nacht neu erwählt werden – nicht in einer einzigen Nacht fürs ganze Leben. Das wäre mir viel zu lang.“

Welche Ihrer Geschichten liegt Ihnen sehr am Herzen?

„In einer Oase mitten in der Wüste kniet der alte Eliahu. Als sein Nachbar, der wohlhabende Hakim, vorbeikommt, fragt er: ´Was machst du in dieser Hitze?´ ´Ich säe Datteln.´ ´Die brauchen 50 Jahre, bis sie Früchte tragen. Du wirst von deinen Bäumen kaum etwas ernten.´ ´Ich habe mein Leben lang Datteln gegessen, die ein Fremder gesät hat´, sagte Eliahu. ´Nun bin ich an der Reihe, damit andere morgen Datteln haben.´ ´Damit hast du mich soeben etwas gelehrt.´ Zum Dank schenkte Hakim dem Alten einen Beutel Münzen. ´Siehst du´, antwortet dieser, ´du hast vorhergesagt, dass ich nichts ernten würde. Nun habe ich noch gar nicht zu Ende gesät und schon einen Beutel Münzen, Dankbarkeit sowie Freude geerntet.´ Ich liebe diese Geschichte, weil mir durch sie klar wurde, dass säen wichtiger ist als selbst zu ernten – und dass deine Freude meine sein kann.

(aus „Happinez“ – 2018, Interview: Sylvia Nause-Meier)

 

Dr. Jorge Bucay (70) stammt aus einer Familie mit arabisch-jüdischen Wurzeln. Er wächst in Buenos Aires mit ihren Märchen und Geschichten auf. Arbeitet als Taxifahrer, Schauspieler und Clown, um sein Medizinstudium zu finanzieren. Das schließt er 1973 ab; spezialisiert auf psychologische Erkrankungen. Er wird einer der einflussreichsten Gestalttherapeuten Argentiniens. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Heute ist Bucay neben Paulo Coelho einer der meistgelesenen Autoren Südamerikas

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„Ich kann mich selbst lieben, mit all meinen Schwäche, und trotzdem überlegen, wie ich WACHSEN kann.“

Selbstakzeptanz

Müsste ich das nicht können? Bin ich normal? Mache ich gerade etwas Seltsames? Hätte ich das nicht verstehen, wissen oder sehen müssen? Sehe ich komisch aus? Kann ich das wirklich machen? Darf ich so empfinden?

Wie sehr wir alle doch unter solchen inneren Dialogen leiden, merket Psychologin Marjon Boré in eigenen Fortbildungen (etwa bei Selbstakzeptanz-Expertin Brené Brown), aber auch bei ihrer Arbeit als Coach. „Wirklich jeder ringt um die Frage, ob er gut genug ist, so, wie er ist – gerade in sensiblen Situationen.“ Auch Bohré selbst. „Wenn einem meiner Kinder etwas fehlt, werde ich immer ein bisschen panisch und weiß nicht, was ich machen soll. Also wird mein Mann aktiv: Er guckt, was los ist, macht einen Arzttermin, holt Medikamente. Das hat mit lange zu schaffen gemacht, ich habe mich über mich selbst geärgert. Fand, da stimme etwas nicht. Eine gute Mutter weiß, was sie zu tun hat, wenn ihr Kind krank ist! Wenn ein Finger in die Tür eingeklemmt wird, nach einem Sturz die Stirn blutet oder Fieber stark steigt, muss man da sein. Zusammenflicken, organisieren, zur Not reanimieren. Nicht perplex davor stehen. Was ist man bloß für eine Mutter, wenn man in solchen Momenten kein Wort mehr rausbringt?
All diese inneren Dialoge drehen sich letztlich um die Frage: Kann ich mich so akzeptieren, wie ich bin? Mit all meinen angenehmen und weniger starken Eigenschaften? Mit der Unsicherheit, dem Jähzorn oder der krummen Nase?
Studien zeigen: Wer darauf mit „Ja“ antworten kann, hat weniger psychische Probleme. Ist weniger anfällig für Depressionen oder Ängste, hat weniger Probleme mit irrationalen Überzeugungen oder einer narzisstischen Neigung, kann sein eigenes Verhalten objektiver sehen und besser mit Kritik umgehen. Selbstakzeptanz steht sogar ganz oben auf der Liste mit Dingen, die zu einem zufriedenen Leben beitragen, entdeckten die Psychologin Karen Pine und ihre Kollegen an der University of Hertfordshire. Aber dieselbe Studie offenbart auch: Wir sind ziemlich schlecht darin. Bei der Frage: „Wie oft sind Sie nett zu sich selbst, und wie oft finden Sie sich völlig in Ordnung, so sie Sie sind?“, wurden die wenigsten Punkte erzielt. Wie kommt das?

#LOVEMYLIFE
„Dass wir uns mit Selbstakzeptanz so schweretun, liegt daran, dass wir so gern von anderen Menschen akzeptiert werden wollen“, sagt Psychologin Marjon Bohré. Aber akzeptiert der andere uns auch, wenn er das Gesamtpaket bekommt: die Fröhlichkeit und die Jammerei, die Besonnenheit und die neurotischen Züge? „Wir fürchten, aufgrund unserer weniger schönen Seiten abgelehnt zu werden. Das ist sehr bedrohlich, denn für unser Überleben war stets wichtig, dazuzugehören. Dieses Bedürfnis ist so tief verwurzelt, dass wir die Gefahr, ausgeschlossen zu werden, stets präsent haben.“
Also verstecken wir vermeintliche Schwächen lieber und bestrafen uns innerlich dafür: Kannst du nicht einmal mit einem Scherz reagieren, statt gleich wieder so ernst zu sein? Musst du ständig den Moralapostel raushängen lassen? Mir 40 musstest du doch allmählich entspannt vor einer Gruppe reden können? Noch schwieriger wird es dadurch, dass wir in den sozialen Medien ständig sehen, wie „großartig“ andere sind und dass sie ihr Leben offensichtlich sehr wohl auf die Reihe kriegen.
Die westliche Kultur fördert das Verstecken und die inneren Dialoge noch: In unserer Gesellschaft wird man vor allem akzeptiert, wenn man ordentlich auf einem Stuhl sitzen, ein Unternehmen zum Blühen bringen oder problemlos Kontakte schließen kann. Man darf sich auch mal einen Schnitzer erlauben – aber vor allem dann, wenn man anschließend bei einer Fuck-up-Night eloquent davon erzählen kann.
Unsere Erziehung kann die Neigung, sich selbst nicht als der zu akzeptieren, der man ist, noch verstärken, behauptet der bekannte humanistische Psychologe Carl Rogers schon vor Jahrzehnten. Werden Sie bedingungslos geliebt? Oder haben Sie das Gefühl, vor allem dann Aufmerksamkeit, Umarmungen und Komplimente zu bekommen, wenn Sie gute Noten kriegen, hilfsbereit sind, Ihr Familienleben gut organisieren oder eine – in den Augen Ihrer Eltern – tolle Karriere eingeschlagen haben? Erlebt ein Kind, dass die Liebe, die ihm widerfährt, davon abhängt, wie viele Erwartungen es erfüllt, ist es wahrscheinlicher, dass es auch sich selbst in „Wert“-Begriffen beurteilt, sagt Rogers.
Und ein solches Kind neigt dazu, sich nur dann zu akzeptieren, wenn es „seine Sache gut macht“.

Wollen Sie sich verändern, weil andere über Sie urteilen könnten? Oder weil es Ihnen wichtig ist?

MEHR MENSCHLICHKEIT
Aber, nun ja, die Hälfte der Zeit machen wir „unsere Sache“ eben nicht so gut. Dann liegen wir mitten in der Nacht wach, riskieren unser Beziehung, haben Angst, sind wütend, chaotisch, sagen etwas Dummes.
Wer lernt, mit sich selbst nachsichtiger zu sein, wer einsieht, dass niemand perfekt ist, und wer sich selbst mit all seinen Unleidlichkeiten akzeptiert, kann sich gegenüber anderen auch leichter so geben, wie er ist. So zeigen wir Menschlichkeit – und oft stellt sich heraus, dass andere gar nicht wegrennen, sondern im Gegenteil, näher rücken und uns wissen lassen: „He, das habe ich auch!“ Hören Sie also auf, sich ständig selbst zu „reparieren“, um dem zu entsprechen, wie Sie laut sich selbst oder anderen zu sein haben. „Weil man sich selbst akzeptiert, akzeptiert einen die ganze Welt“, meinte schon der chinesische Philosoph Laotse.
Und danach brauchen wir nichts mehr an uns zu ändern? Können wir dann sagen: So bin ich, nimm es so hin?
Nein, sagen Selbstakzeptanz-Experten: Sich selbst so anzunehmen, wie man ist, bedeutet nicht, dass man jegliche Verantwortung für sich selbst oder andere enthoben wird. Bohré: „Sie können sich selbst lieben, mit allem, worin Sie nicht so gut sind, und trotzdem noch überlegen, wie Sie wachsen können und mit den Dingen umgehen, die noch nicht so gut laufen.“
Vor allem die Intention sei wichtig: „Möchten Sie sich verändern, weil Sie glauben, noch perfekter sein zu müssen, weil andere Sie über Sie oder Sie selbst über sich urteilen? Oder entsteht der Wunsch nach Veränderung aus dem, was Ihnen im Leben wichtig ist? Also: Wollen Sie Ihre Ungeduld loswerden, weil alle um Sie herum so geduldig wirken und Sie meinen, eigentlich auch ein bisschen mehr Zen an den Tag legen zu müssen? Oder ist Ihnen Zusammenarbeit wichtig, und möchten Sie aus diesem Grund lernen, Kollegen öfter mehr Raum zu geben? Wer sich aus der letzteren Überzeugung heraus entwickelt, kann sein eigenes Leben und das der anderen weiter bereichern.“

(aus „Psychologie bringt dich weiter“ – Jan/Febr 2020)

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Der Waldkauz - Botschafter unserer Seele

„Auf meinen Reisen habe ich die halbe Welt gesehen und bin reicher an Erfahrung als alle anderen Vögel“, sprach einmal die Schwalbe zum Waldkauz. „Wie also kommt es, dass man deine Weisheit rühmt, obwohl du nur hier im Dunkeln sitzt und kaum je deinen Felsen verlässt“.

Da erwiderte der Waldkauz: „Ich sehe am schärfsten mit geschlossenen Augen – und meine Gedanken reichen weiter als deine Flügel.“

So erzählt es eine alte Fabel, und womöglich ist es tatsächlich genau das: Diese kleine Eule, deren Stunde schlägt, wenn die Dämmerung in die Nacht hinüberließt und all unser Sehen endet, mag erkennen, was ansonsten verborgen bleibt. Die Schamanen sagen, was ansonsten verborgen bleibt. Die Schamanen sagen, sie schöpfe das Licht der Weisheit aus sich selbst heraus und sei damit in alle Ewigkeit eine Grenzgängerin zwischen den Welten, stets wandelnd zwischen Traum und Wirklichkeit.

Und so, lange bevor wir selbst es wahrnehmen, zu einer Zeit, in der die Kälte des Winters noch ungebrochen erscheint, kündet der Ruf des Waldkauzes von einer anderen Wahrheit. Die Balz dieser Vögel beginnt Anfang Februar, sie ist eine der frühesten des Jahres, und inmitten der Dunkelheit erzählt ihr Lied von neuem Leben. Es bringt uns Erinnerung und Hoffnung zugleich, und im Glauben der Pueblo-Indianer galten die nordamerikanischen Käuze daher gleichsam als Beschützer, die uns durch jedwede Finsternis geleiten. Ihr Ruf, dieses kehlige, langgezogene Ku-witt, wurde verstanden als Aufforderung, sich den Schatten zu stellen – denen des Lebens und auch denen von uns selbst. Furchtlos und vertrauend auf jene namenlose Weisheit, von der die Käuze flüstern, wenn der Tag zerrinnt und die Nacht noch nicht geworden ist und das Unsichtbare mächtiger wird als alles, was wir vor Augen sehen.

(„happinez“ von Dorothee Teves)

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Willenskraft

Sich die eigene Willenskraft zurückzuerobern ist sehr lohnend. Willenskraft setzt ungeahnte Energien frei. Wenn wir etwas wirklich wollen, sind wir in der Lage, Dinge zu tun, die wir bis dahin nicht für möglich gehalten haben.

Herauszufinden, was wir wollen, und dazu zu stehen gibt uns ein tiefes Gefühl von Erleichterung und innerer Ruhe. Uns das strahlen wir auch aus. Ein Mensch, der weiß, was er will, und das auch tut, ist authentisch und zuverlässig. Er sagt Ja, wenn er Ja meint, und Nein, wenn er etwas nicht will. Denn der Wille verändert sich nicht alle fünf Minuten, er hat nichts mit dem wechselhaften Lustprinzip zu tun.

Den eigenen Willen durchzusetzen kann unbequem sein, wie die damit verbundenen Entscheidungen anderen vielleicht nicht gefallen. Manchmal sind sie sogar schmerzhaft. Denn was, wenn der eigene Wille andere Menschen verletzt? Wenn er dazu führt, leib gewonnene Gewohnheiten aufzugeben? Wenn er Angst macht, weil es bedeuten würde, den Beruf zu wechseln oder die Familie zu verlassen? Wo ist der Unterschied zwischen Egoismus und Selbsttreue, fragen wir uns und bleiben lieber im Alten, statt uns und anderen Veränderungen zuzumuten. Was sehr verständlich ist und manchmal auch richtig. Aber meistens nicht.

Es gibt ein sogenanntes „wissendes Feld“ in jedem sozialen Gefüge, sei es der Familie, dem Freundeskreis oder der Arbeitsstelle. Weil der Mensch ein soziales Wesen ist, weiß das Herdentier in ihm, ob jemand am richtigen Platz steht oder nicht. „Das habe ich schon immer geahnt, dass du in Wahrheit nicht hierherpasst“, sagt der Kollege, nachdem man gekündigt hat. „Ich wusste du sehnst dich nach Abenteuern“, sagt der Freund, wenn man sich auf die Reise nach Australien begibt.

Es fühlt sich unangenehm für alle an, wenn wir nicht tun, was wir wirklich wollen, uns wenn wir offensichtlich am falschen Platz sind. Die Menschen in unserer Umgebung spüren, dass sie sich nicht wirklich auf uns verlassen können, weil wir Wackelkandidaten sind und eines Tages erwachen und gehen werden. Oder wir erwachen eben nicht und bleiben unzufrieden oder unglücklich.

Die dauerhafte innere Klarheit und Ruhe, die wir erleben, wenn wir uns selbst treu bleiben, sind jedes momentane Unbehagen wert. Dabei geht es nicht nur um den einen großartigen Lebensentwurf. Sondern um alltägliche kleine Entscheidungen, die alle miteinander unsere Lebensqualität bestimmen. Es macht Mühe herauszufinden, was wir wollen, wenn wir es nicht gewohnt sind. Doch tun wir es nicht, sind wir den ganzen Tag über fremdbestimmt.

Außerdem lautet jedes Mal, wenn wir nicht tun, was wir wollen, die Botschaft an uns selbst: „Ich bin unwichtig.“ Und das fühlt sich auch genau so: Das, was andere wollen, ist wichtiger als ich. Sogar für mich selbst. Meine Wünsche zählen nicht. Dieses Verhalten untergräbt auf Dauer unser Selbstvertrauen. Denn wie sollen wir uns selbst vertrauen können, wenn wir uns nicht zuhören? Wenn wir uns lieber zum Spielball der Bedürfnisse anderer machen, statt zu tun, was wir wollen?

Wir müssen nicht auf Knopfdruck wissen, was wir wollen, und uns auch nicht gleich entscheiden, wenn ein Anliegen an uns herangetragen wird. Wir haben das Recht, uns Zeit zu verschaffen. Sehr hilfreich kann dabei sein zu sagen: „Ich muss darüber nachdenken und brauche Zeit, um mich zu entscheiden.“ Das ist legitimer Anspruch, den wir äußern können und dürfen.

Werden wir von anderen Menschen ungefragt verplant, dann ist es umso wichtiger, Stopp zu sagen. Dann könnte der Satz, mit dem wir uns Freiraum verschaffen, zum Beispiel lauten: „Moment, ich muss erst mal darüber nachdenken, ob ich das möchte/ob ich zur Verfügung stehe.“

Für die Heilung alter Wunden ist Willenskraft besonders wichtig. Denn sonst schaffen wir immer wieder die Möglichkeit, neu verletzt zu werden. Nein sagen zu können, zu wissen, was wir wollen und vor allem, was wir nicht wollen, schafft Selbstvertrauen. Und Selbstvertrauen erzeugt innere Heilung.

ÜBUNG: Frage an dein Inneres

Nimm dir ein Blatt Papier und beantworte die dir die folgenden Fragen:

   * Woran merkst du, dass du etwas wirklich willst?

   * Woran merkst du, dass du etwas auf gar keinen Fall willst? – Woran merkst du es wirklich?

   * Vertraust du diesen Wahrnehmungen?

   * Was wird anders, wenn du dich entscheidest, ihnen rückhaltlos zu vertrauen? Und ihnen zu folgen?

 (aus „Jede Wunde lässt sich heilen“ von Susanne Hühn, Gräfe und Unzer Verlag)

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Wünsche zum neuen Jahr.

Ein bisschen mehr Friede und weniger Streit
Ein bisschen mehr Güte und weniger Neid
Ein bisschen mehr Liebe und weniger Hass
Ein bisschen mehr Wahrheit – das wäre was Statt so viel Unrast ein bisschen
mehr Ruh
Statt immer nur Ich ein bisschen mehr Du
Statt Angst und Hemmung ein bisschen mehr Mut
Und Kraft zum Handeln – das wäre gut

In Trübsal und Dunkel ein bisschen mehr Licht
Kein quälend Verlangen, ein bisschen Verzicht
Und viel mehr Blumen, solange es geht
Nicht erst an Gräbern – da blühn sie zu spät

 der Friede des Herzens
Besseres weiß ich nicht.

Gedicht von Peter Rosegger (1843 – 1918)

Ein kleiner Baumwollfaden
Es war einmal ein kleiner Baumwollfaden, der hatte Angst, dass es nicht ausreicht, so, wie er war: "Für ein Schiffstau bin ich viel zu schwach", sagte er sich, "und für einen Pullover zu kurz. An andere anzuknüpfen, habe ich viel zu viele Hemmungen. Für eine Stickerei eigne ich mich auch nicht, dazu bin ich zu blass und farblos. Ja, wenn ich aus Lurex wäre, dann könnte ich eine Stola verzieren oder ein Kleid. Aber so?! Es reicht nicht! Was kann ich schon? Niemand braucht mich. Niemand mag mich - und ich mich selbst am wenigsten."
So sprach der kleine Baumwollfaden, legte traurige Musik auf und fühlte sich ganz niedergeschlagen in seinem Selbstmitleid.

Währenddessen läuft draußen in der kalten Nacht ein Klümpchen Wachs in der beängstigenden Dunkelheit verzweifelt umher. "Für eine dicke Weihnachtskerze bin ich viel zu klein" jammert es "und wärmen kann ich kleines Ding alleine auch niemanden. Um Schmuck für eine tolle große Kerze zu sein, bin ich zu langweilig. Ach was soll ich denn nur tun, so alleine in der Dunkelheit?"

Da kommt das kleine Klümpchen Wachs am Häuschen des Baumwollfadens vorbei! Und da es so sehr fror und seine Angst so riesig war, klopfte es schüchtern an die Türe.
Als es den niedergeschlagenen kleinen Baumwollfaden sah, kam ihm ein wunderschöner Gedanke. Eifrig sagte das Wachs: "Lass dich doch nicht so hängen, du Baumwollfaden. Ich hab' da so eine Idee: Wir beide tun uns zusammen. Für eine große Weihnachtskerze bist du zwar als Docht zu kurz und ich hab' dafür nicht genug Wachs, aber für ein Teelicht reicht es allemal. Es ist doch viel besser, ein kleines Licht anzuzünden, als immer nur über die Dunkelheit zu jammern!"

Ein kleines Lächeln huschte über das Gesicht des Baumwollfadens und er wurde plötzlich ganz glücklich. Er tat sich mit dem Klümpchen Wachs zusammen und sagte: "Nun hat mein Dasein doch einen Sinn."

Wer weiß, vielleicht gibt es in der Welt noch mehr kurze Baumwollfäden und kleine Wachsklümpchen, die sich zusammentun könnten, um der Welt zu erhellen?!

(Autor unbekannt)

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Charisma kann man lernen – du bist auf dem besten Weg dazu

Wenn wir die Liebe in unser Leben ziehen wollen, sollten wir uns selbst auch anziehend finden. Wir möchten doch sicherlich, dass unser/e Partner/in od. künftige/r Partner/in uns als wundervoll empfindet.
Wenn du beginnst, all die Dinge zu betrachten, warum man sich in dich verlieben sollte, dann gibst du deinen Verstand ganz bewusst den Auftrag, in die Richtung der Fülle zu blicken.

Minute 1 - 5:

Notiere mindestens 10 Gründe auf, warum man sich in dich verlieben soll.
Schreibe alles auf, was dir einfällt. Du kannst auch gerne 20 Gründe finden – Platz dafür gibt es genügend.
Schau einmal, wie viele Punkte du schaffst.

Minute 6:

Vereinbare jetzt mit dir selbst, weiter an dieser Liste zu arbeiten. Dazu schließt du kurz die Augen und gibst dir selbst oder deinem Verstand den Auftrag, nach weiteren Gründen zu suchen.
Zum Schluss kreuze noch einen Punkt an, den du gerne hervorheben möchtest. Dieser Punkt soll dir in den nächsten Tagen besonders im Gedächtnis bleiben.

Tipp: Wichtig ist, dass du sofort aufschreibst, was dir in den Sinn mommt. Nutze deine mentale Kraft. Gehe immer wieder gedanklich in diese Gründe hinein und erlebe sie mit allen Sinnen. Je klarer du sie vor Augen hast, desto unwiderstehlicher wirst du in deiner Anziehungskraft.
Charisma kann man lernen – du bist auf dem besten Weg dahin!

(aus „Erfinde dich neu“ von Pierre Franckh, arkana Verlag)

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Lebe im Jetzt


Was wolltest du schon immer einmal tun?

Das kennst du sicher auch. Die Zeit rast an dir vorbei, und du wolltest noch so vieles erleben. Aber dann kam die Beziehung, der Beruf, die Kinder, die Eltern und noch viele andere 1000 Dinge dazwischen …
Insgeheim weißt du aber, dass die genau jetzt ist, wann due diese Dinge erleben willst und noch kannst.

Also! Schreibe deine ganz persönliche ´Diese Dinge tue ich noch, bevor es dafür fast zu spät ist´ Liste.

Minute 1 – 6:
Liste hier all die verrückten Erlebnisse auf, die du noch erleben willst.
Zum Beispiel: Ich mache den Motoradführerschein Ich besuche einen Tango-Tanzkurs. Ich male ein Bild. Ich verbringe eine Nacht am Strand, reise mit dem Fahrrad durch Kambodscha. Ich umarme einen Elefanten. Lerne auf den Malediven tauchen. Schwimme mit Delfinen. Ich mache mit dem Kanu eine Wildwasserfahrt. Besuche ein Yoga-Retreat. Fahre mit Freunden nach Las Vegas.

Schreibe alles auf, was dir spontan dazu einfällt. Gleichgültig, ob es jetzt im Moment für dich erreichbar ist oder nicht. Begrenze dich nicht. Hier geht es um deine pure Lebensfreude.

 

Tipp: Vereinbare mit dir, diese Liste Punkt für Punkt zu verwirklichen – völlig gleichgültig, wie lange du dafür brauchst. Wichtig ist nur, dass du beständig und konsequent dranbleibst.
Eines Tages wirst du aufwachen und es wird nicht mehr viel Zeit sein, all die Dinge zu tun, die du tun wolltest. Darum: Tu sie jetzt.

(aus „Erfinde dich neu“ von Pierre Franckh, arkana Verlag)

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Ich erlaube mir mit Leichtigkeit zu leben. – Einfach loslassen

Negative Überzeugungen und Gefühle können uns in unserer Entwicklung bremsen.
Mit einem schweren Rucksack voller Sorgen, Zweifel und Ängste läuft es sich nicht so gut. Und genau so einen emotionalen Rucksack tragen viele von uns mit sich herum. Um einiges davon loszuwerden, nutzen wir in dieser Übung die >Lieblingsmethode< unseres Gehirns: die Bildsprache.

Minute 1 - 3:

Nimm ein Blatt Papier zur Hand, zeichne dich selbst und schreibe deinen Namen über die Figur. Nun zeichne einen übergroßen Rucksack, den du auf den Schultern trägst. In diesen Rucksack schreibst oder malst du alles hinein, was dich belastet.

Minute 4 – 5:

Nachdem du alles notiert hast, nimmst du jetzt einen Rotstift und streichst ganz bewusst jedes Wort, jedes Symbol durch – und sagst während dessen innerlich oder laut zu dir selbst: Das ist jetzt vorbei! Tue es mit Nachdruck und fester Absicht.

Minute 6:

Jetzt nimmst du die Schere und schneidest dir den Rucksack von deinen Schultern. Auch diese Aktion wird von einer kraftvollen Affirmation begleitet: „Ich erlaube mir, mein Leben in Leichtigkeit zu leben.“
Spüre die Erleichterung, wenn du diese Dinge loslässt – und spüre die Freude, die sich in dir entwickelt. Zerreiße nun den Papier-Rucksack in kleine Schnipsel und schmeiß ihn weg.

Tipp: Wenn du die Übung für lange Zeit verstärken und bekräftigen willst, dann wiederhole die folgende Affirmation: „Ich erlaube mir, mein Leben in Leichtigkeit zu leben.“

(aus „Erfinde dich neu“ von Pierre Franckh, arkana Verlag)


Es war einmal ein König, der hatte einen Diener, der wie alle Diener von unglücklichen Königen sehr glücklich war.

Jeden Morgen weckte er den König, brachte ihm das Frühstück und summte dabei fröhliche Spielmannslieder. In seinem Gesicht zeichnete sich ein breites Lächeln ab, und seine Ausstrahlung war stets heiter und positiv.

Eines Tages schickte der König nach ihm.
„Page“, sagte er. „Was ist dein Geheimnis?“
„Mein Geheimnis Majestät?“
„Das Geheimnis deiner Fröhlichkeit?“
„Es gibt kein Geheimnis, Majestät.“
„Lüg mich nicht an, Page. Ich habe schon Köpfe abschlagen lassen für weniger als eine Lüge.“
„Ich belüge Euch nicht, Majestät. Ich habe kein Geheimnis.“
„Warum bist du immer fröhlich und glücklich? Hm, sag mir, warum?“
„Herr ich habe keinen Grund, traurig zu sein. Eure Majestät erweist mir die Ehre, Euch dienen zu können. Ich lebe mit meinem Weib und meinen Kindern in einem Haus, das uns der Hof zugeteilt hat. Man kleidet und nährt uns, und manchmal, Majestät, gebt Ihr mit die ein oder andere Münze, damit ich mir etwas Besonderes leisten kann. Wie sollte ich da nicht glücklich sein?“
„Wenn du mir nicht gleich dein Geheimnis verrätst, lasse ich dich enthaupten“, sagte der König. „Niemand kann aus solchen Gründen glücklich sein.“
„Aber Majestät, es gibt kein Geheimnis. Wie gern wäre ich Euch zu Gefallen, aber ich verheimliche nichts.“
„Geh, bevor ich den Henker rufen lasse!“
Der Diener lächelte, machte eine Verbeugung und verließ den Raum.

Der König war völlig außer sich. Er konnte dich einfach nicht erklären, wie dieser Page so glücklich sein konnte, der sich als Leibeigener verdingen musste, alte Kleidung auftrug und sich von dem ernährte, was von der königlichen Tafel übrigblieb.
Als er sich beruhigt hatte, rief er den weisesten seiner Berater zu sich und berichtete ihm von dem Gespräch, das er an diesem Morgen geführt hatte.
„Warum ist dieser Mensch glücklich?“
„Majestät, er befindet sich außerhalb des Kreises.“
„Außerhalb des Kreises?“
„So ist es.“
„Und das macht ihn glücklich?“
„Nein, mein Herr. Das ist das, was ihn nicht unglücklich sein lässt.“
„Begreife ich das recht: Im Kreis zu sein macht einen unglücklich?“
„So ist es.“
„Und er ist es nicht.“
„So ist es.“
„Und wie ist er da wieder herausgekommen?“
„Er ist niemals eingetreten.“
„Was ist das für ein Kreis?“
„Der Kreis der neunundneunzig.“
„Ich verstehe nicht.“
„Das kann ich nur an einem praktischen Beispiel erklären.“
„Wie das?“
„Lass deinen Pagen in den Kreis eintreten.“
„Ja, zwingen wir ihn zum Eintritt.“
„Nein, Majestät. Niemand kann gezwungen werden, in den Kreis einzutreten.“
„Also muss man ihn überlisten.“
„Das ist nicht nötig, Majestät. Wenn wir ihm die Möglichkeit dazu geben, wird er ganz von selbst eintreten.“
„Aber er merkt nicht, dass er sich dadurch in einen unglücklichen Menschen verwandelt?“
„Doch er wird es merken.“
„Dann wird er nicht eintreten.“
„Er kann gar nicht anders.“
„Du behauptest, er merkt, wie unglücklich es ihn macht, in diesen albernen Kreis einzutreten, und trotzdem tut er es, und es gibt keinen Weg zurück?“
„So ist es, Majestät. Bist du bereit, einen ausgezeichneten Diener zu verlieren, um die Natur des Kreises zu begreifen?“
„Ja, ich bin bereit.“
„Gut. Heute nacht werde ich kommen und dich abholen. Du musst einen Lederbeutel mit neunundneunzig Goldstücken bereithalten. Neunundneunzig, keines mehr, keines weniger.“
„ Was noch? Soll ich meine Leibwächter mitnehmen für den Fall, dass …?“
„Nur den Lederbeutel. Bis heute nacht, Majestät.“
„Bis heute nacht.“
Und so geschah es. In dieser Nacht holte der Weise den König ab. Gemeinsam verließen sie unerkannt den Hof und versteckten sich in der Nähe des Hauses des Pagen. Dort warteten sie auf den Tagesanbruch.
Im Haus wurde die erste Kerze angezündet. Der Weise steckte einen Zettel in den Beutel, auf dem stand:

Dieser Schatz gehört Dir.
Es ist die Belohnung dafür,
dass Du ein guter Mensch bist.
Genieße ihn
und sag niemanden,
wie Du an ihn gelangt bist.

Dann band er den Beutel an die Haustür des Dieners, klingelte und versteckte sich wieder.
Der Page kommt heraus, und von ihrem Versteck im Gebüsch aus beobachteten der Weise und der König das weitere Geschehen.
Der Bedienstete öffnete den Beutel, las die Nachricht, schüttelte den Sack, und als er das metallische Geräusch aus seinem Inneren vernahm, zuckte er zusammen, drückte den Schatz an seine Brust, sah sich um, ob ihn auch niemand beobachtete, und ging ins Haus zurück.
Von draußen hörte man, wie der Diener die Tür verriegelte, und so näherte die Spione sich dem Fenster, um die Szene zu beobachten.
Der Diener hatte alles, was sich auf dem Tisch befand, mit einem Handstreich auf den Boden gewischt, bis auf die Kerze. Er hatte sich hingesetzt, den Inhalt des Beutels auf den Tisch geleert und traute seinen Augen kaum.
Es war ein Berg aus Goldmünzen!
Er, der in seinem ganzen Leben auch nicht eine einzige verdient hatte, besaß nun einen ganzen Berg davon.
Er berührte und er häufelte sie. Er streichelte sie und betrachtete sie im Widerschein der Kerze. Er strich sie zusammen und verteilte sie wieder auf dem Tisch, um sie danach zu Säulen aufzustapeln.
So vergnügte er sich mit seinem Schatz, bis er schließlich begann, Häuflein zu zehn Münzen zu machen. Ein Zehnerhaufen, zwei Zehnerhaufen, drei Zehnerhaufen, vier, fünf, sechs … Er zählte sie zusammen: zehn, zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig, sechzig, … Bis zum letzten Häuflein, das nur aus neun Münzen bestand!
Zunächst suchten seine Augen den Tisch ab, in der Hoffnung, die fehlende Münze zu finden. Dann schaute er auf den Boden und schließlich in den Beutel.
Das ist unmöglich, dachte er. Er schob den letzten Haufen neben die anderen und tatsächlich, er war kleiner.
„Man hat mich beraubt!“ schrie er. „Man hat ich beraubt! Das ist Diebstahl.“
Wieder schweifte sein Blick über den Tisch, über den Boden, in den Beutel, in seine Kleider, in seine Taschen, unter die Möbel … Aber die gesuchte Münze blieb verschollen.
Wie um ihn zu foppen, funkelte auf dem Tisch in Haufen Goldstücke und erinnerte ihn daran, dass es nur neunundneunzig waren. Nur neunundneunzig.
Neunundneunzig Münzen. Das ist eine Menge Geld, dachte er. Aber ein Goldstück fehlt. Neunundneunzig ist keine Runde Zahl. Hundert ist rund, doch nicht neunundneunzig.

Der König und sein Ratgeber spähten zum Fenster hinein. Das Gesicht des Pagen hatte sich verändert. Seine Stirn lag in Falten, und die Mine war angespannt. Die Augen hatte er zu Schlitzen gepresst, und um seinen Mund spielte ein verzerrtes Lächeln.
Der Diener steckte die Münzen in den Beutel zurück, vergewisserte sich, dass ihn niemand im Haus beobachtete, und versteckte den Beutel zwischen der Wäsche.
Dann nahm er Papier und Feder und setzte sich an den Tisch, um eine Rechnung aufzustellen.
Wie lange musste er sparen, um Goldstück Nummer hundert zu bekommen?
Der Diener führte Selbstgespräche.
Er war bereit, hart dafür zu arbeiten. Danach würde er womöglich niemals wieder etwas tun müssen.
Mit hundert Goldstücken konnte man aufhören zu arbeiten.
Mit hundert Goldstücken ist man reich.
Mit hundert Goldstücken kann man ein ruhiges Leben führen.
Er beendete seine Berechnungen. Wenn er hart arbeitete und sein Gehalt und etwaige Trinkgelder sparte, konnte er in elf oder zwölf Jahren genügend für ein weiteres Goldstück beisammen haben.
Zwölf Jahre sine eine lange Zeit, dachte er.
Vielleicht konnte er seine Frau überreden, sich für eine Weile im Dorf zu verdingen. Und er arbeitete schließlich nur bis um fünf Uhr im Palast. Nachts konnte er noch etwas hinzuverdienen.
Er überlegte: Wenn man seine Arbeit im Dorf und die seiner Ehefrau zusammenrechnete, konnten sie in sieben Jahren das Geld beieinander haben.
Das war zu lang.
Vielleicht konnte er das Essen, das ihnen übrigblieb, ins Dorf bringen und es für ein paar Münzen verkaufen. Je weniger sie also essen würden, desto mehr könnten sie verdienen.
Verdienen, verdienen.
Es würde warm werden. Wozu brauchten sie so viel Winterkleidung? Wozu brauchte man mehr als ein Paar Hosen?
Es war ein Opfer. Aber in vier Opferjahren hätten sie Goldstück Nummer hundert.
Der König und der Weise kehrten in den Palast zurück.
Der Page war in den Kreis der neunundneunzig eingetreten.

Während der kommenden zwei Monate verfolgte der Bedienstete seinen Plan genau, wie er ihn in jener Nacht entworfen hatte. Eines Morgens klopfte er übelgelaunt und gereizt an die Tür des königlichen Schlafzimmers.
„Was ist denn mit dir los?, fragte der König höflich.
„Mit mir? Gar nichts.“
„Früher hast du immer gesungen und gelacht.“
„Ich tue meine Arbeit, oder etwas nicht? Was wünschen Ihre Majestät? Soll ich Euch auch noch Hofnarr und Barde sein?“
Es dauerte nicht mehr allzulang, da entließ der König den Diener. Er fand es unangenehm, einen Pagen zu haben, der immer schlecht gelaunt war.

Wir alle sind oft nach diesen blöden Regeln erzogen worden. Immer fehlt ein Stück, um zufrieden zu sein, und nur, wenn man zufrieden ist, kann man das genießen, was man hat.

(aus „Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“ von Jorge Bucay – Amann Verlag)
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Anders reisen

Schon als sehr junger Mensch fand ich heraus, dass die beste Art zu lernen für mich das Reisen war. Bis heute habe ich mir die Seele eines Wanderers bewahrt und möchte hier in der Hoffnung, sie könnten anderen ´Wanderern´ nützlich sein, einige Lektionen wiedergeben, die ich gelernt habe.

1)    Meide Museen. Der Rat mag absurd erscheinen, aber lasst uns einen Augenblick miteinander nachdenken: Wenn du in einer fremden Stadt bist, ist es da nicht interessanter, statt der Vergangenheit die Gegenwart zu suchen? Die Leute fühlen sich verpflichtet, in Museen zu gehen, weil sie von klein auf gelernt haben, dass Reisen bedeutet, diese Art von Kultur zu suchen. Selbstverständlich sind Museen wichtig, aber du musst wissen, was du sehen willst, andernfalls verlässt du sie mit dem Eindruck, dass du zwar ein paar grundlegende Dinge für dein Leben gesehen hast, aber nicht mehr weißt, welche es denn waren.

2)    Geh in Bars. Dort zeigt sich das Leben der Stadt. Mit Bars meine ich nicht Diskotheken, sondern Orte, wo die Einheimischen sich treffen, trinken, über Gott und Welt diskutieren und immer offen sind für ein Gespräch. Kaufe eine Zeitung, sitze einfach da, und schaue dem Kommen und Gehen zu. Wenn jemand ein Gespräch anfängt, geh darauf ein, auch wenn das Thema noch so albern ist. Man kann über die Schönheit eines Weges nicht befinden, wenn man nur aus der Tür schaut.

3)    Sie offen. Der beste Touristenführer ist ein Einheimischer. Er kennt alles, ist stolz auf seine Stadt, arbeitet aber nicht für eine Agentur. Geh auf die Straße hinaus, suche dir einen Menschen aus, mit dem du reden möchtest, und frage ihn nach dem Weg (Wo liegt die Kathedrale? Wo ist die Post?). Wenn es beim ersten nicht klappt, frage einen zweiten – und ich garantiere dir, dass du bis zum Tagesende eine ausgezeichnete Begleitung gefunden haben wirst.

4)    Reise allein oder, wenn du verheiratet bist, mit deinem Partner. Nur so kannst du wirklich dein Land verlassen. Wenn du in einer Gruppe reist, simulierst du nur eine Reise in ein anderes Land, bei der du weiter deine Muttersprache sprichst, den Weisungen eines ´Leithammels´ folgst und dich mehr um den Klatsch und Tratsch in der Gruppe als um den Ort kümmerst, den du besuchst.

5)    Vergleiche nicht. Vergleiche nichts – weder Preise noch Sauberkeit, noch die Lebensqualität, doch die Verkehrsmittel, nichts!! Du reist nicht, um zu beweisen, dass du besser lebst als die anderen. Du sollst herausfinden, wie die anderen leben, was sie dich lehren können, wie sie mit der Realität und dem Besonderen im Leben umgehen.

6)    Begreife, dass alle dich verstehen. Auch wenn du die Landessprache nicht sprichst, habe keine Angst: Ich war an vielen Orten, an denen ich mich nicht mit Worten habe verständlich machen können, und habe letztendlich doch immer Hilfe, wichtige Vorschläge erhalten und sogar Freunde und Freundinnen gefunden. Einige Menschen fürchten, sich zu verlaufen, wenn sie alleine reisen und auf die Straße hinaus gehen. Man braucht nur die Visitenkarte des Hotels in der Tasche haben und notfalls ein Taxi zu nehmen und sie dem Fahrer unter die Nase halten.

7)    Kaufe nicht viel ein. Gib dein Geld für Dinge aus, die du nicht zu tragen brauchst: gute Theaterstücke, Restaurants, Ausflüge. Heutzutage, in den Zeiten des globalen Marktes und des Internets, kannst du alles kaufen, ohne Übergewicht zu bezahlen.

8)    Versuche nicht, die ganze Welt in einem Monat zu bereisen. Es ist besser, vier oder fünf Tage in einer Stadt zu bleiben, als fünf Städte in einer Woche zu besuchen. Eine Stadt ist eine kapriziöse Frau, die Zeit braucht, um verführt zu werden und sich ganz zu zeigen.

9)    Eine Reise ist ein Abenteuer. Henry Miller hat einmal gesagt, es sei wichtiger, eine Kirche zu entdecken, der noch niemand etwas gehört hat, als nach Rom zu gehen und sich verpflichtet zu fühlen, die Sixtinische Kapelle zu besichtigen. Geh ruhig in die Sixtinische Kapelle, aber verlier dich in den Straßen, geh durch die Gassen, spüre die Freiheit, etwas zu suchen, von dem du nicht weißt, was es ist, was du aber ganz gewiss finden wirst und was vielleicht dein Leben ändern wird.

(aus "Sei wie ein Fluss der still die Nacht durchströmt" von Paulo Coelho)
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Kein Urteil ist wichtiger als das über uns selbst. Trotzdem vertrauen wir uns oft nicht – verstecken uns hinter alten Verletzungen. Wie wir es schaffen, unserer Selbstachtung zurückzuerlangen und ein Leben zu führen, nach dem wir uns in unserem Innersten wirklich sehnen.

Jeder von uns trägt sie in sich – diese Stimme, du uns sagt, dass wir voll und ganz auf unser Fähigkeiten vertrauen können. Die weiß, dass auch wir das Recht haben, glücklich zu sein. Es verdient haben, unsere Bedürfnisse und Wünsche geltend zu machen. Die sagt: Du bist wertvoll. Es ist diese innere Stimme, die wir Selbstachtung nennen und die doch immer wieder zu verstummen scheint. So bleibt sie still, während wir laut über alte Verletzungen nachdenken und dadurch Selbstzweifel nähren. Wir verurteilen uns selbst. Beginnen zu glauben, dass es nicht unser Schicksal sein kann, glücklich zu werden. Vielleicht begehen wir einen Fehler, schlage und danach mit Schuldgefühlen herum – verlieren dann das Vertrauen in uns selbst vollkommen. „Doch von allen Urteilen, die wir im Leben fällen“, schreibt der Psychotherapeut Nathaniel Branden, „ist keines so wichtig wie jenes, das wir über uns selbst fällen.“ So ist die Stimme der Selbstachtung einer unserer wichtigsten Begleiter. Branden geht sogar noch ein Stück weiter und bezeichnet sie als ein menschliches Grundbedürfnis. Genauer: als das Bedürfnis, das Gefühl zu haben, dass wir genug sind.

Das Immunsystem unseres Bewusstseins

Eine positive Selbstachtung, so sagt Branden, schenkt uns Widerstandsfähigkeit, Kraft und die Möglichkeit, uns immer wieder zu erholen. Die meisten Menschen aber unterschätzen ihr Potenzial, zu wachsen und Rückschläge zu verkraften. Sie glauben, dass das Muster von gestern auch das von morgen sein muss. Sie erkennen nur selten, wie viel sie selbst tun können, wenn Wachstum eun ein höheres Selbstwertgefühl ein Ziel ist und sie bereit sind, Verantwortung für ihr eigenes Leben zu übernehmen. Der Glaube sie seien machtlos, wird zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Wenn wir glauben, dass es unser Schicksal ist, unglücklich zu sein, so darf unser Bewusstsein nihcht zulassen, dass uns die Realität mit Glück verwirrt. Nicht wir müssen uns der Realität anpassen. Plötzlich muss sich die Realität ans anpassen. Die Möglichkeit, in der Gegenwart glücklich zu sein, kann uns erschrecken. Also brauchen wir den Mut, Glück aufzunehmen. Anzunehmen Paulo Coelho schreibt in den „Schriften von Accra“. „Nur der wird geliebt und geachtet, der sich selber liebt und achtet. Versuche nie, allen zu gefallen, oder du wirst die Achtung aller verlieren.“ Und es sit wahr: Wenn wir uns selbst nicht achten, handeln wir in der Regel so, dass unser Selbstwertgefühl immer weiter sinkt. Wir akzeptieren, dass andere sich uns gegenüber unangemessen verhalten. Bestätigen damit unserer Negativität. Achten wir uns aber selbst, handeln wir so, dass diese Achtung bestätigt und verstärkt wird. Die Art wie wir handeln, erlangt von anderen, in angemessener Weise mit uns umzugehen. Doch Selbstachtung ist nicht zu verwechseln mit der Vorstellung, wir seien perfekt oder allen anderen überlegen. Sie ist weder vergleichend noch konkurrenzorientiert. Sie ist die Überzeugung, dass user Leben und unser Wohlbefinden es wert sind, durch unser Handeln unterstützt, geschützt und gefördert zu werden. Sie ist die Überzeugung, dass unser glück und unsere Persönliche Erfüllung wichtig genug sind, um dafür zu kämpfen. Doch Selbstachtung kann niemals erzwungen werden. Vielmehr ist sie die Folge bestimmter Einstellungen und Lebenspraktiken. Nathaniel Branden nennt sie die sechs Säulen der Selbstachtung. Sie können uns dabei helfen, der Stimme unserer eigenen Selbstachtung wieder mehr Beachtung zu schenken. Denn ein Selbst ist dazu da, um verwirklicht und gefeiert – und nicht, um verleugnet zu werden. Hören wir also auf diese Stimme, die in jedem von uns liegt. Die sagt: „Du bist wertvoll. Du bist genug.“

1.      Bewusst Leben

„Bewusstsein“, so beschreibt es der amerikanische Autor Dr. David Frawley, „ist ein Geheimnis, das über die Dimension der physischen Welt hinaus reicht.“ Es gilt als der höchste Ausdruck des Lebens. Doch Bewusstsein, so glaubt der Psychotherapeut Nathaniel Branden, ist auch stets eine Frage unseres Willens. Wir haben die Option, nach Bewusstsein zu streben; jedem Moment die Aufmerksamkeit zu schenken, die er verdient. Genauso gut aber können wir uns gegen entscheiden. Jeden Tag begegnen uns diese kleinen Wahlen des Lebens; denken oder nicht denken, der Realität ins Auge sehen oder ausweichen. Auf der bewussten Ebene erinnern wir uns nur selten an diese Wahlen, doch tief in unsere Psyche werden unsere Entscheidungen addiert. Und schließlich sind genau das die Erfahrungen, die wir Selbstwert nennen. So machen wir uns ein Bild von uns selbst. Haben ich in der Situation angemessen gehandelt? Kann ich mir selbst vertrauen? Schenken wir unsren Taten, Absichten, Werten und Zielen so stets eine angemessene Aufmerksamkeit – lassen dabei unsere Fähigkeiten nicht aus den Augen, so ist unser Bewusstseinsniveau hoch. Bewusst leben heißt, unseren Verstand aktiv zu nutzen. Die Wahl fällt dann öfter aufs Denken als aufs Nichtdenken. Wie gebe uns nicht der Illusion hin, eine andere Person könne uns unsere Entscheidungen abnehmen. Es bedeutet, in der Gegenwart zu leben und trotzdem nicht drin gefangen zu sein. Wir lernen, zwischen Tatsachen, Interpretationen und Emotionen zu unterscheiden. Legt mein Gegenüber die Stirn in Falten. So kann ich glauben, dass er oder sie wütend auf mich ist, und schließlich völlig verunsichert sein. Doch entspricht dies tatsächlich der Wahrheit? Wenn wir bewusst leben holen wir uns stets Rückmeldung von unserer Umwelt ein – wir legen nicht einen Kurs fest und vertrauen dann vollkommen blind darauf. So können wir erfragen, ob die andere Person tatsächlich wütend oder vielleicht doch nur besorgt ist. Unsere Ängste ändern, nicht die Tatsachen, sie bauen lediglich eine Mauer um uns herum auf. Wenn wir aber darüber nachdenken, welchen Lebensbereich wir bislang zu wenig Bewusstsein schenken, so können wir dies Mauer einreißen. Balance erreichen. Wir müssen uns nur eins fragen: Wo in einem Leben liegen Schmerz und Frustration? Und dann bereit sein zu Ehrlichkeit.

2.      Sich selbst annehmen

Sie ist die Stimme der Lebenskraft. Die Selbstannahme ist einer der wichtigsten Schritte auf dem Weg zu mehr Selbstachtung, denn sie sie ist vollkommen ehrlich. Sie ist der positive, gute Egoismus, den wir im Laufe unseres Lebens weitestgehend abzulegen lernen. Er bedeutet, dass wir auf unserer Seite sind. Dass wir für uns einstehen und unserem Selbst gegenüber eine gewissen Verpflichtung spüren. Selbstannahme ist die Bereitschaft zur Ehrlichkeit – dass wir das denken, was wir denken; das fühlen, was wir fühlen; das getan haben, was wir tatsächlich getan haben; und dass wir sind, wer wir sind. Unsere Emotionen müssen dabei aber nicht das letzte Wort haben. Wir können akzeptieren, dass wir nach einer unruhigen Nacht keine Lust haben, uns morgens auf dem Weg zur Arbeit zu machen. Trotzdem fahren wir los – wir fühlen uns schließlich verpflichtet. Wenn wir auch diese Emotionen annehmen, können wir uns sicher sein, dass wir den Tag nicht mit einem Selbstbetrug beginnen. Nur wenn wir uns auf negative Gefühle einlassen, können wir sei loslassen. Sie tragen sogar dazu bei, dass unsere Selbstannahme wächst. Schließlich sind sie ein Ausdruck unserer selbst. Sie sind ein Teil von uns. Und auf einmal geht es um mehr als nur Akzeptanz. Es geht darum zu erfahren. Unsere Gefühle in unser Bewusstsein aufzunehmen. Dies, so glaubt Branden, hat eine direkte heilende Wirkung auf die Psyche. Dabei müssen wir nicht, wie oft angenommen, alles an uns gutheißen. Oder das Interesse daran verlieren, etwas ändern zu wollen. Im Gegenteil: Selbstannahme ist die Voraussetzung für Verwandlung und Wachstum. Selbstannahme leugnet nicht, doch sie erfragt die Hintergründe. Wenn wir etwas getan haben, das wir hinterher bereuen, so machen wir uns häufig schwere Vorwürfe. Gehen meist härter mit uns ins Gericht als mit anderen. Selbstannahme lehr uns, dass wir unsere Fehler durchaus verurteilen dürfen – trotzdem können wir uns weiterhin ein Freund sein. Uns mit Wohlwollen begegnen. So lernen wir. Können beim nächsten Mal anders handeln. Doch die meisten Menschen leugnen sich nur ihre Fehler, sie leugnen viel öfter noch ihre positiven Seiten. So können unser Ehrgeiz, unsere Fähigkeiten und Talente uns ebenso beängstigen wie unser Schwächen. Hören wir also auf, unsere Größe zu leugnen! Sie ist ein Teil von uns. Es wert, stolz zu sein!

3.    Eigenverantwortlich leben

„Es kommt niemand.“ Ein Satz. Und eine Botschaft. Branden gibt sie beinahe jedem seiner Klienten mit auf dem Weg. Doch eben jener Satz bedeutet niemals Einsamkeit oder Resignation, auch wenn es zunächst so klingen mag. Vielmehr ist er eine Lebenseinstellung. Eine Aufforderung zum Handeln. Denn so glaubt Branden, nur wir sind für die Erfüllung unserer Wünsche verantwortlich. Niemand ist es uns schuldig, dass unsere Hoffnungen erfüllt werden. Wer eigenverantwortlich lebt, der achtet gut auf seine Entscheidungen und sein Handeln. Nur wir allein sind für unser handeln gegenüber anderen verantwortlich. Nur wir können unsere Versprechen halten. Unsere Botschaften sorgsam wählen. Wichtig aber ist: Wir sind keinesfalls für all das verantwortlich, was uns widerfährt. Schließlich hat auch das Schicksal seine Hände mit im Spiel. Wir können nicht alles beeinflussen, was mit uns und um uns herum geschieht. Doch ein eigenverantwortliches Leben setzt eine aktive Lebenseinstellung voraus. Selbstständiges Denken und ein Handeln, das nach dem eigenen Verstand verläuft. Denn wir entscheiden, welche Werte und Vorstellungen wir für unser Leben wählen und übernehmen. Wer eigenverantwortlich lebt, weiß, dass andere Menschen nicht an unserer Seite sind, um uns zu dienen. Wenn wir also möchten, dass andere uns einen Gefallen tun, so müssen wir unsere Beweggründe mit ihnen teilen. Wir lernen, dass Verantwortung etwas durchaus Positives ist. Sie ist keine Last, sondern hilft uns vielmehr dabei, ein Leben zu leben, welches nach unseren Vorstellungen verläuft. Und sie hilft uns auf dem Weg zu mehr Selbstachtung. Wir lernen, uns noch mehr zu vertrauen – und verstehen, dass nur wir unseren Wert bestimmen. „Es kommt niemand.“ Ein Satz. Eine Botschaft. Und doch birgt er so viel Wahrheit in sich.

Es kommt niemand, der unsere Probleme löst. Es kommt niemand, der für unser persönliches Glück verantwortlich ist. Wir sind es. Und das ist gut, denn es bedeutet, dass ein glückliches und erfülltes Leben stets erreichbar ist. Es ist nicht von anderen abhängig und wird nicht von ihnen bedingt. Wir können glücklich sein, wenn wir bereit sind, diese Verantwortung zu tragen. Wir können glücklich sein – aus eigener Kraft heraus.

4.     Sich selbstsicher behaupten

Was geschieht, wenn alles, was wir sind, verborgen bleibt? Wenn all das, was wir uns wünschen, nur wir selbst kennen? Nathaniel Branden ist sich sicher: Selbstachtung ist in diesem Zustand besonders schwer.

So glaubt er an das Prinzip der Selbstbehauptung. Sie bedeutet, dass wir den eigenen Wünschen, Bedürfnissen und Werten Rechnung tragen. Sie praktisch zum Ausdruck bringen. Sie bedeutet weder Arroganz, noch, dass wir uns vordrängeln oder auf unsere Rechte pochen. Doch wir können durchaus selbstbewusst für uns eintreten, offen sein. Authentisch. Wenn wir uns von unseren tiefsten Überzeugungen leiten lassen und dementsprechend handeln, so gewinnen wir an Selbstachtung. Wir können dann eigene Ideen vorbringen. Wir können anderen ohne Probleme Komplimente machen und sie in gleicher Weise annehmen. Aber auch schweigen, wenn wir es für angemessen halten. Selbstbehauptung bedeutet Neugier. Fragen stellen. So, wie wir es als Kinder taten. Kein „Warum“ scheuen. Und schließlich eigenständig über die gegebenen Antworten nachdenken. Sie nicht einfach hinnehmen. Wenn wir uns selbstsicher behaupten, dann gehört unser Leben uns. Es geht nicht mehr nur darum, die Erwartungen anderer zu erfüllen. Wir können Nein sagen, wenn wir Nein sagen möchten. Aber noch viel wichtiger: Nicht nur das ablehnen, was wir nicht mögen. Sondern für das einstehen, was uns gefällt und was wir uns wünschen. Öfter Ja sagen zu den Dingen, die uns Freude bereiten. Und mögen sie noch so klein, oder für andere ungewöhnlich erscheinen. Wir beginnen unsere Wertvorstellungen in der Welt einzubringen – hören auf, unser Leben zu träumen. Leben einfach. Wir erkenn, dass unser Ideen wichtig sind, keine Hirngespinste oder reine Wunschvorstellungen. Nathaniel Branden schreibt: „Habe Mut zu sein, wer du bist.“ Und es ist wahr: Es erfordert Mut. Und Ausdauer, wenn etwas nicht auf Anhieb funktionieren mag. Doch wenn wir Selbstbehauptung wirklich leben, dann stellen wir uns den Herausforderungen des Lebens. Wir geben nicht einfach auf, wenn wir etwas nicht verstehen. Haben wir also Mut, unsere Bedürfnisse offen zu zeigen. Dann nur dann können wir Selbstsicherheit ausstrahlen.

5.      Zielgerichtet Leben

„Nur wer sein Ziel kennt, findet den Weg.“, schrieb der chinesische Philosoph Laotse bereits vor Jahrhunderten. Es sind eben jene Ziele, die uns weiterringen, glaubt auch Branden. Sie sind es, die unsere Fähigkeiten mobilisieren und uns Auftrieb geben. Die uns in Momenten der Antriebslosigkeit zur Hilfe kommen. So sollten wir uns stets fragen: Was versuche ich zu erreichen? Und wie versuche ich es?

Nur so können wir uns überhaupt bestimmte Dinge vornehmen. Vielleicht sind es kleine Ziele, vielleicht ist es auch ein großer Lebenstraum. Es spielt keine Rolle. Doch ein Leben ohne Ziele, sagt Branden, führt zu Tagträumereien. Und dies wiederum können uns nicht das Gefühl von Selbstwirksamkeit geben.

Wir lernen, die Verwirklichung von Lebenszielen nicht dem Zufall oder dem Schicksal zu überlassen. Wir definieren unsere Wünsche selbst. Nur wir. Arbeiten an ihnen – mit aller Kraft.

Leben wir zielgerichtet, so hören wir auf, nach Ausreden zu suchen. Ausreden, die uns davor bewahren sollen, uns wahrhaftig mit den Gründen unerfüllter Träume auseinanderzusetzen.

Wenn wir versuchen, unsere Ziele zu erreichen, so entdecken wir vielleicht neue Fähigkeiten und Talente, die uns weiterbringen können. Wir lernen, dass wir sie nutze dürfen. Sie nicht leugnen, verstecken oder uns für sie schämen müssen. Wir dürfen jene Fähigkeiten vollkommen ausreizen.

Ein auf Ziele ausgerichtetes Leben respektiert die Gegenwart, ohne dabei die Zukunft aus den Augen zu verlieren. Es bedeutet, langfristig zu denken, zu planen und Konsequenzen abzuwägen. Und lehrt uns, dass wir die Autoren und Gestalter unserer Zukunft sind.

Aber auch zu akzeptieren, dass sich manche Dinge unserer Kontrolle entziehen. Wir dürfen loslassen. Mit dem Ziel, uns zu regenerieren und neue Kraft zu gewinnen.

Die Wurzeln der Selbstachtung liegen jedoch nicht in den Erfolgen. Es sind nicht unsere erreichten Ziele. Es ist die immer wiederkehrende Bereitschaft, sich für die selbst definierten Wünsche einzusetzen. Sie niemals aus den Augen zu verlieren.

Seien wir also aktiv und begeben uns auf die Suche nach neuen Wegen und Möglichkeiten. Denn dann werden wir ankommen. Unsere Ziele erreichen.

6.    Persönliche Integrität

Wann genau schenken wir einem Menschen unser Vertrauen? Woran machen wir Vertrauen fest? Nathaniel Branden weiß: Immer dann, wenn die Worte eines Menschen mit seinem Verhalten übereinstimmen, so beginnen wir ihm zu vertrauen.

Wenn er seine Versprechen hält und zu seinem Wort steht. Gleiches gilt für unser Bewusstsein. Denn im Gerichtssaal unseres Verstandes gibt es nur ein einziges Urteil, das zählt – unser eigenes. Wir selbst können und nicht meiden. Und unsere Selbstachtung können wir nur dann wahren, wenn wir integer sind. Wenn also unser Verhalten mit unseren Wertvorstellungen übereinstimmt, wenn unsere Ideale im Einklang mit unserem Handeln sind. Verhalten wir uns gegenteilig, so verlieren wir das Gesicht vor uns selbst. Verlieren das Vertrauen in uns und damit auch unsere Selbstachtung.

Folgende Fragen können uns dabei helfen, entsprechend unseren werten zu handeln: Bin ich ehrlich, zuverlässig und vertrauenswürdig? Halte ich meine Versprechen? Bin ich fair und gerecht im Umgang mit anderen? Außerdem sollten wir keine Scheu haben, unsere Werte und Maßstäbe zu hinterfragen. Unsere tiefsten Überzeugungen auf die Probe zu stellen.

Natürlich kann uns trotzdem niemand eine Garantie geben, dass wir stets die beste Entscheidung treffen werden. Doch unsere Integrität sorgt dafür, dass wir uns bemühen, eine Lösung zu finden. Auch dann, wenn wir einmal einen Fehler begehen oder jemanden ungewollt verletzen. Schuldgefühle helfen uns hier nicht weiter. Wenn wir tatsächlich verantwortlich sind, so sollten wir zunächst anerkennen, was wir getan haben. Wir bemühen uns zu verstehen, warum wir in diesem Moment gehandelt haben, wie wir es taten. Wenn andere betroffen sind, so bekennen wir uns diesen Personen gegenüber zu unserem Fehler. Schließlich tun wir alles in unserer Macht Stehende, um die Verletzung zu begrenzen. Und wir nehmen uns vor, in Zukunft anders zu handeln. So wahren wir unser Gesicht. Bemühen uns die Verantwortung für unsere Entscheidung zu übernehmen, so können wir ebenso unsere Selbstachtung wahren. An unseren Werten glauben und unserem Selbst vertrauen.

 (Artikel von Lina Knoop,  aus der  HAPPINEZ Nr.7/Jahrgang 9)

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Zwischen Reiz und Reaktion liegt Raum.

In diesem Raum liegt unsere Macht
zur Wahl unserer Reaktion.

In unserer Reaktion liegen unsere
Entwicklung und unsere Freiheit.

                                                        (Viktor Frankl - Österreichischwer Neurologe und Psychologe)

Der König, der angebetet werden wollte

Es war einmal ein König, den hatte die Eitelkeit fast in den Wahnsinn getrieben. Eitelkeit macht die Menschen immer verrückt. Dieser König ließ in seinem Palastgarten einen Tempel bauen und in dem Tempel eine Statue von sich selbst im Lotussitz aufstellen.

Jeden Morgen, glich nach dem Frühstück, ging der König in seinen Tempel, war sich vor seinem Abbild nieder und betete sich selbst an. Eines Tages befand er, dass die Religion, die nur einen einzigen Anhänger besaß, keine rechte Religion sei, und entschied, er müsse mehr Anbeter haben.

Also erließ er das Dekret, dass sämtliche Soldaten der königlichen Leibwache sich zumindest einmal täglich vor seiner Statue niederwerfen sollten. Dasselbe galt für alle Bediensteten wie auch für die Minister des Königreichs. Sein Wahnsinn nahm mit der Zeit immer üblere Ausmaße an, und als die Unterwerfung seiner Untergebenen ihm eines Tags nicht mehr genügte, schichte er die Leibwache zum Markt und befahl ihr, die ersten drei Personen mitzubringen, die ihr begegneten.

An ihrem Beispiel, so dachte er, werde ich beweisen, wie stark der Glaube an mich ist. Ich fordere sie auf, sich vor meinem Abbild zu verneigen. Wenn sie klug genug sind, so tun sie es, und wenn nicht, werden sie mit dem Leben dafür bezahlen.

Die Soldaten der Leibwache brachten einen Intellektuellen, einen Pfarrer und einen Bettler mit, die in der Tat die drei ersten Personen waren, denen sie auf dem Markt begegneten.

Die drei wurden zum Tempel geführt und dem König vorgestellt.

„Dies ist das Bildnis des einzig wahren Gottes“, sagte der König zu ihnen. „Werft euch vor ihm nieder, oder ihr zahlt es mit dem Leben.“

Der Intellektuelle dachte: „Der König ist verrückt und wird mich töten, wenn ich mich nicht verneige. Das ist höhere Gewalt. Niemand kann mich dafür verurteilen angesichts der Tatsache, dass ich es ohne Überzeugung getan habe, allein, um mein Leben zur retten, und im Dienste der Gesellschaft, der ich mich verpflichtet sehe.“ Und er verneigte sich vor dem Abbild.

Der Priester dachte: „Der König ist verrückt geworden, und er wird seine Drohung wahr machen. Ich bin ein Auserwählter des wahren Gottes, und deshalb wird mein spirituelles Handeln den Ort segnen, an dem ich bin. Egal, vor welchem Bild ich es tue, wird es immer der wahre Gott sein, vor dem ich mich verneige.“  Und er kniete nieder.

Nun war der Bettler an der Reihe, der keinerlei Anstalten dazu machte.

„Knie nieder“, sagte der König.

„Majestät, ich bin dem Volk nichts schuldig, das mich offen gestanden meist mit Fußtritten von seinen Türschwellen jagt. Auch bin ich von niemanden auserwählt, außer von den paar Läusen, die auf meinem Kopf überwintern. Ich mag niemanden verurteilen, noch kann ich irgendein Abbild segnen. Uns was mein Leben angeht, so halte ich es nicht für ein derart kostbares Gut, als dass es das wert wäre, sich dafür lächerlich zu machen, nur um es behalten zu dürfen. Deshalb, teurer Herr, gibt es für mich keinen Grund, niederzuknien.“

Man sagt, die Antwort des Bettlers habe den König derart bewegt, dass ihm ein Licht aufging und er begann, sein Verhalten zu überdenken.

Nur dadurch, sagt die Legende, wurde der König geheilt und ließ den Tempel durch einen Springbrunnen ersetzen und die Statue durch riesige Blumenvasen.

(aus „Komm, ich erzähl dir eine Geschichte“ von Jorge Bucay – Amann Verlag)

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Es muss ein Gleichgewicht zwischen dem Gehirn und dem Herzen bestehen. Ich denke, dass ein herzloses menschliches Wesen mit einem sehr gut funktionierenden Gehirn ein gefährlicher Unruhestifter ist. Ich schätze jemanden, dessen Intelligenz weniger entwickelt ist, der aber ein gutes Herz hat, höher ein.

(aus „Tag für Tag zur Mitte finden“ - Dalai Lama – Herder Verlag)


Der Apfelbaum

Vier Yogaschüler tragen sich unter einem Apfelbaum. Obwohl sie seit vielen Jahren einmal die Woche zusammen Yoga praktizierten und sich gemeinsam intensiv mit der Yogaphilosophie beschäftigten, waren sie immer noch sehr von ihren subjektiven Sichtweisen auf die Welt geprägt. Dies wurde besonders deutlich, als sie sich über den Apfelbaum unterhielten.

Der eine, ein begnadeter Koch, sah die roten prallen Äpfel und sagte: „Aus diesen saftigen Äpfeln werde ich bald einen köstlich schmeckenden Apfelkuchen zubereiten.“

Der zweite Yogaschüler, ein träger, älterer Hausmeister hingegen meinte: „Oh je, wenn der nächste Regen kommt, muss ich alle Blätter zusammenzukehren. Darauf habe ich keine Lust.“

Der Dritte war ein ausgezeichneter Schreiner. Er teilte den anderen mit: “Dieser Baum hat gutes Holz. Daraus kann ich schöne Möbel schnitzen, die viele Menschen erfreuen werden.“

Der vierte Schüler war Maler und sprach beim Anblick des Apfelbaums: „Diesen Baum werde ich malen.“ Und er dachte mit keiner Sekunde daran, was er mit den Äpfeln, dem Laub oder dem Holz machen könnte. So sah jeder den Teil der Wirklichkeit, der zum eigenen kleinen Universum gehörte.

(aus „Alles ist Yoga“ von Doris Iding erschienen im Schirner Verlag 2010)

Doris Iding ist Ethnologin M.A. und beschäftigt sich seit über 20 Jahren intensiv mit der bewussten Integration verschiedener spiritueller Traditionen im Alltag. Für sie ist Spiritualität nur dann von Nutzen, wenn sie Eingang findet in das Leben und die Arbeit des spirituell Praktizierenden.

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Das Sankhya beschreibt Gedanken als Pakete potentieller Energie, die sich immer mehr verfestigen, wenn günstige Bedingungen vorhanden und Hindernisse ausgeräumt sind.

Sie werden zu Wünschen, dann zu Gewohnheiten, dann zu Lebensweisen mit physisch-materiellen Konsequenzen. Diese Konsequenzen mögen ebenso wenig Gedanken ähnlich sehen, wie ein Eichenbaum einer Eichel ähnlich sieht, aber die Gita sagt, dass sie ebenso eng zusammenhängen wie die Letzteren.

Genauso wie der Samen sich nur zu einer Baumart auswachsen kann, können Gedanken nur Auswirkungen von gleicher Wesensart hervorrufen. Freundlichkeit gegenüber anderen, um nur ein Beispiel zu nennen, begünstigt ein Nervensystem, das sich selbst gegenüber freundlich ist.

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Kleshas – kosmische Kräfte, die jedem Menschen innewohnen.
Man sagt die Hauptursachen für das meiste Leid der Menschen:

Avidya – falsches Versehen, falsches Wissen

Asmita – falsches Verständnis der eigenen Person

Raga – drängendes Verlangen, Gier

Dvesa – unbegründete Ablehnung, Abneigung

und

Abhinivesa – die Angst

Dem Yogasutras des Pantanjali zufolge tun sich sogar die Weisen schwer, mit ihrer Angst richtig umzugehen, geschweige denn sie zu beherrschen. Die Angst ist wohl eines unserer größten Hindernisse, weil sie nur allzu oft schleichend in uns aufsteigt und dann zu spät erkannt wird.

Es sind die verschiedensten Ängste, die in uns wohnen können. Angst vor Verlust in jeglicher Hinsicht, ob materiell, von Ansehen, oder Menschen. Die Angst vor Vergänglichkeit und Veränderung unsere momentane Situation. Und egal, was wir auch unternehmen, nichts kann uns vor Alter, Krankheit und Tod schützen.

Wir versuchen unser Leben zu planen, versuchen alles zu kontrollieren. Planen für uns und für andere, damit auch alles so eintrifft, wie wir es uns vorstellen. Und wenn etwas nicht so läuft, wie wir es uns vorstellen oder wünschen, kommen wir ins zweifeln und hadern mit unserem Schicksaal. „Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, mach Pläne.“  Wir hängen uns an materielle Dinge, definieren uns sogar über sie, um uns Sicherheit vorzuspielen, oft getrieben von den Ängsten der Vergänglichkeit.

Doch wir können uns auf den Kopf stellen und mit den Augendeckeln Schuh platteln, es wird uns nichts helfen. Im Gegenteil, durch Erwartungen, machen wir uns noch mehr Druck und leben in ständiger Angst, die uns letztendlich Krank macht. Wir können nie wissen, was und in der nächsten Minute, Stunde erwartet. Und ständige Sorge und Angst lähmt uns im Moment wirklich zu leben.

Ein Leben voller Vertrauen ins Leben und in die Möglichkeiten, jeden Moment neu wahrzunehmen und zu entscheiden, wie wir handeln und sein möchten, gibt uns Freiheit. Das Gestern ist unveränderlich und die Zukunft ist nicht bekannt. Das einzige was in diesem Moment reell ist, ist genau dieser Moment. Wovor sollten wir nun Angst haben?

Je mehr wir unser Leben bewusst leben, desto besser und gesünder können wir unseren eigenen Ängsten entgegentreten – und ein entspanntes Leben, aus jedem gegenwärtigen Moment heraus führen. Und jeder schöne Moment des Lebens kann ein Moment der Ewigkeit werden, wenn wir es schaffen, ihn im Herzen zu tragen.

 Dazu eine kleine Geschichte:

Das Kamel

Es lebte im alten Rjastan ein Dieb. Er wurde erwischt, als er ein Kamel des Königs stehlen wollte. Der König tat, was er mit allen Dieben tat: Er verurteilte ihn zum Tode. Der Dieb aber war ein furchtloser und über die Maßen cleverer Busche und bat den König um einen letzten Gefallen. Er sagte: „Wenn der König ein wirklich guter König ist und ein großes Herz hat, dann bitte ich ihn, mir mein Leben zu schenken.“ Noch bevor der König etwas sagen konnte, fügte er hinzu: “Und wenn der König mir das Leben lässt, dann werde ich dem Kamel, das ich stehlen wollte, innerhalb von einem Jahr das Tanzen beibringen.“

Der Dieb klang überzeugend, sodass der König einwilligte. „Nun gut, so sei es!“, sprach der König. „Aber wenn das Kamel in dieser Zeit nicht lernt zu tanzen, werde ich dich vor den Augen des ganzen Dorfes hinrichten lassen.“ Der Dieb willigte lächelnd ein und verneigte sich vor dem König. Als er mit dem Kamel nach Hause kam und seiner Frau erzählte, was sich zugetragen hatte, war diese voller Sorge um ihren Mann. Sie fragte ihn: „Wie, um Himmels willen, willst du dein Versprechen einlösen?“

Der Mann lächelte und erwiderte: „Mach dir keine Sorgen. Ich hab keine Angst vor dem König. Und weißt du auch warum?“ „Nein“, antwortete seine Frau erstaunt. – „Im Verlauf eines Jahres kann so viel geschehen: Der König könnte sterben. Auch das Kamel könnte sterben oder aber das Tanzen lernen. Was wissen wir schon darüber, was in einem Jahr sein wird oder nicht sein wird?“ Mit diesen Worten ging er in den Garten und legte sich in den Schatten eines alten Baumes. Er schlief so himmlisch, als wäre nichts geschehen.

(aus Alles ist Yoga von Doris Iding, Schirner Verlag)

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Die Kunst des Rückzugs

Ein Krieger des Lichts, der zu sehr seiner Intelligenz vertraut, unterschätzt am Ende die Kraft seines Gegners.
Man darf nie vergessen: Es gibt Augenblicke, da ist die Kraft wirkungsvoller als der Scharfsinn. Und wenn wir uns einer bestimmten Form von Gewalt gegenübersehen, wird kein Geistesblitz, kein Argument, wird weder Scharfsinn noch Charme die Tragödie verhindern können.
Daher unterschätzt der Krieger nie die rohe Gewalt: Wenn sie irrational und aggressiv ist, zieht er sich vom Schlachtfeld zurück, bis der Gegner seine Kraft verbraucht hat.
Allerdings sollte eines klar sein: Ein Krieger des Lichts ist niemals feige. Die Flucht kann ein geschickter Verteidigungszug sein, aber sie darf nie angetreten werden, wenn die Angst groß ist.
Im Zweifelsfalle nimmt der Krieger lieber die Niederlage in Kauf und pflegt seine Wunden, denn er weiß, dass er dem Angreifern durch seine Flucht größere Überlegenheit zugesteht, als dieser verdient.
Physische Wunden lassen sich behandeln, doch spirituelle Schwächen verfolgen einen ewig. In schwierigen und schmerzlichen Augenblicken stellt sich der Krieger der ungünstigen Situation entschlossen, heldenhaft und mutig. Um den rechten Geisteszustand zu erreichen (denn der Krieger des Lichts zieht in einen Kampf, in dem er die schlechteren Karten hat und möglicherweise leiden wird), muss er genau wissen, was ihm schaden kann.

Okakura Kasuko schreibt darüber in seinem Buch über die Teezeremonie:

„Wir schauen auf die Bosheit der anderen, weil wir die Bosheit durch unser eigenes Verhalten kennen. Wir verzeihen denen niemals, die uns verletzt haben, weil wir glauben, dass sei uns auch nie verzeihen werden. Wir sagen dem anderen die schmerzliche Wahrheit ins Gesicht, die wir selbst nicht wahrhaben wollen. Wir zeigen unsere Kraft, damit niemand unsere Zerbrechlichkeit sieht.
Daher sei dir immer bewusst, wenn du über deinen Bruder richtest, dass du es bist, der vor Gericht steht.“

Manchmal kann dieses Bewusstsein einen Kampf verhindern, der nur Nachteile bringen würde. Manchmal hingegen gibt es keinen Ausweg, sondern nur den Kampf mit ungleichen Chancen.
Wir wissen, dass wir verlieren werden, der Feind oder die Gewalt lassen uns keine andere Wahl, denn Feigheit kommt für uns nicht in Frage. Dann müssen wir das Schicksal annehmen. Dazu kommen mir jetzt Zeilen aus der großartigen Bhagavadgita (Kapitel II, 20-16) in den Sinn:

„Der Mensch wird nicht geboren, und er stirbt nie. Er ist auf dieser Welt, um zu leben, er hört nie auf zu leben, denn er ist ewig und unvergänglich.
So wie der Mensch die alten Kleider ablegt und neue anlegt, so legt die Seele den alten Körper ab und erhält einen neuen.
Die Seele selbst aber ist unzerstörbar. Schwerter können sie nicht schneiden, Feuer sie nicht verbrennen, Wasser sie nicht nass machen, der Wind sie nicht austrocknen. Sie steht außerhalb der Macht all dieser Dinge.
Da der Mensch unzerstörbar ist, ist er (auch in seinen Niederlagen) immer siegreich, und daher sollte er nie klagen.“

(aus "Sei wie ein Fluss der still die Nacht durchströmt" von Paulo Coelho)

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Ich wünsche dir Zeit

Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche dir Zeit, dich zu freun und zu lachen,
und wenn du sie nützt, kannst du etwas draus machen.

Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche dir Zeit – nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.

Ich wünsche dir Zeit – nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, sie möge dir übrig bleiben
als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun,
anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.

Ich wünsche dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen.
Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche dir: Zeit zu haben zum Leben!

(Elli Michler)
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Von der Freiheit

Am Stadttor und an eurem Herdfeuer habe ich euch fußfällig eure eigene Freiheit anbeten sehen. Gerade so wie Sklaven sich vor einem Tyrannen erniedrigen und ihn lobpreisen, obwohl er sie niederschmettert.

Ja im Tempelhain und im Schatten des Burgbergs habe ich die Freiesten unter euch ihre Freiheit wie ein Joch und eine Kette tragen sehen.
Und das Herz hat mir geblutet; denn frei könnt ihr nur sein, wenn euch selbst der Wunsch, nach Freiheit zu sterben, zu einer Fessel wird und ihr aufhört, von der Freiheit als einem Ziel und einer Erfüllung zu sprechen.

Wahrhaft frei werdet ihr nicht dann sein, wenn eure Tage ohne Sorge und eure Nächte ohne ein Bedürfnis oder einen Kummer sind.
Sondern vielmehr wenn diese Dinge euer Leben umfassen und ihr euch dennoch nackt und ungebunden über sie erhebt.

Und wie solltet ihr euch über eure Tage und Nächte erheben, außer ihr zerbrecht die Ketten, die ihr im Morgengrau eurer Vernunft um eure Mittagsstunde geschlungen habt?

Und was ist es, das ihr um eurer Freiheit willen abzuwerfen trachtet, denn anderes als Teile eurer selbst? Ist es ein ungerechtes Gesetz, das ihr abschaffen möchtet, so wurde euch dieses Gesetz durch eure eigene Hand auf die Stirn geschrieben.

Ihr könnt es nicht tilgen, indem ihr eure Gesetzbücher verbrennt, noch indem ihr die Stirn eurer Richter wascht, und würdet ihr auch die See über sie ergießen.

Und ist es ein Gewaltherrscher, den ihr entthronen möchtet, sorgt erst dafür, dass der Thron zerstört wird, den ihr ihm in euerm Inneren erbaut habt.
Denn wie kann ein Tyrann die Freien und die Stolzen beherrschen, außer es ist ein Sklaventum in ihrer Freiheit und eine Beschämung in ihrem Stolz?

Und wenn es eine Sorge ist, die ihr abschütteln möchtet, so wurde euch diese Sorge nicht aufgezwungen, sondern ihr habt sie euch selbst erwählt.

Und wenn es eine Furcht ist, die ihr zerstreuen möchtet, so sitzt diese Furcht in eurem Herzen und nicht in der Hand des Gefürchteten.

Wahrlich, alle Dinge ziehen durch eure Seele in beständiger Umarmung: das Erwünschte und das Gefürchtete, das Verabscheute und das Geliebte, das Angestrebte und dasjenige, dem ihr entrinnen möchtet.
Diese Dinge bewegen sich in euch als untrennbare Paare von Licht und Schatten.

Und wenn ein Schatten verblasst und verschwindet, wird das verbleibende Licht zum Schatten eines anderen Lichtes.
Und ebenso wird eure Freiheit, sobald sie ihre Fesseln verliert, ihrerseits zur Fessel einer größeren Freiheit.

(aus "Der Prophet" von Kahlil Gibran)
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Von der Zeit

Ihr möchtet die Zeit messen, die doch ohne Maße ist und unermesslich.

Ihr möchtet euer Handeln und selbst den Lauf eures Geistes nach Stunden und Jahreszeiten ordnen. Aus der Zeit möchtet ihr einen Fluss machen, von dessen Ufer aus ihr in Muße dessen Strömen betrachten könnt.

Doch das Zeitlose in euch ist sich der Zeitlosigkeit des Lebens bewusst.

Und weiß, dass das Gestern nichts als die Erinnerung des Heute ist und das Morgen das, was das Heute erträumt.

Und was in euch singt und gewahrt, wohnt nach wie vor in den Grenzen jenes ersten Moments, der die Sterne im Weltraum verstreute.

Wer von euch spürt etwa nicht, dass seine Fähigkeit zu lieben unbegrenzt ist?

Und dennoch, wer empfindet nicht, dass ebendiese Liebe, wenn auch unbegrenzt, doch restlos im Zentrum seines Wesens enthalten ist und sich nicht von Liebesgedanken zu Liebesgedanken bewegt noch von Liebeshandlung zu Liebeshandlung?

Und ist etwa die Zeit nicht ganz so sie die Liebe – ungeteilt und raumlos?

Aber wenn ihr schon die Zeit in Gedanken nach Jahreszeiten bemessen müsst, dann möge jede einzelne Jahreszeit alle übrigen Jahreszeiten umfassen.
Und das Heute Umarme das Vergangene mit Erinnern und das Künftige mit Sehnsucht.

Vertraue diesen Träumen, denn in ihnen verbirgt sich das Tor der Unendlichkeit.

 Kahlil Gibran (1883 - 1931), Dichter, Philosph und Künstler, wurde im Libanon geboren und emigriete in jungen Jahren  in die USA, Boston. Sein Lebenswerk galt der Versöhnung der westlichen und arabischen Welt. Der Prophet, erschienen 1923 (dt. Erstausgabe 1925) und gilt als Hauptwerk, zugleich  wohl als sein bekanntestes Werk.

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Ein Blick in Nachbars Garten

´Gib dem Narren tausend Meinungen, er wird nur deine wollen´, besagt ein arabisches Sprichwort. Wenn wir den Garten unseres Lebens bepflanzen, bemerkten wir irgendwann unseren Nachbarn, der uns beobachtet. Selber bringt er nichts zuwege, aber er gibt gern Ratschläge, wie wir unsere Taten aussäen, unsere Gedanken pflanzen, unsere Eroberungen begießen sollen.

Hören wir auf unseren Nachbarn, dann arbeiten wir am Ende für ihn, und der Garten unseres Lebens entspricht seinen Vorstellungen. Bis wir am Ende die mit viel Schweiß bestellte und mit vielen Segnungen gedüngte Erde gar nicht mehr als unsere erkennen und auch nicht, dass jeder Zentimeter Erde Geheimnisse hat, die nur die geduldige Hand des Gärtners deuten kann. Wir achten gar nicht mehr auf Sonne, Regen, wechselnde Jahreszeiten, sondern sind nur noch auf die Ratschläge unseres Nachbarn fixiert, der uns über den Zaun hinweg ausspäht.

Er gibt uns Ratschläge für unseren Garten, aber der Narr kümmert sich nie um seine eigenen Pflanzen.

(aus "Sei wie ein Fluss der still die Nacht durchströmt" von Paulo Coelho)

Das Sankhya beschreibt Gedanken als Pakete potentieller Energie, die sich immer mehr verfestigen, wenn günstige Bedingungen vorhanden und Hindernisse ausgeräumt sind. Sie werden zu wünschen, dann zu Gewohnheiten, dann zu Lebensweisen mit physisch-materiellen Konsequenzen. Diese Konsequenzen mögen ebenso wenig Gedanken ähnlich sehen, wie ein Eichenbaum einer Eichel ähnlich sieht, aber die Gita sagt, dass sie ebenso eng zusammenhängen wie die Letzteren. Genauso wie der Samen sich nur zu einer Baumart auswachsen kann, können Gedanken nur Auswirkungen von gleicher Wesensart hervorrufen. Freundlichkeit gegenüber anderen, um nur ein Beispiel zu nennen, begünstigt ein Nervensystem, das sich selbst gegenüber freundlich ist.

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Lokah Samastah

Alle Welten. Die heiligen Vedas beschreiben vierzehn verschiedene Daseinsbereiche vom Grobstofflichen bis in feinste energetische Sphären. Die ersten drei dieser „Welten“ werden auch im bedeutenden Gayatri-Mantra angerufen: Om bhur bhuvah svah (Erde, Luftraum und Himmel). Im übertragenen Sinn sind damit auch jene Wesen, die diese Welten besiedeln, miteinbezogen – also alle Geschöpfe, ganz gleich in welchem Zustand oder auf welchem Schwingungsniveau sie sich gerade befinden.

 Sukhino

Glücksvoll. „Glücklich“ meint hier mehr als bloß eine vorübergehende Emotion, sondern einen Zustand der bedingungslosen Zu-Frieden-heit. Nach vedischer Ansicht ist Sat-Chit-Ananda (immerwährende Glückseligkeit) unser Ur-zustand. Glück ist ein Geburtsrecht.

Bhavantu

Sie sollen sein. Da das Mantra allen Wesen gewidmet ist, balanciert es die Welt aus. Keine egoistische Bitte für das eigene Wohlergehen ist es, sondern selbstloser Ausdruck der Verbundenheit mit dem gesamten Universum. So enthält es auch die Idee von Ahimsa.

 Verwendung und Wirkung von Lokah Samastah Sukhino Bhavantu

Im Yogawiki von Yoga Vidya heißt es dazu: „Im Yoga geht man davon aus, dass die Schwingungen des Friedens und des Wohlwollens, die durch ein Mangala Mantra erzeugt werden, eine positive Energie darstellen, die Friedensenergien verbreiten. Wenn Menschen zusammen das Lokah Samastah Sukhino Bhavantu rezitieren und sich der Bedeutung bewusst machen, entsteht ein Verbundenheitsgefühl, eine Herzensverbindung, eine Freude.“

(Quelle: http://www.yogazeit.at)

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Risiken – Ich lerne, Risiken einzugehen.

Heute will ich mich kopfüber ins Leben stürzen. Ich will nicht davor zurückscheuen, Risiken einzugehen. Zu lange ist mein Leben schon von Langeweile gekennzeichnet, die der Routine entspringt. Ich strebte nach Sicherheit und stecke jetzt in einem Trott, der mich gar nicht mehr richtig leben lässt. Heute will ich meine physischen, mentalen und spirituellen Grenzen erkunden und mich fordern lassen. Ich will die Aufregung neuer Erfahrungen hautnah spüren.

Um aus meinem Trott herauskommen zu können, muss ich, wie ich weiß, meinem inneren Kind versichern, dass ich es gut versorgen werde. Ich verstehe sein starkes Bedürfnis nach Sicherheit, aber ich glaube auch, dass es verdient, mehr vom Leben mitzubekommen. Wenn ich nicht in den nächsten Jahren langsam dahinsiechen will, muss ich meine Grenzen ausdehnen. Ich muss meine Angst vor dem Neuen überwinden, um mir ein befriedigendes Leben gestalten zu können.

(aus „Liebe dein inneres Kind“ von Rokelle Lerner – Goldmann Verlag)

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Arjuna und die Bhagavadgita 

Arjuna befand sich am Schlachtfeld zwischen den, zum Kampf bereiten, Reihen und wusste nicht mehr, ob es gut oder schlecht war, ob er kämpfen sollte oder es lieber bleiben lassen. Er wusste, dass er gegen seine eigene Verwandtschaft kämpfen musste, wenn er kämpft. Und dass es nie mehr so sein wird, wie es war. Ist seine Schlachtfeld unsere innere Zerrissenheit? Vom Kind - Jugendlichen zum Erwachsenen, oder noch mehr? Geht es uns immer so, wenn wir an einem Scheideweg stehen?

Wie geht es uns im Leben?  Wir werden im günstigsten Fall in eine intakte Familie geboren. Hier wachsen wir heran. Als Kinder lernen wir fast ausschließlich am Model. Wir eignen uns Verhaltensmuster unserer Eltern, Familie, Erzieher, Lehrer und unserer Umwelt an. Mit diesen Mustern lässt es sich erst einmal gut leben und alles scheint in Ordnung zu sein. Für mache Menschen wird das dann wohl auch ein Leben lang so sein.

Aber es kann auch der Zeitpunkt im Leben kommen, an dem man diese Werte und Lebensvorstellungen hinterfragt. Gewisse angeeignete Verhaltensweisen sind vielleicht nicht im Einklang mit dem, wie ich sein möchte.

So beginnt man in sich hinein zu hören und versucht zu erfühlen, wie möchte ICH denn sein? Was macht meine Identität als eigenständiges Individuum aus?  Wie möchte ich denn in gewissen Situationen reagieren? Meist reagiert man in alt bekannten Mustern. Aber sind es wirklich die eigenen, oder doch die, die man ohne zu hinterfragen, übernommen hat? Gerade wenn es schnell gehen muss oder man Stress hat, greift man auf altbekanntes zurück und wir fragen uns manchmal, warum Menschen etwas Unschönes weitergeben, was sie selbst erlebt haben und von dem sie doch wissen müssten, dass es nicht gut ist.

So sitzt du nun da und weißt nicht, was du wirklich möchtest. Und vor allem, wie unterscheide ich, was ICH möchte und was ich nur übernommen habe. Es gibt viele Sachen, die aus der Ursprungsfamilie sehr gut sind und die man auch übernehmen möchte. Aber es gibt auch die Dinge, die ich anders machen möchte. Nun kann ich mir überlegen, was ich in Zukunft ändern möchte. Ich habe die Wahl, ob ich ändern möchte oder nicht, aber handeln muss ich auf jeden Fall, wenn die entsprechende Situation kommt. So wie Arjuna eine Entscheidung treffen muss, nicht handeln ist keine Option.

Also nehme ich mir vor, gewisse Verhalten zu ändern. Wenn ich für mich erkannt habe, was ich verändern möchte, habe ich schon mal etwas geschafft. Und es geht ans Werk. In entspannten Lebensphasen, in denen ich ach Zeit habe zu überlegen und überlegt zu handeln funktioniert das dann vielleicht ganz gut. Doch dann kommen die Momente, in denen die Emotionen mit ins Spiel kommen und schon bin ich in einer bestimmten Situation genau wieder in meine alten Muster gefallen. Jetzt kann ich feststellen, wie verdammt schwer es ist, Muster, die über viele Jahre angeeignet und praktiziert wurden zu ändern. Manchmal habe ich das Gefühl, es ist alles vergebene Liebesmüh und ich sollte mich lieber mit was Sinnvollem beschäftigen. Aber ich weiß, dass es möglich ist, nur weiß ich nicht immer wie. Und ich weiß, dass es absolut sinnvoll ist, um sein eigenes Leben zu kreieren und zu leben.

Nun habe ich das Gefühl, einen Ratgeber gefunden zu haben. Hier tauchen die Ratschläge des Wagenlenkers Krishna auf. So spricht er von der Ebenheit des Geistes. Diese Ebenheit braucht es, um bewusst entscheiden zu können, damit das Verhalten dem Entspricht, welches mir das Gefühl gibt gut und richtig gehandelt zu haben. Alle momentan zur Verfügung stehenden Aspekte einbezogen, im Moment die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Dieses Gefühl des inneren Friedens. Ob letztendlich die Entscheidung ganz richtig war, stellt sich immer erst hinterher heraus, aber ich habe wie man so schön sagt, mit bestem Wissen und Gewissen entschieden. Allerdings nutzt bestes Wissen und Gewissen nichts, wenn die Entscheidung nicht wirklich vom Herzen mitgetragen wurde.

Manchmal begegnet man Menschen, die das Gefühl ausstrahlen, mit sich im Reinen zu sein. Sie strahlen Zufriedenheit und Gelassenheit aus. Und ich glaube, dass genau das erstrebenswert ist, mit sich im Reinen zu sein. Wie man auch sagt, in seiner Mitte zu ruhen.

Ich habe mal gelesen, dass Zufriedenheit die Basis für Glück ist. Und Glück nur immer gewisse Momente oder Phasen in der Zufriedenheit sind. Wenn es uns nun gelingt, Zufriedenheit als Basis unseres Lebens zu erschaffen, haben wir gute Voraussetzungen auch immer wieder glücklich zu sein.

So sind wir auch für unsere Mitmenschen und unser Umfeld angenehme Menschen und es ist immer wieder schön, solchen Menschen zu begegnen.  Es wird immer die getriebenen Menschen geben, die meiner Meinung nach am wirklichen Leben vorbei leben. Aber wie heißt es so schön, des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Und es ist nur möglich anzubieten. Wenn jemand nicht annehmen möchte, gilt es auch das zu akzeptieren, auch wenn es manchmal weh tut. Gerade, wenn es um Menschen geht, die einem was bedeuten. Doch im Grunde sollte uns jeder Mensch etwas bedeuten.

Ich habe diese Woche eine schöne Geschichte im Radio gehört, die mich sehr bewegt hat und die für mich ein Weg zu mehr Menschlichkeit in der Welt ist.

Ich versuche einmal die Geschichte frei nach zu erzählen.

Ein Forscher in Afrika wollte nachweisen, dass Menschen ohne Rücksicht ihren Trieben folgen.  So versammelte er eine Gruppe Kinder und erklärte ihnen folgendes. Er hatte unter einen Baum einen Korb mit vielen süßen, saftigen Früchten platziert. Nun sollten die Kinder auf ein Kommando loslaufen. Wer als erster den Korb erreicht, darf sich so viel davon nehmen wie er möchte und sich satt essen.

Er gab das vereinbarte Kommando und was geschah? Erst einmal gar nichts. Dann nahmen sich alle Kinder an den Händen zu liefen alle gemeinsam so schnell sie konnten zu dem Korb, teilten die Früchte und aßen alle gemeinsam.

Der Wissenschaftler war erstaunt und fragte, warum sie das gemacht hätten? Da antworteten die Kinder „Ubuntu“. „Ich bin, weil wir sind. Wie kann ich mich freuen, wenn du traurig bist?“

Ubuntu, ausgesprochen [ùɓúntú], bezeichnet eine afrikanische Lebensphilosophie, die im alltäglichen Leben aus afrikanischen Überlieferungen heraus praktiziert wird. Das Wort Ubuntu kommt aus den Bantusprachen der Zulu und der Xhosa und bedeutet in etwa „Menschlichkeit“, „Nächstenliebe“ und „Gemeinsinn“ sowie die Erfahrung und das Bewusstsein, dass man selbst Teil eines Ganzen ist.

Damit wird eine Grundhaltung bezeichnet, die sich vor allem auf wechselseitigen Respekt und Anerkennung, Achtung der Menschenwürde und das Bestreben nach einer harmonischen und friedlichen Gesellschaft stützt, aber auch auf den Glauben an ein „universelles Band des Teilens, das alles Menschliche verbindet“. Die eigene Persönlichkeit und die Gemeinschaft stehen in der Ubuntu-Philosophie in enger Beziehung zueinander.

(aus Wikipedia)

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Visualisierung – Heute sehe ich eine gesunde Zukunft vor mir.

Heute will ich mich weigern, wieder die alten Tonbänder aus der Vergangenheit mit ihren kritischen Botschaften abzuspielen. Stattdessen will ich mir vorstellen, wie ich sein werde. Die Samen meines künftigen gesunden Selbst haben in mir schon Wurzeln geschlagen. Ich sehe, wie mein inneres Kind aus der Angst zu Zuversicht und Freuden gelangt.

Ich sehe, wie ich lache und liebe, voller Vitalität bin und nur lebensfördernde Beziehungen eingehe. Ich fühle die tiefe Befriedigung, die eintritt, wenn ich mir meine persönlichen Grenzen setze und bewahre. Ich spüre den warmen Strahl eines gesunden Selbstwertgefühls, während ich lerne, mich zu ernähren und für mich zu sorgen.

Ich weiß eindeutig, dass ich selbst die Person in meiner Vision bin und all die Freuden eines erfüllten und befriedigenden Lebens erfahre. Die Schäden aus der Vergangenheit liegen hinter mir. Heute will ich die Samen des Lebens und der Gesundheit pflegen, die mit jedem Tag wachsen.

(aus „Liebe dein inneres Kind“ von Rokelle Lerner – Goldmann Verlag)

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Die Kuh die weinte

Er bekam den beliebtesten Job im Gefängnis-Schlachthof. Er war ein brutaler Gewaltverbrecher. Man nannte ihn den Bolzenschussgerätmann Joe.

Die Kühe wurden in einen trichterförmigen Gang getrieben, bis ganz vorne nur noch ein einzelnes Tier hinein passte. Joe setzte das Gerät an und drückte ab.

Ein einzelner Bolzen reichte aber nicht aus, ein Tier zu töten. Also nochmal. Ein Schuss zum Betäuben, ein Schuss zum Töten.

Die Kühe in der Reihe dahinter erlebten den Todeskampf ihres Artgenossen vorne, und zappelten vor Angst. Es gab aber kein Entkommen.

So ging das Tag ein, Tag aus. Ein Schuss zum Betäuben, ein Schuss zum Töten.

Eines Tages aber passierte etwas, das Joes Leben komplett verändern sollte.

Nachdem er schon einen halben Tag lang unzählige Tiere getötet hatte, stand plötzlich eine Kuh vor ihm, die scheinbar gar keine Angst hatte.

Sie stand dort ganz ruhig und schaute ihm mit traurigen Augen tief in sein Herz.

Das brachte Joe völlig durcheinander. Es versuchte, sich zusammenzureißen und das Bolzenschussgerät anzusetzen. Aber es gelang ihm nicht.

Die Kuh schaute ihm in die Augen und Joe blickte wie magnetisch angezogen in das Gesicht des Tieres.

Da beobachtete er, wie sich im rechten Auge der Kuh Wasser sammelte. Es wurde immer mehr, bis ein Tropfen am Gesicht der Kuh herablief.

Dann lief auch aus dem linken Auge eine Träne über das Gesicht der Kuh. Die Kuh weinte.

Sie schien zu sagen: „Warum tust Du das? Ich würde so gerne meine Fehler wieder gut machen, wenn ich nur wüsste, was ich falsch gemacht habe? Was habe ich Dir getan? Ich will doch nur leben.“

Joe ließ das Gerät aus der Hand gleiten und verlor das Bewusstsein. Als er wieder zu sich kam, rief er: „Ihr könnt mit mir machen, was ihr wollt, aber ich werde diesem Tier nicht das Leben nehmen. Und auch keinem anderen.“

An diesem Tag wurde er Vegetarier und hat seitdem nie wieder ein Stück Fleisch gegessen.

(aus "Die Kuh, die weinte - Buddhistische Geschichten" von Ajahn Brahm)

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Die Autorin beschreibt ein Stück ihres Weges zu dem Buch, aus dem dieser Text stammt:

Lassen Sie ihr Hirn nicht unbeaufsichtigt von Christiane Stenger, Campus Verlag

Instant Influence - Selbsttest:

Alles in allem geht es bei dieser Technik um sechs Schritte, die einem in einer Situation weiterbringen können, in der die Motivation auf dem Nullpunkt gesunken ist.

Der erste Schritt ist, sich oder eine andere Person zu fragen, warum man sein jetziges Verhalten überhaupt ändern soll. Also, meine Antwort auf diese Frage ist: Im Moment möchte ich mich selbst motivieren, um endlich dieses Kapitel über Motivation abzuschließen, damit ich dann bald auch das nächste Kapitel schreiben und schließlich das gesamte Manuskript beim Veralag abgeben kann.

Die zweite Frage lautet: „Wie groß ist ihre Bereitschaft, sich zu ändern – auf einer Skala von 1 bis 10?“ Dabei bedeutet 1 – überhaupt nicht bereit und 10 – vollkommen bereit. Spontan gebe ich mir eine 7.

Daraufhin soll ich mich drittens fragen, warum ich keine niedrigere Zahl gewählt habe. Meine Antwort: „Weil ich ja eigentlich schon sehr gerne schreibe.“ Übrigens, wenn man eine 1 angibt, muss man sich fragen, was nötig wäre, um aus der 1 zumindest eine 2 werden zu lassen.

Bei Frage vier soll ich mir darüber klar werden, was die positiven Resultate wären, wenn ich mich geändert hätte. Die kenne ich: Das Kapitel wäre fertig und ich wieder entspannter. Diese Situation soll ich mir bildlich vorstellen.

Der fünfte Schritt ist, sich zu fragen, warum einem selbst diese Resultate so wichtig sind: Ich möchte ein Buch schreiben, bei dem der Leser mehr über sein Gehirn erfährt, noch besser mit ihm umgehen kann und in einigen Bereichen tatsächlich genialer wird. Damit sine jetzt Sie gemeint, liebe Leser!

Bei der letzten Frage soll ich mir abschließend überlegen, was als nächster Schritt zu tun ist, um mein Ziel in die Tat umzusetzen. Die Antwort kenne ich: Schreiben! Und los geht’s!

Alles in allem sind das sechs sehr gute Schritte, die uns in einer Situation, in der die Motivation auf den Nullpunkt gesunken ist, wirklich weiterbringen können. Und nicht nur das. Diese Fragen helfen auch allgemein bei Vorhaben, die wir in die Tat umsetzen möchten.

Ganz im Augenblick zu sein, das ist Glück.

Die Suche nach dem Glück ist eine Suche des Egos. Solange du suchst, wirst du nicht glücklich sein, denn deine Suche lässt nicht zu, dass du im Hier und Jetzt lebst. Du lebst dann in einer vorgestellten Zukunft. Im wahren Sein gibt es kein Glück und kein Unglück, aber es gibt einen inneren Frieden in dir. Stelle dir für eine Minute vor, dass du dich entschieden hättest, nicht mehr nach dem Glück zu suchen, sondern das, was ist, zu akzeptieren. Wäre das keine Erleichterung? Jeglicher Druck wäre verschwunden!

Und wann hast du die Stimme in deinem Kopf vernommen? Nach zehn Sekunden? Nach 30 Sekunden? Eine Stimme die sagt: "Und wie soll ich ...?" Irgendein Gedanke, der dir Angst macht tauchte auf und schon stelltest du die Frage: "Und wie soll ich das in der Praxis umsetzen?" Du zweifelst: "Das geht doch gar nicht. Ich werde verhungern, obdachlos, arm ..." So schnell kann dich dein Ego aus dem Jetzt herausholen und in die Zukunft katapultieren - sein Lieblingsrevier. Denn dort beherrscht es dich.

(aus "Über das Gelingen" - Oliver Driver)

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Erzähl uns vom  Sinn der Stille

Ein einsamer Mönch, der gerade aus einem Brunnen Wasser schöpfte, bekam von einer Gruppe Menschen Besuch. Sie sagten zu ihm: "Erzähl uns vom Sinn der Stille."

Der Mönch antwortete: "Blickt in den Brunnen. Was könnt ihr sehen?"

Die Menschen blickten in den Brunnen, dessen Wasseroberfläche noch sehr bewegt war. Sie antworteten: "Wir sehen nichts."

Nach einer Weile, als sich das Wasser etwas beruhigt hatte, sagte der Mönch: "Blickt noch mal in den Brunnen. Was seht ihr jetzt?"

Die Menschen blickten in den Brunnen und antworteten: "Jetzt sehen wir uns."

Nach einer Weile, die Wasseroberfläche war jetzt ganz ruhig, sagte der Mönch: "Blickt noch einmal in den Brunnen. Was seht ihr jetzt?"

Die Menschen blickten hinein und antworteten: "Jetzt sehen wir den Grund." 

Da lächelte der Mönch und sagte: " Das ist der Sinn der Stille. Sie lässt uns den Grund aller Dinge sehen."

(Unbekannter Verfasser)

Tempora mutantur, et nos mutamur in illis.
(Die Zieten ändern sich u. wir uns in ihnen)  Kaiser Lother I