Yoga eröffnet Dir den Weg zu Dir!

All we have is now! - Enjoy your pracitce and have a nice life!

Nachgedacht & Reingefühlt

Der Geist wird reich durch das, was er empfängt,
das Herz durch das, was es gibt.

                              (Victor Hugo)                       
  

Patanjali war ein indischer Weiser
und der Verfasser des Yogasutra,
des klassischen Leitfadens des Yoga,
weshalb er auch als „Vater des Yoga“
bezeichnet wird

Gewinn, Verlust und andere Illusionen

Wenn wir im Lotto gewinnen, ein tolles Jobangebot bekommen oder das neue Auto endlich geliefert wurde und vor unserer Haustür steht, sind wir vor Freude und Begeisterung oft ganz aus dem Häuschen. Wenn sich unser Lottogewinn angesichts einer unüberlegten Geldanlage allerdings wieder in Luft auflöst, wir ein Kündigungsschreiben im Briefkasten finden oder das neue Auto beim Einparken einen dicken Kratzer abbekommt, sind wir am Boden zerstört. Dann schmeckt uns unser Essen gleich nicht mehr und wir bekommen Schlafstörungen und/oder Depression.

So gerne wir uns freuen, so sehr hassen wir es dich auch, deprimiert oder verzweifelt zu sein. Das ist naheliegend und vollkommen normal. Das Dumme ist nur, dass wir uns die Rosinen nicht aus dem Kuchen picken können. Und dabei wäre so ein Kuchen ja noch ganz okay. In Wahrheit ist es aber leider so, dass wir keinen Erfolg erleben können, ohne auch mit Misserfolg konfrontiert zu sein. Wunderbare Urlaubstage sind nur deshalb möglich, weil es auf der anderen Seite eben auch anstrengende Arbeitstage gibt. Das Leben ist ein Wechselspiel aus erfreulichen und unerfreulichen Erfahrungen.

Was aber ist mir diesem Bauern los? Der aus der Geschichte (die Geschichte ist unten angefügt) reagiert ganz anders als die meisten Menschen: Geschieht etwas Gutes, scheint er sich nicht so recht darüber zu freuen; aus dem Häuschen ist er zumindest nicht. Anderseits scheint er sich auch nicht im Mindesten darüber aufregen, wenn die Dinge schieflaufen; jedenfalls verfällt er nicht in Depressionen. Woran liegt das?

Ganz einfach: Der Bauer hat das Geheimnis der Gelassenheit entdeckt. Er weiß, dass es im Leben manchmal aufwärts, manchmal aber auch abwärts geht und hat offenbar keine Lust, sich deshalb von der Berg- und Talfahrt wechselnder Gefühle hin und her werfen zu lassen.

Wie wäre das wohl, wenn ´schlechte Nachrichten´ dir von heute an nicht mehr viel ausmachen würden? Wäre es nicht sehr erleichternd, wenn die Laune der äußeren Umstände bei dir auf Granit bissen? Ist Gelassenheit nicht letztendlich das Einzige, worum es geht?

Aber wie ist das dann mit den ´guten Nachrichten´? In Anbetracht erfreulicher Umstände nicht in Jubel auszubrechen – wäre das nicht traurig und auch ein wenig langweilig?

Auf dem ersten Blick seiht es vielleicht so aus. Doch gelassen zu sein heißt ganz und gar nicht, gefühl- und leblos zu sein – ganz im Gegenteil. Ich glaube, dass der Bauer aus der Geschichte ein recht zufriedener und ausgeglichener Mensch ist. Er wirkt heiter und entspannt auf mich. Er vertraut darauf, dass der Himmel schon wissen wird, was das Beste für ihn ist, und er hat das, was Psychologen und Psychoanalytiker ´Urvertrauen´ nennen. ´Gewinn und Verlust´ bringen ihn nicht aus der Ruhe.

Die Bhagavadgita, eine der wichtigsten religiösen Schriften der Hindus, verrät, woran man einen Weisen erkennt: ´Ob Hitze oder Kälte, Vergnügen oder Scherz, Ehre oder Schande – bleibt das Gemüt stets ausgeglichen, so zeigt dies den spirituell Hochentwickelten. Wird die Harmonie von Körper und Seele auch durch schwierige Umstände nicht aufgegeben, so führt dies zu immerwährender Heiterkeit und Freude.´

Dass man seine Lebendigkeit und Freude durch Gelassenheit verlieren würde, ist also vollkommener Unsinn. Vielmehr trägt die ´göttliche Freude´ ihren Lohn bereits in sich selbst, während die normalen Freunde von Äußerlichkeiten abhängig ist, die noch dazu unverlässlich ist. Wer auf den Lottogewinn wartet, um sich mal so richtig zu freuen zu können, kann lange warten. Die Wahrscheinlichkeit, einen Sechser im Lotto zu haben, liegt nämlich bei etwa 1:15 Millionen. Das ist etwa so, als würde das Los mit dem Hauptgewinn irendwo in ingendeiner deutschen Großstadt liegen und gerade zu würdest es zufällig finden.

Im Zustand der Freude kannst du aber auch dann sein, wenn du nicht im Lotto gewinnst und die Ergebnisse deines Lebens momentan wenig erfreulich sind. Der Zustand der Freude ist nämlich unabhängig von Gewinn und Verlust. Er stellt sich ganz von selbst ein,

·       wenn du erkannt hast, was das Wesentliche für dich ist und deine Entscheidungen mit deinen Werten und Einklang
        stehen;

·       wenn du gelernt hast, das was ist, zu akzeptieren und frei von Stress und Anspannung bist;

·       wenn du jedem Augenblick deines Lebens achtsam und gelassen begegnest;

·       wenn du Möglichkeiten entdeckt hast, den weißen Wolf in dir zu füttern und deinem Herzen
        zu folgen.

Einmal abgesehen davon, dass es sicher eine gute Idee ist, sich von äußeren Umständen nicht aus der Ruhe bringen zu lassen, verrät uns die Geschichte noch etwas: Wir wissen gar nicht wirklich, was das Beste für uns und die Menschen um uns herum ist. Aus dem Grund habe ich ´schlechte´ und ´gute´ Nachrichten weiter oben in Gänsefüßchen gesetzt – vielleicht ist es dir aufgefallen. Was heute wir ein Unglück aussieht, kann sich schon morgen als wahrer Segen entpuppen- Und so manches, was die meisten von uns in Euphorie versetzen würde, kann sich schon morgen als wahrer Segen entpuppen. Uns so manches, was die meisten von uns in Euphorie versetzen würde, kann schon wenig später großes Leiden bewirken.
Was immer dir passiert und wie auch immer die Erfahrungen sind, die du gerade machst: Lass einfach offen, ob es ´gut´ oder ´schlecht´ ist. Mach es wie der Bauer, der im Anbetracht neuer Ereignisse erst einmal sagt: „Wer weiß schon, was der Himmel will?“

Ist es Gewinn oder Verlust? Wer weiß! Am besten wartest du ein wenig ab, und wenn die Umstände widrig sind, kannst du dir auch sagen: „Mal seh´n, wozu das vielleicht noch gut sein wird.“ Und wer wie wir lange genug in Bayern gelebt hat, dem fällt dazu gleich noch die bayrische Devise ein, die auch ganz im Sinne des chinesischen Bauern sein dürfte:

„Schau´n mer mal, dann seh´n mer scho?“

(aus „Füttere den weißen Wolf“ von Ronald Schweppe/Aljoscha Lang – Kösel Verlag München)


Der alte der die Zukunft nicht kannte (aus China)

Einst lebte in Bohaizhen, nahe der Großen Mauer, ein armer Bauer, der besaß nur einen kleinen Acker und ein Pferd. Eines Tages lief das Pferd davon, in die Berge, und kam nicht mehr zurück. Die Nachbarn des Bauern sagten: „Welch ein Unglück – das einzige Pferd!“ Sie bemitleideten den Armen und versuchten, ihn zu trösten.

Doch der Bauer lächelte und sagte nur: „Wer weiß schon, was der Himmel will?“

Die Nachbarn flüsterten: „Der Arme weiß gar nicht, was das für ihn bedeutet. Vielleicht ist er einfältig.“

Einige Monate später kam das Pferd mit einem Fohlen und einem Gefährten zurück. Nun hatte der Bauer mit einem Mal drei Pferde statt nur des einen. Die Nachbarn des Bauern freuten sich: Welch ein großes Glück! Der Himmel meint es gut mit dir!“

Doch der Bauer sagte nur: „Wer weiß schon, was der Himmel will?“

Die Nachbarn wunderten sich sehr und flüsterten: „Der Einfältige weiß gar nicht, was für ein Glück er hat. Welche Verschwendung!“

Jetzt hatte der Bauer also drei Pferde. Das Fohlen wuchs schnell heran, und es wurde Zeit, dass es zugeritten wurde. Der Sohn des Bauern war ein guter Reiter, doch als das junge Pferd bockte, fiel er und sich ein Bein. Der Bruch wuchs ein wenig schief zusammen, sodass der Sohn fortan hinkte. Die Nachbarn des Bauern bemitleideten ihn: „Du Armer! Welch ein Unglück, dein einziger Sohn ist nun ein Krüppel und kann dir nicht mehr auf dem Feld helfen!“

Doch der Bauer sagte nur: „Wer weiß schon, was der Himmel will?“

Die Nachbarn schüttelten die Köpfe und sprachen unter sich: „In seiner Einfalt begreift er wohl nicht, welch schlimmes Los ihn getroffen hat.“

Kurz darauf kamen die Soldaten des Kaisers in das Dorf. Ein Krieg stand bevor und alle jungen Männer des Dorfes wurden gemustert und mussten in den Krieg ziehen. Der Sohn des Bauern jedoch war wegen seines Beines nicht für den Krieg tauglich und durfte bleiben. Die Nachbarn, deren Söhne mit den Soldaten ziehen mussten, beneideten den Bauern. „Welch ein Glück! Dein Sohn kann bei dir bleiben und du musst dich nicht sorgen, dass er im Krieg umkommt!“

Doch der Bauer lächelte und sagte nur: „Wer weiß schon, was der Himmel will?“

Glück und Unglück wenden sich, und das Rad des Schicksals steht nicht still. Weise ist es, sich nicht an die Wechselfälle des Schicksals zu haften und ein ruhiges Herz zu bewahren.

(aus „Füttere den weißen Wolf“ von Ronald Schweppe/Aljoscha Lang – Kösel Verlag München)

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Bring ein bisschen mehr Magie in dein Leben!

Diese kleinen Glücksmomente helfen dir dabei.

1.   Hänge einen Kristall von innen an dein Fenster – die Sonne wird dir kosmisches Konfetti in dein Zuhause bringen.

2.   Suche in deinem alltäglichen Leben nach Nachrichten aus dem Universum: in Form der Wolken, der Zahlen auf deiner Uhr, einem Aufkleber auf der Straßenlaterne

3.   Sage Ja – auch, wenn es aufregend ist und unbekannt.

4.   Stell dir nachts den Wecker, um den Vollmond zu bewundern.

5.   Schreibe fünf Wünsche auf ein Blatt Papier und schenke sie dem Wind.

6.   Mache dir die Hände schmutzig – vielleicht beim Teigkneten, bei der Gartenarbeit oder beim Malen.

7.   Tanze alleine und mit voller Hingabe.

8.   Frage, ob du mitmachen darfst!

9.   Flüstere einen Zauber, um deine Tasse Tee magisch zu machen.

10. Mache einer oder einem Fremden ein Kompliment

11. Übe mit einer geleibten Person: Wer bricht zuerst den Augenkontakt ab?

12. Nähe einen kleinen Kristall in deine Tasche ein.

13. Gehe auf einen Spielplatz in deiner Nähe und schaukle mal wieder.

14. Erstelle ein Mandala aus dem, was du in der Natur finden kannst.

 (aus „Happinez Winterbuch“, Heinrich Bauer Verlag KG, Hamburg)



Arjuna und die Bhagavadgita

Arjuna befand sich am Schlachtfeld, zwischen den, zum Kampf bereiten, Reihen und wusste nicht mehr, ob es gut oder schlecht war, ob er kämpfen sollte oder es lieber bleiben lassen. Er wusste, dass er gegen seine eigene Verwandtschaft kämpfen musste, wenn er kämpft. Und dass es nie mehr so sein wird, wie es war. Ist sein Schlachtfeld seine innere Zerrissenheit? Der Weg vom Kind – Jugendlichen zum Erwachsenen, oder noch mehr? Geht es uns immer so, wenn wir an einem Scheideweg stehen?

Wie geht es uns im Leben? Wir werden im günstigsten Fall in eine intakte Familie geboren. Hier wachsen wir heran. Als Kinder lernen wir fast ausschließlich am Model. Wir eignen uns Verhaltensmuster unserer Eltern, Familie, Erzieher, Lehrer und unserer Umwelt an. Mit diesen Mustern lässt es sich erst einmal gut leben und alles scheint in Ordnung zu sein. Für mache Menschen wird das dann wohl auch ein Leben lang so sein.

Aber es kann auch der Zeitpunkt im Leben kommen, an dem man diese Werte und Lebensvorstellungen hinterfragt. Gewisse angeeignete Verhaltensweisen sind vielleicht nicht im Einklang mit dem, wie ich sein möchte.

So beginnt man in sich hinein zu hören und versucht zu erfühlen, wie möchte ICH denn sein? Was macht meine Identität als eigenständiges Individuum aus? Wie möchte ich denn in gewissen Situationen reagieren? Meist reagiert man in alt bekannten Mustern. Aber sind es wirklich die eigenen, oder doch die, die man ohne zu hinterfragen, übernommen hat? Gerade wenn es schnell gehen muss oder man Stress hat, greift man auf altbekanntes zurück und wir fragen uns manchmal, warum Menschen etwas Unschönes weitergeben, was sie selbst erlebt haben und von dem sie doch wissen müssten, dass es nicht gut ist.

So sitzt du nun da und weißt nicht, was du wirklich möchtest. Und vor allem, wie unterscheide ich, was ICH möchte und was ich nur übernommen habe. Es gibt viele Sachen, die aus der Ursprungsfamilie sehr gut sind und die man auch übernehmen möchte. Aber es gibt auch die Dinge, die ich anders machen möchte. Nun kann ich mir überlegen, was ich in Zukunft ändern möchte. Ich habe die Wahl, ob ich ändern möchte oder nicht, aber handeln muss ich auf jeden Fall, wenn die entsprechende Situation kommt. So wie Arjuna eine Entscheidung treffen muss, nicht handeln ist keine Option.

Also nehme ich mir vor, gewisse Verhalten zu ändern. Wenn ich für mich erkannt habe, was ich verändern möchte, habe ich schon mal etwas geschafft. Und es geht ans Werk. In entspannten Lebensphasen, in denen ich ach Zeit habe zu überlegen und überlegt zu handeln funktioniert das dann vielleicht ganz gut. Doch dann kommen die Momente, in denen die Emotionen mit ins Spiel kommen und schon bin ich in einer bestimmten Situation genau wieder in meine alten Muster gefallen. Jetzt kann ich feststellen, wie verdammt schwer es ist, Muster, die über viele Jahre angeeignet und praktiziert wurden zu ändern. Manchmal habe ich das Gefühl, es ist alles vergebene Liebesmüh und ich sollte mich lieber mit was Sinnvollem beschäftigen. Aber ich weiß, dass es möglich ist, nur weiß ich nicht immer wie. Und ich weiß, dass es absolut sinnvoll ist, um sein eigenes Leben zu kreieren und zu leben.

Nun habe ich das Gefühl, einen Ratgeber gefunden zu haben. Hier tauchen die Ratschläge des Wagenlenkers Krishna auf. So spricht er von der Ebenheit des Geistes. Diese Ebenheit braucht es, um bewusst entscheiden zu können, damit das Verhalten dem Entspricht, welches mir das Gefühl gibt gut und richtig gehandelt zu haben. Alle momentan zur Verfügung stehenden Aspekte einbezogen, im Moment die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Dieses Gefühl des inneren Friedens. Ob letztendlich die Entscheidung ganz richtig war, stellt sich immer erst hinterher heraus, aber ich habe wie man so schön sagt, mit bestem Wissen und Gewissen entschieden. Allerdings nutzt bestes Wissen und Gewissen nichts, wenn die Entscheidung nicht wirklich vom Herzen mitgetragen wurde.

Manchmal begegnet man Menschen, die das Gefühl ausstrahlen, mit sich im Reinen zu sein. Sie strahlen Zufriedenheit und Gelassenheit aus. Und ich glaube, dass genau das erstrebenswert ist, mit sich im Reinen zu sein. Wie man auch sagt, in seiner Mitte zu ruhen.

Ich habe mal gelesen, dass Zufriedenheit die Basis für Glück ist. Und Glück nur immer gewisse Momente oder Phasen in der Zufriedenheit sind. Wenn es uns nun gelingt, Zufriedenheit als Basis unseres Lebens zu erschaffen, haben wir gute Voraussetzungen auch immer wieder glücklich zu sein.

So sind wir auch für unsere Mitmenschen und unser Umfeld angenehme Menschen und es ist immer wieder schön, solchen Menschen zu begegnen.  Es wird immer die getriebenen Menschen geben, die meiner Meinung nach am wirklichen Leben vorbei leben. Aber wie heißt es so schön, des Menschen Wille ist sein Himmelreich. Und es ist nur möglich anzubieten. Wenn jemand nicht annehmen möchte, gilt es auch das zu akzeptieren, auch wenn es manchmal weh tut. Gerade, wenn es um Menschen geht, die einem was bedeuten. Doch im Grunde sollte uns jeder Mensch etwas bedeuten.

Ich habe die Woche eine schöne Geschichte im Radio gehört, die mich sehr bewegt hat und die für mich ein Weg zu mehr Menschlichkeit in der Welt ist.

Ich versuche einmal die Geschichte frei nach zu erzählen.

Ein Forscher in Afrika wollte nachweisen, dass Menschen ohne Rücksicht ihren Trieben folgen. So versammelte er eine Gruppe Kinder und erklärte ihnen folgendes. Er hatte unter einen Baum einen Korb mit vielen süßen, saftigen Früchten platziert. Nun sollten die Kinder auf ein Kommando loslaufen. Wer als erster den Korb erreicht, darf sich so viel davon nehmen wie er möchte und sich satt essen.

Er gab das vereinbarte Kommando und was geschah? Erst einmal gar nichts. Dann nahmen sich alle Kinder an den Händen zu liefen alle gemeinsam so schnell sie konnten zu dem Korb, teilten die Früchte und aßen alle gemeinsam.

Der Wissenschaftler war erstaunt und fragte, warum sie das gemacht hätten? Da antworteten die Kinder „Ubuntu“. „Ich bin, weil wir sind. Wie kann ich mich freuen, wenn du traurig bist?“

Ubuntu, ausgesprochen [ùɓúntú], bezeichnet eine afrikanische Lebensphilosophie, die im alltäglichen Leben aus afrikanischen Überlieferungen heraus praktiziert wird. Das Wort Ubuntu kommt aus den Bantusprachen der Zulu und der Xhosa und bedeutet in etwa „Menschlichkeit“, „Nächstenliebe“ und „Gemeinsinn“ sowie die Erfahrung und das Bewusstsein, dass man selbst Teil eines Ganzen ist.

Damit wird eine Grundhaltung bezeichnet, die sich vor allem auf wechselseitigen Respekt und Anerkennung, Achtung der Menschenwürde und das Bestreben nach einer harmonischen und friedlichen Gesellschaft stützt, aber auch auf den Glauben an ein „universelles Band des Teilens, das alles Menschliche verbindet“. Die eigene Persönlichkeit und die Gemeinschaft stehen in der Ubuntu-Philosophie in enger Beziehung zueinander.

(aus Wikipedia)


Ob es nach diesem 2020 wohl mehr Menschen gibt, die bereit sind, kalte Steine einzutauschen, gegen das was uns gegenseitig erwärmt und Freude bereitet? - Es wäre auf jeden Fall wünschenswerter denn je und an der Zeit!

Die kleinen Leute von Swabedoo
(Verfasser unbekannt)

Vor langer, langer Zeit lebten kleine. Leute auf der Erde. Die meisten von ihnen wohnten im Dorf Swabedoo, und sie nannten sich Swabedoodahs. Sie waren sehr glücklich und liefen herum mit einem Lächeln bis hinter die Ohren und grüßten jedermann.

Was die Swabedoodahs am meisten liebten, war, einander warme, weiche Pelzchen zu schenken. Ein jeder von ihnen trug über seiner Schulter einen Beutel und der Beutel war angefüllt mit weichen Pelzchen. So oft sich Swabedoodahs trafen, gab der eine dem anderen ein Pelzchen. Es ist sehr schön, einem anderen ein warmes, weiches Pelzchen zu schenken. Es sagt dem anderen, dass er etwas Besonderes ist es ist eine Art zu sagen "Ich mag Dich!" Und ebenso schön ist es, von einem anderen ein solches Pelzchen zu bekommen. Du spürst, wie warm und flaumig es an deinem Gesicht ist, und es ist ein wundervolles Gefühl, wenn du es sanft und leicht zu den anderen in deinen Beutel legst. Du fühlst. dich anerkannt und geliebt, wenn jemand dir ein Pelzchen schenkt, und du möchtest auch gleich etwas Gutes, Schönes tun. Die kleinen Leute von Swabedoo gaben und bekamen gern weiche, warme Pelzchen, und ihr gemeinsames Leben war ganz ohne Zweifel sehr glücklich und fröhlich.

Außerhalb des Dorfes, in einer kalten, dunklen Höhle, wohnte ein großer, grüner Kobold. Eigentlich wollte er gar nicht allein dort draußen wohnen, und manchmal war er sehr einsam. Er hatte schon einige Male am Rand des Dorfes gestanden und sich gewünscht, er könnte dort mitten unter den fröhlichen Swabedoodahs sein aber er hatte nichts, was er hätte dazutun können und das Austauschen von warmen, weichen Pelzchen hielt er für einen großen Unsinn. Traf er einmal am Waldrand einen der kleinen Leute, dann knurrte er nur Unverständliches und lief schnell wieder zurück in seine feuchte, dunkle Höhle.

An einem Abend, als der große, grüne Kobold wieder einmal am Waldrand stand, begegnete ihm ein freundlicher kleiner Swabedoodah. "Ist heute nicht ein schöner Tag?" fragte der Kleine lächelnd. Der grüne Kobold zog nur ein grämliches Gesicht und gab keine Antwort. "Hier, nimm ein warmes, weiches Pelzchen, sagte der Kleine, "hier ist ein besonders schönes. Sicher ist es für Dich bestimmt, sonst' hätte ich es schon lange verschenkt." Aber der Kobold nahm das Pelzchen nicht. Er sah sich erst nach allen Seiten um, um sich zu vergewissern, dass auch keiner ihnen zusah oder zuhörte, dann beugte er sich zu dem Kleinen hinunter und flüsterte ihm ins Ohr: "Du, hör mal, sei nur nicht so großzügig mit deinen Pelzchen. Weißt du denn nicht, dass du eines Tages kein einziges Pelzchen mehr besitzt, wenn du sie immer so einfach an jeden, der dir Ober den Weg läuft, verschenkst?" Erstaunt und ein wenig hilflos blickte der kleine Swabedoodah zu dem Kobold hoch. Der hatte in der Zwischenzeit den Beutel von der Schulter des Kleinen genommen und geöffnet. Es klang richtig befriedigt, als er sagte: "Hab ich es nicht, gesagt! Kaum mehr als 217 Pelzchen hast du noch in deinem Beutel. Also, wenn ich du wäre: ich würde vorsichtig mit dem Verschenken sein!" Damit tappte der Kobold auf seinen großen, grünen Füßen davon und ließ einen verwirrten und unglücklichen Swabedoodah am Waldrand zurück. Er war so verwirrt, so unglücklich, d aß er gar nicht darüber nachdachte, dass das, was der Kobold da erzählte, überhaupt nicht sein konnte. Denn jeder Swabedoodah besaß einen unerschöpflichen Vorrat an Pelzchen. Schenkte er ein Pelzchen, so bekam er sofort von einem anderen ein Pelzchen, und dies geschah immer und immer wieder, ein ganzes Leben lang wie sollten dabei die Pelzchen ausgehen?

Auch der Kobold wusste das doch er verließ sich auf die Gutgläubigkeit der kleinen Leute. Und noch auf etwas anderes verließ er sich, etwas, was er an sich selbst entdeckt hatte, und von dem er wissen wollte, ob es auch in den kleinen Swabedoodahs steckte. So belog er den kleinen Swabedoodah ganz bewusst, setzte sich in den Eingang seiner Höhle und wartete.

Vor seinem Haus in Swabedoo saß der kleine, verwirrte Swabedoodah und grübelte vor sich hin. Nicht lange, so kam ein guter Bekannter vorbei, mit dem er schon viele warme, weiche Pelzchen ausgetauscht hatte. "Wie schön ist dieser Tag!" rief der, Freund, griff in seinen Beutel, und gab de m anderen ein Pelzchen. Doch dieser nahm es nicht freudig entgegen, sondern wehrte mit den Händen ab. "Nein, nein! Behalte es lieber," rief der Kleine, "wer weiß, wie schnell sonst dein Vorrat abnimmt. Eines Tages stehst du ohne Pelzchen da!" Der Freund stand ihn nicht zuckte nur mit den Schultern, packte das Pelzchen zurück in seinen Beutel und ging mit leisem Gruß davon. Aber er nahm verwirrte Gedanken mit, und am gleichen Abend konnte man noch dreimal im Dorf hören, wie ein Swabedoodah zum anderen sagte: "Es tut mir leid, aber ich habe kein warmes, weiches Pelzchen für Dich. Ich muss darauf achten, dass sie mir nicht ausgehen."

Am kommenden Tag hatte sich dies alles im ganzen Dorf ausgebreitet. Jedermann begann, seine Pelzchen aufzuheben. Man, verschenkte zwar immer noch ab und zu eines, aber man tat es erst nach langer, gründlicher Oberlegung und sehr, sehr vorsichtig. Und dann waren es zumeist nicht die ganz besonders schönen Pelzchen, sondern die kleinen mit schon etwas abgenutzten Stelle.

Die kleinen Swabedoodahs wurden misstrauisch. Man begann, sich argwöhnisch zu beobachten, man dachte darüber nach, ob der andere wirklich ein Pelzchen wert war. Manche trieben es soweit, dass sie ihre Pelzbeutel nachts unter den Betten versteckten. Streitigkeiten brachen darüber aus, wie viele Pelzchen der oder der besaß. Und schließlich begannen die Leute, warme, weiche Pelzchen gegen Sachen einzutauschen, anstatt sie einfach zu verschenken. Der Bürgermeister von Swabedoo machte sogar eine Erhebung, wie viele Pelzchen insgesamt vorhanden waren, ließ dann mitteilen, dass die Anzahl begrenzt sei und rief die Pelzchen als Tauschmittel aus. Bald stritten sich die kleinen Leute darüber, wie viele Pelzchen, eine Übernachtung oder eine Mahlzeit im Hause eines anderen wert sein müsste. Wirklich, es gab sogar einige Fälle von Pelzchenraub! An dämmerigen Abenden fühlte man sich draußen nicht mehr sicher, an Abenden, an denen früher die Swabedoodahs gern im Park oder auf den Straßen spazieren gegangen waren, um einander zu grüßen, um sich warme, weiche Pelzchen zu schenken.

Oben am Waldrand saß der große, grüne Kobold, beobachtete alles und rieb sich die Hände.

Das Schlimmste von allem geschah ein wenig später. An der Gesundheit der kleinen Leute begann sich etwas zu verändern. Viele beklagten sich Ober Schmerzen in den Schultern und im Rücken, und mit der Zeit befiel immer mehr Swabedood4hs eine Krankheit, die Rückgraterweichung genannt wird. Die kleinen Leute liefen gebückt und in schweren Fällen bis zum Boden geneigt umher. Die Pelzbeutelchen schleiften auf der Erde. Viele fingen an zu glauben, daß die Ursache ihrer Krankheit das Gewicht der Beutel sei, und daß es besser wäre, sie im Hause zu lassen, und dort einzuschließen. Es dauerte nicht, lange, und man konnte kaum noch einen Swabedoodah mit einem Pelzbeutel auf dem Rücken antreffen.

Der große, grüne Kobold war mit dem Ergebnis seiner Lüge sehr zufrieden. Er hatte herausfinden wollen, ob die kleinen Leute auch so handeln und fühlen würden wie er selbst, wenn er, wie das fast immer der Fall war, selbstsüchtige Gedanken hatte. Sie hatten so gehandelt! Und der Kobold fühlte sich sehr erfolgreich.

Er kam jetzt häufiger einmal in das Dorf der kleinen Leute. Aber niemand grüßte ihn mit einem Lächeln, niemand bot ihm ein Pelzchen an. Stattdessen wurde er misstrauisch angestarrt, genauso, wie sich die kleinen Leute untereinander anstarrten. Dem Kobold gefiel das gut. Für ihn bedeutete dieses Verhalten die "wirkliche Welt"!

In Swabedoo ereigneten sich mit der Zeit immer schlimmere Dinge. Vielleicht wegen der Rückgraterweichung, vielleicht aber auch deshalb, weil ihnen niemand mehr ein warmes, weiches Pelzchen gab, wer weiß es genau? - starben einige Leute in Swabedoo. Nun war alles Glück aus dem Dorf verschwunden. Die Trauer war sehr groß.

Als der große, grüne Kobold davon hörte, war er richtig erschrocken. "Das wollte ich nicht", sagte er zu sich selbst, "das wollte ich bestimmt nicht. Ich, wollte ihnen doch nur zeigen, wie die Welt wirklich ist. Aber ich habe ihnen doch nicht den Tod gewünscht." Er überlegte, was man nun machen könnte, und es fiel ihm auch etwas ein.

Tief in seiner Höhle hatte der Kobold eine Mine mit kaltem, stacheligen Gestein entdeckt. Er hatte viele Jahre damit verbracht, die stacheligen Steine aus dem Berg zu graben und sie in einer Grube einzulagern. Er liebte dieses Gestein, weil es so schön kalt war und so angenehm prickelte, wenn er es anfasste. Aber nicht nur das: Er liebte diese Steine auch deshalb, weil sie alle ihm gehörten und immer, wen er davor saß und sie ansah, war das Bewusstsein, einen großen Reichtum zu besitzen, für den Kobold ein schönes, befriedigendes Gefühl.

Doch jetzt, als er das Elend der kleinen Swabedoodahs sah, beschloss er, seinen Steinreichtum mit ihnen zu teilen. Er füllte ungezählte Säckchen mit kalten, stacheligen Steinen, packte die Säckchen auf einen großen Handkarren und zog damit nach, Swabedoo.

Wie froh waren die kleinen Leute, als sie die stacheligen, kalten Steine sahen! Sie nahmen sie dankbar an. Nun hatten sie wieder etwas, was sie sich schenken konnten. Nur: Wenn sie einem anderen einen kalten, stacheligen Stein gaben, um ihm zu sagen, daß sie ihn mochten, dann war in ihrer Hand und auch in der Hand desjenigen, der den Stein geschenkt bekam, ein unangenehmes, kaltes Gefühl. Es machte nicht so viel Spaß, kalte, stachelige Steine zu verschenken wie warme, weiche Pelzchen. Immer hatte man ein eigenartiges Ziehen im Herzen, wenn man einen stacheligen Stein bekam. Man war sich nicht ganz sicher, was der Schenkende damit eigentlich meinte. Der Beschenkte blieb oft verwirrt und mit leicht zerstochenen Fingern zurück.

So geschah es, nach und nach, immer häufiger, dass ein kleiner Swabedoodah unter sein Bett kroch, den Beutel' mit den warmen, weichen Pelzchen hervorzog, sie an der Sonne ein wenig auslüftete, und, wenn einer ihm einen Stein schenkte, ein warmes, weiches Pelzchen dafür zurückgab. Wie leuchteten dann die Augen des Beschenkten! Ja, mancher lief schnell in sein Haus zurück, kramte den Pelzbeutel hervor, um auch an Stelle des stacheligen Steines ein Pelzchen zurückzuschenken. Man warf die Steine nicht fort, o nein! Es holten auch nicht alle Swabedoodahs ihre Pelzbeutelchen wieder hervor. Die grauen, stacheligen Steingedanken hatten sich zu fest in den Köpfen der kleinen Leute eingenistet. Man konnte es aus den Bemerkungen heraushören:

­ Weiche Pelzchen? Was steckt wohl dahinter?
­ Wie kann ich wissen, ob meine Pelzchen wirklich erwünscht sind?
­ Ich gab ein warmes, weiches Pelzchen, und was bekam ich dafür? Einen kalten, stacheligen Stein!
­ Das soll mir nicht noch einmal passieren.
­ Man weiß nie, woran man ist: heute Pelzchen, morgen Steine.

Wahrscheinlich wären wohl alle kleinen Leute von Swabedoo gern zurückgekehrt zu dem, was bei ihren Großeltern noch ganz natürlich war. Mancher sah auf die Säckchen in einer Ecke seines Zimmers, angefüllt mit kalten, stacheligen Steinen, auf diese Säckchen, die ganz eckig waren und so schwer, dass man sie nicht mitnehmen konnte, häufig hatte man nicht einmal einen Stein zum Verschenken bei sich, wenn man einem Freund begegnete. Dann wünschte der kleine Swabedoodah sich im geheimen und ohne es je laut zu sagen, dass jemand kommen möge, um ihm warme, weiche Pelzchen zu schenken. In seinen Träumen stellte er sich vor, wie sie alle auf der Straße mit einem fröhlichen, lachenden Gesicht herumgingen und sich untereinander Pelzchen schenkten, wie in den alten Tagen. Wenn er dann aufwachte, hielt ihn aber immer etwas davon zurück, es auch wirklich zu tun. Gewöhnlich war es das, dass er hinausging und sah, wie die Welt "wirklich ist"!

Das ist der Grund, warum das Verschenken von warmen, weichen Pelzchen nur noch selten geschieht, und niemand tut es in aller Öffentlichkeit. Man tut es im geheimen und ohne darüber zu sprechen. Aber es geschieht! Hier und dort, immer wieder.

Ob Du vielleicht auch eines Tages …?

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Schreibe deine Ziele auf, und visualisiere deine Zukunft

Das ist einer meiner Lieblingsschritte meiner Morgenroutine. Es erinnert mich immer daran, dass wir alle Magier und Gedanken Realität werden lassen können. Jeden Morgen schreibe ich meine Ziele auf und visualisiere, wie sie in der Zukunft Realität sein werden. Von dieser Übung geht eine solche Magie aus, und sie macht zusätzlich noch unglaublich Spaß. Deiner Kreativität und Vorstellungskraft sind hier keine Grenzen gesetzt. Da ich irgendwann festgestellt habe, dass alle Ziele, die ich aufgeschrieben haben, auch genauso oder noch besser eingetroffen sind, habe ich irgendwann angefangen, mir nur noch Zeile zu setzen, die ich mir wirklich aus tiefstem Herzen wünschte und die mir in dem Moment so vollkommen unwahrscheinlich vorkamen, Aber das Universum denkt nicht in Kategorien wie groß oder klein. Es denkt in Frequenz und Energie. Alles, was es braucht, ist die klare Intention und eine hohe Energie, die damit verbunden ist. Besorge dir für diese Übung am besten ein Tagebuch oder ein schönes Notizbuch, in das du gern hineinschreibst. Teile die Seite in drei Abschnitte auf. Der erste Abschnitt ist für deine kurzfristigen Ziele (ca. drei Monate). Der zweite Abschnitt ist für deine mittelfristigen Ziele (ca. sechs bis zwölf Monate), und der dritte Abschnitt ist für deine langfristigen Ziele (bis fünf Jahre). Schreibe für jeden Abschnitt drei Ziele auf, die dich inspirieren und die dich darin unterstützen, dein Higher Self zu leben. Wichtig ist, dass deine Ziele spezifisch und in der Gegenwart formuliert sind, z.B. „Ich habe bis 15.03.2021 meinen Blog gestartet und bereits zehn Blogartikel veröffentlicht.
Nachdem du deine Zeile aufgeschrieben hast, schließt du die Augen und lässt deine Finger ganz leicht über die geschriebenen Worte gleiten. Bei jedem Ziel, über das zu gerade deine Finger gleiten lässt, stellst du dir vor, wie es sich anfühlt, wenn dieses Ziel Realität geworden ist. Stelle dir so bildlich wie möglich vor, wie dein Leben ist, wenn du das Ziel erreicht hast. Lasse die Freude über das Ziel schon jetzt in deinen Körper fließen – und die Dankbarkeit, dass es genau so oder noch besser kommen wird. Dann öffne die Augen wieder, und überlege dir, welche Schritte du heute schon gehen kannst, um dein Ziel zu verwirklichen.

(aus „Mögest du glücklich sein“ von Laura Malina Seiler – Verlag Komplett-Media GmbH)

„Wenn das Herz auf Reisen geht“

Die schwedische Schriftstellerin Selma Lagerlöf (1858-1940) verlieh ihrem kleinen Helden Nils Holgerson Flügel – sie sorgte damit für eine literarische Revolution und bekam als erste Frau den Nobelpreis für Literatur. Denn mit ihrem besonderen Blick auf die Menschen lehrte sie uns immens viel über das Leben.

Ein Buch über Schweden soll sie schreiben – doch will ihr nichts Rechtes einfallen. Schließlich kehrt sie auf der Suche nach Inspiration nach vielen Jahren zum Anwesen ihrer Kindertage zurück. Das Gut Marbacka in Värmland gehört mittlerweile Fremden, doch mit jedem Schritt, den sie sich dem Gebäude nähert, fallen ihr immer neue Begebenheiten ihrer Kindheit ein: die Ernte, Feste, die schere Arbeit, die Volkslieder, die man damals sang. Plötzlich vernimmt sie Schreie und bemerkt einen Knirps, der nicht größer sein kann, als eine Hand breit ist, und der sich gegen einen viel größeren hungrigen Waldkauz zur Wehr setzt. Sie verjagt den Vogel, und der winzige Junge erzählt ihr zum Dank von seinen Abenteuern: „Nein, was für ein Glück, jemanden zu treffen, der auf einem Gänserücken durch ganz Schweden gereist ist!“, dachte sie. „Genau das, was er erzählt, werde ich in meinem Buch schreiben. Jetzt muss ich mich deswegen nicht mehr sorgen. Wie gut es war, dass ich nach Hause gefahren bin. Man stelle sich vor, dass mir Hilfe zuteil wurde, sobald ich zum alten Hof kam!“

Natürlich hat es diese Begegnung zwischen der Frau und dem Knirps im realen Leben niemals gegeben. Und doch verknüpft die Autorin dieser Zeilen auf ganz wundersame Weise Fakt mit Fiktion. Denn Marbacka ist ein realer Ort, ihr Elternhaus, das zeitlebens ihre Seelenheimat bleiben wird. Und das Buch, dem diese Zeilen entstammen, „Nils Holgersons wunderbare Reise durch Schweden“, wird Selma Lagerlöf für alle Zeiten unsterblich machen. Bis heute ist es ungewöhnlich, dass ein Autor sich selbst in sein Werk integriert, zu einer handelnden Person macht – im Jahr 1905, als Nils Holgerson veröffentlicht wird – ist dies einer der vielen sensationellen Kunstgriffe des Buches. Ein weiterer ist, dass Selma Lagerlöf den Leser zusammen mit ihrem in einen Winzling verwandelten Helden förmlich in die Lüfte erhebt, ihn ganz neue, ungeahnte Perspektiven vermittelt.

In einer Zeit, in der Menschen es erstmals wagen, sich mit Flugmaschinen in die Lüfte zu schrauben – in Amerika hatten die Brüder Wright gerade die Ära des Motorfluges begründet – ist es für Selma Lagerlöf das Selbstverständlichste der Welt, ein Land – ihr Land – von oben zu betrachten, über seine Landschaften und Städte zu fliegen. Etwas das man damals höchstens im Traum für möglich gehalten hätte, lässt die Frau ihren Helden tun. Und bedenkt man, dass der Ursprungsgedanke hinter „Nils Holgerson“ ein ganz pragmatischer ist, nämlich ein Heimatkindebuch für schwedische Schulkinder zu verfassen, erscheint und Lagerlöfs Roman umso kühner und wunderbarer. Fügt sich jedoch ganz logisch in die Lebensanschauung einer Frau ein, die gegen den Willen ihres Vaters eine Lehrerausbildung macht, sich jedoch stets weigert, Lehrpläne zu befolgen oder ihren Schülern Prüfungen abzunehmen. Wie könnte eine solche Frau ein Schulbuch anders verfassen, als die eigentlich trockene Materie in ein spannendes Abenteuer zu verwandeln?

Dabei deutet erst einmal nicht im frühen Leben dieser Frau darauf hin, dass sie dereinst als erste Frau den Literaturnobelpreis entgegennehmen wird. Im Gegenteil. Wer als Mädchen Mitte des 19. Jahrhunderts im ländlichen Schweden aufwächst, hat zwei Möglichkeiten: zu heiraten und sein Leben ausschließlich der Familie zu widmen. Oder einen der wenigen Berufe zu ergreifen, die für Frauen als ehrbar erachtet werden. Selma Lagerlöf wählte Letzteres – die einzige halbwegs akademische Ausbildung, die einer Frau in Schweden damals möglich ist, ist die der Lehrerin. In einem Brief an ihre Freundin Sophie Elkan schreib sie später: „Irgendwann einmal würde die Familie eine echte Begabung hervorbringen. Ich möchte annehmen, dass ich da bin, denn es ist nötig, dass man an sich selbst glaubt, Denk Dir, dass ich das von mir geglaubt habe, seit ich acht Jahre alt war. Das war das Zentrale in meinem Leben, und nicht Liebe oder ein Zuhause wie für andere Frauen.“

Selma weiß früh, dass sei für die Ehe nicht gemacht ist. Diese Überzeugung hat ihren Ursprung vielleicht auch in einem Hüftschaden, an dem sie seit ihrer Geburt leidet und der Selma zeitweilig sogar lähmt. Ihr ganzes Leben lang wird sie sich etwas steif und statisch voranbewegen. „Diese Behinderung“, sagt sie, „hat mich gezwungen, stillzusitzen und in mich hineinzuschauen, und das ist der Grund warum ich Schriftstellerin wurde. Wäre ich gesund gewesen, hätte ich wohl irgendeinen Fabrikverwalter heiraten müssen.“

Wie um den Mangel an Beweglichkeit wettzumachen, entwickelte Selma schon früh ein tiefes Gespür für die Traditionen ihrer Heimat: Die Geschichten und Legenden, die direkt der wilden, weiten Natur Schwedens zu entstammen scheinen und denen sie als Kind gebannt lauscht. Ihre Großmutter gilt als erstklassige Geschichtenerzählerin „Ich erinnere mich, dass sei immer ihre Hand auf meinen Kopf legte, wenn sie ein Märchen erzählt hatte, und sagte: Und all das ist so wahr, wie ich Dich sehe und du mich siehst.“

Poesie über harte Felsen

Es ist diese Unbedingtheit, das Erzählte in Realität anzusehen, die so selbstverständlich ist wie Schwedens Wälder und Winterkälte, die die junge Selma tief bewegt und ihr Fühlen und Denken in Bahnen lenkt, die ihr ganzes Leben bestimmen werden.
Viel später, an einem Dezembertag 1909, wird sie darüber eine Rede halten – am Tag, als ihr der Literaturnobelpreis überreicht wird. Dann wird sie von der Zugfahrt zur Zeremonie nach Stockholm erzählt, während der das monotone Rattern der Räder sie in einen Tagtraum versetzt hat. Plötzlich ist da ihr Vater, der 24 Jahre zuvor gestorben war und der Familie ein heruntergewirtschaftetes Gut hinterließ, das schließlich an Fremde verkauft werden musste. Doch nicht Vorwürfe wegen des Verlustes des geliebten Marbacka bestimmten den Traum-Dialog, der auf dieser Reise zwischen Vater und Tochter geführt wird. Denn Erik Gustav Lagerlöf sollte auch derjenige sein, der seinen Kindern – Selma ist das zweitjüngste von fünf Geschwistern – alte Lieder vorsingt und sie die Liebe zur Heimat lehrt. Es sind als ihre schwedischen Wurzeln und der bäuerliche Volksglaube, denen sie das alles verdankt, was ihr nun den Nobelpreis einbringt – und genau das formuliert sie ihrem toten Vater gegenüber: „Denk nur an all diese armen heimatlosen Kavaliere, die in Deiner Jugend in Värmland umherzogen und Karten spielten und Lieder sangen. Wie viele tolle Abenteuer und Einfälle und Schmerz schulde ich ihnen! Und denk an all die Alten, die in kleinen grauen Hütten am Waldsaum saßen und von Nöck und Troll und von verzauberten Jungfrauen erzählten, die im Berg gefangen säßen. Die haben mich gelehrt, wie man über harte Felsen und schwarzen Wäldern Poesie ausbreiten kann.“
Es sind die uralten Motive, die Selma Lagerlöf mit ihrem ureigenen, einzigartigen Verständnis für das, was die Menschen bewegt, kombiniert. Selma Lagerlöf gelingt das Kunststück, von Äußerlichkeiten auf einen tieferen Inhalt zu schließen. Was für dein einen nicht mehr als Fantasie und Abenteuerhaltung, ist für Lagerlöf Teil einer Weltanschauung, eins Menschenbildes, traditionsverbunden und zukunftsorientiert zugleich. Keine andere schwedische Schriftstellerin ist ihr auf diesem Weg vorausgegangen. Selma Lagerlöf beschreitet Neuland, einzig getrieben von dem unbändigen Wunsch, einen eigenen Beitrag, eine eigene Spur im Kosmos der Geschichte ihres Landes zu hinterlassen. „Gösta Berling“ ist ihr erster Roman, den sie neben der Arbeit als Lehrerin verfasst und 1891 veröffentlicht. Die Geschichte handelt vom trunksüchtigen Pfarrer Gösta Berling, der erst durch die Liebe einer Frau geläutert wird. In so einfache wie lyrischen Worten beschreibt sie die wundersame Wandlung, die diese Persönlichkeit durchmacht. Der Roman macht Selma Lagerlöf in ganz Schweden bekannt. Einige Kritiker belächeln sie als Märchenerzählerin, weil sie die Handlung ihrer Geschichte mit regionalen Mythen, klassischen Legenden und romantischen Schilderungen versetzt. Dich hinter der scheinbaren Trivialität verbergen Selma Lagerlöfs Charaktere allesamt hochkomplexe Persönlichkeiten, die sich erst aus tiefer Schuld und Not befreien müssen, um zu einem guten Leben zu finden. „Gösta Berling“ begründet Lagerlöfs Ruf als Autorin, weil sie etwas ganz Neues in die schwedische Literatur bringt: Eine einfache, leicht verständliche Sprache, die kunstvoll verwoben ist mit dem Schatz uralter Überlieferungen. Doch erst der Auftrag der Schulbehörde, ein längst überholtes Lesebuch über Schweden durch ein modernes zu ersetzen, bringt die Schriftstellerin dazu, mit sämtlichen literarischen Konventionen zu brechen: Denn dadurch, dass sie ihr geliebtes Land von oben aus der Sicht der Wildgänse, die etwa 1000 Meter über dem Boden fliegen, betrachtet, hebt Selma Lagerlöf sämtliche Grenzen der Perspektive auf: Wir sind nicht länger Teil der Landschaft, sondern können bis zum Horizont blicken – damit verspricht Selma Lagerlöf und nicht weniger als die Unendlichkeit.

Die Sicht des Winzlings

Die Unendlichkeit der Möglichkeiten, die wir im Leben haben. Die Vielzahl von Wandlungen, der Veränderung, der wechselnden Anschauungen, die jeder Mensch durchleben kann, bis er zu dem Schluss kommt: Ja, ich habe jederzeit die Chance, mein Leben zu ändern, selbst wenn Konventionen oder äußere Zwänge dagegen sprechen. Es ist letztlich auch die Suche nach Identität, die Selma Lagerlöf stets angetrieben hat. „Wer mit sich selbst in Frieden leben will, muss sich so akzeptieren, er ist“, sagte sie einmal – ein auf den ersten Blick simpler Satz, der jedoch sehr viel aussagt über die Notwendigkeit, die eigene Vergangenheit, die eigenen Traditionen zu akzeptieren, um die Möglichkeit zu haben, sei in einem größeren Kontext zu setzen und letztlich Zufriedenheit zu erlangen. Der Junge Nils Holgersson muss erst winzig werden, um neue Dimensionen des Seins zu entdecken. Plötzlich ist er fähig, mit Tieren, der er bislang nur gequält hatte, zu kommunizieren ´, sie gleich in mehrfacher Hinsicht zu verstehen, und er ist gezwungen, sich ihnen unterzuordnen. Aus der Luft erkennt er die Zusammenhänge, die die menschliche Gesellschaft prägen: die Schönheit der Landschaft, aber auch die Bahnlinien, die die Wälder durchkreuzen, Industriestädte miteinander verbinden, die Kriege Schwedens, seine Landwirtschaft, seinen Bergbau, seine Schifffahrt – nichts wird beschönigt oder idealisiert. Selbst der Tod wird bei Nils Holgersson nicht ausgeklammert. Und letztendlich erzählt dieser Roman der mehr Kunstwerk als Schulbuch ist und in 40 Sprachen übersetzt wurde, auch von der größten Lektion, die ein Bauernjunge wie Nils überhaupt lernen kann: die Lektion über die Freundschaft und die Liebe, die unsere stärkste Antriebsfeder ist. Denn nur sie macht den Menschen zu dem, was er ist. Am Ende, als Nils Holgersson schließlich wieder in seine Ursprungsgröße zurückverwandelt ist, hat er nichts mehr mit dem Kind gemein, das einst mit den Gänsen zu seiner Reise aufgebrochen war: „Als er oben auf der Uferböschung ankam, wandte er sich um und betrachtete die vielen Vogelscharen, die auf das Meer hinaus flogen. Alle schrien ihre Lockrufe, nur eine Wildgansschar flog stumm davon … und der Junge spürte eine solche Sehnsucht nach dem Davonfliegen, dass er fast wünschte, er wäre wieder Däumling, der mit einer Wildgansschar über Land und Meer fliegen könnte.“
Die größte Sehnsucht seiner Erschafferin hat Nils Holgersson wahr gemacht. Mit dem Geld, das ihr der phänomenale Erfolg des Buches einbringt, kann sie Marbacka zurückkaufen, später auch alle Ländereien darum herum. Es war also tatsächlich, wie sie selbst in ihrem berühmten Roman schreibt, ein großes Glück, auf einen solchen Wichtel zu treffen.

(aus „Happinez“ von Astrid Kessler – Bauer Premium KG)

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Der kleine Prinz und der Mond - Liebe

Bevor der kleine Prinz auf die Erde kam, landete er auf dem Mond.

Wunderbar war der Blick auf den blauen Planeten: dunkle Formen durchzogen das Blau und stellten sich später als Landmassen heraus. Viele Träume ließen sich in diesen Planeten hineinprojizieren.

Während der kleine Prinz so gedankenverloren den blauen Planeten betrachtete und ihn am liebsten als Spielball in die Hand genommen hätte, kam ein alter Mann auf ihn zu und sagte:

„Junger Freund, du verliebst dich wohl auch gerade in diesen Planeten.“

„Ja“, antwortete der kleine Prinz. „So klein er auch erscheint, so kraftvoll wirkt er. Was er wohl für Schicksale birgt? Freude, Leid, Abenteuer und Langeweile?“

Der alte Mann legte sanft seinen Arm auf die Schultern des kleinen Prinzen.

„Manchmal fühle ich mich, als wäre ich Wächter über all die Wesen, die dort leben. Gedanken, Wünsche und Träume kommen nächtens von dort zu mir. Ich reinige und säubere sie von Hass, Ärger, Wut und Anhaftung und schicke sie zurück.“

Der kleine Prinz dachte nach und fragte: „Womit säuberst du sie?“

„Mit Liebe“, antwortete der alte Mann freundlich und ließ den kleinen Prinzen auf einer Woge von Liebe auf die Erde hinuntergleiten. Die Erde wurde beim Näherkommen immer größer, so dass beim Aufsetzen auf den Planeten dessen wunderbare Erscheinung für den kleinen Prinzen nur noch eine entfernte Erinnerung war, die nichts mit der Gegenwart zu tun hatte.

„Vielleicht“, dachte er, „ist der Grundbaustein von allem Leben die Liebe, und Wut, Ärger, Hass und Anhaftung sind nur Verblendungen dieses kostbaren Rohstoffes.“

Und mit diesem Bewusstsein begann der kleine Prinz seine Wanderung auf der Erde.

(aus „Der kleine Prinz und der Mond“ von Johann Maierhofer – Karl Rauch Verlag)

Sei weise!

Geh nicht zu denen, welche von sich reden;
sie kennen nur das eigne, liebe Ich.
Ein feines Ohr vermeidet die Trompeten;
der Weise hält am liebsten sich für sich.

Geh nicht zu denen, welche von sich schweigen;
auch sie verehren nur ihr liebes Ich.
Sie wollen sich als große Schweiger zeigen;
der Weise hält am liebsten sich für sich.

Und musst du doch als Mensch zu Menschen gehen.
So sprich und schweig, doch beides nicht für dich.
Das Sprechen sei für die, die dich verstehen.
Das Schweigen für der andern liebes Ich.

 Karl May, (1842 - 1912), deutscher Jugendschriftsteller, Pseudonym Karl Hohenthal

Auch dies geht vorbei

Eine der unbezahlbaren Lehren, die Depressionen entgegenwirken, ist gleichzeitig eine der einfachsten. Allerdings aufgepasst: Lehren die einfach erscheinen, kann man sehr leicht missverstehen. Wir können die folgende Geschichte nur dann begreifen, wenn wir tatsächlich von Depressionen befreit sind.

Der neue Häftling im Gefängnis war voller Angst und sehr deprimiert. Die steinernen Wände seiner Zelle saugten jegliche Wärme auf, die harten Eisengitter höhnten dem Mitgefühl, der Klang aufeinander prallenden Stahls ließ erahnen, hinter wie vielen Toren die Hoffnung weggeschlossen wurde. Das Herz des Gefangenen war schwer, denn er hatte viele Jahre abzusitzen. Am Kopfende seines Lagers entdeckte er folgende Worte in die Wand geritzt: AUCH DIES GEHT VORBEI.

Dieser Satz half ihm durch diese schwierige Zeit, genau, wie er wahrscheinlich dem Häftling vor ihm Mut gegeben hatte. Ganz gleich, wie schlimm es wurde. Er sah dann auf die Inschrift und dachte daran: „Auch dies geht vorbei.“ Am Tag seiner Entlassung erkannte er die tiefe Wahrheit hinter diesen Worten. Er hatte seine Strafe abgesessen. Auch die Zeit im Gefängnis war tatsächlich vorbeigegangen.
Als er wieder ins normale Leben zurückkehrte, dachte er oft an diese Botschaft. Er schrieb sie auf Fetzen Papier, die er an seinem Bett, in seinem Auto und auf der Arbeit deponierte. Sogar in ganz schlechten Zeiten erfasste ihn nie wieder eine Depression.
Er entsann sich in scheinbar aussichtslosen Lagen immer der Worte: „Auch dies geht vorbei“ und kämpfte sich durch. Wenn gute Zeiten anbrachen, genoss er sie, aber nie allzu sorglos. Er entsann sich der Worte: „Auch dies geht vorbei“ und arbeitete hart an seinem Leben, ohne auch nur das Geringste als selbstverständlich hinzunehmen. Die guten Zeiten schienen immer ungewöhnlich lange anzudauern.

Dann wurde bei ihm Krebs diagnostiziert. „Auch dies geht vorbei“ gab ihm Hoffnung. Hoffnung gab ihm Kraft und die positive Einstellung, die Krankheit zu besiegen. Eines Tages bestätigte der Facharzt, dass „der Krebs vorbeigegangen war.“
Am Ende seines Lebens flüsterte er seinen Liebsten zu: „Auch dies geht vorbei“, und er fand einen ruhigen Tod. Seine Worte waren der letzte Liebesdienst für Familie und Freunde. Sie hatten von ihm gelernt: „Auch die Trauer geht vorbei“

Depressionen sind ein Gefängnis, in das viele von uns eingeschlossen sind. „Auch das geht vorbei“, hilft uns. Und dieser Spruch sorgt zudem dafür, dass wir eine der großen Ursachen von Depressionen meiden und die guten Zeiten nicht zu selbstverständlich hinnehmen.

(aus „Die Kuh, die weinte“ von Ajahn Brahm – Lotus Verlag)

Blinder Glaube

Wenn wir altern, lassen Augen und Ohren nach, die Haare fallen aus, die dritten Zähne kommen rein, die Beine werden schwach, und manchmal zittern die Hände. Doch unser gesprächiger Mund entwickelt sich mit jedem Jahr kräftiger. Deshalb können sich unsere wortreichen Mitbürger erst in späten Jahren als Politiker profilieren.

Es war einmal ein König, dem seine Minister viel Ärger bereiteten. Sie stritten so heftig miteinander, dass nahezu nichts entschieden werden konnte. Die Minister folgten einer uralten politischen Tradition, denn ein jeder behauptete, dass er allein Recht und alle anderen Unrecht hätten. Doch als der einfallsreiche König ein öffentliches Fest organisierte, waren sich alle darin einig, an diesem Tag frei zu nehmen.

Es war ein spektakuläres Fest, das in einer riesigen Arena abgehalten wurde. Sänger und Tänzer traten auf, Akrobaten, Clowns, Musikbands, Feuerschlucker und noch viel mehr. Dann kam das Finale. Die Minister, die natürlich die besten Plätze ganz vorn in der ersten Reihe innehatten, sahen, wie der König höchstpersönlich seinen Lieblings-Elefanten in den Mittelpunkt der Arena führte. Dem Elefanten folgten sieben blinde Männer. Jeder in der Stadt kannte diese Männer und wusste, dass sie von Geburt an blind waren.

Der König ergriff die Hand des ersten Blinden und führte sie zum Rüssel des Elefanten. Er teilte ihm mit, dass dies ein Elefant sei. Dann legte er die Hand des zweiten Mannes auf einen Stoßzahn und sagte ihm, dass dies ein Elefant sei. Die Hand des Dritten erspürte ein Ohr, die des Vierten den Kopf, der Fünfte erfühlte den Körper, der Sechste die Beine und der Siebte den Schwanz. Jedem Mann wurde versichert, dass er einen Elefanten berührte. Dann wandte sich der König an den ersten Mann und bat ihn, einen Elefanten zu beschreiben.

„Nach meiner gut erwogenen und kundigen Meinung“, sagte der Blinde, der den Rüssel ergriffen hatte, „gehört der Elefant mit absoluter Sicherheit zur Spezies der Schlangen, vornehmlich der Python asiaticus.

„Was für ein hirnrissiger Quatsch!“, rief der zweite Blinde, der einen Stoßzahn in der Hand hielt. „Ein Elefant ist aus viel zu fester Materie, als dass er eine Schlange sein könnte. Tatsächlich, und ich irre mich nie, handelt es sich um einen Bauernpflug.“

„Du machst dich lächerlich“, höhnte der dritte Blinde, der immer noch ein Ohr in der Hand hielt. „Ein Elefant ist ein Palmenblatt-Fächer und sonst nichts.“

„Was seid ihr doch für inkompetente Idioten“, sagte der vierte Blinde lachend, der über den Kopf des Elefanten strich. „Ein Elefant ist ohne jeden Zweifel ein großer Wasserkrug.“

„Unmöglich, völliger Unsinn!“, widersprach der fünfte Blinde und fuhr mit der Hand den Körper entlang. „Ein Elefant ist viel massiver. Er ist ein Felsen.“

„Solchen Blödsinn habe ich mein Lebtag noch nicht gehört!“, brüllte der sechste Blinde, der ein Bein abgetastet hatte. „Ein Elefant ist ein Baumstamm. Ein Idiot, der daran zweifelt!“

„Welch ein Haufen von Ignoranten!“, empörte sich der letzte Blinde, der den Schwanz in der Hand hielt. „Ich kann euch genau sagen, was ein Elefant wirklich ist. Eine Art Fliegenklatsche. Das stimmt ganz gewiss, denn genau das fühle ich.“

„Lächerlich! Er ist eine Schlange!“ – „Unmöglich, es ist ein Krug!“ -  „Was seid ihr doch blöd, es ist …“ Und die Blinden begannen so heftig miteinander zu streiten und brüllten sich gegenseitig so laut an, dass sich ihre Worte miteinander verschmolzen und als ein einziges lautes Gebrüll zu vernehmen waren. Zu Schmähungen und Beleidigungen kamen dann auch noch Handgreiflichkeiten. Die Blinden schlugen um sich, und es schien völlig unwichtig zu sein, wen oder was sie gerade trafen. Sie fochten ums Prinzip, um Integrität und Wahrheit. Um die eigene persönliche Wahrheit.

Nachdem des Königs Soldaten die ziemlich angeschlagenen Blinden voneinander getrennt hatten, amüsierte sich das Publikum im Stadion über die schweigenden Minister, die beschämt auf ihren VIP-Stizen saßen. Alle Anwesenden hatten genau begriffen, wem der König eine Lektion hatte erteilen wollen.

Jeder von uns kann immer nur ein Teil jenes Ganzen nennen, das die Wahrheit darstellt. Wenn wir unser begrenztes Wissen als absolute Wahrheit ausgeben, gleichen wir den blinden Männern, die alle nur ein Stück des Elefanten erfühlten und ihre eigene bruchstückweise Erfahrung zur Wahrheit erhoben und alles andere für falsch hielten.

Statt uns auf blinden Glauben zu verlassen, sollten wir das Gespräch miteinander suchen.

Stellen Sie sich jetzt bitte vor, was dabei herausgekommen wäre, wenn die sieben blinden Männer ihre Erfahrungen zusammengeführt hätten, anstatt den Informationen der anderen nur zu widersprechen. Sie wären zu dem Schluss gekommen, dass ein Elefant einen Felsen ähnelt, der auf vier Baumstümpfen steht, hinten einer Art Fliegenklatsche aufweist und vorn einen großen Wasserkrug, an dessen Seiten sich zwei Palmblatt-Fächer befinden, während an der Unterseite zwei Pflüge stecken und in der Mitte eine lange Pythonschlange hervorragt. Das wäre nicht die schlechteste Beschreibung eines Elefanten von Menschen, die nie einen sehen werden.

(aus „Die Kuh, die weinte“ von Ajahn Brahm – Lotus Verlag)

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Mein Glück kommt aus dem Inneren, und ich teile es mit anderen.

Wenn wir eine Beziehung in der Erwartung eingehen, dass die andere Person uns glücklich und zufrieden macht, ist der Misserfolg schon vorprogrammiert. Als Kind glaubte ich, dass es meine Schuld sei, wenn meine Eltern unglücklich waren. Ich glaubte, ich müsste ihrer Vorstellung von einem vorbildlichen Kind entsprechen. So verbrachte ich meine Zeit mit der Suche nach etwas, das ich tun könnte, damit ihr Leben besser würde.

Heute will ich aufhören zu erwarten, dass andere nach meinen Idealen leben. Ich habe nicht das Recht, anderen meine Erwartungen aufzuzwingen. Heute will ich damit beginnen, andere von der Verantwortung zu erlösen, mich glücklich zu machen. Ich verdiene eine Beziehung, nicht um mich glücklich zu machen, sondern um andere an den vielen Facetten meiner Persönlichkeit teilhaben zu lassen.

In dem Maße, wie ich lerne, meine eigenen Bedürfnisse zu erkennen und zu erfüllen, bin ich von anderen weniger abhängig. In dem Maße, wie ich mein inneres Kind umsorge, werde ich freier, mich auf gesunde Weise auf andere einzulassen.

(aus „Liebe dein inneres Kind“ von Rokelle Lerner – Goldmann Verlag)

Ich bin stark

Manche Menschen stecken schwierige Erlebnisse leichter weg, andere werden durch Kleinigkeiten aus der Bahn geworfen. Warum sind die einen wahre Stehaufmännchen, andere nicht?
Ein Psychologe gibt Tipps, wie man mit Belastungen umgeht, und zwei starke Menschen erzählen, wie sie ihr Leben nach der Krise in den Grimm bekommen.

Wenn Kinder laufen lernen, fallen sie ständig hin, probieren es aber gleich erneut – immer und immer wieder, unbefangen und mutig. Prof. Dr. Claas Lahmann erklärt, warum die Widrigkeiten als Chance sehen und am Stehaufmännchen-Prinzip das ganze Leben lang festhalten sollten.

Ohne Zuversicht und den Drang, es den Großen nachzumachen, würde ein Kleinkind nie erste Schritte wagen. Es packt diese Hürde, nimmt die Herausforderung an. Auch Kindheitsheldin Pippi Langstrumpf traut sich was zu, geht alles mit Mut an, ohne Hilfe von Älteren und voller Zutrauen, dass es irgendwie immer geht. Gewisse charakterliche Eigenschaften für diese Krisenstärke bekommt man in die Wiege gelegt, mehr oder weniger stark ausgeprägt. Manche Voraussetzungen spielen sich im Gehirn ab: Wie es um die Balance der Glücks- und Stresshormone bestellt? Doch viel mehr als die Veranlagung spielen äußere Faktoren eine Rolle. Das zeigten die Beobachtungen der US-Psychologin Emmy Werner im vergangenen Jahrhundert: Kinder auf Hawaii wuchsen unter widrigen Bedingungen – Armut – psychische Erkrankung der Eltern, schwierige Familienverhältnisse – auf.
Viele wurden später kriminell, sozial auffällig oder hatten gesundheitliche Probleme. Vor allem die ohne ein stabiles soziales Umfeld, das sie auffing.
Doch etwa einem Drittel gelang es, ihr Leben später besser fortzuführen, als es begonnen hatte. Erstgeborene Mädchen, Kinder mit ausgeglichenem Temperament, solche mit positiver Selbstwahrnehmung, einer Portion Selbstkontrolle und stabiler Beziehung u anderen kamen offenbar besser mit dem Leben zurecht als solche, die diese Bedingungen nicht hatten, fand man heraus. „Um mit Traumata, Niederlagen, Krisen oder Abweisung, also starkem Stress, umgehen zu können, braucht es ein gefestigtes Ich“, weiß Prof. Dr. Claas Lahmann, der im Klinikalltag Menschen behandelt, die an Belastungen – etwas Krankheit, Todesfälle, Verlust des Arbeitsplatzes, Scheidung – verzweifeln.
Und es braucht eine Kraft, die Psychologen Resilienz nennen. „Resilienz ist wie eine Art Hornhaut auf der Seele“, fasst Christina Berndt in ihrem gleichnamigen Busch zusammen (dtv Verlag). Nach Schicksalsschlägen müsse man Frust aushalten und verarbeiten können.
Psychologen sin sich einig: Kinder sollten schon übern (dürfen), Schwierigkeiten zu meistern – in dem Alter lernt man das am leichtesten. Und viele Studien zeigen, dass Kinder, die Herausforderungen bewältigen und Druck aushalten mussten, später eine gewisse Stressresistenz haben, Lösungsstrategien anwenden können und am Erlebten nicht zerbrechen. Die Erfahrung, eine Krise erfolgreich geschafft und Frieden damit geschlossen zu haben, gibt Selbstvertrauen, Kraft, Zuversicht. „Resilienz ist stark formbar und kann noch im Erwachsenenalter ausgebaut werden“, sagt der Psychosomatiker Lahmann.  „Aber man muss sie immer wieder trainieren, so wie man seine Kondition durch Üben erhält.“ Das Gute: Wir erholen uns nach Schicksalsschlägen meist deutlich schneller, als wir es erwartet hätten. Manchmal bergen auch alltägliche Probleme jede Menge Krisenpotential, bringen uns aus dem Gleichgewicht. Wie man sich wieder einpendeln kann, dafür hat der Freiburger Mediziner aus dem Klinkalltag jede Menge praxistauglicher Wege entwickelt: „Unsere Patienten notieren am Ende jedes Tages Stichworte zu drei positiven Erlebnissen ins Glückstagebuch – das lenkt die Gedanken weg von der Negativitem“, erläutert er. Manchmal ist es gut, wenn man sich umorientiert und offen für Neues ist. „Für viele ist es sinnvoll, sich für andere, etwa im Ehrenamt, zu engagieren. Das macht zufriedener. Manchen raten wir zu einem Hobby. Denn wer etwas Wichtiges, Bedeutsames macht und Dinge zu Ende bringt, kann darin Bestätigung bekommen – die gut fürs Selbstvertrauen ist.“ Der Mediziner hat den Eindruck, dass viele Menschen zu wenig in ihre Resilienz investieren: „Wer wenig achtsam mit sich selbst und seinem Körper umgeht, dem fehlt die psychische Basis für emotionale Robustheit. Man muss sich regenerieren, um wieder aufstehen zu können.“ Was nicht heißt, dass man sich nach dem Hinfallen sofort aufrappeln muss. Man braucht Zeit zu verarbeiten, bis man sich aufrichten und weitergehen kann.

 

Mit 19, nach dem Überfall in ihrer Wohnung, beschließt sie: „So will ich nicht mehr leben!“ Nach Jahren rassistischer Übergriffe ist das Maß längst voll.

Aber dann denkt Gloria Boateng: „All das Schöne, das ich erlebt habe, die Möglichkeiten, die ich bekommen habe – soll das nun für nichts gewesen sein?“ Die Antwort ist ein Nein: „Ich muss das Leben so nehme, wie es ist, und etwas Besseres draus machen“

In armen Verhältnissen in Ghana geboren, übersteht sie Hunger, Kinderarbeit, Missbrauch, sie kann nur selten in die Schule. Ihre Großmutter lebt eine strenge Erziehung, Schläge sind normal. „Ohne die Erfahrungen in Afrika, hätte ich die folgenden Jahre vielleicht nicht so gut überstanden“, ist sie überzeugt. „Bei uns jammert man trotz Problemen nicht. Man ist positiv, besinnt sich auf die Gemeinschaft.“
Als ihre in Deutschland lebende Mutter und ihr Großvater sie herholen, ist sie gespannt auf das neue Leben mit ihrer Familie im anderen Land. Doch ihre Mutter wird abgeschoben, der Großvater, der ihr eine große Stütze war, stirbt. Die Zehnjährige kommt in eine Pflegefamilie, die mit dem Großvater bekannt war, in ein kleines Dorf. „Anfangs konnte ich die Sprache nicht, es gab permanent Missverständnisse“, erinnert sich die 41-Jährige. „Ich war die einzige Schwarze unter knapp 1.000 Schülerinnen und Schülern. Man lauerte mir auf, bewarf mich mit Steinen.“ Nachbarn sprühen Hakenkreuze an die Hauswand. Die ganze Schulzeit geht das so.

Trotzdem lernt sie innerhalb eines Jahres Deutsch, absolviert die Grundschule in zwei Jahren. „Ich glaubte an Gott, an die Kraft in mir. Dass ich das überwinde, meine Ziele erreiche“, sagt Gloria Boateng. Sie habe immer nach vorn geschaut, wollte nicht ständig über Probleme nachdenken. Freundeskreis und Pflegeeltern stehen zu ihr. So macht sie trotz Hauptschulempfehlung das Abitur. „Ich wollte mein Leben selbst in die Hand nehmen, dafür brauchte ich eine sehr gute Ausbildung.“ Heute ist sie Lehrerin, begleitet mit ihrem Verein SchlauFox Kinder und Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen. Ihre Botschaft: Lerne so viel du kannst! Damit meint sie nicht nur das Schulische.

 

Wenn ein Mensch, den man liebt, plötzlich tot ist, kommt das meist ohne Vorwarnung.

„Meine Mutter hat sich an dem Abend von meinem Vater getrennt“, erinnert sich Marie-Luise Thoms an die schicksalhafte Nacht. Er erschießt sich Ende 2014. Wie in einem Sonntagabendkrimi, in dem sie nie mitspielen wollte, fühlt sich die damals 17-Jährige. Sie steht unter Schock, ist wie taub. Ihre Trauer ist groß. Doch keiner in der Familie – Mutter, Bruder, Oma - reden darüber. „In der Schule zog ich mich zurück“, erzählt die 23-Jährige. „Ich futtere mir 25 Kilo Schutzpanzer an, verschlang viele Bücher zu dem Thema.“ Monate später erst wird ihr bewusst, dass ihr geliebter Vater nicht mehr wiederkommt.

Dass es so nicht weiter gehen kann, ist ihr klar. Ihr Leben hat sich seit jener Nacht in zwei Hälften geteilt. „Ich wollte immer ganz offen damit umgehen, nahm mir Hilfe, sobald ich nicht mehr allein weiterkam“, sagt die Studentin. Sie hat nie Angst davor, was andere denken. Obwohl ihre Mutter dagegen ist, spricht sie mit einem Therapeuten, um alles zu verarbeiten. „Ich wusste, es würde mich sonst irgendwann einholen.“

Ein Jahr nach dem Vorfall zieht sie aus dem brandenburgischen Heimatdorf nach Berlin, um zu studieren und näher bei ihrer Selbsthilfegruppe zu sein. Sie strahlt, als sie zurückblickt. „Das war wie ein Neustart: Für die Leute im Dorf war ich das Kind mit dem toten Vater, hier kannte mich keiner. In Berlin habe ich mir ein neues Umfeld aufgebaut, konnte einfach nur Marie sein.“ Das Darüber-Reden mit Menschen, die eine ähnlich schmerzhafte Erfahrung gemacht hatten, hilft ihr. Der neue Freundeskreis gibt ihr Halt, den sie in ihrer Familie so sehr vermisst. Mit ihren Freunden unternimmt sie am Todestag ihres Vaters immer etwas Schönes. Das tut ihr gut.
Als sie sich vor drei Jahren besser fühlt, gründet sie ihre eigene Selbsthilfegruppe innerhalb des Vereins „AGUS e.V. – Angehörige um Suizid“. Nun betreut Marie-Luise Thoms junge Erwachsene bis 35 Jahre, die einen Angehörigen verloren haben. „Jetzt kann ich das Ganze aus einer anderen Perspektive betrachten“, erzählt sie. „Es gibt mir zusätzliche Bestätigung.“ Und einen Sinn, denn sie kann anderen mit ähnlichen Erlebnissen helfen. Dass sie ihr eigenes Leben mutig leben kann, zeigt ihr das Studiensemester in Asien: „Ich war stolz, dass ich mich getraut habe, wo weit weg zu gehen. Es gab schwierige Momente, aber ich habe mich durchgebissen.“


Zitate:

"Im Leben geht es nicht darum, gute Karten zu haben, sondern auch mit einem schlechten Blatt gut zu spielen."

(Robert Louis Stevenson, Schottischer Schriftstelle - 1850-1894)

"Auf die Dauer nimmt die Seele die Farben der Gedanken an."

(Marcus Aurelius - Römischer Philosoph - 121-180)


(Herausgeber: dm-drogerie markt GmbH + Co.KG, Kerstin Erbe – Verlag: Arthen Kommunkation GmbH)

Das Versteck der Weisheit (aus Indien)

Vor Urzeiten schufen die Götter das Menschengeschlecht. Doch bald stellten sie fest, dass die Menschen noch nicht frei für die Weisheit des Universums seien – sie würden nur Unfug damit treiben. Also beschlossen die Götter, die Weisheit zu verbergen, so dass die Menschen sie nicht finden, bis sie einst reif genug dafür würden.

Doch wo gab es ein sicheres Versteck für diesen kostbaren Schatz?

Brahma schlug vor, die Weisheit auf dem höchsten Berg zu verstecken. Doch würde der Mensch nicht bald alle Berge erklommen haben und so auch die Weisheit in Besitz nehmen und sie missbrauchen?

Vishnu riet, die Weisheit an der tiefsten Stelle im Meer zu versenken. Aber war nicht auch dort die Gefahr, dass die Menschen in ihrer Rastlosigkeit die Weisheit zu früh fänden?

Schließlich sprach Shiva: „Lasst uns die Weisheit des Universums im Herzen des Menschen verstecken – dort wird sie nie jemand vermuten, und die Weisheit wird erst dann gefunden werden, wenn die Menschen reif sind und den Weg in ihr Inneres gehen.“

Und so geschah es.

Weisheit: Basisfutter für den weißen Wolf

Ganz schön gemein von den Göttern, die Weisheit so gut zu verstecken, dass kein normaler Mensch sie je finden würde. Aber die Geschichte zeigt noch etwas – dass die Götter nämlich auch nicht immer die Hellsten sind. Auch ohne die Weisheit hat die Menschheit schließlich einen Haufen Unfug angestellt; wie kann man da auf die Idee kommen, dass sie mit der Weisheit noch mehr Unheil anrichten könnten? Offensichtlich ist genau das Gegenteil der Fall: Es wird allerhöchste Zeit, dass die Weisheit sich über unseren Globus verbreitet – und je schneller, desto besser! Noch nie war das Leben auf unserem Planeten so bedroht wie heute. Worauf also noch warten? Am Ende bietet Weisheit den einzigen Ausweg aus den ganzen Problemen, die Menschen untereinander und in der Natur verursachen. Lasst also endlich die weißen Wölfe frei – schwarze gibt es schon mehr als genug!

Wenn du Weisheit entwickelst, brauchst du dir um das Wohlergehen deines weißen Wolfes keine Sorgen mehr zu machen. Ob Mitgefühl, Freude, Liebe, Heiterkeit, Gelassenheit oder Glückseligkeit – sobald du Weisheit erlangt hast, kriegst du den Rest quasi „all inclusive“. Und wie du sicher auch schon vorher wusstest, ist Weisheit nicht in Büchern, sondern nur in unserem Herzen zu finden.

Aber jetzt geht der Stress los – nicht für dich, sondern für uns: Etwas Beschreiben zu wollen, das nur jenseits der Worte erfahrbar ist, ist für einen oder auch zwei eine ziemlich harte Nuss. Autoren (Anmerkung: Das Buch haben zwei Autoren zusammen geschrieben.) Das Wort ´Weisheit´ sagt so wenig aus, um was es wirklich geht, wie die Buschstaben ´H´ ´E´ ´R´ und ´Z´. Dass die Weisheit im Herzen nichts mit dem blutpumpenden Organ zu tun hat und weder durch Ultraschall sichtbar noch durch ein Stethoskop hörbar gemacht werden kann, ist auch klar.

Somit könnte das Kapitel jetzt eigentlich enden, dann wie soll man sagen, was ohnehin nicht gesagt werden kann? Andererseits: Versuchen können wir es ja mal.

Immerhin ein paar Dinge wissen wir über die Weisheit. Zum Beispiel, dass sie immer gemeinsam mit Mitgefühl auftritt. Oder dass weise Menschen auf intuitive Weise Dinge erkennen, die der Verstand nicht sehen kann. Weisheit ermöglicht tiefe Einsichten und führt zu Offenheit und geistigem Frieden. Die eben erzählte Geschichte zeigt, dass die Götter die Weisheit weder auf dem höchsten Berg noch in den tiefsten Meeren versteckt haben. Und in komplizierten esoterischen Theorien werden wir sie auch nicht aufspüren. Im Grunde ist die Sache viel einfacher. „Sucht und ihr werdet finden“ heißt es im Neuen Testament (Mt. 7.7). Und an anderer Stelle steht auch gleich noch, wo wir denn am besten suchen sollten: „Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch“ (Lk 17.21)

Wenn da ´Reich Gottes´, die ´Glückseligkeit´ die ´Weisheit´ oder wir immer du es nennen willst, inwendig in dir, also in deinem Herzen verborgen ist, dann frag sich, wenn du es dann schaffen kannst, da hinein zu kommen. Die Antwort durch Meditation. In der Meditation ist dein Geist empfänglich und offen, friedlich und wach. Geistesgifte wie Gier, Hass oder Verblendung werden aufgelöst, wodurch Klarheit und Weisheit ganz natürlich entfalten. Dabei ist es übrigens gar nicht nötig, negative Gefühle zu unterdrücken – du kannst dich einfach zurücklehnen (aber nur innerlich, denn schief zu sitzen ist nicht so hilfreich) und sie akzeptieren, wodurch sie sich schließlich von selbst auflösen.

Laut der buddhistischen Lehre wird Weisheit erst erfahrbar, wenn wir sowohl körperlich als auch geistig in einem Zustand der vollkommenen Harmonie sind. Dieser Zustand tiefster Versenkung und höchster Sammlung, der auch als ´Samadhi´ bezeichnet wird, ist das Ziel vieler östlicher Meditationsmethoden. Dich auch die christliche Mystik hat sich mit dem Zur-Ruhe-Kommen aller Geistesinhalte befasst. Nur wenn der Meditierende oder Betende sich von allen Gedanken, Assoziationen, inneren Dialogen usw. vollständig befreit, kann er zu höchsten Weisheit gelangen.

Meditation: Technik der Nicht-Technik

Weisheit kannst du auf zweierlei Weise erlangen: entweder durch ein langes Leben, durch Leiden, viele Krisen und Lebenserfahrungen (sofern du die richtigen Schlüsse ziehst), oder durch einen spirituellen Weg und insbesondere durch die Meditation. Allerdings ist Meditation keine Freizeitbeschäftigung, sondern eine Disziplin. In tiefer Meditation versunken zu sein und alles loszulassen, was uns üblicherweise den letzten Nerv raubt, ist eine wunderschöne, tiefgreifende Erfahrung. Damit sie sich einstellen und auch den Alltag verwandeln kann, ist es jedoch nötig, sich schlicht und ergreifend ´auf den Hintern zu setzen´. Und zwar nicht nur, wenn man gerade mal Lust dazu hat, sondern Tag für Tag (oder sagen wir zumindest fünfmal die Woche). Damit die Affen in unserem Geist sich austoben und schließlich zur Ruhe kommen können, brauchen sie einfach genügend Zeit. 15 Minuten täglich solltest du da schon investieren.

Du hast in diesem Buch bereits einige Meditationsmethoden kennen gelernt. In der Samatha-Meditation liegt die Konzentration auf dem Atem. In der Vipassana-Meditation versuchst du, deine Achtsamkeit zu entwickeln, indem du sie auf verschiedene Bereiche deines Erlebens, wie etwa den Körper oder die Gedanken lenkst. In der Herz- und der Metta-Meditation entwickelst du gezielt dein Mitgefühl. Doch die folgende Meditation ist anders. Sie gehört zu den fortgeschrittenen ´Methoden´ und ist nicht jedermanns Sache. Anderseits gibt es viele Übende, die diese Art der Meditation leiben und sie sehr effektiv finden.

Anleitung zur ´Technik ohne Technik´ findet man im Zen, im Daoismus und im tibetischen Budhismus, aber auch bei Meister Eckhart, der eine sehr bündige Anweisung gibt:

„Richte dein Augenmerk auf dich selbst,
und wo immer du dich findest,
da lasse ab von dir.
Das ist das Allerbeste.“

In buddhistischen Worten ist es praktisch das Gleiche: „Sei stets achtsam und hafte nicht an deinem Selbst.“

Die Meditation des ´offenen Gewahrseins´, wie sie auch genannt wird, lässt sich nicht wirklich beschreiben. Du sitzt einfach nur, ohne etwas zu tun, zu wollen oder zu erwarten. Du spürst die Stille im Körper, die Ruhe im Atem – lenkst deine Aufmerksamkeit jedoch nicht darauf, sondern lässt alle Inhalte deines Bewusstseins los. Du sitzt vollkommen freu von Anstrengung. Zwei Punkte solltest du dabei beachten:

1.     Was immer gerade geschieht, lass es einfach geschehen.

2.     Immer wenn du eine Absicht bemerkst, deine Achtsamkeit zu lenken oder deine Wahrnehmung zu kontrollieren, lass diese Absicht los.

Wenn also eine spontane Wahrnehmung auftritt (ein Gedanke an die Zukunft, ein Kribbeln in den Füßen …)(Anmerkung: Wenn das Kribbeln zu Schmerz oder Taubheit führt, ändere deine Position), dann lass jegliche Absicht los, dich näher damit zu befassen. Lass die Erfahrung einfach kommen und gehen.

Tue nichts. Sitze einfach nur in bewusster Aufmerksamkeit. 15 Minuten lang. Das ist alles.

(aus „Füttere den weißen Wolf“ von Ronald Schweppe/Aljoscha Lang – Kösel Verlag München)

Achtsamkeitsexperiment: Entdecke deine Möglichkeiten

Ob Freiheit oder Sicherheit – du könntest beides natürlich auch als reine Illusion ansehen: Kein Job ist wirklich sicher und unser Leben noch viel weniger. Das Einzige, was sicher ist, ist bekanntlich der Tod. Und ebenso wie mit der Sicherheit ist es auch mit der Freiheit so eine Sache: Selbst wenn du auf einer Trauminsel lebst, den ganzen Tag auf deinem Segelboot sitzt und genug Geld auf dem Konto hast – von deinen Gedanken, Gefühlen und Stimmungen wirst du dennoch nicht frei sein (außer wenn du erleuchtet bist, aber dann brauchst du auch kein Segelboot).

Anderseits kannst du Freiheit und Sicherheit aber auch als Realität ansehen. Und dann wäre die Frage, ob du nicht beides miteinander vereinen kannst. Wer sagt denn, dass du dich als Globetrotter auf Weltreise nicht trotzdem sicher und geborgen fühlen kannst? Wenn du in dein Leben vertraust, wirst du auch Stürme überstehen, ohne vor Angst zu erstarren. Und umgekehrt: Auch in einem sehr geordneten, fest strukturierten und sichern Leben ist es jederzeit möglich, Neues auszuprobieren, alte Gewohnheiten zu durchbrechen oder sich innerlich frei und unabhängig zu fühlen.

Ein paar Fragen helfen dir dabei, ein gesundes Geleichgewicht zwischen Freiheit und Sicherheit herzustellen:

Ganz spontan: Welcher Wert ist für dein Leben wichtiger – frei oder abgesichert zu sein? Was von beiden verleiht deinem Leben mehr Sinn? Womit fühlst du dich wohler?

Gibt es bestimmte Bereiche deines Lebens, wo du gerne freier wärst? Etwa, was deine Arbeit, deine Beziehung oder Verpflichtungen betrifft? Was genau ist es, das dich einschränkt – die äußeren Umstände oder eine innere Einstellung?

Gibt es bestimmte Bereiche deines Lebens, in denen du gerne mehr Sicherheit erfahren würdest? Welche sind das genau?

Findest du Möglichkeiten, dich in einem wilden, freien Leben dennoch sicher und geborgen zu fühlen? Nicht zu wissen, was der morgige Tag bringt, ist kein Grund, Ängste und Sorgen zu hegen. Da erinnere ich nur an die Geschichte vom Kalifen und dem Flickschuster. Blaise Pascal sagte, dass es sogar Freude macht, in einem Sturm gepeitschten Schiff zu fahren, wenn man sicher ist, dass es nicht sinken wird. Wenn du Stürme liebst, musst du eben viel Vertrauen haben.

Kannst du Möglichkeiten für dich entdecken, inmitten der Routine und sicherer Strukturen dennoch Neues auszuprobieren oder dich freier zu fühlen? Wenn du dir klar machst, dass die Entscheidung immer bei dir liegt, also auch die Entscheidung für ein abgesichertes Dasein, wirst du dich nicht als Opfer der Umstände sehen. Unfrei wirst du ja nicht etwa durch einen geregelten Tagesablauf, sondern durch inneres Festhalten. Du kannst jarhelang in der gliechen Beziehung, dem gleichen Job und der gleichen Wohnung stecken und innerlich so frei sein wie ein Vogel – oder wie ein schöner, weißer Wolf.

(aus „Füttere den weißen Wolf“ von Ronald Schweppe/Aljoscha Lang – Kösel Verlag München)



Wolf und Hund (nach Aesop)

Der Wolf und der Hund, der den Hof des Bauern bewachte, begegneten sich eines Nachts und grüßten sich höflich. Der Wolf war hager und struppig, der Hund jedoch wohlgenährt, mit glänzendem Fell.

„Sag Vetter, wie kommts es, dass du so wohlgenährt bist?“, fragte der Wolf.

„Ich habe eine gute Arbeit“, antwortete der Hund. „Ich wache über den Hof des Bauern und verjage die Diebe. Dafür bekomme ich morgens, mittags und abends Fleisch zu essen.“

„Das ist wirklich ein herrliches Leben. Ich wollte ich hätte es so gut wie du!“

„Aber wie kommts, dass du so hager und struppig bist?“, fragte nun der Hund.

„Ich lebe frei im Wald“, antwortete der Wolf. „Ich tue, wie es mir beliebt und bin ständig auf der Jagd. Und wenn der Vollmond scheint, treffe ich mich mit meinen Brüdern auf dem Felsen und singe für den Mond.“

„Das ist wirklich ein herrliches Leben. Ich wollte ich hätte es so gut wie du!“

Sicher in Freiheit, frei in Sicherheit

Wärst du lieber der Hund oder der Wolf in der Geschichte? Was glaubst du, welcher von beiden hat wohl die bessere Wahl getroffen?

Wenn dir jetzt eine schnelle Antwort über die Lippen kommt, weil du vielleicht glaubst, Freiheit wäre wichtiger oder Sicherheit vernünftiger, dann wirst du gleich sehen, dass das Ganze gar nicht so einfach ist.

Ich habe ja zum Beispiel einen sogenannten ´kreativen Job´. Als ´Freiberufler´ (in dem ja auch schon das Wort ´frei´ steckt) bleibt mir ein Chef erspart, feste Arbeitszeiten ebenso. Als ich die Fabel gelesen habe, dachte ich zunächst: „Klar – Freiheit ist viel entscheidender!“ Aber dann fing ich an, mir das Ganze noch einmal ein wenig genauer zu überlegen, und da wurde es kompliziert. Immerhin lebe ich in einer festen Ehe, genieße die Sicherheit, ein Dach über den Kopf zu haben, zahle ins Rentensystem ein und bin ganz bestimmt alles andere als ein Abenteurer – also was heißt da schon ´frei´?

Sowohl Freiheit als auch Sicherheit haben ihre Vor- und Nachteile: Der Hund bekommt mehr als genug zu fressen, dafür kann er nicht vom Bauernhof weg. Der Wolf ist frei, den anzuheulen, wann immer er Lust dazu hat, dafür muss er dauernd auf die Jagd gehen, und wenn ihm das Kaninchen entwischt, heißt es wohl oder übel mit knurrendem Bauch einschlafen zu müssen.

Frei zu sein ermöglicht es uns, Abenteuer zu erleben, neue Erfahrungen zu machen, unseren Mut zu entwickeln, spontanere Entscheidungen treffen zu können und den weißen Wolf ausgiebig zu füttern.

Sicher zu sein ist aber auch ein schönes Gefühl, denn Sicherheit vermittelt Vertrauen und Geborgenheit, und der feste Rahmen schützt uns davor, die Orientierung zu verlieren oder mit Sorgen den schwarzen Wolf zu füttern.

Im Grunde brauchen wir als beides, und das fängt schon sehr früh an. Kleine Kinder brauchen Wurzeln. Sie sehnen sich nach festen Rhythmen, lieben Rituale wie die abendliche Gutenachtgeschichte oder ´feste Feste´ wie Weihnachten oder Ostern. Sie brauchen Menschen, auf die sie sich verlassen können, brauchen Wurzeln, um fest auf der Erde stehen zu können. Je älter sie werden, desto wichtiger werden dann Flügel, desto größer das Bedürfnis, Neues auszuprobieren und auch mal Grenzen zu überschreiten.

Bei Erwachsenen ist das Bedürfnis nach Sicherheit sehr individuell – da ist jeder anders gestrickt. Vielleicht ist schon was dran, dass jüngere Leute eher frei, ältere lieber abgesichert sein wollen, doch es gibt auch genug Gegenbeispiele: BWL-Studenten, denen ihre Sicherheit heilig ist oder Senioren, die ´aussteigen´ und etwas ganz Neues beginnen, die nach dem Grundsatz ´je oller, je doller´leben.

Sicherheit und Freiheit – beides ist gut und hat in unterschiedlichen Lebensphasen und Bereichen unseres Lebens seine Berechtigung. Ist also alles prima?

Leider nicht, denn das Problem entsteht, wenn wir anfangen, uns nach dem zu sehnen, was wir nicht haben. Und natürlich tappen wir immer wieder in die ´Die-anderen-haben´s-besser-Falle´. Wer fest angestellt ist und einen sicherein Job hat, sehnt sich nach Freiheit und mehr Krativität, Freelancer hingegen nach einer sicheren Auftragslage. Wer in einer festen Beziehung lebt, träumt früher oder später von Liebesabenteuern mit einer/einem anderen, während manch einsames Herz von einer festen Beziehung träumt. Der Hund will auf die Jagd gehen und der Wolf sein sicheres Abendessen. Man kann es halt keinem hundertprozentig recht machen.

Zufrieden kannst du nur dann sein, wenn du erkennst, dass du nicht alles haben kannst. Möchtest du raus aufs stürmische Meer oder lieber im sicheren Hafen bleiben? Beides ist vollkommen okay – aber du musst dich entscheiden und deiner Entscheidung dann auch vertrauen.

(aus „Füttere den weißen Wolf“ von Ronald Schweppe/Aljoscha Lang – Kösel Verlag München)

Der Goldfisch (aus China)

Herr Yu Li besaß einen Teich, darin schwammen die herrlichsten Goldfische. Herr Li war stolz auf seine Fische, und das zu Recht: Sie waren die schönsten im ganzen Reich, und Menschen kamen von weit her, um die prächtigen Fische zu bestaunen. Nur selten verkaufte Herr Yu einen seiner Fische, doch der Preis war dann so hoch, dass Herr Yu ein gutes Auskommen hatte.

Besonders stolz war er auf seinen Jade-Gold-Karpfen, der in reinstem Gold schillerte und wie aus grünem Jadestein geschnitten eine Zeichnung auf seiner Seite trug, die dem Umriss des Landes ähnelte. Herr Yu meinte, dies müsse der Kaiser aller Karpfen sein. Und auch der Karpfen war davon überzeugt, etwas ganz Besonderes zu sein und war sehr stolz darauf.

Als der große Kaiser von den Fischen des Herrn Yu hörte, war er, da er selbst die Goldfischzucht liebte, im Stillen ein wenig eifersüchtig auf dessen Fische. Er beschloss, Herrn Yu aufzusuchen und ihm seinen schönsten Karpfen abzukaufen.  

Herr Yu wurde blass, als ihm der Kaiser angekündigt wurde. Mit einer solchen Ehre hatte er niemals gerechnet, und er fürchtete, sich nicht als würdig zu erweisen. Doch der Kaiser hieß ihn aufstehen, als er sich immer wieder zu Boden warf, und sprach von Liebhaber zu Liebhaber von Goldfischen.

Herr Yu war ein treuer Untertan und fühlte sich vom Vertrauen des großen Kaisers sehr geschmeichelt, und so vergaß er seine Selbstsucht und beschloss, seinem Kaiser seinen schönsten Fisch zu schenken, den Jade-Gold-Karpfen, den Kaiser aller Karpfen. Doch wer war er schon, dass er wählte? So sprach er denn: „Oh Kaiser, wählt den schönsten unter allen meinen Karpfen aus, ich schenke ihn Euch gern, um Euch meiner Treue zu versichern!“

Hocherfreut nahm der Kaiser das Geschenk an und erwähnte nicht, dass er nun umsonst bekam, für was er sonst eine ganze Truhe Gold hingegeben hätte. So stand der Kaiser am Teich und beobachtete die Karpfen, denn deren Schönheit offenbarte sich nicht unbedingt auf den ersten Blick. Herr Yu verstand das Zögern des Kaisers jedoch nicht und sprach: „ Seht doch Herr, hier ist der schönste Fisch von allen!“

Der Kaiser blickte suchend auf den Teich. Dann sah er Herrn Yu fragend an. Der zeigte wieder auf seinen Liebling: „Hier, der Jade-Gold-Fisch – nur er ist Eurer würdig.“

Der Kaiser runzelte die Stirn, dann aber lachte er und klopfte Herrn Yu auf die Schulter. „Du verstehst er zu scherzen, mein Lieber! Der dickste Fisch, prunkvoll glänzend, aber mit grünem Schmutzfleck auf der Seite … gerade den willst du mir schenken? Und all die schönen Prachtstücke wohl für dich behalten?“

„Nnnein“, stotterte der Herr Yu. „Der Jadefleck an seiner Seite – hat er nicht die Umrisse unseres Landes?“

Der Kaiser legte den Kopf schief und betrachtete den Karpfen. „Nun, wo du es sagst. Doch sieh’ den dort hinten, welch wunderbare Form und Schwanzflosse! Darauf kommt es an – diesen wähle ich mir. Unser Dank ist dir gewiss.“

Herr Yu bleib grübelnd zurück. Wie konnte der Kaiser übersehen, dass sein Gold-Jade-Karpfen etwas Besonderes war2

Am nächsten Tag besuchte ihn ein reicher Kaufmann. Auch er wollte unbedingt einen der Fische der Herrn Yu. Geschenkt wie der Kaiser bekam er keinen, doch mittels einer Truhe voller Gold erhielt er das kaiserliche Recht, sich einen der Fische auszusuchen.

Herr Yu wies den Kaufmann nicht auf seinen Liebling hin; doch der Kaufmann erblickte den Fisch sogleich. „Oh, welch ein einmaliges Exemplar!“, rief der Kaufmann. „Die Mooszeichnung an seiner Seite sieht fast wie eine Karte unseres Landes aus.“

„Jade…“, korrigierte Herr Yu, und wurde bleich. Nun würde ihm sein Lieblingsfisch wohl doch noch genommen.

Doch er hattes sich umsont gesorgt. Denn der Kaufmann fuhr fort: „Er ist aber allzu schillernd und der Fleck an seiner Seite … Aber seht, dieser Karpfen dort: Er hat tatsächlich grüne Augen! Den will ich!“

Herr Yu verstand das nicht. Kaiser und Kaufmann hatten die Besonderheit des Fisches nicht erkannt. Er zweifelte an seinem Urteilsvermögen. Nun, er würde es überprüfen. Er würde den nächsten Bettler fragen, welchen Fisch er wählte und ihm diesen schenken – wählte der Bettler seinen Lieblingsfisch, so konnte Herr Yu immerhin wieder seinem Urteil trauen.

Der nächste Bettler wurde in den Garten zum Teich gerufen und vor die Wahl gestellt. Ohne zu zögern rief der Bettler: „Ich nehme den golden glänenden, den mit dem Jadestück in der Form des Landes an seiner Seite!“

Herr Yu wusste nicht, ob er lachen oder weinen sollte. Doch da er ein ehrlicher Mann war, gab er dem Bettler seinen Jade-Gold-Karpfen. Er möge ihm nur bitte sagen, wie er auf seine Wahl gekommen sei.

„Nun“, sprach er Bettler, „das war leicht. Deine Fische, edler Herr Yu, sind alle ganz wunderbar; jeder ist etwas ganz Besonderes. Die Schwanzflossen sind bei jedem besonders lang, die diesem haben sie einen besonderen Schwung, bei wieder einem anderen sind die Schwanzspitzen mit goldenen Punkten geziert. Hier sehe ich einen mit goldenen Augen. Dieser trägt rundgoldene Farben, die das Zeichen für ewiges Leben bilden. Jeder deiner Fische ist ganz wunderbar und einmalig.“

„Aber warum wähltest du dann den Jade-Gold-Karpfen?“

„Nun, auch er ist ganz einmalig: dieser Goldglanz und diese herrliche Jadezeichnung!“

„Der Einmaligste?“, lachte der Bettler. „Aber Herr Yu, was redest du da? Ich habe den Fisch gewählt, weil er der dickste ist und ich seit zwei Tagen keinen Bissen mehr gegessen habe!“

Manches können wir nicht verstehen

Die Washington Post veröffentlichte vor einigen Jahren einen Artikel über ein aufschlussreiches Experiment, das sie selbst in Auftrag gegeben hatte. Ziel der sozialen Studie war es, etwas über Wahrnehmung, Geschmack und Vorlieben von Menschen im Alltag herauszufinden.

An einem kalten Wintermorgen packte ein junger Mann in Jeans seine Geige aus und begann an einer belebten U-Bahn-Haltestelle in Washington D.C. einige Violinenstücke von Bach zu spielen. Zu dieser frühen Stunde passierten rund 2000 Menschen die Haltestelle, die meisten waren auf dem Weg zur Arbiet.

Nach 7 Minuten war eine Frau einen Dollar in den Hut des Straßenmusikers.

Nach etwa 10 Minuten bleib ein Mann eine Weile stehen, um ihm zuzuhören, blickte dann aber auf die Uhr und setzt seinen Weg eilig fort.

Nach 15 Minuten wollte ein dreijähriger Junge dem Geiger lauschen, wurde aber von seiner Mutter weitergezerrt. Ebenso erging es einigen anderen Kindern, die quengelten, weil sie zuhören wollen, jedoch ausnahmslos von ihren Eltern weitergetrieben wurden.

Nach 45 Minuten wurde das Experiment beendet. In diesem Zeitraum waren sechs Leute stehen geblieben, rund 20 hatten im Vorbeigehen achtlos einige Münzen in den Hut geworfen – die Gesamteinnahmen des Straßenmusikers beliefen sich auf rund 30 Dollar. Kurz darauf packte der junge Mann seine Geige wieder ein und verschwand.

Was niemand wusste: Bei dem ´Straßenmusiker´ handelte es sich um keinen anderen als um Joshua Bell, einen der größten Geiger unserer Zeit. Er spielte auf seiner Violine im Wert von 3,5 Millionen Dollar und hatte dieselben Bach-Sonaten am Abend zuvor in Boston vor ausverkauftem Haus gespielt -die Eintrittskarten zu durchschnittlich 100 Dollar. 

Die Fragen, die das Experiment aufwirft, sind einfach. Die Antworten auch:

Wird Schönheit im Alltag erkannt? – Nein.

Wird das Besondere wahrgenommen? – Nein.

Wird Talent erkannt? – Nein

Wie konnte Herr Yu davon ausgehen, dass der Kaiser, der Kaufmann oder der Bettler die Besonderheit seines erlesenen Goldfisches hätten erkennen müssen?

„Manches können wir nicht verstehen …“ Macht aber nichts. Bleibe gelassen. Und außerdem: Wer weiß schon, ob das, was du so besonders findest, es auch wirklich ist? Es ist nicht hilfreich, sich zu viel auf seine Leistung, sein Aussehen oder seinen Besitz einzubilden. Wenn du dem Besonderen zu viel Aufmerksamkeit schenkst, ist auch das nur eine Form von Anhaften, die dich letztlich ein bisschen weniger offen und ein bisschen weniger frei macht. Und mehr noch: Was dir besonders erscheint, scheint jemand anders vielleicht ganz langweilig und uninteressant. Welche Zeitverschwendung ist es daher, etwas Besonderes sein zu wollen, oder gar andere davon zu überzeugen zu wollen. Zumal du dir klarmachen solltest: Etwas Besondereres als dich gibt es ohnehin nicht, denn du bist einmalig im ganzen Universum!

(aus „Füttere den weißen Wolf“ von Ronald Schweppe/Aljoscha Lang – Kösel Verlag München)


Eder Kalif und der Flickschuster

Harum Al Raschid, der Kalif von Bagdad, liebte es, in Verkleidung durch die Straßen seiner Stadt zu gehen und zu hören, was die Nöte und Wünsche seines Volkes seien. Mal trug er das Gewand eines Bettlers, dann eines Kaufmanns, dann eines Schmiedes – doch nie war er erkannt worden und er war stolz darauf.

Nun aber hatte er etwas Besonderes im Sinne: Er suchte einen neuen Ratgeber, der weise und gütig war, und dem er vertrauen konnte. An seinem ganzen Hof hatte er so einen Mann nicht gefunden. Und nun war er in Verkleidung schon eine ganze Woche durch die Stadt gewandert und hatte mit Menschen aller Stände gesprochen – doch keiner dünkte ihn weise genug für diese Aufgabe.

Am Abend des siebten Tages folgte er einem Flickschuster und sprach ihn an. „Lebst du gut von deinem Gewerbe?“, fragte der Pilger.
„Oh ja, ich bin Flickschuster – und auch die besten Schuhe bedürfen einmal der Reparatur. Ich gehe früh jeden Morgen los und, bislang hat sich noch immer genug Arbeit gefunden.“

„Und was ist, wenn du morgen keine Arbeit findest?“

„Ach morgen“, lachte der Flickschuster. „Morgen kommt, und ich werde sehen, was es bringt. Gepriesen sie Allah.“

Der Pilger, der in Wahrheit der Kalif war, bedankte sich bei dem Mann uns schmunzelte. Der Mann war arm, aber er hatte das Herz auf dem rechten Fleck. Doch das redet sich leicht. Der Kalif beschloss, den Mann zu prüfen.

Am nächsten Morgen staunte der Flickschuster nicht schlecht. Überall in der Stadt stand angeschlagen, dass der Kalif die Flickschusterei in der Stadt verboten habe. Welch merkwürdige Einfälle der Kalif hat! Nun, dann werde ich eben Wasser tragen. Wasser brauchen die Menschen noch nötiger als Schuhe!

Am Abend traf er wieder auf den Pilger, der in Wahrheit der Kalif Harun Al-Raschid war. Der Kalif sprach: „Mein guter Mann, ich hatte Sorge um dich – hat nicht der Kalif die Flickschusterei verboten?“

„Oh ja, doch so trage ich nun Wasser und verdiene damit mein Brot.“

„Und was ist, wenn du morgen keine Arbeit findest?“

„Ach morgen“, lachte der Flickschuster. „Morgen kommt, und ich werde sehen, was es bringt. Gepriesen sie Allah.“

Am nächsten Morgen fand der frühere Flickschuster und jetzige Wasserträger, dass nur noch Wasserträger arbeiten durften, die eine besondere Erlaubnis des Kalifen hatten.

Welch merkwürdige Einfälle der Kalif hat! Nun, dann werde ich eben Holz verkaufen. Alte und Schwache brauche Holz zum Kochen, aber sind zu schwach, es zu hacken und zu sammeln. So werde ich Arbeit finden.

Am Abend traf er wieder auf den Pilger, der in Wahrheit der Kalif Al-Raschid war. Der Kalif sprach: „Mein guter Mann, ich hatte Sorge um dich – hat nicht der Kalif das Wassertrage verboten?“

„Oh ja, doch so hacke ich nun Holz und verdiene damit mein Brot.“

„Und was ist, wenn du morgen keine Arbeit findest?“

„Ach morgen“, lachte der Flickschuster. „Morgen kommt, und ich werde sehen, was es bringt. Gepriesen sie Allah.“

Am nächsten Morgen ging der ehemalige Flickschuster und Wasserträger und jetzige Holzhacker zeitig los; doch er kam nicht weit, da hielt ihn der Hauptmann der Wache an: „Hey du: Weißt du nicht, dass jeder, der eine Waffe trägt, einmal die Woche Dienst in der Palastwache tun muss?“ Damit nahm er ihm die Axt ab und gab ihm ein Schwert. „Heute Abend kommst du pünktlich zu Sonnenuntergang zum großen Tor des Palastes unseres Herrn Harun Al-Raschid.“

So stand der Flickschuster auf einmal mit einem Schwert da. Wie sollte er nun etwas zu essen verdienen? Er besann sich ein wenig, dann ging er zum Schmied und gab ihm das Schwert als Pfand für ein paar Münzen für sein Mahl. Daraufhin nahm er ein Stück Holz und schnitzte daraus ein Schwert, das genau in die Scheide passte.

Als er sich zu Sonnenuntergang am großen Palasttor einfand, grüßte ihn der Hauptmann. „Du kommst gerade recht. Ein Gefangener muss hingerichtet werden – und diese Aufgabe kommt immer dem neuesten Diensttuenden zu.“

Der Flickschuster wurde bleich. Er wollte keinen Menschen töten. Er bedachte sich kurz, dann warf er sich zu Boden und rief: „Oh Allah, wenn dieser Mensch den Tod verdient hat, so lass mein Schwert scharfer Stahl sein. Hat er den Tod aber nicht verdient, so lass mein Schwert aus Holz sein!“

Dann zog er sein hölzernes Schwert und alle Anwesenden staunten. Nur der weise Herrscher Harun Al-Raschid nicht, der endlich seinen neuen Ratgeber gefunden hatte.

Drei Eigenschaften sind es, die den Flickschuster vor der Macht des Negativen schützen:

1.   Vertrauen: Der Flickschuster sorgt sich nicht um die Zukunft. Er vertraut auf seine höhere Macht und darauf, dass sich schon immer etwas finden wird. Wer aber frei von Sorgen ist, der ist auch frei von Furcht und kann unbeschwert und gelassen leben.

2.   Flexibilität: Wenn ich keine Schuhe flicken kann, dann trage ich eben Wasser. Wenn ich kein Wasserträger mehr sein darf, dann hacke ich eben Holz. Der Flickschuster ist sehr einfallsreich. Er verhält sich wie ein Fluss: Sobald ein Hindernis auftaucht, fließt er einfach sanft daran vorbei und bleibt somit unbeschadet. So flexibel und anpassungsfähig zu sein, gelingt ihm aber nur, weil er keine inneren Widerstände gegen das Sein aufbaut. Er ist genügsam und lebt nach dem Grundsatz: „Das ist auch in Ordnung.“ Und diese Anspruchslosigkeit ist die Voraussetzung dafür, auch mit schwierigen Umständen kreativ und offen umgehen zu können.

3.   Güte: Am Ende der Geschichte nutzt der Flickschuster seinen Einfallsreichtum, um den Gefangenen nicht töten zu müssen. Der Trick mit dem Holzschwert ist natürlich großartig. Wir dürfen nicht davon ausgehen, dass wir zur richtigen Zeit immer die richtige Idee haben, doch keine Sorge: Mitgefühl ist auch ohne Holzschwert eine wunderbare Sache, die dich wirkungsvoll davor schützt, dass der schwarze Wolf fett und mächtig wird.

 (aus „Füttere den weißen Wolf“ von Ronald Schweppe/Aljoscha Lang – Kösel Verlag München)

Tempora mutantur, et nos mutamur in illis.
(Die Zieten ändern sich u. wir uns in ihnen)  Kaiser Lother I